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Skr. 303.

Marburg, Sonnabend, 25. Dezember 1880.

XV. Iahrgaiiz

Anzeige« nimmt entgegen: bie djepebitto* b.vlatteS, sowie d-Annoncen-Bureaur von LH, Dietrich & So. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Zrantfurt a. M., Berlin. Leipzig, 6b(n re.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank­furt a. M. re.

OlikllstUche jritimg.

Anzeigen nimmt! entgegen die Expedition d. Blattes sowie d.Annoncen-Bureaur von B. L- Daube & So. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung bafelbftj; Herrnann'sche Buchhanol. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W- LhieneS in Aberfeld; E. Schlotte in Bremen.

(fcf^emt täglich außer an den Werktagen nach Gönn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlustrirteS SvuntagSblatt" durch die Expedition lK och'fche Buchdruckerei) bezogen 3i Warf, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Wart 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). JnsettiouSgebühr für die gespaltene #eik 10 Psg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.

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Dberhessischen Zeitung

mit deren Gratisbeilage

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Der Nr. 1 k. I. wird ein in Farbendruck ausgeführter Wandkalender beigefügt.

Die Ex-ed. 6. Oberh. Zeitung.

Weihnacht.

In dem Kampf und Streit der Welt erschallt wieder die selige fröhliche Weihnachtsbotschaft:Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und an den Menschen ein Wohlgefallen!" Weihnachten ist das Fest der göttlichen Liebe. Wonach alle Menschenherzen sich sehnen und was sie vor den blutigen Götzenaltären vergeblich gesucht: die Offenbarung der göttlichen Liebe, welche den Menschen mit Frieden und Freude erfüllt das ist erfüllt in der Ge­burt des Heilandes, in welchem erschienen ist die Liebe, die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes." Diese Gottes­liebe spiegelt sich an diesem wunderschönen Feste wieder wie das Sonnenlicht im Krystall in Millionen Menschen­herzen, welche an diesem Feste einander Liebe zu erweisen suchen. Mit welchem Sonnenschein des Segens und des Friedens hat das Weihnachtsfest die Welt erfüllt! WaS wäre aus der Welt ^geworden ohne Christum und das Christentum? Wir, die wir in die Segnungen der christ­lichen Kultur hineingeboren und erzogen worden, können uns gar nicht denken, daß eS anders sei und wir vergessen so leicht, was wir dem Christentum alles verdanken. Aber ein Blick in die nicht christliche Welt, die es an keinem Punkte, zu keiner Zeit und in keinem Volke auch nur an­nähernd zu der Kultur gebracht hat, daran die christliche Welt sich erfreut kann uns Dankbarkeit lehren und es thut dringend Not, daß wir uns darauf besinnen, welch' unschätzbares Gut wir in unserer Religion besitzen. Waren doch so viele auf den Punkt gekommen, daß sic das Christentum wie eine alte wertlose Sache von sich warfen. Aber es geht durch unser Volk ein Aufwachen und cm Sichbeflnnen! Man erkennt, wohin wir kommen, wenn wir

nicht mehr das Christentum den Pulsschlag unseres Kultur­lebens sein lassen. Der religiösen Gleichgiltigkeit folgt die sittliche Verwilderung und dieser wieder folgt wie der Schatten dem Körper die wirtschaftliche und soziale Ver­armung und Zerfahrenheit. Der ganze Aufklärungsschwin­del, der die heiligsten, welttragenden religiösen Wahrheiten in den Staub tritt, der das Geld und den Genuß für das Höchste erklärt und die Kultur, die Kunst und Wissen­schaft zur Dienstmagd der Gewinn- und Genußsucht herab­würdigte und dabei in der Reichshauptstadt dem Affen Christbäume putzte und Bulletins imBerliner Tagebl." über dessen Befinden schrieb wem ist diese Verirrung zu Gute gekommen? Unserem deutschen Volke wahrhaf­tig nicht!

Man fängt an zu begreifen, daß wir alles verlieren, wenn wir das Christentum verlieren. Nur das Christen­tum hat den Frauen, den Kindern und den Armen ihre Menschenwürde gegeben; in der nichtchrisllichen Welt wurde als voller wahrer Mensch nur der reiche unabhängige Mann, alles andere als Sklave oder abhängige käufliche Masse angesehen und behandelt. Man denke an die scheuß­liche Behandlung der Frauen, die Aussetzung der Kinder, die Sclaverei der Armen! Wenn das Christentum schwin­det, schwinden auch die Ideen, welche die Freiheit und Humanität tragen und es tritt die Selbstsucht als allein berechtigter Beweggrund des menschlichen Lebens auf. Dar­nach gestaltet sich denn auch wieder die Behandlung der Schwachen und Armen. Bei keinem Volke hat sich das Christentum so tief und innig mit dem Volkstum ver­mählt wie in Deutschland. Die deutsche Weihnachtsfeier ist einer der schönsten Beweise dafür! Die deutsche grüne Tanne mit den das Licht der Welt und die barmherzige Gottesliebe in Christo darstellenden Lichtern und Geschenken sind ein Abbild der innigen Durchdringung von Deutsch­tum und Christentum, wie sie schon bald nach der ersten Verkündigung des Evangeliums in dem angelsächsischen Heliand und daun durch die ganze deutsche Geschichte hin­durch auf die mannigfaltigste Weise zeigte. Unsere Kirchen und Schulen, unsere zahllosen Anstalten barmherziger Liebe nicht bloß, nein, auch unsere Litteratur und Kunst, ja unsere einheitliche hochdeutsche Sprache verdanken wir in hervorragendster Weise dem Christentum und der deutschen Bibel und bei keinem Volke ist die Sitte und das Familien­leben so durchdrungen vom Geiste deö Christentums, als in Deutschland. Aber die letzten Jahre haben an diesem edlen Schatz gezehrt und gerüttelt, so daß große Kreise in Gefahr waren, ihn zu verlieren. Aber vielen sind im An­gesicht der verderblichen Folgen die Augen aufgegangen und sie haben erkannt, daß wir auch unser Deutschtum nicht behalten können, wenn wir uns das Christentum nicht be­wahren. Möchte das Weihnachtsfest diese Erkenntnis in großen Kreisen unseres Volkes wieder wach rufen!

Deutscher Reich.

Berlin, 23. Dezbr. Der Botschafter Graf Hatzfeld wurde gestern von dem Kronprinzen empfangen und begab sich Abends nach Wiesbaden, von wo er Neujahr hierher zurückzukehren gedenkt. Das Reichsamt des Innern hat sich bei dem Beschlüsse.bet Reichs-Pharmakopöe-Com- mission, die neue Ausgabe der Pharmakopöe in deutscher Sprache erscheinen kzu lassen, nicht beruhigt, vielmehr die einzelnen Regierungen des Reichs um ihre deöfalsige Ansicht ersuchen lassen. Das k. sächsische Landes-Medicinal- Colleg hat nun, laut der Pharmaceutischen Zeitung, erklärt, es sehe, in Erwiderung jener Anfrage, zwar keine Not­wendigkeit zur Abschaffung der lateinischen Sprache, zumal die lateinische Nomenclalur doch beibehalten werden müsse, habe aber durchaus nichts gegen Einführung der deutschen Sprache zu erinnern. Dagegen könne es sich nicht mit der Bezeichnung deutsches Arzneibuch einverstanden erklären, schlage vielmehr deutsche Reichs-Pharmakopöe oder Pharma­kopöe des deutsches Reiches vor. Der Kultusminister scheint entschlossen zu sein, da das Unterrichtsgesetz so bald noch nicht in Aussicht steht, den Entwurf eines Schul­dotationsgesetzes, wonach seit Jahren Petitionen aus allen Teilen des Landes immer dringender verlangen, von seinen Räten auöarbeiten zu lassen, um denselben wo möglich schon in der nächsten Session dem Landtage zur Genehmigung zu unterbreiten. Natürlich wird das Schicksal dieses Ent­wurfes wesentlich von dem Entgegenkommen des Finanz­ministers und den jeweiligen Finanzverhältnissen ab­hängen. Bezüglich der Steuervorlagen für den Reichs­tag wird berichtet: Die Wehrsteuervorlage, welche dem Bundesrate, wie bekannt, schon in Vorjahre übergeben worden war und daselbst an die betreffenden Ausschüsse verwiesen ward, übrigens aber auf erheblichem Widerspruch, besonders seitens Baierns stieß und aus jenen Ausschüssen nicht mehr zur Beschlußfassung an das Plenum zurückge­langte ist, wie man mit Bestimmtheit erfährt, nunmehr von den Ausschüssen durchberaten und durch Annahme (abgesehen von wenigen Modifikationen) erledigt worden. Demnächst wird also dieser Steuerentwurf an das Plenum des Bundesrats gelangen, und man darf wohl mit Sicher­heit erwarten, daß er auch hier genehmigt wird. Ob Baiern seinen Widerspruch hat fallen lassen oder ob es überstimmt wurde, muß sich erst noch zeigen. Das Stempelabgabengesetz verspricht ein Erträgnis von 20 Millionen, falls nicht noch im Reichstage durch Initiative der Konservativen infolge einer Erhöhung der Steuersätze auf Börsenpapiere dies Erträgnis gesteigert wird. Die Brausteuererhöhung ergibt, wenn sie nach der Regierungs­vorlage angenommen wird, etwa 15 Millionen. Die Wehrsteuer ungefähr eben so viel. Das gäbe also alles in allem eine Summe von etwa 50 Mill. Mark. Nach dem Geständnis des Finanzministers Bitter sind aber zur

ChristnachtSlied.

Freudebringende,

Fröhlichsingende

Engelscharen in dunkler Nacht, Rühmet der Gnade

Selige Pfade,

Preiset, preiset der Liebe Macht!

Freundlichblickender,

Herzerquickender,

Welterleuchtender Himmelsglanz,

Heilige Klarheit,

Göttliche Wahrheit, Fülle, fülle die Seelen ganz!

Blutigringender,

Todbezwingender,

Seligmachender Siegesheld, Heile die Schmerzen

Sündiger Herzen;

Rette, rette die arge Welt!

Glaubensinnige,

Tugendsinnige,

Gottbegnadigte Christenheit,

Halte die Krone,

Bleibe im Sohne, Bleibe, bleibe in Ewigkeit!

Chr. A. Bähr.

Ludwig XVI. und seine Familie im Gefängnis.

(Fortsetzung.)

Am 21. September entstand ein großer Tumult vor dem Gefängnis, Trompeten schmetterten, Trommeln schlu­gen und das Volk schrie und lachte. Ein Abgeordneter verkündete mit gellend lauter Stimme: Die Königswürde sei in Frankreich abgeschafft und das Land für alle Zeiten zur Republik erklärt. Der König, sowie auch die Königin zeigten große Fassung.

Die Königlichen Gefangenen waren selbst vom Nötigsten entblößt. Ihre Kleider waren so zerrissen, daß die Königin und Prinzessin Elisabeth täglich daran zu flicken hatten; die deS Königs konnten erst hergestellt werden, wenn er zu Bette lag. Später wurde für das Nötige gesorgt.

Am 29. September wurden den Gefangenen alle Pa­piere, Schriften, Tinte, Bleistifte und Federn weggenommen, und am Abend desselben wurde ihnen ein Befehl verlesen, nach welchem der König in dengroßen Turm" gebracht werden sollte. In unaussprechlichem Jammer sagte sich die Familie Lebewohl. Clerq folgte dem König. Das dem letzteren bestimmte Gemach war noch gar nicht vollendet. Ein einziges Bett ohne alle andern Möbel stand darin. Zimmerleute und Maler arbeiteten noch an den Mauern, was einen unerträglichen Geruch verbreitete. Nach der unter viel Thränen vollbrachten Nacht wollte sich Clerq, als sein Dienst beim König beendet war, in den kleinen Turm begeben, um den Prinzen anzukleiden. Die Wachen widersetzten sich jedoch. Auch der König verlangte zu seiner Familie gebracht zu werden.Wir haben keinen Befehl dazu", sagten die Wachen.

Endlich wurde es wenigstens Clerq erlaubt für den

König einige Bücher zu holen, die er im Zimmer der Königin liegen gelassen. Er traf die Königin, umgeben von ihren Kindern und die Prinzessin Elisabeth im lauten Jammer. Sie hatten tausend Fragen über den König, welche er indes nur vorsichtig beantworten konnte. Marie Antoinette wandte sich nochmals an den Clerq begleitenden Offizier und bat ihn, nur noch einige Augenblicke deS Tags um den König fein zu dürfen, wenigstens während der Mahlzeit. Es waren keine Klagen mehr, es waren Schmerzensschreie.Nun, so werden Sie heute zusammen- sp isen", war die Antwortüber weiteres hat der Convent zu verfügen." Beim bloßen Gedanken, den König wieder­zusehen, schlich ein Gefühl von Freude in die Herzen der Unglücklichen und sie dankten Gott so innig für das un­erwartete Glück, daß selbst die Wachen dieses eine Mal Thränen vergossen. Dieser täglichen Zusammenkunft war fortan kein Hindernis in den Weg gelegt; auch durfte Clerq den Dienst in beiden Türmen versehen, bis nach drei Wochen auch die Zimmev der Frauen im großen Turm vollendet waren.

Die Zahl der Wachen war hier bedeutend vermehrt, ebenso die Unmöglichkeit, Nachrichten zu den Gefangenen gelangen zu lassen. Doch konnte Clerq mit feiner Frau, bie ihm jebe Woche frische Wäsche brachte, manchmal einige Worte wechseln; auch hatte ein früherer treuer Diener, namens Turgi, Mittel und Wege gefunben, im Tempel angestellt zu gerben, unb wenn ihm auch jedes Gespräch mit Clerq streng untersagt war, gelang es ihm doch, Briefe oder Zeitungen in seine Hände zu schmuggeln.

Clerq hatte von der ganzen Bevölkerung deS Temple viel Schmähung und Mißachtung zu leiden; aber die Liebe für seinen König und der Wunsch, bei ihm ausharren zu