Rr. 305.
JHarÖurg, Mittwoch, 29. Dezember 1880.
XV. Mrgog
Anzeigen nimmt tmgegen: Me Expedition d.vlatter, sowie d-Anuonren-Bureauk von Th, Dietrich & Co. in Kaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Mu iu; Rudolf Moste in Berlin, Irani- furt a. M ,e.
(Olirrljtffifdjt Jcitiiiig.
Anzeigen nimmt' entgegen die Expedition d. Blattti sowie d. Annoncen-Bureaul von S L- Daube & Co. ir Frankfurt a- M; Jäger'schi Buchhandlung bafelcft: Herrnann'sche Buchhandl daselbst; Jnvalidenbant ir Berlin; W- ThieneS ir Slberfel»; L. Schlotte ir Brr-nrn.
Cricherntkttgilch außer an .^^^.^Sen'mchSonn- »nd Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „IlUftvirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche E-uchbruaeret) bezogen «ar», durch Die Postämter des Deutschen Reiches Z Äark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für oie gespaltene Beile 10 Wa
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Der Nr. 1 k. I. wird ein in Farbendruck ausgeführter Wandkalender beigefügt.
Ar ExpeS. d. Oberh. Zeitung.
Deutsches Reich.
•• Berlin, 27. Dez. ($ie „Köln. Zeitung" bringt, in Nr. 344 bezüglich der der Budget-Kommission des Abgeordnetenhauses von dem Minister der öffentlichen Arbeiten zugegangenen Berechnung über die Rentabilität der Staatseisenbahnen eine Mitteilung, welche in mehreren wesentlichen Punkten der Richtigstellung bedarf. Die „Köln. Ztg." sagt: „Nach derselben (der Berechnung) beträgt das in den Staatseisenbahnen angelegte Kapital 1538 Millionen, das auf die Staatseisenbahnen, welche im Etatsjahr 1. April 1881/82 im Betriebe sein werden, bis Ende 79/80 verwandte Kapital pro rata der Betriebszeit im Jahre 1881/82 162 Millionen als von diesem verwandten Kapital sich berechnenden Bauzinsen, 1828 Millionen Mark als Gesamtschuld der mit der Uebernahme auf den Staat übergegangenen neuen Eisenbahnen. Insgesamt beträgt also das Kapital 3528 Millionen Mark." Diese Zahlenangaben sind indeß nicht völlig korrekt. Nach der der Budgetkommission mitgeteilten Berechnung beläuft sich das auf die Staatseisenbahnen, welche im Etatsjahre 1881/82 im Betriebe sein werden, bis ult. 1879,80 verwendete Kapital pro rata der Betriebszeit in 1881/82 aus 1,538,249,304 M-, sowie der von diesem verwendeten Kapital sich berechnende Bauzinsen-Betrag auf rund 62,000,000 M. (nicht 162 Millionen Mark), welchen Summen die mit der Uebernahme der im Jahre 1880 auf den Staat übergegangenen Eisenbahnen auf der Staatskasse lastende Gesamtschuld von 1,828,507,050 M. hinzutritt, so daß sich das Gesamtkapital auf 3,428,756,354 M. (nicht 3528 Millionen) berechnet. — In der „Köln. Ztg." heißt es weiter: „Der Ueberschuß der Staatseisenbahnen beläuft sich nach dem Etat für 1881/82 ausschließlich der Pensionen für die Eisenbahnbeamten (diese' letzteren betragen 1 Million Mark) auf 150x/4 Millionen Mark, das bedeutet eine Verzinsung des Kapitals mit 4,38 pCt. In der vorgedachlen Berechnung dagegen ist ausdrücklich
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hervorgehoben, daß bei Ermittelung dcö Ueberschusses, die dem Civilbeamten-Pensionsfonds zur Last fallenden im Etat der Finanzvcrwaltung auszubringcnden Ausgaben an Pensionen für ehemalige Staalseiscnbahnbeamte mitberücksichtigt worden sind. Der Ueberschuß von den für Rechnung des Staates verwalteten Eisenbahnen berechnet sich auf 151,311,792 M , und erst nach Abzug der Pensionen auf 150,252,992 M. — In dem Artikel der „Köln. Ztg." wird endlich hervorgehoben, daß bei den Ausgaben in der Berechnung außer Betracht geblieben seien: die Kosten der Centralverwaltung der Staatseisenbahnen, sowie die Differenz zwischen den im Etat für die Erneuerung des Oberbaues und der Betriebsmittel vorgesehenen Beträgen und den Rücklagen, welche dem normalen Verschleiße entsprechen würden. „Wenn diese Momente in Betracht gezogen würden," heißt es, „so würde das Ergebnis sich weit ungünstiger darstellen." In dieser Beziehung ist aber zu bemerken, daß nach der der Budgetkommission zugegangenen Mitteilung der Regierung in der vorgedachten Berechnung außer Betracht gelassen sind, einesteils die Kosten der Centralverwallung, weil dieselben im wesentlichen durch die Notwendigkeit staatlicher Aufsicht bedingt werden und in ungefähr gleicher Höhe auch dann entstehen würden, wenn die für Staatsrechnung verwalteten Bahnen unter Privatverwaltung ständen, andern- teils aber auch die Differenz zwischen den für die Erneuerung vorgesehenen Beträgen und den Rücklagen, welche dem normalen Verschleiße entsprechen würden, weil die Mehr- oder Minderbeträge der wirklich aufgewendeten Kosten gegen regelmäßige Rücklagen sich im Laufe der Jahre auS- gletchen. Auf der anderen Seite ist von der von der „Kölner Zeitung" aufgestellten Berechnung aber auch auf den Umstand nicht gerückstchtigt worden, daß aus der zinsbaren Interims-Belegung der beim Eisenbahnbetriebe disponibel werdenden Gelder — wodurch bei den früheren Privatverwaltungen im Jahre 1879 rund 1,800,000 M. erzielt worden sind — künftig der Eisenbahnverwaltung keine weiteren Beträge zufließen werden, weil die Barbestände, welche nicht in nächster Zeit für Ausgaben notwendig sind und daher reserviert werden müssen, unverzüglich an die General - Staatskasse abgeliefert werden. Desgleichen sind die Zinsen der dem Staate zur freien Verfügung anheimgefallenen Gesellschaftsfonds von 91,354,618 Mark, welche sich beim Zinssätze von 4 Prozent auf 3,654,185 Mark belaufen würden, nicht in Ansatz gebracht worden. Endlich ist auch außer Betracht gelassen, daß einerseits die staatsseitigen Zuschüsse zur Amortisation der festen Rheinbrücke zwischen Deutz und Köln, sowie zur Verzinsung des garantierten Kapitals der Hinterpom- merschen, Vorpommerschen, Cöslin-Danziger- und Eifel- Bahn vermöge ihrer Uebernahme auf die Staats-Eisenbahn- Verwaltung, andererseits die Einnahme an Eisenbahnabgabe
und Superdividende von den verstaatlichten Bahnen (fw welche in dem Nachtragsetat für 1880/81 bei den Ein nahmen 2,331,356 Mark, bei den Ausgaben dageget 3,458,645 Mark, also 1,127,289 Mark mehr in Ab gang gestellt worden) in Wegfall gekommen sind. - Petersburger Korrespondenten der „N. A. Z." hatten schoi vor einiger Zeit erwarten lassen, daß die russische Re gierung mit einer Erhöhung der Eingangszölle Hervortreter werde. Am 26. d. M. bemerkte die ^Post", daß die Erhöhung der Zölle auf alle eingehenden Waren um IC Prozent seitens der russischen Regierung nunmehr fast zu: Gewißheit geworden sei. Nach angestcllter Erkundigung kann ich hinzufügen, daß die Erhöhung vom 1. Januar n. Js. ins Leben treten dürfte und daß an der Einführung derselben nirgend ein Zweifel mehr zu bestehen scheint. Wenn die „Post" sagt, vaß diese Maßregel für den deutschen Handel von der größten Wichtigkeit sei und daß man erwarten muffe, die kompetenten und beteiligten Kreis« werden allenthalben iu Deutschland ihr Urteil über di« mutmaßlichen Wirkungen ohne Verzug zu erkennen geben, so wird diese Voraussetzung wohl allseitig geteilt.
Königsberg, 22. Dezbr. Die Stadtverordneken-Ver- sammlung beschloß in ihrer gestrigen geheimen Sitzung, zu den Kosten für das bei Gelegenheit der Hochzeitsfeier des Prinzen Wilhelm zu überreichende Geschenk einen Beitrag von 15,000 Mark zu bewilligen. Außerdem kann die „K. A. Z." aus authentischer Quelle noch mitteilen, daß die Provinz Ostpreußen dem hohen Brautpaare ein Dreigespann, bestehend aus den schönsten und edelsten in der Provinz vorhandenen sechs Braunen, zum Hochzeitsgeschenk darbringen wird.
Darmstadt, 26. Dezbr. Die Vakanz einer Reihe katholischer Pfarrstellen infolge der Kirchengesetze hat zu vielen Beschwerden wegen Nichtabhaltung der Stiftungen der Pfarrkirchen, wie Seelenmessen u. s. w., geführt, wobei die Regierung stets den gesetzlichen Standpunkt festhielt, daß sie nicht in der Lage auf Antrag der Interessenten für Abhaltung der Stiftungen zu sorgen, es vielmehr den kirchlichen Oberbehörden überlassen müsse, unter Beobachtung der bestehenden Vorschriften die geeigneten Anordnungen zu treffen. In einer besonderen Erklärung sagt die Regierung jedes Entgegenkommen zu und erklärt sich bereit, bei Anordnung einer auf Abhaltung der Stiftungen beschränkten Stellvertretung dem Geistlichen eine entsprechende Entschädigung aus der Vacanzkasse zu überweisen. In gleicher Werse wird anerkannt, daß nicht gehaltene Stiftungen aus der Zeit der Vacanz nachzuhalten und dem Kirchenfonds für die an den Geistlichen bezahlte Vergütung aus der Jnterlalarkasse bczw. dem allgemeinen katholischen Kirchen- sonds Ersatz zu leisten sei. Man ist allgemein darauf gespannt, wie sich die Mainzer Kirchenbehörde diesem Ent-
Lndwig XVI. uud seine Familie im Gefängnis.
(Schluß).
„Ich fürchte den Tod nicht", hatte Ludwig XVI. gesagt, „aber ich kann nicht ohne Grauen an das Los denken, welchem meine Familie entgegengeht I" — Seine Ahnung war nur zu richtig gewesen.
Wer wollte es Marie Antoinette verargen, daß sie, sowie ihr eine Möglichkeit dazu geboten war, einen Fluchtversuch aus dem Tempel beabsichtigte." Doch die Sache ward entdeckt und nach einem zweiten Versuch, wenigstens den Kronprinzen zu retten, wurde am 11. Juli 1793 das Kind von dem Konvente dem Schuster Simon zur Erziehung übergeben.
Die Mutter wollte sich erst töten lassen, ehe sie die Schergen an das Bett ihres Lieblings kommen ließ. Da man aber auch mit dem Tode der Tochter drohte, gab sie endlich nach. Sie ermahnte ihn, sanftmütig und gehorsam zu bleiben. Dann weinte sie über ihm und übergab ihn der Polizei.
Die arme Mutter stand von da an oft stundenlang an dem Mauerspalt ihres Kerkers, um ihr Kind auf dem Turme zu sehen, auf den eö manchmal gebracht wurde. Am 2. August wurde sie in die Conciergerie abgeholt. ES war Nacht, als die rostigen Riegel des GefängniffeS klirrten und rohe Stimmen riefen: „Die Madame auf« stehen."
Der Abschied von Tochter und Schwägerin war herzzerreißend. „Mutter, Mutter", schrie da« unglückliche Kind, „ich muß Dir folgen, ich will mit Dir sterben."
Elisabeth zog Maria Theresia an sich. Marie Antoi
nette aber drückte beide Hände an ihr Herz und sagte: „Lebewohl, ich lege meine Tochter an Dein Herz!" '
Der neue Gefangenwärter der Königin war ein Royalist. Er verschaffte der Königin reinliche Kost und machte ihr täglich die Haare, doch war es ihm nicht möglich, tausenderlei Kränkungen und Entbehrungen von der Kaisertochter fern zu halten. In Lumpen gehüllt, saß sie auf einer elenden, hölzernen Bank, und als sie sich einmal ein Strumpfband stricken wollte, mußte sie von ihrer Decke die Fäden auftrennen und diese mit zwei Zahnstochern anstatt mit Nadeln stricken.
Die Schändlichkeit ihres Verhörs und ihre dabei erwiesene Hoheit ist bekannt. Sie schrieb an Prinzessin Elisabeth: Ich wurde eben verurteilt, nicht zu einem schmählichen Tode, das wäre er nur für die Schuldigen, nein, um mit Deinem Bruder wieder vereinigt zu werden. Es ist mir ein tiefer Schmerz, meine armen Kinder ver- laffen zu muffen. In welcher Lage lasse ich sie zurück! Mein Sohn möge nie die Abschiedsworte seines Vaters vergessen, welche ich ihm hiemit ausdrücklich wiederhole: „Er suche nie unfern Tod zu rächen."
Ihr Einzug in Paris 1770 war ein Triumphzug gewesen. Ihre Anmut und Schönheit entzückten jedermann. Ihr Gang zum Tode war der einer gemeinen Verbrecherin. Auf einem Karren wurde sie, mit schwarzem Unterrock uno weißer Nachtjacke bekleidet, zur Guillotine geführt. Die Haare waren ihr abgeschnitten worden, die Augen waren rot geweint, die Wimpern starr und unbeweglich. Ihre Haltung verriet weder Furcht noch Niedergeschlagenheit.
Am 16. Oktober 1794 fiel auch ihr Haupt und wieder brüllte das Volk: „Es lebe die Republik!"
Ein halbes Jahr später wurde auch Elisabech aus
ihrem dunklen Kerker abgeholt und die unglückliche Königstochter blieb allein darin zurück. Wieder hatte sie auf den Knieen gebeten, mit ihrer Tante sterben zu dürfen.
nicht? ^^^stoßen mit den Worten: „Man brauche
Man beschuldigte Elisabeth, an dem Morden, Blutvergießen, Rauben und Brandstiften der Tyrannen teil genommen zu haben und verurteilte sie zum Tode. Die Nacht darauf brachte sie in stillem Gebet zu. Am Mobilen des 10. Mai 1795 empfing sie den Todesstreich, nachdem sie vierundzwanzig Leidensgefährten vor sich hatte hinrichten , ..Wie viel der Dauphin litt, bis sein zarter und doch kräftiger Körper den Qualen erlag, ist bekannt. Nach dem Sturze von RobeSpierre wurde das jammervoll entstellte Kmd seiner verpesteten Höhle entrissen und gereinigt. Man gab ihm gesunde Nahrung, ein reines Bett und frische Luft, und als man erkannte, daß sein Ende nahe sei erhörte man die flehenden Bitten seiner Schwester und brachte
Suihrn. Da überzog ein glückliches Lächeln das bleiche Gesicht und er schlang liebkosend die Aermchen um die geliebte Schwester. Einmal richtete er sich plötzlich auf ein Ausdruck des Glückes erglänzte in feinen erloschenen Augen. »Zch höre die ohmme meiner Mutter," rief er, Schwester horst Du Mama? Welch herrliche Musik." "Mit diesen Worten sank er zurück und war tot.
Di- Prinzessin ward endlich im Jahre 1795 von ihrem Dheim, Kaiser Franz von Oesterreich anSgetauscht. Am 18. Dezember 1795 öffneten sich die Thore ihres Gefäng- mffes. Niemand nahm Abschied. — 9
Maria Theresia vermählte sich später mit ihrem Vetter, dem Herzoge von Angoulöme aber niemand sah je ein