schm Erfolge der jüngsten beiden gewaltigen Lahre, sondern auch auf seine Friedensarbeiten mit freudiger Genugtbnung zurückblicken. Möge der erhebende patriotische Geist, welchem die großen Ergebnisse in Krieg und Frieden zu danken sind, allseitig ungetrübt fortwirken. (Prov. Cvrrsp.).
"Marburg, 5. Januar.
Die ,,Provinz.-Corresp." bringt in einem besonderen Abschnitte daS Gesetz über die Einrichtung der Verwaltung in Elsa ß-Loth rin gen. Aus dem Inhalt? dieses Gesetzes geht unzweifelhaft hervor, daß bei dem nunmehr festgesetzten OrganisationSplaue, abweisend von den früheren Auffassungen, der Gesichtspunkt maßgebend gewesen ist, den Schwerpunkt der Verwaltung in das Reichsland selbst zu legen, wie solches durch die Stellung eines Oberpräsidenten und mit Bezug auf die Berufung eines Oberpräsidenten von der Persönlichkeit des Herrn v. Möller geboten erachtet worden ist. Es ist durch diese Organisation festgestcllt, daß Herr v. Möller speciell unter der Leitung des Fürsten Reichskanzlers steht. — Die am 2. staltgehabte Sitzung des preußischen Staats- minisderiumS soll eine StaaiS-Ministerial-Sitzung in oifineller Form nicht genannt werden können, da die Beralhung der Minister nur als eine vertrauliche Besprechung über diejenige Stellung, welche dieselben zu den Landtagsvorlagen cinzunehmen haben, angesehen werden kann. — Die Verhandlungen mit Fra n k- reich wegen Abschluß eines neuen Postvertrages schweben »och und wird sich der General-Postdirector Stephan in kurzer Zeit wieder nach Paris zurückbc- geben. Der Ober-Postrath Güniher weilt noch zur Zeil dort und führt die begonnenen Verhandlungen weiler. — Man ist auch in Berlin mit den Vorarbeiten für Verhandlungen mit Oesterreich wegen Abschluß eines neuen Postvertrages beschäftigt. Die Eröffnung der Verhandlungen mit der österreichischen Postverwaltung wird nach Zustandekommen des Post- Vertrages mit Frankreich stattfinden
Bei Gelegenheit des NeujahrStageS empfing der Präsident der französischen Republik zahlreiche Telegramme, darunter eines von Saint-Ballier, dem General Manteuffel aufgetragen hatte, ThierS Glückwünsche für den Erfolg seiner patriotischen' Bemühungen zu übermitteln. — Der Zwischenfall von Rcvin zwischen deutschen Soldaten und Franzosen ist beendigt. Die vom bayerischen General in Anwendung gebrachten strengen Maßregeln sind aufgehoben und die Truppen, welche in die Privathäuser gelegt worden waren, sind in die Caserncn zurückgcschickt worden. Einen Franzosen, der in'S Gefängniß gesteckt worden war, weil er die Bevölkerung gegen die Preußen gehetzt hatte, hat man in Freiheit gesetzt. — DaS französische offizielle Blatt meldet ferner, die r u s s i s ch e Gesandtschaft thue zu wissen, eS sei vollständig grundlos, daß Rußland die Absicht kund gethan, französischen Offizieren Zutritt in die russische Armee zu gestatten.
Die portugiesischen Cortes sind am 2. von dem Könige mit dem gewöhnlichen Ceremoniel eröffnet worden. Die Thronrede kündigt verschiedene Versas- sungsveränderungcn im liberalen Sinne an, constatirt, daß die Ruhe in den indischen Colonien wieder her- gestellt sei, und drückt die Hoffnung auS, daß die Finanzen in Zukunft sich günstiger gestalten werden.
Brigham Aoung, der Mormonenhäuptling,
Dir Einschließung van Paris und der artilleristische Angriff.
(Ein Rückblick.) (Fortsetzung.)
Wie Vorbedingung für jedes offensive Vorgehen gegen die Hauptstadt, mochte man dabei die Durchführung der förmlichen Belagerung, oder nur den artilleristischen Angriff im Auge haben, war die Heran- jühtung eines entsprechenden Belagerungsparks. Vorsorglich war die Bereitstellung eines solchen zur etwaigen Verwendung gegen Paris bereits Mitte August angeorduet worden. Aber mit der Heranführung konnte nickt eher begonnen weiden, als bis Toul genommen und der Eisenbahnbetrieb wenigstens bis Nanteul eröffnet sein würde. Und auch daun konnte der Transport nur sehr langsam erfolgen. Denn mit Sehnsucht sahen auch schon die Truppen dem Zeitpunkte entgegen, wo die Herstellung der Eisen» bahn ihnen gestatten würde, das zu ihrem Retablissement Erforderliche heranzuziehen und vielleicht nicht ohne Bangen harrte die Intendantur desselben Mo- menteS im Interesse der Verpflegung der Armeen vor Paris. Tie Ernährung der starken, eng concentrirten Massen mußte erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Im . Umkreise von 5 Meilen um Paris fand man, mit | Ausnahme von Wein, keine nennenSwerthen Vor- , räche. Mau mußte sich bis zur Eröffnung des Eisen- ] bahnbetriebS durch kleine Expeditionen in die weitere Umgegend und mit dem behelfen, was durch Bezahlung hoher Preise herangelockt werden konnte. So > lebte die Armee auS der Hand in den Mund, auf die so noihw.ndige Füllung größerer Reserve-Maga- 1
, hat sich dem Gerichte in Utah gestellt und befindet e sich in Haft. Der Großfürst Alexis besucht Chicago.
Deutsches Reich.
1 •* Berlin, 4 Januar. Durch die im Militär-
i Wochenblatt erfolgte amtliche Ernennung deS Genera!
v. Stosch zum Chef der Admiralität wird den An- ■ gaben der Zeitungen auf daS Bestimmteste widersprochen, welche mit der Ernennung des Herrn von ' Stosch den Anfang für ein Reichs - Ministerium in
Ausncht stellten.
! Die „ Volks-Ztg>" hat vor einigen Tagen das l Programm mitgetbeilt, auf Grund dessen im Handels 1 Ministerium Bkrathungen über die sociale Frage statt- : gefunden haben. Zu diesen Berathungtn sind, wie man hört; außer den verschiedenen Commissarien der ' Ministerien hinzugezogen worden: der Geh. Öb.-Reg.- Rath Dr. Achenbach, sowie die Abgeordneten ».Blankenburg, Eberty, Löwe, Becker Dortmund, die Com- merzienräthc Liebermann und Stumm, Rittergutsbesitzer Sombart und Professor Wagner.
Unsere Postverwaltung ist stets bestrebt, Erleichterungen im Postvcrkehr herbeizuführen. Vor Kurzem ist erst die Bestimmung getroffen, daß die Bewohner des flachen Landes ihre Briefe und Postsendungen von derjenigen Postanstalt abholen können, die ihnen dazu am geeignetsten erscheint. ES ist dies namentlich für Glitsbesttzer von Werth, welche täglich Milch oder ankere Erzeugnisse nach einem gewissen Orte senden und hierbei mit leichter Mühe die für sie bestimmten Briese und sonstigen Poststücke in Empfang nehmen können. Diese Erleichterung hat gewissermaßen dadurch eine Erweiterung erfahren, daß Briefe und Zeitungen auch auf der ganzen Tour, welche ein Postwagen pajsirt, aufgegcben und entnommen werden können. Wer dies wünscht, hat sich mit der Postanstalt, in deren Bezirk er wohnt, in Verbindung zu setzen und ihr eine Briefmappe zu übergeben. In diese werden die Briefe und Zeitungen, welche au ihn adrefsirt sind, gelegt. Der Postillon hat den Auftrag, die Tasche kem Boten, der am Wege ausgestellt sein muß, zu übergeben, wobei eS Bedingung ist, daß dadurch nur ein ganz unwesentlicher Aufenthalt verursacht wird. Bei der Rückfahrt deS Postwagens muß der Bote wieder bereitstehen, um die Mappe, ist sie gefüllt oder leer, dem Postillon zurückzugeben, damit die Postanstalt in der Lage ist, die Mappe für die nächsten Sendungen benutzeii zu köniieit.
Von denjenigen Beschlüssen, welche auf der Tcle- graphen-Conferenz zu Rom gefaßt und als definitiv beschlossen angesehen werden können, ist der zu erwähnen, durch welchen die Bestimmung der bestehenden Telegraphen Convention aufgehoben wird, daß in dem Zwischenraum zwischen 2 Telegraphen-Conferenzen, welche von 3 zu 3 Jahren aufgehoben sind, Special- Commissionen für gewisse zur Sprache gebrachte Fragen einberufen werden können. Scheint die Erledigung von Fragen in ter Zwischenzeit nothwendig, so soll eine Conferenz hierzu zusammenberufen werden, an der sämmtliche Vertragsstaaten Theil nehmen, da man sich jagte, daß auch bei der Behandlung durch eine Special-Commission alle Vereinsmitglieder gefragt und gehört werden müssen. Für die Berufung einer besonderen Conferenz ist eS aber nöthig, daß der Antrag hierzu von 6 Vereinsstaaten gestellt wird. Die Einberufung der Conferenz erfolgt durch die Regierung desjenigen Staate«, in welchem die letzte ordent- liche Conferenz stattsand.________________________________
jine mußte vorläufig fast ganz verzichtet werden, und es war vorauszusehen, daß auch die Beschaffung des Nothweiidigsten auS dem seindlichen Lause bald auf vermehrte Schwierigkeiten stoßen würde. Daraus folgte, daß die einzige Eisenbahnlinie, auf deren baldige Eröffnung man rechnen durfte, durch den dringendsten Nachschub, besonders an Proviant, für die Armee auf längere Zeit hin in Anspruch genommen sein würde, und daß daher der Transport eines Belage- rungstrainS von dem Umfange, wie er zum Angriffe gegen Paris erforderlich war, nur sehr allmählich zu bewirken sein wütde. Aber noch viel größere Schwie rigkeiten waren zu überwinden, um den Belagerungspark von der letzten Eisenbahnstation bis zu seinem Bestimmungsorte weiter zu transportier».
Alle diese Erwägungen waren maßgebend für die Entschließungen, welche für den AngriffSptan gegen Paris in Ferneres gefaßt wurden. Hätte man sicher annebmen dürfen, raß die Verproviaittirnng der Hauptstadt höchstens für 10 Wochen auSreichle, jo würde man sich mit der Cernieung begnügt und auf die Heranführung eines BelagerungSparkS vor vornherein verzichtet habe». Da jedoch gerade diese Vorfrage am zweifelhaftesten erschien, so wurde beschlossen, , unter Aufrechterhaltung der Cernirung alle Vorbereitungen dahin zu treffen, daß nöthigen Falles zur ultima ratio, zum Angriffe geschritten rocroen könnte. ,
Am 5. Januar vorigen Jahres ging die Depesche ; unseres Königs an die Königin ein: i
„Versailles, 5 Jan., 10 Uhr Morgens. Seit 9 i Uhr beginnt die Beschießung der Südsort» von Paris
Berlin, 4. Jan. Die bei der preußischen Central- bodcncrcditanstalt, der Discontogesellschaft und dem Hause Bleich; öder heute eröffnete Subscription auf die 41/2 proc. Centralpfandbriefe ist unterßbedeutender Ueberzeichiiung sofort nach der Eröffnung geschlossen worden.
Dresden, 3. Januar. Die neue jetzt vorgelegle Gemeindeordnung bestimmt eine Eintheilung der Com- munen in Städte über und unter 6000 Einwohnern, sowie in Landgemeinden. Für erstere Städte werden die bisherigen städtischen Doppelcollegien beibchalteii, für die zweiten fungirt der Bürgermeister zusammen mit dem Gemeinderath, für die Landgemeinden der Ge- meinsevorstand mit dem GemeindeauSfchuß. DaS Bürgerrecht ist in den Städten an Grundbesitz oder an Leistung von Staatssteuern in der Höhe von mindestens 1 Thlr. geknüpft.
München 4. Jan. In der heutigen Sitzung der Abgeordiietenkammer wurden, die Recknuiig-nach- weisungen der Verkehrsanstalten pro 1869 genehmigt. Ferner wurde die Rückverweisung der Negicrungsvor- schläge wegen Remuneration des Personals der Verkehrsanstalten für außerordentliche Leistungen während des Krieges an den Finanzausschuß beschlossen, um mehr Klarheit über den beabsichtigten VertheilungS- moduS zu bekommen, obwohl der Minister des Aeu- ßern der Kammer die Cvmpetenz bestreitet, in die Details der Vertheilung einzureden; die RechnungS- uachweisungen über die Salinen pro 1869 wurden genehmigt und mit großer Mehrheit der Wuni'ck nach Aufhebung der Salzstener ausgesprochen, obwohl der Finanzmiuister die Nothwendigkeit eines anderweitigen Ersatzes des Ausfalles betonte. Die Gesetzentwürfe über Aenderung der diesseitigen und pfälzische». Gemeinde-Ordnung wurden nach Vorschlag des Ausschusses angenommen.
Oesterreich - Ungarn.
Wie», 2. Januar. Ein Club der VerfassnngS- partei, welcher alle verfassungstreue Abgeordnete deutscher und nicht deutscher Nationalität umfaßt, ist in brr Bildung begriffen. Jung und Alt, Rechts und Links, kurz alle Deutschen wollen sich zu einer Partei constituiren, unleugbar ein großer Fortschritt in einer Zeit, in welcher ein solches einsichtsvolles Zusammen- fassen dringend Noch thut, denn wer kaint trotz aller berechtigten frohen Voraussicht wissen, was im Sckovß der nächsten Monate verborgen ist, welche unheimlichen Elemente sich wieder zum letzten Anprall wider Recht und Gesetz verbinden, vielleicht zu einer Zeit vekbinden, wo nicht wieder, wie im verflossenen Jahre, die schicksalsvolle Schlacht bei Sedan auch für die Deutschen in Oesterreich geschlagen wird und Hohen- wart'sche Plane vernichtet, ehe sie zur vollen Reife gedeihen Es fragt sich nur, ob diese Einmüthigkeit fortdauern wird, fast scheint eS, als ob die Antwort nicht befrieoigenb ausfallen wird, wenigstens deutet der Umstand darauf hin, daß der von jung deutscher Seite gestellte Antrag, bqf Ministerium Hohenwart n ben Anklagestand zu versetzen, von der anbercu Seite lebhaft bekämpft wird. Die Gegner deS Anträge« sagen, daß dieser letztere lediglich vom Stand- ber praktischen Zweckmäßigkeit zu beurteilen sei. Erlangt ber Antrag nicht bie Mehrheit, so hat sich die deutsche Partei freiwillig einer Niederlage ausgesetzt, im andern Falle aber, wenn sich das Haus, waS kaum denkbar, sich mit Zweidrittelmajorität für die Ministerklage ausspricht, hätten nur die Föderalisten
bei herrlichem windstillem Wintertage und 9 Grab Kälte ohne Schnee."
Ueber den Beginn unb über den Fortgang des Bombarbements berichtet ber Major Blume in dem bereit« erwähnten Werke („Die Operationen ber deutschen Armeen von der Schlacht bei Sedan bis zum Ende des Krieges") Folgende«:
Am 4. Decembet, unmittelbar nach ber Schlacht bei VillierS, hatte das Obercommando der Maas- Armee den Auftrag erhalten, die erforderlichen Vorbereitungen zum artilleristischen Angriffe gegen ben Mont Avron zu treffen. Für diesen Zweck wurde die Ueberweisung von 36 gezogenen 12pfündern, 30 gezogenen langen 24pfündern unb 10 gezogenen kurzen 24pfüttbern in Aussicht gestellt unb zugleich Befehl zur schleunigen Heranführung dieser Geschütze nebst Munition und Zubehör gegeben. Von ber ganzen Anzahl befanben sich 26 Geschütze in La Fsreund SoiffonS, wurden dort verladen und zur Eisenbahn tranSporlirt. Der Rest von 50 Geschützen stand in bet Heimath bereit und sollte auf ter Eistitbahn über Epernay heraugeführt werden. Für bie Bedienung der Geschütze wurden der Maas-Armee 11 Festungs- Artillerie -Compagnien zur Verfügung gestellt; dieselben trafen allmälig mit dem Belagerungspark ein.
Bei Auswahl der Positionen für bie Belagerungs- Batterien sollte darauf Bedacht genommen werden, daß dieselben zugleich im Stande wären, feindliche Truppenansammlungen im Thale der Mat ne, so wie das Schlagen von Brücken über einen Theil dieses Flusses zu erjchwereu.
(Fortsetzung folgt.)