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Marburg, Freitag, den 12. Januar.

Oderhessische Zeitung.

grschemt täglich auf: er den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal der Qberhrsfischeu Zeitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 281 Gar., durch die Postämter 27 ®gr. tt Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für daS Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreauö nehmen Inserate an.

*Marburg, 11. Januar 1872.

PaS alte Preußen im neuen deutschen Reich" beißt der Leitartikel derProv.-Corr.", der b-sonderS die Verschmelzung Preußens mit dem neuen deutschen Reiche behandelt und ausführf, daß in dem deutschen Reiche bereits der beste Grund gelegt ist, um die Aufgabe zu lösen. Die Vereinigung eines wirklichen ernsten Kaiserthums mit einer innerlich freien und selbständigen Bewegung der Einzelstaaten und zugleich mit einer wahrhaft mächtigen Gesammt- verlretung des deutschen Volkes

Uebcr die österreichische Finanzminister- Frage schreibt die WienerMontagsrevue":Die Ursachen, warum £crr v. Holzgcthan vorläufig auch im Cabinette des Fürsten Adolf Auersperg als Schatz­kanzler beibehalten werden konnte und beibehalten wurde, sind mannigfacher Natur. Während der gegen­wärtige Ministerpräsident mit Bestimmtheit erklärte, Herrn v. Grocholski aus her Hoheuwart'schcn Erb schäft nicht herübernehmen zu können, weil dieser Mi­nister für Galizien sich viel zu sehr mit der Politik der Fundamental-Artikel identificirt hatte, gab es bei Herrn v. Holzgcthan dieses entscheidende Motiv nicht: Es ist notorisch, daß der Finanzminister sich während der letzten ReichSrathssession zu sehr vielen Mitglie­dern beider Häuser ganz offen und rückhaltlos als Centralist" bekannt hatte: es ist gewiß, daß ihn Graf Hohenwart wohl eben deshalb ganz außerhalb jeder Kenntniß seiner Politik und des Verlaufes der unterschiedlichen Ausgleichsverhandlungen ließ; eS ist schließlich eine unanfechtbare Thatsache, daß Herr v. Holzgethan, als er endlich gleichzeitig mit der übrigen Welt die Fundamentalariikel las, sich mit einer Entschiedenheit dem Widerstande der Grafen Beust und Andrassy anschloß, von der Eingeweihte behaupten, daß sie in Folge des Vertrauens, dessen sich dieser Mann beim Kaiser erfreut, von ausschlag­gebender Wirkung gewesen sein soll. Tas sind die Gründe, warum Fürst Auersperg den Finanzministcr seines Vorgängers in sein Cabinet aufnehmen konnte. Ebenso einfach liegen auch die Motive, warum sich der Fürst zu diesem Schritte entschtoß. Das Budget war fertig, als bas neue Cabinet iustallirt wurde; nicht blos durchberathen und festgestellt, sondern auch vollständig gedruckt und bereit zur Vorlage an den Reichsrath, an roelten Herr v. Holzgethan nach wie

vor glaubte. Zeit zur neuerlichen Durchberathung und Fixirung oder gar zur Drucklegung gab es nicht mehr. WaS war natürlicher, als daß das Ministerium Auersperg es gar nicht ungern sah, wenn der Finanz­minister , der den Staatsvoranschlag ausgearbeitct hatte, ihn auch dem Reichsrath unterbreitete und da­mit gleichsam die Verantwortlichkeit, die naturgemäß der neuen Regierung nicht zufallen konnte, allein auf seine Schultern nahm?"

In Bezug auf den Sieg Vautrain'S über Victor Hugo bei den Ergänzungswahlcn zur Nationalver­sammlung in Paris schreibt dieRepubl. Franyaise": Die Wahl des Herrn Vautrain ist ein Sieg für die republikanische Partei, der beide Candidaten angehör­ten. Die monarchische Partei war vom Kampfplatze desertirt, man wird sie nach den unbeschriebenen Wahl­zetteln und den individuellen Voten zählen. Der Er­wählte, unterstützt von allen Organen der Regierung, hatte sich präsentirt als Besitzer der Machtvollkommen­heit, die Versammlung nach Paris zurückzuführen und die Wünsche nach Beruhigung und Milde zn verwirklichen, die in allen Pariser Herzen sind. Er hat triumphirt. Die republikanische Partei hat sich gespalten. Wir glauben noch immer, daß sie Unrecht gehabt hat, sich nicht ganz und gar auf die Seite desjenigen Candidaten zu stellen, der ihren lezitinien Ansprüchen die klarste Form gegeben hat. Im Bezug auf die Unterredung deS Grafen Arnim mit Herrn ThierS bei Uebcrreichung seiner Creditive sagt dieAgence HavaS":Unsere Beziehungen zu der deutschen Regierung find so zufriedenstellend, als die gegenwärtige Lage der Dinge nur irgend erwarten läßt. Bezüglich des Besuchs, den Graf Arnim dem Herzog von Aumale gemacht hat, läßt sich die Jndcp. beige" auS Versailles schreiben, daß man im deutschen Botschaftshotel erklärt habe, derselbe sei kein politischer Besuch gewesen, sondern habe nur die Be­glückwünschung deS Herzogs wegen der Ernennung zum Mitglied dec Academie bezweckt.

~ Der bisherige englische Generalconsul in St. Miguel (Azoren), E. I. Monson, ist zum Ge- neralconsul sür das gesammle Königreich Ungarn mit den, Sitze in Pest ernannt worden. In London eingetroffenen Nachrichten zufolge ist die deutsche Fre­gatteNiobe" am 11. December in Barbados uud

Der Tag z« Kassel.

Historische Erzählung aus der Jugendzeit Philipp des Großmüthigen.

Bo» 58$. Bennecke.

(Fortsetzung.)

In einem Erkerzimmer deS Kasseler Schlosses, welches nach dem Arm der Fulda hinausging, der das Schloß nach dem unteren Baumgarten hin umgab, umstand ein Kreis von Diänncrn ,einen kleinen schmäch­tigen Knaben mit blondem Haar, hoher Stirn und großen blitzenden Augen, dessen Kleidung zwar rein­lich gehalten, aber keineswegs von Luxus zeugte. Dieser Knabe war Philipp von Hessen, welchem die Zeitgenossen später den Namen der Großmmhige beilegte. Vor ihm standen im hermclinverbrämten Kleide die Herzöge von Sachsen und der Herzog don Braunschweig, neben ihm sein Lehrer Dr. Friederich Greben und Ludwig von Boyneburg, der Landhof Meister.

Es wird nothwendig werden, daß Euer Liebden diese Stadt verlassen!" sprach Johannes von Sachsen zum jungen Lanvgrafen gewandt.Habt Ihr nicht das Schießen gehört, die Bürger fangen an, auf- rührisch zu werden, auch die Stände sind schwierig geworden, ohne Grund und Rechtl"

Philipp von Hessen hatte seine Augen aufmerksam auf den Sprecher gerichtet; jetzt trat er an ein Sei­tentischchen, nahm ein Buch von demselben, schlug es aus und reichte es dem Herzog hin mit den Worten: »Beliebt zu lesen, Gnaden von Sachsen, was der Prediger sagt!"

Johann ergriff erstaunt daS Buch und las mit lauter Stimme:

Wehe dir Land, deS König ein Kind ist!" Boyneburg machte eine unwillige Bewegung.

War wollen Liebden damit sagen?" fragte Her- ö°g Johann. Mst Spannung blickten alle Anwesenden 4uf den fürstlichen Knaben.

Glaubt nicht, daß ich verkenne, daß ich noch ein Kind bin, und man mich für ein solches hält!" entgegnete dieser.Was nun das Land anbelangt, jo Gott uns gegeben hat, und das Recht unserer Unter« thanen, die Form deS Staates, so wie die Leitung und Verwaltung desselben, so macht dies Alles mir viel Betrübniß, da ich kaum glauben kann, daß cS möglich ist wenn jener Satz wahr ist daß die Verwaltung Hessens,, dessen Fürst ein Kind ist, nach Recht und Gesetz geführt wird. Oh, ich bin nicht wenig besorgt, daß unsere Unterthanen unbillig be­handelt werden!"

Die umstehenden Fürsten wechselten bei den Worten des jungen Landgrafen befremdende Blicke, während Ludwig von Boyneburg finster, aus seinen zukünftigen Herrn blickte.

Hat Euer Liebden dies von dem Magister ge­lernt?" fragte der Herzog von Braunschweig. ,

Nein, Gnaden von Braunschweig!" gab Philipp zurück.Ich habe mit Doctor Roland in dem Pre­diger gelesen und jenen Spruch gefunden. Da ließ es mich nicht ruhen, schon lange habe ich daran ge­dacht"

Schon gut!" unterbrach ihn Johann von Sichsen. Tas Land ist aufgewiegelt, Eure Sicherheit bedroht Ihr müßt diese Stadt verlassen und sollt fortan an meinem Hofe wellen. Macht Euch zur Reise bereit! Einstweilen geht in Euer Closet zurück!"

Philipp von Hessen verneigte sich vor den Fürsten und ohne Wtederrede verließ er an der Hanv seines Lehrers, welcher, ein alter Diener Wilhelms des Mitt­leren, während dem Gespräch kaum seine Fassung be­hauptet hatte, daS Gemach.

Er hat einen frühreifen Geist!" äußerte Herzog Johann, als jene Beiden sich entfernt hatten.

Er wird ein gottesfürchtiger Fürst werden!" be­merkte Heinrich der Fromme von Sachten.

die CorvetteGazelle" am selben Tage in Port au Prince angekommen.

Die griechische Deputirtenkammer wurde durch ein königliches Decret aufgelöst.

Der britische Botschafter bei der Pforte, Elliot, ist am Montag von Konstantinopel abgereist.

Aus Newyork wird unterm 9. telegraphirk: Dec commandirende General der Militärdivision des Sü­dens, Generalmajor H. W. Halleck, ist gestorben. Meldungen aus Mexiko zufolge soll der - lnführer der Insurgenten, General Porfirio Diaz, ir .vci größeren Gefechten Niederlagen erlitten haben.

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Deutsches Reich.

Berlin, 10. Januar. Die gestrige Sitzung des Abgeordnetenhauses hat die von gewisser Seite mit vielem Geräusch angekündigte Polizeidebatte vor sich gehen sehen. Man wird nicht bezweifeln, daß mit großer Freimüthigkeit gestern Gebrauch gemacht ist, Rügen und Beschwerden, die bereits durch die Presse Besprechung gefunden haben, anzubringen. In Bezug auf die Ausführlichkeit der Motivirunz der Beschwer­den bleibt gewiß Nichts zu wünschen'übrig, aber alle diese Ausführungen wurden und das ist mit Be­friedigung zu conftatiren nicht mit jener Leiden- fchaftlichkeit und Gehässigkeit gemacht, die man nach ven Besprechungen der Presse hätte voraussehen müs­sen. Die sehr ruhige und besonnene Haltung des Grafen Eulenburg hat gewiß dazu beigetragen, den Verhandlungen den Character parlamentarischen An­stands zu wahren. Wie sehr eine solche Annahme berechtigt ist, beweist auch ein Artikel derBörsen- Zeitung", welcher der Haltung deS Ministers deS Innern großes Lob spendet. Dieser günstige Eindruck von dem Auftreten deS Grafen Eulenburg wird auch in allen verschiedenen Parteiorganen conftatin und eS ist dem gegenüber umsomehr zu bedauern, daß daS Abgeordnetenhaus nicht ein gleich freundliches Entge­genkommen dem Minister zeigte; denn die Beschlüsse des Hauses über Polizeiverwaltung werden doch auf Seiten der Regierung große Bedenken haben.

Die heutigeProvinzicn Correspondenz" bringt den Wortlaut der Rede des Grafen Eulenburg, welche derselbe gestern gehalten und man kann nach Durch- lesung derselben gewiß sagen: der Minister ist mit vollstem Verständinß, mit aufrichtigster Versöhnlichkeit

Ein Trabant trat ein und flüsterte dem Landhof­meister einige Worte zu.

Die Grafen Thum und Taubenhain sind mit dem Handwerker zurück!" meldete Boyneburg den Fürsten.

Führt sie herein!" befahl Johann von Lachsen. Jene zwei Männer, welche Meister Sauerwein gesucht hatten, traten mit Andres in das Zimmer.

Ist das der Mann, welcher die Sache übernehmen will?" fragte Johann.

Der Meister hatte vor den Aufrührern die Stadt verlassen müssen," antwortete Friedrich von Thum, ter Aeltere der beiden Ritter.Dies ist der Gesell, für ihn bürgt des Seilers Weib."

Unterweist ihn, was er zu thun hat, Landhof­meister!" wandte sich der Herzog von Sachsen an Ludwig von Boyneburg.

Tritt an's Fenster, Geselle!" herrschte dieser An- treS an,und miß die Tiefe. Hier sollst Du Deine Seile so anbringen, daß an ihnen ein lebendes Wesen ohne Gefährte hinab in einen Kahn gelassen werden kann. Wähle Deine Stricke gut, Du stehst mit Deinem Kopf dafür, wenn einer bricht, oder wenn dem, der sich an ihm hinabläßt, ein Leid widerfährt! Geh' so­gleich an's Werk! Du bleibst allein hier, und in Ge­wahrsam, bis Du Deine Arbeit vollendet! Siche Dich vor, mit Deinem Leben stehst Tu uns ein. Hast Du Deine Arbeit beendet, so klopfe an der Thürc!*__

(Fortsetzung folgt.)

8i»tn tuH) Löwenbändiger. *)

Vor wenigen Tagen es war am 3. Januar __

rrlcbte die englische Stadt Bolton ein grauseuerregendeS Schauspiel. Auf dem Marktplätze hatte ein Menazerie- besitzer seine Lude aufgeschlagen, in welcher an dem Abende des genannten Tages der einarmige Löwen­bändiger Massarti (ein Irländer au» Cork, mit seinem

) AuS derKölnischen Zeitung".