Marburg, Sonnabend, den 6. Januar.
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deutendsttn nationalen Erfolge gehobene Volksgeist I Entscheidung der vollen Durchführung zugeführt worden. auch in dem gemeinsamen Wirken und Schaffen des? Durch seine Beschlüsse über das Reichsbeer hat deutschen Volks vom ersten Augenblicke lebendig. derReichstag bekundet, daß er in Uebereinstimmung mit
Während bei de» ersten Vorverhandlungen über den verbündeten Regierungen entschlossen ist, die
Grundlagen gemeinsamer Kraft, aus welchen das Reich
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die Verträge, aus welchem die neue Einigung beruht, noch manche Bedenken und Besorgnisse in Betreff der praktischen Erprobung deS Geschaffenen obwalteten, hat sich' thatsächlich auf dem Boden des deutschen Reichs, ebenso wie früher im Norddeutschen Bunde, daS Vertrauen vollkommen bewährt und erfüllt, daß
Die deutsche Entwickelung im Jahre 1871.
Der Segen, welcher auf den jüngsten Kriegserfolgen für Deutschland ruhte, ist in den FriedcnSarbciten deS deutschen Volkes während des Jahres 1871 recht deutlich hervorgetreten. Die entscheidende und durch« greifende Gewalt der kriegerischen Erfolge machte sich alsbald auch in der Thatsache geltend, daß noch inmitten deS Kriegslaufes die friedliche Arbeit für die Schöpfung neuer politischer Einrichtungen des geeinigten Deutschlands mit voller rüstiger Kraft begonnen und ohne Unterbrechung, ohne Schwanken noch vor Ablauf deS Krieges zum Ziele geführt werden konnte.
Bald nach den ersten Schlägen bei Weißenburg und Wörth, in welchen die vereinte Kraft von Rord- und Süddeutschland sich erprobte, und vollends nach der großen Entscheidung von Sedan kam vor Allem in Süddeutschland die Ucbcrzeugung zum Durchbruche, daß das Vermächtniß der gemeinsamen Opfer und Erfolge für alle Zukunft in der vollen staatlichen Einigung Deutschlands gesichert werden müsse: — unter dem mächtigen Eindruck der weiteren Kämpfe und Siege gedieh das unwiderstehlich erwachte nationale Bewußtsein so rasch zur vollen, herrlichen Reife, daß der größte und bedeutsamste Erfolg des Krieges bereits zur thatsächlichen Vollendung gelangen konnte, ehe noch der Lauf deS Krieges selbst beendigt war.
DaS Größte, was Deutschland errungen, das Schwerste, was Frankreich hinnehmcn mußte, die Aufrichtung eines politisch geeinigten deutschen Reichs, war, als eS zum Friedensschluß kam, nicht mehr ein Gegenstand der Verhandlung oder auch nur der ausdrücklichen Anerkennung: Frankreich konnte sich in die vollendete Thatsache nur stillschweigend fügen, — eS mußte den Frieden von vornherein vom deutschen Kaiser, dem Oberhaupt deS einigen deutschen Reichs erbitten.
ES gehört zu den denkwürdigsten Zeichen der göttlichen Leitung in dieser größten Epoche der deutschen Geschichte, zu den handgreiflichsten Spuren des Fingers Gotte» in der Geschichte der Völker überhaupt, daß unser Kaiser die Vollendung des neuen deutschen Reiches in glorreicher Siegesgewalt von derselben Stätte aus verkünden konnte, von welcher dereinst die verderblichsten Anschläge und Feldzüge gegen daS alte deutsche Reich ausgegangen waren.
Und diese wunderbare Weihe, welche auf bei Wiedererstehung des deutschen Reiches ruhete, hat sich auch in der ersteren inneren Entwickelung desselben sichtlich bewährt. Wie eS nicht menschliche Willkür, nicht politische Klugheit und Berechnung, sondern der unwiderstehliche Drang deS deutschen Volksbewußtseins war, der zur Aufrichtung des neuen Kaiserreichs trieb, so war dieser innerlich einigende und durch die be-
Der Tag zu Kassel.
Historische Errählung aus der Jugendzeit Philipp des Großmüthigen.
Bon W. Bennecke.
(Fortsetzung.)
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„ES ist eine Schmach und Schande!" zürnte Frau Armgard, die Ehegenossin Schrendeisens, des Bürgermeister«, „eine wahre Schande ist eS, einer so guten und gnädigen Fran so mitzuspielen! Und Du weißt's genau, Balser? Man hat ihr den jungen Herrn verweigert? Und daS nennt sich ritterlich und mein Ehegemahl stand zu betten, so ihr widersprachen. Na, warte! Das sag' ich Dir, Balser, wenn Du mein Eidam bist, und Gott mag es geben, dann verseh ich ich mich zu Dir, daß Du die Frauen achtest und Dich nicht schämst, unter Weiberregiment zu stehen, so war's allezeit fein ritterlich und ist auch sein bürgerlich!"
Diese Worte waren an jenen jungen Mann gerichtet , welchen auf dem Platz vor dem Sckloß der Schmied Greineisen mit Junker Amrhein angeredet hatte.
Balser Amrhein, der Sohn des gelehrten Schöffen Amrhein, war der verlobte Bräutigam der einzigen Tochter Schrendeisens. Er hatte in das Haus seines Schwiegervaters an jenem Morgen die Nachricht von der Zurückweisung bet Beschwerben der Landgräfin unb der Stände gebracht und war von der Mutter
Westen Bild ist bas?"
„Des gnädigen Herrn Johannes von Sachsen",
„Des Johannes von Sachsen ?" schmälte Armgard und ließ die Kette mit verächtlicher Handbewegung fallen. „Wagst Du das Bild neben dem des Landgrafen, Deines Herrn, auf der Brust zu tragen ? Schrendeisen! Schrendeisen! Willst Du Kassel sächsisch machen?"
„Weib!" fuhr der Bürgermeister auf und seine bisher noch glatte Stirn legte sich in Falten, „Du weißt nicht was Du redest."
„Melchior, ich glaube, ich glaube", eiferte die Gattin, „dieser Boyn^urg hat es Dir noch angethan! Wie? hast Du kein Gefühl in der Brust? Sonst warst Du der Erste in der Stadt und wenn Du Dein Barettlein zogst, so zogst Du's vor dem Landgrafen, Deinem Herrn, vor dessen Väter es Deine Väter ge- than hatten wie Du, und wenn ich knixte und knie- beugte, so that ich's vor der Landgräfin, der Mutter der Kinder von Hessen. Und jetzt? Vor wem drehst Du jetzt die Mütze in den Händen? Vor wem'muß ich jetzt mich bücken? Vor wem? Vor denen, die wie ich und Du im Koth der Straßen gehen mußten, als wir die junge Landgräfin einholten? Siehst Du, Balser", unv sie wandte sich an den Verlobten ihrer Tochter. „Siehst Du, wenn ich wüßte, daß Du jemals —"
Der Schuß einer Hackenbüchse tönte von der Straße herauf unb schnitt Frau Armgards Rede ab, die Männer eilten ans Fenster. Die Straße herauf wälzte sich ein tobender Hanfe, in der Entfernung hörte man aufs Neue Schüsse fallen
(Fortsetzung folgt.)
seiner Brant in vorstehender Weise angerebet worben.
Frau Armgarb war eine hochgewachsene kräftige
Vierzigerin auö einem alten Patriziergeschlecht der I sagte Schrendetsen schnell, tn der Hoffnung, daS Ge-
ReichSstadt GoSlar entstammt. Von ihr sagte man,'spräch würde eine andere Wendung nehmen."
erstanden ist, unverringert zu erhalten und zu wahren.
So ist denn die Zuversicht begründet, daß der große Bund der deutschen Staaten „zum Schutze des Bundesgebietes und innerhalb desselben gültigen Rechtes, sowie zur Pflege der Wohlfahrt des deutschen Volkes", sich in allen diesen Beziehungen als wahrhaft wirksam und segensreich erweisen werde.
Die hoffnungsvolle Entwickelung des Deutschen Reiches kann nicht ohne heilsame Wirkung auch auf die allmäligc Gestaltung der Dinge in dem neuen Reichslande Elsaß-Lothringen bleiben. Wenn die dortige Bevölkerung, ungeachtet ihrer überwiegend deutschen Volksart, doch seither von der entschiedensten und begeisterten nationalen Anhänglichkeit an Frankreich erfüllt war, so beruhte dies vornehmlich auf dem stolzen Bewußtsein, einer großen, hervorragenden und in glänzender Entwickelung begriffenen Nation anzugehören. Das Deutsche Reich aber, wie es jetzt neu erstanden ist, wird fortart den alten Stammesgenossen für jenes nationale Bewußtsein vollen Ersatz zu gewähren im Stande fein, und je glücklicher die Entwickelung unserer Reichsangelegenheiten vor sich geht, desto eher wird auch die Wirkung davon in dem neuen Reichslaube hervortreten. Es wäre thöricht, in dieser Beziehung schon jetzt irgendwie reife Früchte erwarten zu wollen, wir dürfen eö aber als eine Thatsache von glücklicher Bedeutung begrüßen, daß nirgends mehr ein Anzeichen ernftereren Widerstandes gegen die Ueber- leitung in die neuen Zustände hervortritt, daß das öffentliche Leben in allen seinen Aeußerungen schon jetzt wieder in einen geordneten und regelmäßigen Gang eingetreten ist, unb baß es jetzt nach Verlaus von kaum einem halben Jahr seit der Vereinigung von Elsaß-Lothringen mit dem Deutschen Reiche bereits möglich ist, in Folge allseitiger ruhiger Beobachtungen und Erfahrungen uliv im Einvernehmen mit einsichtigen Männern aus allen Ständen der Bevölkerung selbst den Grund zu der dauernden Ordnung der Verwaltung zu legen.
Entschiedener als noch vor Kurzem ist das Vertrauen gerechtfertigt, daß der nationalen Kraft und dem ernsten Geiste, von welchem alle Thätigkeit im deutschen Reiche geleitet wird, auch die Erfüllung der hohen nationalen Aufgaben in dem neuen Reichslande in nicht zu ferner Zeit sicher und durchgreifeuv gelingen werde.
DaS deutsche Volk darf daher beim Beginn de« neuen Jahres nicht blos auf die allgemeinen politi-
Orfieint täglich außer ben Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für daS Quartal der Oberhrsfische« Stitimg «tt KreUblatt durch die Expedition (Koch'sche " Buchbruä7rki) bezogen 221 «ar., durch bie Postämter 27 ®9r. « Psg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für daS Ausland excl. Stempel 22 «gr. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile »1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
in den neugeschaffenen Einrichtungen das Schwergewicht der Gemeinschaft durch sich selbst wirksam sein werbe. Die beiben bisherigen Sessionen beS Reichstages sinb nicht blos auf ben verschiedensten Gebieten der Gesetzgebung für die weitere Entwickelung einheit lichen Rechts fruchtbringend gewesen, sondern es ist bie bemerkenSwerthe Erscheinung eingetreten, daß gewisse Gebiete des staatlichen Lebens, welche gerade auS Rücksicht auf die Auffassungen und Wünsche der größeren süddeutschen Staaten von der gemeinsamen Gesetzgebung zunächst ausgeschlossen bleiben sollten, sehr bald auf Anregung dieser selben Staaten in das Gebiet der Reichsberathung hineingezogen worden sind.
Schon jetzt stehe» wir inmitten der lebendigsten fortschreitenden Entwickelung der Einrichtungen des Reichs. «
Unsere Regierung wie ihre Verbündeten legen nach wie vor ben größten Werth auf eine Entwickelung bet Bundesverfassung nach ihrem ursprünglichen Geist und Wesen, unb eS kann nicht bie Aufgabe fein, bie geschichtlich gewordene Eigenart der einzelnen Glieder des Reiches, Preußens so wenig wie eines anderen Staates, zu brechen ober zu verkümmern; es wirb vielmehr als einer ber wesentlichsten Vorzüge ber Bundesverfassung festgehalten, daß sie neben ber nothivenbigen politischen Einheit zugleich der Manmch- saltigkeit ber Gestaltung des inneren Staatslebens freien Raum gewährt. Je mehr aber hierüber all- seitiges unb vertrauensvolles Einverständniß zwischen alle» Bunbesregiemngen herrscht, besto größer ist auch bie Bereitwilligkeit, bie wahrhaft gemeinsamen Staats- unb VolkSiitterressen mit dem Nachdruck und Gewicht einheitlicher Behandlung wirksam zu fördern.
Der praktische Geist, welcher in de» Angelegen heiten des Reichs waltet, hat sich jüngst in ber raschen unb glücklichen Lösung einer ber wichtigsten Fragen für Hanbel unb Wandel gezeigt; bie Münzreform, welche Jahrzehnte hindurch ein Gegenstand des lebhaftesten Streits und Zwiespalts in den gelehrten, wie in den geschäftlichen Kreisen gewesen war, ist jetzt unter der Gunst der augenblicklichen Umstände, zugleich aber unter dem Einflüsse eines ernsten einmütigen Wollens durch eine erste tatsächliche und grundlegende baß sie im Hause stets, in der Stadt sehr oft das Regiment führe; nur seit Landgraf Wilhelms Tod schien ihr nicht alles mehr nach Wunsch zu gehen. Sie wollte Anna von Mecklenburg als Herrscherin sehen unb ihr Mann hielt bei Lubwig v. Boyneburg. Unter beS LandhofmeisterS Einfluß hatte ber sonst so gefügige Ehemann ihr zum erftenmale zu widersprechen gewagt, unb wenn sie ihn bie Schärfe ihrer Zunge wollte fühlen lasten, war er in bie Trinkstube geeilt. In solchen Augenblicken suchte Frau Armgarb Trost batin, ihrer Tochter Eva unb deren Bräutigam gegenüber ihr Herz auSzuschütten und letzteren zu einem Mann nach ihrem Herzen zu erziehen. Auch an jenem Morgen war ihr Balser gelegen gekommen, aber auf dem besten Wege, ihrem Herzen Luft zu machen, wurde sie durch den Eintritt ihres Eheherrn unterbrochen.
„Ei! sieh da, der hochgelahrte, ehrenfeste Herr Bürgermeister!" wandte sie sich an ihn, höhnische Verbeugungen machend, „und Ihr habt wohl wieder beraten zum Nutz und Frommen der Witwen und Waisen? Pfui, Schäm' Dich, Melchior! Schäm Dich! Zwar wart ihr nie eine freie Stadt, aber ihr wäret doch eines Landgrafen Stadt unb deS Landes erste Stadt und was seid ihr jetzt? Eines fchäbischen Ritters Knechte. Geh', schäme Dich, Melchior! Ei! hast Du wieder ein neues Gnabenkettlein!" unb sie hob eine gclbene Kette an der Brust ihres Mannes empor.