seitdem bereits zahlreiche Proben seiner eminenten Geschicklichkeit abgelegt, ist in der letzten Nacht endlich bei einem neuen Einbruch ergriffen.
Kiel, 5. Jan. In Gravenstcin ist, wie voraus zusehen, Hofbesitzer Ahlemann Werthemine, in HaderS- leben Kryger - Beftoft zu LandtagSabgeordncten von der dänischen Partei wiedergewählt worden.
Bremen, 8. Jan. Zum Director der deutschen Nationalbank wurde R. Baffamann, zuletzt Director der Rheinischen Crrditbank und vordem Leiter der Frankfurter Filiale von Kösier u. Comp., ernannt.
Darmftadt, 6. Jan. Der Grobherzog hat für da« Jahr 1872 folgende Personen zu außerordentlichen Mitgliedern deS Staatsraths berufe», nämlich: 1) den wirkt.chen Gehcimerath Dr. Rinck; 2) den Präsidenten der Obermedicinal-Direction Dr. Goldmann; 3) den Präsidenten des Oberconsistoriums Kritzler; 4) den Präsidenten des HofgcrichtS 'der Provinz Starkenburg Dr. Krug; 5) den Director des Oberappellationsund CassationSgerichtS Dr. Müller; 6) den Geheime- rath Schleiermacher; 7) den Geheimerath v. Rodenstein; 8) den OberappellationS- und Castationsge- richtsrath Dr. HallwachS; 9) den Ministerialräth Fischer.
München, 7. Januar. Der König wird Ende dieser Woche von Hohenschwangau zurückkehren, und eS sollen dann einige Hoffestlichkeiten stattfinden. — Gutem Vernehmen nach beschäftigt man sich im Ministerium mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes, welcher die Conscription und im Fall einer Mobilmachung die Expropriation der Pferde ermöglichen soll. Bekanntlich bestehen derartige Gesetze nicht nur in Preußen, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern. — Laut königlicher Ordre ist vom 1. Januar angefangen der Fahncneiv für die bayerische Armce dahin erweitert worden, daß demselben der Zusatz angehängt wird: „Auch schwört Ihr, im Kriege den Befehlen Seiner Majestät veS deutschen Kaisers als Bundcsfeldherrn unbedingt Folge zu leisten." Die von den zu Verpflichtenden nachzusprechende Stabung, welche lediglich eine Bekräftigung und ein Angelöbniß des Vorgehaltenen ist, bleibt unverändert. Die loyale Erfüllung der Bundespflichten von Seite Bayerns, daö im Reichstag gesprochene: „Bayern hält sein Wort!" findet auch durch diese Verfügung neue Bestätigung.
Oesterreich - Ungar». -
Wie«, 6. Januar. Man sieht mit einiger Be- sorgniß der Adreßdebatte entgegen, denn in derselben muß sich bereits zeigen, ob die Regierung kräftig genug ist den Widerstand, der ihr von den Föderalisten entgegengesetzt wird, zu beugen. Man erkennt, daß die Sache nicht so leicht, will man eben nicht einfach zur Geivalt seine Zuflucht nehmen. Die vorangcgan- gene Periode hat derart auflösend gewirkt, daß die Opposition gar kein Gßjetz anerkennen will, das nicht ihrem Belieben entspricht und eiu Verdienst darin erkennt, jeder gesetzlichen Autorität Hohn zu sprechen. Alles hängt jetzt davon ab, ob es gelingt, mit den Polen zu einer Verstindigung zu gelangen. Vorläufig trachtet man sie durch daö Versprechen, ihre Angelegen heit mit allem Ernst in Angriff zu nehmen, dahin zu bringen, daß sie daS-Budget verwilligen, worauf dann das HauS auf 6—8 Wochen vertagt würde, um die Verhandlungen außerhalb desselben zu führen, und daS Haus nur, so zu sagen, den Schlußpunkt und die Unterschrift unter daS getroffene Uebereinkommen zu setzen hat. Man beruft sich auf eiu analoges Vor-
Häuflein Lanzknechte und Bannenträger, welche das Chursächsische und daS Churbrandenburgische Panier wehen ließen, erschien Graf Philipp der Aeltere von Waldeck. Die Trommel wurde gerührt und der Graf redete die herbeieilenden Bürger mit freundlichen Worten an.
„Haben sich nicht allezeit die Obervormündcr als freundliche und milde Herren Euch gegenüber gezeigt?" fragte er sie. „WaS für Klagen könnt Ihr führen? Laßt Euch nicht durch Aufwiegler verleiten, die nicht das Heil der Stadt, wohl aber ihr Verderben bezwecken! Lastet den Zwist, der zwischen den Mächtigen entbrannt, auch die Mächtigen schlichten und danket Gott, daß der Bürger sein Hab' und Gut nicht ein- zusetzen hat. Geht nach HauS! Geht an Eure fried lichen Gewerke! Dem Landgraf, Eurem jungen Herrn, wird sein Recht schon bleiben. Jeder sucht es ihm ja zu erhalten, wen» auch auf seine eigene Weise. Eure Stadt wird keinen Schaden leiden, wenn Ihr sie nicht selbst zu Schaden bringt. Deshalb kehret in Eure Werkstätten zurück und haltet Frieden und danket de» Fürsten für ihre Milde!" —
Die Rede des Grafen Waldeck erfüllit ihren Zweck, anfangs zögernd und grollend, aber bald schneller und auf Meysenbug'S Rufen kein Gehör mehr gebend, verließ die Menge den Platz vor dem Schloß.
Philipp Meysmbug war einer der letzten, welche in eine Seitengaste verschwanden. Verachtung drückten alle Züge seines fieberhaft erregten Gesichtes aus.
„Elendes Volk!" keuchte er vor sich hin. „Schwan
gehen mit Ungarn, jedenfalls ist es leichter im Jdeen- Austausch mit Einzelnen zu einem Endziel zu gelangen, als wen» die Sache sofort einer auS den verschieden artigsten Elementen" zusammengesetzten Körperschaft überlassen wird. Da kann ein Mißten Alles scheitern machen, während im mehr privaten Verkehr die Rück sichten viel weniger zu beobachten sind.
Frankreich.
PariS, 5. Ja». Die Acten des ProcesteS Du- panloup-Littrv schwellen gewaltig au. E« sind ihnen heute drei neue Actenstücke hinzuzufügen. Erstens ein (vielleicht apokrypher) Brief deS Papstes, welcher seine volle Billigung zu dem Rücktritt Dupanloups ausspricht. „Du warst in eine Gesellschaft gewählt worden," schreibt Pius dem ticbeii Sohne, „welche sich nicht geschämt hat, nach Dir eine durch ververbte Lehren befleckte Seele zuzulaste», einen jener Männer, von denen St. Marcus sagt: Sie sehen nicht Die Finsternisse ihres Gewissens und sie hegen den Stolz ihrer Schmach. Du hast nicht geglaubt, deinen Platz in dieser Gesellschaft bewahren zu müsfen, und der Act der Entsagung und Demuth, durch welchen Du Dich weigerst, einen Bund mit dem Ungerechten zu schließen, hat die Herzen oer Katholiken mit reiner Freude erfüllt." Sodaim ein langer Brief Dupanloups an das „Journal des DcbatS." Es war dem Prälaten offenbar empfindlich, von dem Organ der Academie verspottet zu werden; er rechtfertigt sich nicht ungeschickt und hebt hervor, wie große Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und den DebatS bestehen, wo es sich um die Rolle der Academie, um die Gefahren der Gesellschaft, um den Gebrauch der Freiheit handelt. „Sie zeigen im „Journal des De- bats'" schreibt er, „trotz Ihrer Literatur, sehr häufig jene Leichtfertigkeit, welche der Intelligenz und dem Gewissen des Publikums gefährlich ist." Das dritte Actenstück ist daS Protokoll der gestrigen Sitzung der Acadcmie. Die meisten der jüngeren Academiker, an ihrer Spitze Lögouvs, sprachen die Ansicht aus, man müsse die Entlassung DupanlonpS annchmen; aber Guizot bewirkte durch eine längere Rede, worin er viel Gutes von seinem lieben Freund und Bischof sagte, daß man die Sache beruhen lasse und einfach zur Tagesordnung übergehe. Die Akademie hat Guizot den in diesem Jahre aus ihren Antheil kommenden literarischen Preis Napoleons III. zuerkannt. Alle 2 Jahre wird 'ber Preis durch eine der Sectionen des Instituts verlheilt. Es war, wie der „Gaulois" be hauptet, an George Sand gedacht worden, aber Vitet beseitigte diesen Gedanken entrüstet mit dem Ausrufe: „Dieser literarischen Petrrleuse? Niemals." Und da wir einmal an der Academie sind, so sei noch erwähnt, daß ein anderes Mitglied derselben, Victor de Laprade, zugleich Mitglied der Nationalversammlung, daS verächtliche Blatt in Bourg, „Le Chatiment," Journal antiprussien, durch freie Poesien beglückt, die nichts sind, als ein Gewebe von rohen Angriffen gegen Deutschland. Er bittet u. A. die Redaction, ein Gedicht auf die Deutschen in den Spalten des „Chatiment" aufzunehmen, wodurch „der bete germanique eine scharfe Nadel in ihr dickes Fell getrieben werden würde." Der „Chatiment" darf in den Pariser Buchläden verkauft werde» und findet dort sehr großen Absatz.
Troßbritarmic».
London, 6. Jan. Unsere Blätter befassen sich angelegentlich mit einer Frage, die durch die langwierige Krankheit des Prinzen von Wales in den Vordergrund
kendes Rohr im Winde! Heute so, morgen so! Pfui, ich verachte Dich! Wehe dem, der Dir vertraut!"
(Fortsetzung folgt.)
Die SBithutge» der einzelnen Waffe» im letzte» Kriege.
Der „Elberf. Ztg." wird aus Berlin mitgetheilt: Neuerdings haben genaue Ermittelungen über die Wirkung der einzelnen Waffen im Kriege stattgefunden, welche in Verbindung mit und im Vergleiche zu denselben Ermittelungen über die Feldzüge von 1866 eine Reihe nicht uninteressanter Anhaltspunkte bieten.
Die Zahl der in dem letzterwähnten Feldzuge verfeuerten Zündnadelpatronen kann rund auf 2,000,000 angenommen werden, wogegen die deS letzten Feldzuges wahrscheinlich 25,000,000 Patronen noch über schritten hat. Nicht dem entsprechend hat sich das Treffverhältniß in beiden Kriegen gestellt.
Während nämlich nach dem Ausweis der durch Gewehrkugeln verwundeten oder getödteten Oesterreicher sich 1866 15 Procent Treffer ergeben hatte», können auf Grund der gleichen Berechnung von 1870 — 1871 höchstens 3/< Procent Treffer constatirt werden. De» einzelnen Waffe» nach hat sich wieder »ach Ausweis der stattgehabten Verletzungen das Gewehrfeuer in seiner Wirksamkeit ver Artilleriewirkung um 5 bis 9 Mal und der Reiterwaffe um 30 bi« 50 Mal überlegen auSgewiesen.
Unter 3453 deutschen Verwundeten vor Metz waren so beispielsweise 95.5 Procent durch Chasse potkugeln, 2.7 Procent durch Artillerie-Geschosse und
gebracht worden ist: wie nämlich die Leibärzte, welche die ganze Zeit über am Bette deS Thronerben ausgehalten , belohnt werden sollen. Die Verluste an Honorar, welche diese Herren in der Zwischenzeit erlitte,i habe», sind angeblich so ungemein groß, daß man es nicht wohl für möglich hält, sie im Verhältnisse zu ihren gewöhnlichen Einnahmen zu bezahlen. Die Erhebung zum Baronet ist nur bei denen möglich, welche nicht schon früher Standeserhöhung erhielten. Der Bathorden in Civil- wie Militärklasse ist für StaalSdiener und Staatsdienste Vorbehalten. Die Pairie ist nie zuvor an einen Arzt verliehen worden, und wegen deS unbedingt nöthigen Vermögens konnte ein Präcedenzfall manche Schwierig? iten bringen. Unter solchen Umstände» lautet der neueste Vorschlag dahin, eine Anzahl verdienter Aerzte mit dem Titel Right Honourable zu Mitgliedern des geheimen StaalScathes zu machen. Anch zugegeben, daß eine entsprechende Honorimng unmöglich sei — was immer- hin befremden mag, wenn der Patient der Thronfolger ist —, dünkt uns doch, daß die betreffenden Aerzte einen ganz außerordentlichen Vortheil allein dadurch genossen haben, daß ihre Namen unter den unzählige» Bulletins aus Sandringham zu lesen waren. Eine bessere Reclame konnten sie sich nicht wünschen, und man darf überzeugt fein, daß viele sehr tüchtige Aerzte dieselbe sehr gern durch die selbst unentgeltliche Aufopferung von zwei Monaten erkaufen würden.
Italien.
Rom, 5. Jan. Die Opinione hat wieder einmal den Finger auf einen wunden Fleck -deS italienischen Staatslebens gelegt. Die Finanzverwaltung hat,' wie jene- Blatt mittheilt, im Jahre des Heils 1870 nicht weniger al« 10,337 Processe geführt und dadurch über 64 Millionen Unkosten gehabt. Ein wahrer Scanval, zu dessen Würdigung man hinzufügen muß, daß die Processe der Finanzverwaltung im Jahre 1863 sich auf 6172 bezifferten und etwas über 18 Millionen kosteten, und daß Zahl und Kosten dieser Händel seit jener Zeit in beständiger Zunahme begriffen sind. ES kommt Da«, von manchen geringfügigere» Ursachen abgesehen, von der unpraktischen Art und Weise, mit der die Regierung ihre Conlracte abzuschließen pflegt, und dann von Der enormen Schar von Advocaten und Anwälten, die der Staat für seine Processe salarirt. Ein Regiment von 740 Rechtsgelehrten würde bei einer ordentliche» Verwaltung den Bedürfnissen sämmtlicher Staaten von Europa genügen, wie viel mehr denen Italiens, dem seine schlimmere Finanzlage einen derartigen juristischen -Luxus wahrhaftig nicht gestattet.
Kußlantz und Polen.
Petersburg, 2. Januar. Die Aufhebung der Stellvertretung beim Militär, welche durch Verfügung vom 14 November erfolgt ist, kann als eine wichtige Uebergangsmaßregel zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht bezeichnet werden. Die Stellvertretung bildete immer eine Art von Menschenhandel, und hatte in der Hauptsache auch die äußere Form des Handels. Es war dadurch ein besonderer Industriezweig, die Unterhäudlerschaft bei Annahme des Stellvertreters, erzeugt worden. Die Leute wurden durch die Unterhändler betrunken gemacht, in Schulden verwickelt oder auf andere Weife ins Netz gelockt und bann förmlich verkauft. Das Gesetz verbot zwar streng jede Unterhändlerschaft, war aber, da dieselbe nicht immer juridisch nachzuweisen war und durch die kleinen Mißbräuche von Seiten der Beamten unterhalten wurde, meist ein todter Buchstabe geblieben. Durch das Ge-
nur 0.8 Procent durch blanke Waffe verwundet worden. Die Wirkung der deutschen Artillerie stellt sich jedoch bedeutend höher, nämlich auf etwa 25 Procent gegen 70 Procent Verwundungen durch die Infanteriewaffe.
Etwa fünfundzwanzigtausend Franzosen sind durch die Geschosse der deutschen Geschütze getödtet ober außer Gefecht gesetzt worben unb hat nach ber Zahl bet verfeuerten Kanonenschüsse im Vergleich zu diesen Verwundeten oder Getödteten, jedes deutsche Geschütz mit je drei Schüssen einen Franzosen getroffen. Im Gegensatz dazu kommen auf die französische Artillerie« wirkuitg nur 4 bis 5 Procent und auf die Mi- trailleusen 5 Procent ber deutschen Verwundungen. Ganz enorm stellt sich der Unterschied zwischen den auf bem friedlichen Schießplätze unb auf dem Schlacht- felbe erzielten Schießergebnisfen Derselbe berechnet sich für die J-üantexie wie 1 : 33, für die Artillerie wie 1 : 28. Auffällig verschieden erweist sich auch daS Verlustvei hältniß ber verschiedenen Waffen. Dasselbe steigt pro 1870 — 71 für die Infanterie auf über 90 Procent, während andererseits diese Waffe aber lange nicht die Stärke von 90 Prozent der gestimmten deutschen HeereSmacht gebildet hat, wogegen sich die Einbuße für die Artillerie nur auf etwa 5 und die ber Cavallerie auf wenig über 3 Procent, berechnet. Wegen noch unzureichenber Sichtung dc« Materials könne» gerabe indeß diese letzten Ermittelungen noch nicht al« vollkomm-'N abgeschlosten an- gefehen werden.