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Marburg, Donnerstag, 30. Dezember 1880.
XV. Mrgang
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heiß auch der Kampf der Liebe ist Mutter und Schwester, die selbst sich vergißt, den tückischen Wassern, der tobenden Flut; der Knabe auch ruft nach der Mutter so gut.
Das BerweuduugSgesetz.
In Bezug auf das Verwendungsgesetz werden jetzt in liberalen Blättern täglich verschiedene Nachrichten verbreitet. Wir haben schon früher bemerkt, daß wir es für nötig halten, daß die Negierung, um ihre Steuerreformpläne endlrch zur Durchführung zu bringen, sich mit einer parlamentarischen Majorität über einen klaren, auch dem gemeinen Mann verftändlichen Plan einige, diesen Plan in Form einer Denkschrift dem Landtage und Reichstage vorlege, und dann mit Hilfe dieser Majorität ihn durchführe Das ist aber ohne das Centrum, wie jetzt auch das Verl Tagebl." anerkennt, kaum möglich. Denn selbst, wenn die konservative, freikonservative und nationalliberale Fraktion des Reichstages sich vereinigten, so würde noch keine genügende Mehrheit zusammen kommen. Es ist aber noch sehr fraglich, ob die Nationalliberalen überhaupt mitgchen werden,, weil, sie dann mit ihren liberalen wirtschaftkichen Grundsätzen durchaus brechen müßten; denn das Gesetz ruht auf dem Prinzip der indirekten Steuern. Das Centrum aber scheint jetzt mehr wie je zur unerläßlichen Vor, bedingung die Beseitigung des Kulturkampfes zu machen. Unter diesen Umständen liegen di« Aussichten für die Steuerreform noch im Trüben. Es ist aber für die Durchführung derselben überhaupt von der allergrößten Bedeutung, daß sie balo erfolge, denn so lange die Reform nicht in sich abgeschlossen ist, können auch die bereits eingeführten Bruchstücke derselben nicht zur vollen Wirkung gelangen und lausen Gefahr, in Mißkredit zu kommen.' An dieser
Beim Tode des kleiveu Fritz Dute
(in den durch langen Regen angeschwollenen Wogen der Lahn, vor Weihnachten lv80).
Der Christbaum brennt in jedem Haus, Es brennet die Liebe Gottes daraus —: In Einem Hause brennt er nicht, Die Eltern verhüllen ihr Angesicht.
Den einzigen Sohn hat die Flut geraubt!
O arme Mutter, Du hätl'st nicht geglaubt: Aus der Schule kam er belobt nach Haus, Mit Singen sprang er ein und aus.
Es saust die Flut in wildem Tanz, Sie gürtet ums Haus einen Wasierkranz, — Da eilt der kleine Schiffer hin,
An den Wassern zu spielen mit fröhlichem Sinn.
Gezimmert ist schnell ein kleines Boot, Darin er trotzet deS Wassers Not, — Doch die Flut ist gierig nach Menschenleib, Die Lahn ruft brüllend nach Sprossen vom Weib.
Sie ergreift das Kind mit wildem Satz'
Und reißet das Boot von der Wohnung Platz, — Nach ihrem Grund zieht das Opfer sie hin, Wie der Knab' auch wehret mit starkem Sinn.
Wie die Mutter auch ruft von dem Hause her, Wie die Schwester durchkreuzet die Woge quer In heiliger Lieb' stürzt in'S Wasser hinab, Zu jagen den Bruder dem Tode noch ab.
DaS höret der Vater im Sternen Zelt, Der den Sohn gesandt in diese Welt: Er eilet segnend in's leere Haus Die Engclein fliegen ein und auö I Und Er legt auf das wunde Herz Seine Hand, Sein Antlitz zu Eltern und Schwester gewandt, Er umfängt sie in heiliger Liebesglut, Viel tiefer als Hölle und Waffersflut.
Und es klinget gewaltig Sein Gotteswort:
Kein Leid nimmt die Weihnachtsbotschaft euch fort Daß „große Freud" auch euch widerfahr', Das gilt euch trotz Letd'ö auch in diesem Jahr! Denn den Wellen entrissen hab' Ich euer Kind, Hingerettet, wo die heiligen Engel sind, Was Menschenkräfte nimmer gekonnt, Thal Ich, der über Wind und Wellen thront.
So hab' Ich, wie die Mutter zuletzt noch that, Als sie ihren Sohn von Mir zurück sich erbat, Mit dem Namen der Taufe gerufen Mein Kind, — Wo Meine Kinder versammelt sind.
Da soll es mit Mir und den Engeln schön' Dies Jahr schon am Christbaum im Himmel stehn', Mit Geschwistern sich freuen in ewigem Licht An seliger Gabe, die nimmer bricht.
Da sollt auch ihr es einst wiederseh'n, Wenn ihr Lieben auch dringet zu lichten Höh'n! Es rufet euch zu in unendlicher Freud', Daß ihr wehret dem Weh, kurzsichtigem Leid.
Es rufet ench zu: nur den Heiland erkor'n, Der heute der Welt zum Trost ist gebor'n, Der Tod auch heilet, daß das Grab zerspringt, Der Elemente und Hölle bezwingt:
So werden wir sein im Vaterhaus, Wo nicht wieder Tod mich holet heraus; Ich werde euch liegen ewig am Herz', An die Brust mich euch schmiegen nach bangem Schmerz!
G. A. S.
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ihr Aufschrei auch klinget in'S Wasser hinein flehender Bitt' aus des Herzens Schrein, er rufet auch Menschen in Menge herbei: Niemand ist, der dem Kinde ein Retter feil
nur dann feilgeboten werden darf, wenn es im öffeutlichen Schlachthause ausgeschlachtet ist; die Nr. 6 lautet jetzt, daß diejenigen Personen, welche in dem Gemeindebezirke das Schlächtergewerbe oder den Handel mit frischem Fleisch als stehendes Gewerbe betreiben, innerhalb des Gemeinde- bezirkö das Fleisch von Schlachtvieh, welche sie nicht in dem öffentlichen Schlachthause, sondern an einer anderen innerhalb eines durch den Gemeindebeschluß festzusetzenden Umkreises gelegenen (Antrag Labes) Schlachtstätte geschlachtet haben, ober haben schlachten lassen, nicht feilbieten dürfen. Die Anordunngen können nur in Verbindung mit der Anordnung zu Nr. 1 (Untersuchung deS Schlachthauses durch Sachverständige) und den Schlachtzwang beschlossen werden, sie bleiben für diejenigen Teile des Gemeiiwebezirks und diejenigen Gattungen von Vieh, welche von dem Schlachtzwange ausgenommen sind, außer Anwendung. Im übrigen steht cs der Gemeinde frei, die im Gesetz aufgeführten Anordnungen sämtlich oder teilweise und die einzelnen Anordnungen in ihrem vollen, durch das Gesetz begrenzten Umfange oder in beschränktem Umfange zu beschließen.
Reisse, 24. Dez. Schon vor längerer Zeit war hier die Idee rege geworden, Sr. Kaiser!, und König!. Hoheit dem Kronprinzen aus Anlaß seiner längeren Anwesenheit in Neisse im Jahre 1866 ein Erinnerungszeichen darzubringen. jSn jenem Jahre hatte der Kronprinz in unserer Stadt fetit Hauptquartier, hier sammelte sich die unter seinem Kommando stehende zweite Armee, von hier aus zog er nachdem die Kriegserklärung übermittelt war, dem Feinde entgegen. Dem Kronprinzen verdankte die Stadt damals die Erhaltung ihrer schönsten Promenade, her Rochus-Allee, und sodann die Entstehung der gärtnerischen Anlagen längs der beiden Neiffe-Ufer in der Nähe der Kriegsschule Diese Idee ist jetzt durch die städtischen Behörden verwirklicht worden. Die Erinnerungsgabe besteht in einem Album von 30 photographischen Ansichten unserer hierzu an landschaftlichen und architektonischen Motiven fo reichen Stadt.^ Den in vollendeter Weise von dem Hofphotographen C. Völkel ausgeführten Aufnahmen ist ein Titel- und Widmungsblatt von der Hand des Professors Scheuren in Düsseldorf beigegeben. Dasselbe zeigt im Mittelfelde die Figur der Nissia vor einem duftigen, die Ansicht der Stadt wiedergebenden Hintergründe, ihr zur Rechten die Embleme des Friedens, zur Linken die des
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Berlin; )äk LhieneS in Sloerfil»; S. Schlotte in
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Steuerreform zeigt es sich, wie bedenklich halbe Maßregeln sind. Weuu die Reform mit Hilfe des Liberalismus gemacht werden sollte, so würden wir Gefahr laufen, wieder halbe Maßregeln zu bekommen, wodurch von vornherein der Erfolg des Ganzen in Frage gestellt würde. Natürlich würde der Mißerfolg dann doch nicht der liberalen Partei, sondern der Regierung und den Konservativen in die Schuhe geschoben werden und sie würden die bösen Folgen zu tragen haben; deshalb können wir in jedem Betracht nur wünschen, daß die konservative Partei sich nur auf einen Plan einläßt, der wirklich Erfolg verspricht. Für das Verwendungsgesetz wäre die Sachlage eine viel klarere, wenn der Reichstag bereits eine Anzahl neuer indirekter Steuern beschlossen hätte, welche durch das Verwendungsgesetz zu verteilen wären. Aber um dem Reichs- tage für die Verwendung der zu bewilligenden neuen indirekten Steuern eine Garantie zu bieten, legt jetzt die Regierung das Verwendungsgesetz vor.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Dec. Bei der Beratung des Etats der Bauverwaltung im Abgeordnetenhause sind von verschiedenen Seiten laute Klagen über die bedeutenden Kosten bei öffentlichen Bauten erhoben worden; eö wurde als eine Notwendigkeit bezeichnet, daß in Zukunft die im Etat aufgeführten Projekte nebst den Kostenanschlägen der Budget- kommisston zur sorgfätigsten Prüfung überwiesen würden. Da indessen die Mitglieder dieser Kommission zu einer technischen Beurteilung der Projekte nicht geeignet sei, dürften, so ist, wie wir hören, im Abgeordnetenhause der Gedanke angeregt worden, hervorragende Techniker zu gewinnen, die in völlig unabhängiger Stellung im Auftrage des Landtages alle einschlägigen Pläne und Schriftstücke, vor allem aber die Anschläge, fortlaufend revidieren sollen. — Der Namens der Kommission vom Abg. Barchewitz erstattete Bericht über das Gesetz, betreffend die Errichtung öffentlicher Schlachthäuser ist jetzt erschienen. Es sind von der Kommission folgende Aenderungen gegen die Regierungsvorlage beliebt worden. In § 2, in welchem verschiedene Bestimmungen enthalten sind, die durch Beschluß der Gemeinden nach Errichtung eines öffentlichen Schlachthauses angeordnet werden können, lautet jetzt die Nr. 5 dahin, daß in öffentlichen, im Eigentum und in der Verwaltung der Gemeinden stehenden Fleischverkaufshallen frisches Fleisch
lieber Menschenkraft tragen den Sieg davon
Die Elemente — sie lachen in Hohn,' Weil in Golt nicht sich findet ein starker Mann, Der allein sie besiegen und — retten kann.
Die Flut treibt ihr Kind nach tiefem Schlund, Sie drehet sein Boot ix wirbelndem Rund, Sie küsset und lecket die Füße ihm naß: Was isl's, das sie treibet, — Lieb ober Haß?
Da ist's als ob selbst ein Erbarmen sie fühl' Sie führet den Knaben in dunklem Spiel @anj nah zu dem schützenden Ufer hin: Will der Mutterlieb weichen ihr tückischer Sinn?
Den kühnen Schiffer im -kleinen Boot Durchleuchtet Hoffnung — in Todes-Not Mit sehnendem Herz' und entschlossenem Mut Eilt er, noch sich retten ans granser Flut.
Einen Lebenssprung hofft er, könne er thun, Unb bald an der Mutter warm Herz wieder ruh'n: Er springet vom Boot in gewaltigem Satz, Der Kahn jaget fort in rasender Hatz---
Da jammert die Menge am Ufer in Leid, O Eltern begraben ist Weihnachtsfreud!
Da klingets durch'« Land, hinauf zur Stadt, Daß ein Vater fein Kind verloren hat!
Daß der kühne Sprung zum Leben gewagt, War ein Todessprung in — des Strome« Nacht, Daß das schützende Ufer er nicht erreicht
Daß der Tod der Mutterliebe nicht weicht!
Daß in nassen Arm die Lahn ihn gefaßt, Daß sie diebischen Laufs davon mit ihm rast Daß Niemand ihr teures Opfer ihr raubt Kein Auge mehr schaue sein liebes Haupt!
Und es zittern viel Herzen in tiefem Leid' Die Klage erschallet weit und breit Viele Knie sich beugen hin und her Zn sänft'gen den Eltern das Weh fo schwer!