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Marburg, Dienstag, den 9. Januar.

1872

OterhesMe Zeitung

-r

ihrem

DnitschHeich"

d. Mittag« über das Befinden de« Berlin, 6. Jan. Fürst Bismarck'« Abreise Wales ausgegebene officielle Bul-,nach dem Lauenburgischen Hal sich verzögert und dürfte

des

(Fortsetzung folgt.)

von und

nicht unter

amtlichen Theile die Ernennung des Grafen Wimpffen zum außerordentlichen Gesandten am italienischen Hofe.

Privat-Nochrichten auS Versailles lassen Thiers in Folge einer Erkältung an den Augen leiden, ohne daß derselbe jedoch hiercurch am Arbeiten gehindert fein soll.

Man schreibt derJndep. beige" in Betreff der Ergänzungswahlen zur Nationalversammlung aus Ver­sailles : Von 17 Sitzen dürften die Republikaner am Sonntag 14 erringen. Die Börse ist sehr verdüstert durch das Gerücht von bedeutenden FaliffementS.

Das am 6. d. Mittags über das Befinden des Prinzen v on T

Der Taz zu Kassel.

Historische Erzählung aus der Jugendzeit Philipp Großmüthigen.

Bon W. Bennette.

(Fortsetzung.)

Sobald Mcysenbug den Umschwung in der Gesin­nung deS Volkshaufcns bemerkt hatte, war er auS feiner passiven Haltung herauSgetreten.

Hört mich, liebe Freunde und Bürger!" rief er ben von allen seilen Herbeiströmenden zu.Ludwig von Boyneburg hat mich aus Amt und Würden ge­stoßen, mich von Haus und Hof gejagt! Warum hat er es gethan? Weil ich ihm den Eid verweigert, den sch dem Landgrafen, meinem Herrn, geschworen, weil >ch sah, welch gewaltthätig Regiment er führte. Hinaus nuf die Landstraße hat er mich getrieben, aber ich bin don Hof zu Hof, von Burg zu Burg gepilgert und habe geworben für Anna von Hessen gegen Ludwig von Boyneburg! Habt Ihr das stattliche Gefolge der Fürstin gesehen? Wer hat eS zusammengebracht? Ich! Sie Alle, die Ritter und Pfaffen haben auf meine Worte gehört und haben sie wahr befunden! Auf Bürger usld liebe Freunde, zu den Waffen, zum Kampfe! Stürzt den Tyrannen, schlagt seine Knechte nieder!"

Zu den Waffen! Nieder mit dem Landhofmeister!" Irrten die Umstehenden und der theilweiS bewaffnete Hause brach unter MeysenbugS Führung gegen das Schloß hin auf.

Jenem Haufen, welcher Lauerwein verfolgte und

Eharakterzüge des moderne» Frankreichs sind strenger als diejenigen, welche man jeden Tag der Unterschrift bedeutender Franzosen findet."

DieWiener Zeitung" veröffentlicht in

»Marburg, 8. Januar 1872. -

Die in der Antrittsrede Döllingers auf Frankreich bezüglichen Worte werden von der englischen Presse lebhaft besprochen. DieTimes" bemerkt, das harte Wort von Hiob's Tröstern: Du hast dein Elend über dich selbst hereingebracht! werde gegenwärtig von allen Seiten den Franzosen zugcrufen; Niemand aber habe diese Wahrheit mit größerer Sanflmuth, aber auch mit größerer Furchtlosigkeit geäußert, als eben Döl­linger in seiner Antrittsrede. UebrigenS wird im Wei teren die Ansicht ausgesprochen, es sei doch ein hoffnungsvoller Zeichen, daß dergleichen Mah­nungen auch in den Schriften bedeutender Franzosen wie Rvnau und Philarete ChaSleS einen Nachhall finden, und nothwendig müsse über kurz oder lang auS diesen besseren Gefühlen die Umkehr hervorgehcn. AuchDaily NewS" nimmt von den Worten Döl­lingers mit dem Bemerken Notiz, es dürfte sich für England als leidenschaftslosen Freund Deutschlands sowohl wie Frankreichs geziemen, von diesen Aeuße- rungen nur im Vorübcrgehen zu sagen, daß sie eine Tiefe und Wärme deS patriotischen Gefühls verralhen, welche nicht die gewöhnliche Eigenschaft eines ehrlosen Clerus seien.Sicher", heißt es zum Weiteren,findet dergleichen keine Aufmunterung bei jener ursprünglich in Spanien gegründeten Gesellschaft, welche, mochte sie im Vatican in Gunst oder in Ungnade stehen, stets in vollendetstem Muster den Gedanken einer Brüder schäft verkörpert hat, welche außerhalb der allgemeinen Menschheit steht und keine Heimstätte, keine Familie, kein Hauswesen, kein Vaterland als einzig und allein die Kirche kennt. Döllinger'» Gedanken über einige

letin meldet: Die Genesung des Prinzen schrettet in jeder Beziehung befriedigend fort.

Die italienischeGazetta Uffiziale" veröffent licht ein Decket, welchem zufolge die zwischen Deutsch­land und Italien abgeschlossene Convention wegen gegenseitiger Auslieferung von Verbrechern sofort in' Wirksamkeit tritt. Der Papst hat am 6. eine De­putation aus Irland empfangen, welche ihm eine Adresse überreichte. In Deutschland soll fich eine große Finanzgescllschaft gebildet haben, um alle Be­festigungsarbeiten auszuführen, welche die italienische Regierung projectirt hat. Die Gesellschaft würde für die Zahlung 15 Jahre bewilligen.

DemJmparcial" zufolge hat das spanische Ministerium beschlossen, am 6. dem König ein Decret zur Genehmigung vorzulegen, welches die Legislatur von 1871 für beendigt erklärt und die Legislatur für 1872 auf den 20. d. einberuft.

Der Sultan hat die russisch-türkische Convention wegen Legung eines Telegraphen - Kabels von Odessa nach Konstantinopel ratificirt. Die türkische Regie­rung hat jetzt ihr viertes christliches Mitglied erhalten Es ist Vahen Efendi, der zum Unterstaatssecretär im Unterrichts-Ministerium ernannt worden ist.

Der auS Spanien in Washington eingetroffene amerikanische Gesandte General SickleS hatte mit Hamilton Fish, dem Minister deS Auswärtigen, eine Unterredung über die Politik der Union in Bezug auf Cuba. Die Union wird strenge Neu iralität beobachten, jedoch Unionsbürger und UnionS- schiffe beschützen, ausgenommen bei der Einfuhr von Kriegsmaterial. Die spanische Regierung wird auf gefordert, die Durchsuchung des Dampfers Florida zu desavouiren, den beireffenden Offizier zu bestrafen und eine Schadenvergütung auszuzahlen. SickleS kehrt gegen Ende des Monat» nach Madrid zurück. Heber die (durch den Telegraphen bereits bekamtte) Zerstörung der argentinischen Stadt Oran berichtet der stellver­tretende Gouverneur au die Regierung von Salta: Die Stadt Oran ist verschwunden und nicht« bleibt übrig, als ihre Trümmer. Die Erschütterungen be­gannen am 22. October um 11 Uhr Abends und dauerten bis 8 Uhr nächsten Morgens. Im Ganzen wurden 38 40 Stöße gefühlt, und man fürchtet, daß noch mehr folgen werden." In einer Nachschrift heißt es, daß nur eine Person getödtet und der Rest der Einwohner wie durch ein Wunder gerettet wurde.

Mittlerweile hatte Sauerwein, ein Mann riesigem Körperbau, seine Angreifer abgeschüttelt _... nlte mit mächtigen Sprüngen am RathhauS vorbei »ach der Ahneberger Pforte zu, wo er wohnte, ver­folgt von der tobenden Menge.

bei welchem sich auch Greineisen befand, waren der Bürgermeister und Balser Amrhein nachgeeilk, weil Schrendeisen glaubte, dort durch seine Gegenwart ein Unglück vermeiden zu können. Der Seiler hatte einen nicht unbedeutenden Vorsprung vor seinen Verfolgern voraus, und noch mehr als zehn Schritte waren sie von ihm entfernt, als er in fein Haus sprang und die eichene Thüre hinter sich in da« Schloß warf.

Hammer Herl Eisen und Stangen her!" kom- mandirte der Schmied.Los!"

Die Thüre wankte unter dem Anprall der ver­schiedensten Instrumente.

Nochmals loö!"

Die Thüre sank in Trümmer.

Zurück! Ich schieße!" ertönte eine jugendliche Stimme aus dem Hausgange hervor. 1

Greineisen und die vordersten wichen erschrocken zurück, denn vor ihnen zeigte sich, eine mächtige Hacken büchse auf der Gabel haltend, die glimmende Lunte bedrohlich darüber schwingend, ein junger kräftiger Geselle.

Du wirst doch nicht, Andres!" rief Greineisen mit ängstlicher Stimme und den Druck, welchen die Menge von rückwärts auf ihn ausübte, zu widerstehen suchend.

Steht nur einen Augenblick ruhig, Gevatter", zischelte Bickel, der Schneider,daß ich durch Euch gedeckt, anlegen kann. Ich will ihm eins aufbrennen."

Laßt'- gut sein, Meister Bickel!" lachte der Ge­selle und ließ seine Lunte fallen.Macht nicht so grosse Augen, Meister Greineisen, da« Rohr ist nicht geladen."

vielleicht am Sonntag noch nicht stattfinden, da dem Vornehmen nach morgen eine Staatsministerial-Sitzung anberaumt ist, auf deren Tagesordnung die Landtags­vorlagen stehen werden.

Die Ernennung des Ober-Regierungsraths Bitter, bisher in Posen, zum Präsidenten der Regierung in Schleswig bestätigt sich; für Oppeln ist der bisherige Landdrost in Aurich, Herr v. Hagemeister zum Re­gierungspräsidenten bestimmt.

Wie die Zeitungen berichten, haben bereits in parlamentarischen Kreisen Besprechungen .über die Kreisordnungs-Vorlage stattgefunden; die Corre- spondenz Stern, welche hierüber ebenfalls Mitthei- lungen bringt, schließt dieselben mit der Bemerkung, daß auch in conservativen Kreisen die Miquel'sche» AmendirungeK nicht Widerstreben finden würden. Dieser Angabe gegenüber hat dieKreuz-Ztg." be­reits erklärt, daß mit Annahme des Miquel'fchen Amendements über Bildung von Gesammtgemeinden die Vorlage überhaupt fallen möchte. Wenn es eine bekannte Thatsache ist, daß die liberalen Organe immer schroffer auftreten al« die liberalen Abgeordneten, so ist doch in diesem Falle da« Hervortreten der liberalen Presse um so auffälliger und namentlich um deßhalb, weil sie der conservativen Partei, die bi« jetzt zur Kreisordnung veranlaßt hat, von vorn herein Etwas anmaßen, was mit den Anschauungen dieser Partei im Widerspruch sicht. ES kann daher nur die Ab­sicht sein, von Hause aus ein etwaiges Nichtzüstande- kommen deS Reformwerkes den Conservativen zur Last zu legen. ES muß nochmals betont werden, daß conservaliverseits noch keine Erklärung in Sachen ber Kreisordnung abgegeben ist, während die Liberalen mit allerlei Anträgen auf Abänderungen auftreten.

Die Organe der Social-Demokratie finden e« auffällig, daß auch liberale Abgeordnete, wie Schulze- Delitzsch, an den Deraihungen im Handelsministerium über die sociale Frage theilnehmen, dadurch meinen diese Organe, überliefere sich Herr Schulze der Re- action und werde feiner Partei und den Arbeitern untreu. ES ist dies eine recht widersinnige Polemik, . denn es muß doch jedem Unbefangenen einkeuchten, daß es nur von Vortheil für Behandlung dieser häkele» Frage sein kann, wenn Vertreter aller Par­teien diesen Berathungen ihre Unterstützung bieten.

Der HanvelSminister hat quf Befürwortung deS KriegsministerS angeordnet, daß die binnen Kurzem zu befördernden RekrutentranSporte für die Occu- pationSarmee in Frankreich nicht mehr in sonst ge-

Dir Einschließung von Pans *nl der artilleristische (Eu^üE'lick.)

(Schluß.)

So kam eS, daß eS bis Anfang- November zwar ge­lungen war, sämmtliche Geschütze in den Belag erungSpark bei Villacoublay einzufahren, daß aber dort zu dieser Zeit erst ein verschwindend kleiner Theil der Munition eingetroffen war, weil die III. Armee noch nicht mehr alS 300 brauchbare Wagen, darunter nur 84 vier­rädrige, zum MunilionSlranSporte aufzutreiben ver mocht halte. Zwar waren noch 1000 requirirte Fahr- ' zeuge von verschiedenen Seiten in Aussicht gestellt, und das beginnende Vorrücken der I. und II Armee gab Gelegenheit zu weiteren Durchsuchungen des Lande» nach Fuhrwerken; allein nach den gemachten Erfahrungen konnte man kaum noch hoffen, auf diesem Wege zum Ziele zu gelangen. Auch von der nunmehr nahe bevorstehenden Eröffnung der Eisenbahn bi# Lagny war eine wesentliche Beschleunigung des Mu- nitionS-TranSportes nicht mehr zu erwarten, da die ganze erste MunitionSrate, von deren Ueberführung nach Villacoublay der Beginn de« Angriffs abhing, bereits bei Ranteuil abgeladen war; zudem waren Pferde und Wagen der Proviantcolonnen, von denen man gehofft hatte, bet Vorschiebung der Eisenbahn- Ausladestelle einen Theil für den MunitionStranSporl frei machen zu können, durch die bisherige angestrengte Thäligkeit dermaßen rebucirt, daß man ihnen nicht noch Kräfte entziehen konnte.

Unter diesen Umständen mußte man sich endlich doch dazu entschließen, besondere Munitions-Kolonnen, für die Belagerungs-Artillerie in der Heimath zu for» miren und allmählich mit der Eisenbahn heran zu schaffen.

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