Marburg, Sonntag, den 7. Januar.
J8I2
Oderhessische Zeitung
Ihr Euch
Während Burg getagt unruhig hin den Schmied, weiche seinen
Son W Bennecke.
(Fortsetzung.)
die Fürsten und die Stände in der hatten, war die Menge vor derselben und her gewogt, und um Greineisen, hatte sich bald eine Gruppe gebildet,
Stimme. „Bedenkt,
«Marburg, 6. Januar.
Nachdem das neue deutsche Strafgesetz mit dem 1. v. M. in Kraft getreten ist, war es für die süddeutschen Staaten nothwendig, auch die mit demselben in Verbindung stehenden Specialvcrordnungen zu erlassen, so nanientlich diejenigen Bestimmungen, welche sich auf die in dem Gesetze angeordneten vorläufigen Entlassungen von Strafgefangenen beziehen, und diejenigen Maßregeln, welche in Betreff der Beaufsichtigung der unter Polizeiaufsicht gestellten Personen zu ergreifen sind. Seitens der Regierungen von Baden und Würtemberg sind nunmehr die deßfallsigen Bestimmungen erlassen worden, und hat man hierbei diejenigen Bestimmungen zur Richtschnur genommen, welche Seitens der preußischen Regierung über die fraglichen Sicherheitsmaßregeln für da- preußische Staatsgebiet erlassen sind, um auf diese Weise möglichst eine Conformität für das Reichsgebiet herbei» zuführen. Für daS würtembergische Staatsgebiet ist auch durch Einführung deS deutschen Strafgesetzbuches eine Aenderung des Polizeistrafrechtes nothwendig geworden.
Ueber die erste und bisher einzige Sitzung der Adreß-Commission deS österreichischen Herrenhauses, die Freitag den 29. v. M. stattgefunden, gehen der „N. Fr. Pr." einige nähere Mittheilungen zu: „Mit Ausnahme des zum Obmanne erwählten, jedoch durch Krankheit am Erscheinen verhindert gewesenen Cardinals Rauscher, so wie deS Grafen Fal- kcnhayn, waren die^CommissionS Mitglieder vollzählig anwesend. Nach Verlesung der wesentlichen Stellen der Thronrede wurde über dieselbe vorerst eine allgemeine DiScusston eröffnet, die später auf jeden einzelnen PassuS sich erstreckte. Die Commission einigte sich in der Anschauung, in Anknüpfung an die beiden ersten Absätze der Thronrede der verflossenen Regierung nur in wenigen objektiven Worten zu gedenken, jedoch um so größeren Werth auf eine nachdrückliche Hinweisung auf die beiden letzten, vom Herrenhause beschlossenen Adressen zu legen. In Betreff GalifieuS wurde die einfache Zurkenntnißnahme der bezüglichen Stelle gebilligt, jedoch gleichzeitig beschlossen, dieselbe mit der Erwiederung, welche dem Absätze in Bezug auf die direkten Wahlen gelten soll, in Verbindung zu bringen. Die Stellen der Thronrede, welche sich aus die zur Vorlage verheißenen Gesetzentwürfe beziehen, wurden zustimmend entgegengenommen und speciell jene Zusagen besonders begrüßt, die der Errichtung deS Verwaltungsgerichtshofes, so wie der Aufbesserung der Beamtengehälter und der Bezüge des niedern CleruS zugewendet sind. Zu einer lebhafteren Debatte gab der die Landwehr behandelnde
PaffuS, welcher von der „Abspannung der geistigen und materiellen Kräfte" spricht, Anlaß. Der Präsident des Ministeriums verscheuchte jene Bedenken, welche unter den „materiellen" Kräften eine weitere Anforderung an die Steuerzahler vermuthen mochten, durch die Erklärung, daß hiermit die technische und organisatorische Seite der Landwehr-Ausbildung zu ver stehen ist. Volle Befriedigung rief der Absatz hervor, welcher die Einbringung von Vorlagen zur Pflege der wirthschaftlichen Interessen, so wie zum Schutz und zur Förderung der Arbeit in Aussicht stellt. Die Ansichten der Commission waren nach allen Richtungen hin einhellig, ohne daß selbst eine nebensächliche Differenz sich geltend machte. Die nächste Sitzung der Commissiion, zu deren Berichterstatter Graf Anton Auersperg gewählt wurde, dürfte am 9. oder 10. d. M. stattfinden."
Gelegentlich der Wahlen macht sich im Süden Frankreichs eine erregte Stimmung bemerkbar. Die jüngsten Ereignisse zu ArleS, die Proklamation der Studenten von Toulouse, die Kundgebungen am Grabe von Rossel zu NimeS, die Verhaftung zweier Mitglieder des MunicipalratheS von Bordeaux sind Symptome von dem Zustande der Gemülher in diesen Thei len des Landes. Die Bauern schreien über die neuen Steuern und bedrohen die Steuer-Empfänger, welchen man deshalb erlaubt hat, Revolver zu führen. Die großen Weinproducenten sind sehr mißvergnügt über den Dienst der Eisenbahnen, welche mit dem Transporte der Maaren nach Belieben verfahren. So ist fast überall Verstimmung und wird gesteigert durch die unsinnigen Artikel der radikalen Presse, die ohne Maß noch Rücksicht bramarbasirt. Der neue Präfect der Bouches-du-Rhone, Ksratry, befindet sich seit einigen Tagen in Versailles, und man sagt, er sei nicht ohne Bcsorgniß wegen der Ruhe während der Wahlperiode in Marseille. — Die französische Budgetcommission soll „Siede" zufolge beschlossen haben, ihren Antrag auf Besteuerung gewisser Einkünfte fallen zu lassen, und dürfte sich wahrscheinlich dafür entscheiden, den Finanzplänen der Regierung zuzustimmen. — Ein Schreiben deS Bischofs Dupanloup konstatirt, daß er bereits am 21. December den Entschluß gefaßt habe, seine Demission als Mitglied der Akademie einzureichen. Seitens der Mitglieder der Akademie ist in einer gestrigen Versammlung beschloffen worden, die Demission nicht anzunehmen. — Das Kriegsgericht, welches zur Aburtheilung der wegen Ermordung des Erzbischofs Darboy sowie der übrigen Geißeln Angeklagten eingesetzt ist, wird seine Sitzungen am nächsten Montag beginnen.
Nach dem am 4. d. ausgegebenen Bulletin schreitet die Genesung des Prinzen von Wales in befriedigender Weise nach jeder Richtung hin fort. — Wie aus Sheffield berichtet wird, wurden am 4. d. Morgens dort mehrere ziemlich bedeutende Erdstöße verspürt.
Der Papst hat am 3 den Großherzog von Mecklenburg-Schwerin empfangen.
Der König von Griechenland hat die Demission des Ministeriums Zaimis angenommen und Bulgaris mit der Neubildung des Ministeriums beauftragt.
Aus Newyork wird telegraphisch gemeldet, daß Rothschild und Jay Coole Macculloch u. Co. sich erboten haben, dem Finanz-Ministerium 600 Millionen der Anleihe zu übernehmen. Dieses Anerbieten wird wahrscheinlich angenommen werden.
Deutsches Reich.
•• Berlin, 5. Jan. Es ist bereits öfter darauf hingewiesen, daß die Hofnachrichten, welche in den Berliner Blättern sich vorfinden, keinen Anspruch auf offiziellen Character machen dürfen; ein solcher Hinweis wird auch jetzt nöthig, da die Meldung in diesen Hosnachrichten, daß Fürst Bismarck zur Jagd nach Wusterhausen in Begleitung Sr. Maj. gegangen, unrichtig ist. Fürst Bismarck ist nach seinem Ausfluge nach Barby nicht von Berlin abwesend gewesen, beabsichtigt jedoch nach Laucnburg zu reisen.
Der Gesundheitszustand deS ersten vortragenden Raths im Staatsministerium, Wirkt. Geh. Ob.-Reg.- RathS Wehrmann, hat sich gebessert, jedoch erlaubt eS derselbe noch nicht, daß Herr Wehrmann sich bereits seinen Amtsgeschäften hingiebt; eS ist vielmehr von dem Arzte eine längere Zeit der Schoming anempfohlen, die der Patient in Wiesbaden zuzubringen gedenkt.
In der gejammten Presse gab sich die Anschauung kund, daß man die Universität Straßburg in der galantesten Weise ausstatten müffe, daher es auch geboten sei, für diese Universität hervorragende Lehrkräfte zu gewinnen. Die Reichsregierung, resp. der Curator der Universität Straßburg, Herr von Roggcnbach, scheint denn auch dieser Auffassung gerecht werden zu wollen, indem er die Capacitäten der verschiedenen Lehrstühle für Straßburg zu gewinnen sucht, so Prof. Mommsen aus Berlin. Alsbald aber erhebt ein Theil der Presse einen Wcheruf über den für Berlin unersetzlichen Verlust Mommsen's. Dieser Wehcruf con- statirt — wenn er auch sonst keine Bedeutung in sich bergen kann — jedenfalls die Schwierigkeit, hervor-
waS Ihr thut, in was für groß Leid Ihr Euch bringt! Seht Ihr nicht die Mündungen der Bom-
Nochmals erhob Schrautenbach feine „Ihr lieben Männer von Gaffel!" rief er.
„Und sie soll ihn bekommen! sie muß ihn bekommen!" schloß er seine Rede, „und hier soll sie bleiben in der Burg ihrer Väter! WaS! sollen wir'S uns wieder gefalle» laffen, daß sie wieder hinauSgeschickt wird? Sollen wir'S?"
„Nein! Nein!" brüllte eS im Chor. Hoch! Hoch! tönte cs vom Burgthor her und Anna mit ihrem Gefolge sprengte unter die Mafien.
„Wo ist der Landgraf? Wo ist der junge Herr?" schrie eS aus dem Volk, das dem Zug den Weg verlegte. Balthasar Schrautenbach redete die Menge an und theilte ihr den Beschluß der Vormünder mit. Ein Wuthgeheul war die Antwort.
„ZudcnWaffen! Tod dcnRegentschaftern! Hinaus mit den Sachsen!" schrie.es durcheinander.
Der Tag zu Kassel.
Historische Erzählung aus der Jugendzeit Philipp des Großmüthigen.
„Kennst Du ihn nicht?" unterbrach ihn Hardegen, der Metzger.
Greineisen ließ seinen Blick eine Zeitlang auf dem von der immer mehr sich sammelnden Volksmenge Bedrohten haften. Er war ein langer, hagerer Mann, dessen von Kummer und Entbehrungen ausgemergeltes Gesicht von weißem Bart und Haar umrahmt wurde, während seine grauen Augen noch mit männlichem Muth und Feuer den Umstehenden entgegen blitzten.
„Kennst Du ihn nicht?" stieß aufs Neue Sauerwein hervor, „den rebellischen Amtmann von Homberg, den Philipp Meysebug? Legt Hand an ihn in des Land Hofmeisters Namen!"
„Dich soll Gott verd —!" schrie der Schmied dazwischen und stieß die Andrängenden zurück. „WaS hat Euch der Mann gethan? War er nicht ein besserer Hesse, als alle die Berlepsch, die Dörnbergs, die Löwensteins, die in'S Sächsische Lager gingen? Hat er nicht Homberg für den Landgrafen halten wollen und dabei Hab und Gut verloren? Wir brauchen keine Landhofmeistern! Nieder mit den Ritterknechten, * nieder mit den Sächsischen!" „Nieder mit den Regent- schaftern, nieder mit den Sachsenknechten!" brüllte eS ringsum, und diejenigen, welche eben noch die Angreifer waren, wurden die Bedrohten. Hardegen wurde zu Boden gerissen, aber seine herbeieilenden Gesellen hoben ihn wieder empor und brachten ihn in ein benachbartes Haus. Die Menge drängte nach, da schoß Lerbach, der Drechser, aus dem Fenster mit einer Hackenbüchse, ein Angst- und Wuthgeheul erfolgte und „Zu den Waffen! Mord!" schallte eS wild durcheinander,
(Fortsetzung folgt.)
bardcn und die Fähnlein der sächsischen knechte? Wollt Ihr Eure gnädige Herrin in Leibes- und Lebensgefahr bringen? Lasset unS frei ziehen. Harret aus in Geduld. Recht muß Recht bleiben und wenn unsere gnädige Landgräfin wiederkehrt und an Eure Pfotten klopft, dann versieht sie sich'S von Euch, daß Ihr zu ihr steht in Hulden und Treuen."
„Das wollen wir!" schrie der Schmied und hob seine Faust in die Höhe.
„Das wollen wir!" schrie die Masse und gab dem Zug freie Bahn. AlS die Landgräfin mit ihrem Gefolge unter dcm Stadtthor verschwunden war, begann sich die Menge zu verlaufen, auch Greineisen machte sich, von Schweinebraten und andern Gesinnungsgenossen begleitet, auf den Heimweg. Da, als er durch die Kettengasse nach dem Markt einbog, traf er und seine Begleiter auf eine Anzahl Bürger, welche sich drohend um einen älteren, ritterlich gekleideten Mann drängten, der von zwei Schmiedegesellen in Schutz genommen wurde. Greineiseu erkannte in den Gesellen seine eigenen, schnell arbeitete er sich durch die Umstehenden zu ihnen hin.
„Was geht hiervor?" schrie er den Tumult übertönend und nach links und rechts Stöße austheilend.
„WaS hier vergeht?" brüllte Sauerwein, der Seiler und versucht« sich auf den alten Mann zu stürzen. „Nieder mit dem Aufwiegler und' seinem Anhang !"
„Ruhe!" donnerte der Schmied. „Bleibt zurück oder Ihr fühlt meine Fäuste I Erst sagt mir, was daS Alles bedeutet —."
„Meister", begann einer der Gesellen, „dieser Mann--"
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lebhaften Declamationen zuhörte, mit denen er seine Ansichten über den Regenten und die Obervormünder und die Nothwendigkeit, daß der junge Landgraf seiner Mutter übergeben würde, darzulegen suchte.