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ragende Kräfte für die Universität Straßburg zu ge­winnen und steht durchaus in Wideripruch mit den früher gcäußcricn Wünschen der Presse.

Der Strafanstalts-Director Dr. Bär zu Naugard hat unter dem Titel „Gcfäugniß — Straf Anstalten und Strafsystem, ihre Einrichtung und Wirkung in sanitäilicher Beziehung" ein Werk veröffentlicht, wel­ches in Bezug auf diesen Gegenstand bcachtensw:rthcs Material enthält. Der Minister des Innern bat daher Veranlassung genommen, dieses Werk den Strafanstalten und Regierungen zu empfehlen.

Die „Nordd. Allg. Ztg." hat bereits den Fehde Handschuh ausgenommen, welcher von Seiten eines Berliner Correspondenten der „Augsb. Allg. Ztg." der ofstziösen Presse hingeworfen worden ist. Der Correspondcnt meint, den Kundgebungen der offiziösen Presst über die polilische Situation wohne keine große Berechtigung des Glaubens inne, da bekanntlich die offiziöse Presse auch am Schluffe des Jahres 1869 die politische Situation als höchst friedlich dargcstellt habe und 6 Monate später der heftige Krieg entbrannt sei. Die „Norvd. Allg. Ztg." fertigt diese Kritik ab, indem sic erklärt, daß in der That die thatsäcklichen Verhältnisse in 1869 so lagen, daß die Entwickelung der Zukunft nur friedlich zu bezeichnen war. Diese Ansicht hat aber nicht allein die officiöse Presse ge­habt, senter» alle Kundgebungen der mit den politi scheu Beziehungen der Staaten vertrauten Staats­männer sprechen sich in diesem Sinne aus, wie es seiner Zeit die officiöse Presse gethan. Eine Prophe tengabe kann der officiöfen Presse ebensowenig inne- wohneu, wie der übrigen Presse, für einen vom Zaune abgebrochenen Krieg kann nur immer der verantwort­lich gemacht werden, der denselben herbeigeführt, ein solcher Art hervorgerufener Krieg widerspricht allen politischen Conjuncturen

Die „AugSb. Allg. Ztg " verrennt sich so wie mit diesem Raisonnement in ihrer Correspondenz auS Petersburg vom 23. Dezember, in welcher behauptet wird, haß der Postdebit für Rußland dem preußischen Staatsanzeiger gestattet, für den deutschen ReichSau- zeiger verboten sei. Das Falsche der Nachricht wird schon dadurch widerlegt, daß beide Bezeichnungeil einem Blatte angehören, nach amtlicher Ausweisung deS Kaiserlich deutschen Post ZeitungS-Comptoirs wird das amtliche Organ des deutschen Reichs nach Mos­kau, Petersburg, Warschau, Riga u. s. w. debitier.

In ultramontanen Blättern wirv gesagt, daß, bevor das Gesetz über die Schul - Aufsicht im Landtage de- rathen worden ist, bereits Laien und ein Israelit zu Schulrevisorcn katholischer Schulen in Oberjchlesien ernannt sind. Dieses ist durchaus unrichtig; cs ist nur ein katholischer Geistlicher im Kreise Bauthen wegen ungehörigen Verhallens gegen die Regierung in Oppeln auf Grund des bekannten Ober Tribunal- Beschlnffes vom 11. September 1863 von der Schul inspeclion enthoben worden.

München, 3. Jan. Die von der patriotischen Partei hcrauSgegebene autographirte Correspondenz kommt' noch einmal auf die ihrer Partei gemachte In­sinuation zu sprechen, als ob dieselbe eine Adresse resp. ein Mißtrauensvotum, nicht beliebt habe auS Furcht vor der Kawmerauflösung. „Wir wollen nnS (schreibt die Evrrejp.) ganz offen in die Karten sehen lassen und sagen, was wir fürchteten. Wir fürchteten, die Regierung möchte unS heimschicken, ehe wir nur den Mund aufmachen könnten, um öffentlich vor dem ganzen Lande Zeugniß davon abzulegcn, lvclche Ant­wort der katholische Theil des baierischen Volkes auf all das nnqualificirbare Gebabrcn seines Ministeriums

Dir Einschließung von Paris und der artilleristische Auariif.

(Ein Rückblick.) (Fortsetzung.)

Von einem Nebenangriffe gegen die Nordwestsront zur Unterstützung deS gegen die Südfront von Paris beabsichtigten Hauptangriffs nahm man nun Abstand und beschloß, statt dessen zunächst den Angriff auf den Mont Avron durckzuführeir und denselben, je nach den Umstanden, weiter auszudehnen.

Am 29. Dec. wurde der Mont Avron vorüber gehend durch vier Compagnien von unseren Truppen besetzt, das Vorgefundene Material thcilS zurückge schafft, theils vernichtet, von einer dauernden Besetzung jedoch in Rücksicht auf die große Nähe der FortS Nogent, Rosny und Noisy Abstand genommen.

So sah sich der Vcrtheidiger auf der Nord- und Ostfront, wo er im Laufe deS MonalS December auf alle Weife zum Angriffe überzugehcn versucht haue, am Schluß vc« Jahres auf die absolute Defensive beschtänkt.

Bis zu derselben Zeit gelang es endlich auch, die Vorbereitungen für den Hauplangriff, gegen die Lüd- front von Paris, so weit zu fördern, daß die Eröff­nung deS FeucrS auS den Belagerungs-Batterie» auch auf dieser Seite unmittelbar in Aussicht stand.

—--Die große Schwierigkeit des Angriffs

gegen die Südfront von Paris lag in der beträchl. lich-n Entfernung der nächsten Eisenbahnstation, Nan-

;u geben habe; wir sürchtcten weiter, eö möchte uns zum Schaden auch noch den Spott dareingeben und das ganze Odium, welches aus der Verwirrung der unanfschicbbaren, aber dann unerledigten Einführung der ReichSgesetze hätte folgen müssen, auf uns ablaben." Diese Gefahr ist nun vermieden, und mag jetzt die Regierung, ehe die Beschwerde wegen verletzter Ver­fassung zur Debatte kommt, oder während derselben die Kammer auflösen, dann ist daS Odium auf ihrer Leite, weil sie sich nicht getraut hat, das Urtheil des Landes und seiner Vertreter, ob sie sich der rclatanteii Versassuugsverlrtzung schuldig gemacht habe, über sich ergehen zu lassen, und kommt durch eine Kammerauf- löjung abermals kein Budget zu Stande, so liegt die Schuld dann offenbar nicht an der Kammer, sondern an dem Ministerium."

Oesterreich - Ungarn.

Wie«, 3. Jan. Trotz der Sperre, unter welche die Verhandlungen des Abreß-AuSschuffcs gelegt wor­den, sickern allmählich einzelne Mittheilungen web nigstenS über die Hauplmomente derselben durch und sie bestätigen lediglich, >oaS man einerseits über die Stellung des neuen CabinetS zu der Wahlreforln und der galizischen Frage und anvercrieitS über die be treffenden Stimmungen innerhalb der Verfassungs Partei vermuthen zu dürfen glaubte. Was die Wahl- rcform angeht, welche die Thronrede für den „geeig­neten Zeitpunkt" ankündigt, >o sind allerdings die Vorarbeiten dazu in vollem Gange, aber es ist bereits jetzt ganz sicher, daß die Frage in der laufenden Ses­sion keinenfalls vor deil RcichSrath gebracht wird und !s wird sich deshalb auch die Adresse, mit Vermeidung jedes unbequemen Einbringens, darauf beschränken, von jener Verheißung einfach Act zu nehmen. In der galizischen Frage aber dürfte diese Adresse in sehr bestimmter Weise der Anschauung Ausdruck geben, daß sie nur im engen Zusammenhänge mit der Wahl rcform ihrer Lösung zuzuführen sei, woraus sich so­dann mit absoluter Nothwcudigkeit ergeben würde, daß auch die galizische Frage ungelöst in die nächst kominende Session hinübergeht. So bleiben denn — von den eigentlich politischen Gegenständen — der laufenden Session nur die Vorlagen der Regierung, welche in Durchführung der StaatSgrundgesttze das Verhältniß zwischen Staat und Kirche des Näheren zu regeln und die Lücken auszufüllen bestimmt sind, welche die Aushebung des Concordats, d. h. die Be­seitigung der Grundlage des bisher bestandenen Ver­hältnisses auf dem weiten Gebiete, auf dem sich Staat und Kirche berühren, hinterlassen hat. Diese Vor­lagen werben allerdings schwerlich lauge auf sich warten lassen, da der Cultusminister das — von seiner eigenen Hand — fertig gearbeitete Werk noch in den Archiven veS Ministeriums vorfindet. Daß übrigens die erste Vorlage, mit welcher das Cabinct vvr den ReichSrath getreten ist, die in daS Budget eingestellte Emission von 20 Millionen Rente, fall.n werde, gilt al« eine ausgemachte Sache; aber man tröstet sich damit — freilich ein schwacher Trost — daß daS nur eine Partialniederlage desjenigen, „vorsündfluth liehen" MininisterS (Holzgethan) sei, dem eS noch immer gestattet werde, den „sonst so harmlosen Bau des neuen Ministeriums zu beeinträchtigen.

Frankreich.

Paris, 3. Jan. Herr Sautrain hat sich endlich bereit finden lassen, in einem Ausrufe an die Wähler von Paris seine Candibatur aufzustelleit, und dieses nicht ungeschickt abgefaßte Schriftstück ist allgemein genug gehalten, um auch dem monarchischen Theile der conservativen Partei „faute de mieux“ zu be-

trnit s. M., von der Angriffsfront. Ter Landweg von Nantcuil bis Villacoublay, woselbst der Bela- gerungSpark etablirt werden mußte, hat eine Länge von 11 Meilen, mit zum Theil ziemlich schmierigen Passagen Wagen gebrauchten zu einer Tour auf dieser Ltrecke (beladen nach Villacoublay und leer zurück) acht Tage Schnee und Glatteis, so wie durch Treib­eis auf der Seine zeitweise bedingte Ausfahren der Schiffbrücke bei Villeneuve, verlängerten diese Zeit­dauer im späteren Verlaufe der Transporte noch mehrfach.

Der Angriff gegen die Südfront konnte nach den angestellten Ermittelungen und dem hiernach entwor­fenen Plane nicht früher begonnen werden, als bis mindestens 250 Belagerungsgeschütze mit der ersten Munitionsrate, d. h. 500 Schuß für das Geschütz, zur Stelle waren. Abgesehen von den beträchtlichen Transportmitteln, welche die schweren Geschütze er­forderten, waren zur Ueberführung dcS Bettungsma­terials, der Munition nebst Zubehör rc. gegen 5000 Fuhren erforderlich. Um unter diesen Umständen den Transport des Materials von Nantcuil nach Villa­coublay einigermaßen schnell bewirken zu können, hätte es einer sehr großen Zahl von brauchbaren Fuhrwerken und Pferden bedurft. Die Armee konnte, so lauge die Eiscubahn die Bedürfniffe der Truppen nicht näher heranzuführen vermochte, für dicfen Zweck nur wenige Gespanne der MunitionScolonnen, Fahr zeuge aber gar nicht abgcben, zumal man gegen Aus-

Hagen. Der Präsident d.S Pariser StadlratheS ist Republikaner — aber die Republik steht ihm nicht höher, als das allgemeine Stimmrecht, und |ö ver­spricht er in klugen Worten, sich jederzeit der frei aitsgedrückten Willensmeinung bezüglich der Staats- ferm unterwerfen zu wollen. DaS „Steele", welches eben schon Mine gemacht hatte, Herrn Sautrain im Wahlkampfe als „alten, bewährten Republikaner" zu unterstützen, und das sehr gegen seinen Willen ge­zwungen war, gegen Victor Hugo aufzutreten, weil dieser daS Zwangsmandat angenommen, welches das genannte Blatt erst ganz kürzlich mit ungemeiner Schärfe als communalistisch und demagogisch verworfen hatte, das „Siede" ergreift natürlich die Gelegenheit, um sich aus dem unangenehmen Dilemma zu ziehen, in dem es sich der eigenen Partei gegenüber befand. Die entschiedenen Republikaner hatten alle für Victor Hugo Partei ergriffen; das „Siede" allein konnte sich aus dem angeführten Grunde nicht für ihn erklären. ES stützte sich daher, als auf einen eben fo guten Republikaner, auf Herrn Vautraiu. Da läugnet dieser plötzlich die Republik von Gottes Gnaden und fpriatt in feinem Wahlmanifeste nicht einmal von der Amnestie für die Commune - Gefangenen auf den Pontons! Natürlich kann das einflußreiche Blatt der W-inkneipeu und Kaffeehäuser solches MajestätSverbrechen an den Lehrmeinungen der Demokratie nicht billigen oder gar beschützen, und so bereiten die Männer des „Siede" mit geschickter Hand den Uebergcmg in« Lager der Hugoisten vor, so daß Herr Sautrain auf die Unter­stützung der halb-republikanischen Blätter, wie Temps. Opinion Nationale, Cloche und die speciell ThierS'schen Organe, wie National, Bien Public und Seit, an­gewiesen bleibt. Möglich, daß auch die Debats sich noch öffentlich für ihn erklären, obwohl nach den Säumigen der Union parisienne de la presse, wel­cher dieses Journal immer noch augehört, ein so ein­seitiges Vorgehen nicht gestattet ist. Ob aber Herr Sautrain mit oder ohne die Mitwirkung deS Journal des DebatS den micalrn Cancidaten Sieter Hugo wird besiegen können, scheint um so fraglicher, alS das allgemeine Stionnrecht ersahrungSgctnäß die großen, tönenden, alle Welt frappirendell Namen liebt und fast ausschließlich zu begünstigen pflegt. Ein radicaler Depulirter mehr oder weniger in der Kammer thul allerdings nichts zur Sache, namentlich wenn er den Namen eines so versatilen Politiker« führt, wie Victor Hugo, aber die Wahl dieses Mannes wäre doch nach alledem, was Pari« seit Jahresfrist über sich ergehe» sah, eine Kundgebung, deren weittragende Bedeutung auch der gefälligste Optimist nicht wird in Abrede stellen können.

Niederl»»de.

Haag, 1. Ja». Die erste Kammer der General­staaten hat gestern die Berathung über die verschiede­nen Budgets zu Ende geführt. Sie wurden fast alle einstimmig angenommen und nur die Budgets brr Colonien gaben zu ben gewöhnlichen Debatten über bieseS Thema Anlaß. Die Kammer hat sich dann bis zum 15. d. vertagt unb für die nächste Sitzung die Berathung ber Verträge mit England über die Guinea- lüfte unb Sumatra auf ihre Tagesordnung gesetzt

Belgin».

Brüssel, 5. Jan. In Charteren ist ein Strife der Bergwerkarbeiter ausgebrochen und hat bedenkliche Dimensionen angenommen. Angesichts derselbe» drohen die dortigen vereinigten Kohlenbcrgwerkbesttzer, sofern die Internationale eine Arbeitsverkürzung und Lohn­erhöhung veranlasse, sämmtlichc Zechen zu schließe». Auch in Veziu (Prov. Namur) ist ein Strife ansgc- fälle immer gefechtsbereit bleiben mußte. An die Be­nutzung der Eisenbahn zum Transport von Fuhr­werken und Pferden aus der Heimath konnte der übrigen dringenden Anforderungen wegen, zu deren Befriedigung die einzige vorhandene Bahnlinie kaum ausreichte, für'S Erste nicht gedacht werden. Man mußte deßhalb versuchen, Pferde und Fuhrwerke auS dem Lance zufammenzutrnben, und das Ober-Com- mando der III. Armee, welches, »ach definitiver Fest­stellung deS AngriffeplaneS gegen Pari», am 9. Oct. mit der Einleitung und Ausführung dcS Angriffs gegen die Sübmeftfront beauftragt wurde, gab den detachirten Abtheilungen so wie bet Geiteral-Etappen- iufpectio» bie Requisition einer möglichst großen Zahl von Wage» unb Gespannen auf, nahm auch bie Ver­mittelung ber General-GouvernementS zu bem gleichen Zwecke in Anspruch. Allein diese Bemühungen hatte» nur geringen Erfolg Vierrädrige Fahrzeuge sind in Frankreich sehr selten und eS stellte sich heran», daß von den in diesem Lande üblichen zweiräderigen Karre» bie kleineren für den Transport der schweren Mu- iiition nicht stark genug waren, während die größeren entsprechend große unb starke Pferde erforderten. Die Einwohner hatten aber ihre Pferde bei Annäherung ber brutschen Truppen meistens fortgetricben, unb bie Pferde, welche die Armee in den Colonncn mit sich führte, waren zu klein und in Folge dessen stets schon nach einmaligem Maisch in den Karren zwischen Nan- teuil und Villacoublay gedrückt. (Schluß folgt.)