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ucht.

r. 1880-

Rr. 301.

Jflaröurg, Donnerstag, 23. Dezember 1880.

xv. Mglig

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlattes, sowie d.Annoncen-Bnreaur von Th, Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th, Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstei» & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin. Leipzig, 661b tc.; Rudolf Stoffe in Berlin, gtani- fttrt a. M- rr.

OlicrlicUchk MW.

Anzeigen nimmt! entgegen die Expedition d. Blatte! sowie d. Annoncen-Bureaux von E. L. Daube & Co. in ^ankfurt a. M; Jigerffche Buchhandlung daselbst!; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Juvalidendanl in Berlin; W Thiene» in «betfetb; 6. Schlotte in Breme».

et1*etnt tägltdb außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wvchentlichen Beilage „JstUstnirteS LonutagSblatt" durch die Expedition !«och'fche Buchdruckerei) bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche» 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für di- gespaltene Zette 10 Psg.

Für in der Expedition zu ertheilende Luskunft und Annah ui- von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Bestellungen für das 1. Quartal 1881 der Dderhessischen Zeitung mit deren Gratisbeilage

JllustrirteS Sonntagsblatt

bitten wir baldigst machen zu wollen.

tßM" Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Erpel», st. Oberh. Zeitung.

Deutsche- Reich.

•• Berlin, 21. Dezbr. Im Namen Sr. Majestät des Kaisers hat der Reichskanzler dem Bundesrat den gestern bereits in der Plenarsitzung erledigten Entwurf einer Kaiserlichen Verordnung, betreffend die Konsulargerichts> barkeit in Bosnien und der Herzegowina vorgelegt. Dieser Entwurf enthält zwei Paragraphen, nach welchen die dem Konsul des deutschen Reichs in Serajewo zustehende Ge­richtsbarkeit vom 1. Januar 1881 mit der Maßgabe außer Ucbung gesetzt wird, daß die deutschen Reichsangehörigen und Schutzgenossen in Bosnien und der Herzegowina der Gerichtsbarkeit der von Oesterreich eingesetzten Gerichte unterworfen sind und daß die am 1. Januar 1881 bei dem Konsulargericht anhängigen bürgerlichen Rechtsstreitig­keiten und Strafsachen von diesem nach den bisherigen Vorschriften erledigt werden. — Die „Tribüne" und an­dere Blätter vermeinen, daß das Gesetz über die Verwen­dung der Reichssteuern auch schwerlich während der Ferien des Abgeordnetenhauses erscheinen werde, da manche wich­tige Punkte noch zu erledigen blieben. Dem gegenüber ist zu bemerken, daß das Gesetz „über die Verwendung der in Folge weiterer Reichssteuerreformen an Preußen zu überweisende Geldsumme" von Sr. Majestät bereits voll­zogen ist und dem Landtage unmittelbar zugehen wird. — Die in der „Weser-Ztg." mitgetcilte Nachricht, daß der Steuererlaß nicht als solcher, sondern nur in der Weise erfolgen soll, daß für die unterste Stufe die Steuer ganz erlassen werde, beruht wohl nur auf eigener Kombination des Korrespondenten. In sonst gut unterrichteten Kreisen ist hiervon durchaus nichts bekannt. Die Verhandlungen der konservativen Parteien mit dem Finanzminister, welche allerdings dessen Vorarbeiten für die innere Steuerreform mit in Betracht ziehen, beruhen denn doch wohl auf an­deren Grundlagen. So viel ich habe erfahren können, sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen, wenn auch Uebereinstimmug in den Hauptpunkten als vorhanden an­genommen werden darf. — Eine hiesige Zeitung läßt sich durch einen Staatsbeamten a. D. schreiben, daß die Re­gierung damit umgehe, Ausnahmegesetze jetzt auch für an­dere Parteien als die Sozialdemokraten zu beantragen. Es

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Eine gelungene Kur.

Von August Semrau.

Der Eisenkaufmann Ludwig war insoweit ein ganz umgänglicher Mensch, der auch sonst ein treffliches Herz besaß, nur daß er sich manchmal allerlei dummes Zeug in seinen Kopf setzte. Er las gern solche Bücher, worin die Krankheiten der Menschen beschrieben und Mittel zu ihrer Heilung angegeben werden über Kopf-, Unter­leibs- und Lungenleiden, über Aleopathie, Homöopathie und Hydropathie. Und wenn er so ein Buch gelesen hatte, bildete er sich gleich ein, daß er mit den beschrie­benen Krankheiten behaftet sei, und daß er die empfohlenen Mittel anwenden müsse. Und dann begann er zu allerlei Doktoren zu laufen, zu richtigen und unrichtigen, zu medt- cinieren und zu experimentieren, und seine guten Freunde durch Klagen und Jammern zu ängstigen.

Letzthin war ihm ein Buch in die Hände gefallen, worin bewiesen wurde, daß daS kalte Wasser gut sei gegen jeden Leibesschaden, innerlichen wie äußerlichen, und daß nur ganz gesund werden und bleiben könne, wer die Hälfte seiner Lebenszeit in nassen Laken und Decken zubringe und soviel Wasser herunterschlucke, als der Magen nur beher­bergen könne.

Bei dieser günstigen Aussicht, für immer kuriert zu werden, haben sich denn auch alle Krankheiten, die Lud­wig mit sich in seinem Leichnam herumtrug, sofort sämt- iich gemeldet. Hier fing'S ihn an zu reißen und zu kneifen, dort an zu ziehen und zu beißen, hier an zu jagen, dort an zu Plagen, hier an zu rollen, dort an zu kollern.

scheint, daß der Staatsbeamte a. D. außer jeder Beziehung zur Regierung ist, denn in wirklich staatsmännischen Kreisen ist von einer solchen Ausdehnung der gedachten Gesetze noch nie die Rede gewesen. Man muß annehmen, daß die Freitag-Versammlung in der Reichshalle, welche die Fort­schrittspartei so laut nach der Polizei rufen läßt, in dem bedauernswerten Staatsbeamten a. D. solche Halluncinationen erzeugt hat. — ES liegt in der Absicht, Anbauvcrsuche mit ausländischen Holzarten in den Staatssorsten in größerem als bisher und nach einheitlichem Plane ausführen zu lasten. In einem Erlaß des landwirtschaftlichen Ministers vom 4. Dezember wird eS als zweckmäßig bezeichnet, die nötigen vorbereitenden Schritte schon jetzt einzuleiten, um mit der Ausführung sofort, nachdem die Mittel durch das neue Etatsgesetz zur Disposition gestellt sind, beginnen lassen zu können. Die ganze Angelegenheit gehört natur­gemäß in den Bereich des forstlichen Versuchswesens, für welches bereits eine feste Organisation besteht, und zwar fallen die Anbauversuche speciell in den Rahmen der seit Jahren eingerichteten Kulturversuche. Die einzelnen Ver­suchsreviere werden dabei zur Hauptstation in das Ver­hältnis als Nebenstation treten. Pflanzenerziehung, Anbau und weitere Behandlung der Kulturen werden durch Ar­beitspläne gleichmäßig zu regeln sein. Es kommt zunächst darauf an, die Auswahl geeigneter Versuchsoberförstereien zu treffen, und zwar solche auszuwählen, deren Verwaltung nicht nur vermöge eigener Fachkenntnis, sondern auch in Folge beson­deren Interesses die Bürgschaft für eine sorgfältige Durch­führung der Arbeitspläne bieten. 60 Reviere werden für das Staatsgebiet als ausreichend zu erachten sein, so daß auf die einzelnen Regierungsbezirke etwa 2 Versuchsstationen entfallen würden. Binnen 8 Wochen erwartet der Mi­nister die bezüglichen Vorschläge. — Der Kultusminister hat den Bezirksregierungen Exemplare der soeben erschie­nenen preußischen Arzneitaxe für 1881 mit dem Bemerken zugehen lasten, daß die Regierungen in Betreff der Ver­teilung der Exemplare das Weitere zu veranlassen haben.

Berlin, 21. Dezbr. Der „RetchSanzeiger" meldet: Der Kaiser hat den Staatsminister v. Bötticher mit der Stellvertretung des Reichskanzlers in der Leitung der Reichsbank beauftragt. — Die „Nordd. Allgem. Zig." sagt, die fortschrittliche Presse insinuiere, daß die antisemitische Be­wegung samt allen ihren Ausschreitungen seitens der StaatS- regierung heimlich begünstigt werde. Ein Jndicium für diese frivole Insinuation wolle man darin finden, daß die Volksversammlung in den Reichshallen vom 17. Dezember trotz ihres stürmischen Charakters nicht polizeilich aufgelöst worben ist. Die Regierung mißbillige Ausschreitungen, wie sie in erwähnter Versammlung vorgekommen, aufs stärkste. Sei sie deshalb aber berechtigt, alle antisemitischen Versammlungen zu verbieten oder Versammlungen, sobald sie stürmisch werden, aufzulösen? Man möge nur einen Antrag im Landtag einbringen, um das Recht der Volks­versammlungen zu beschränken und die Aufsicht schärfer zu

Wartet nur, denkt Ludwig, wartet nur, ihr Plagegeister, ersäufen will ich euch alle, wie junge Katzen.

Und nun fing er an zu pantschen und zu mantschen, daß e» ein Gräuel war. Er trank keinen Kaffee, kein Bier, keinen Wein, nur kaltes Brunnenwasser. Er aß kein Fleisch, keinen Fisch, keine Semmel, nur Wassersuppen, Obst und Schrotbrot. Wenn er, in Decken gehüllt, zwei Stunden geschwitzt hatte, stürzte er sich kopfüber in einen Zuber mit eiskaltem Wasser. Abends, wenn die Leute in's Theater, in die Concerte, in die Gesellschaften gingen, saß er in einem Sitzschiff und trank alle Viertelstunden einen Liter Wasser. Kurzum, Wasser und kein Ende. Es dauerte denn auch nicht lange, so sah Ludwig sich gar nicht mehr ähnlich. Er lief wie ein Gespenst umher und äng­stigte seine Freunde durch sein excentrisches Wesen.

Paßt auf, sagte der Sattler Temmler, der Ludwig kriegt einen Wasserkopf.

Am Sonnabend Abend saß Temmler beim Restaurateur Schulz hinter einem Schoppen und sagte zu Ludwig, der neben ihm saß und Wasser trank: „Ludwig, mir scheint'S, als wenn Ihr Kopf in der letzten Zeit ganz bedeutend aufgequollen wäre. Sie sollten sich doch mit dem Wasser ein bischen menagieren."

„DnmmeS Zeug", sagte er, „dumme» Zeug! die ein­zig rationelle Kurmethode I"

Nach einer kleinen Welle kam der Lehrer Bärwald. Der sah sich Ludwig so von der Seite an und sagte: „Ludwig, Sie gefallen mir gar nicht, Sie sehen krank aus, Sie haben einen aufgetriebenen Kopf I Nehmen Sie mir'S nicht übel, aber das Wasser bekommt Ihnen nicht."

handhaben. Die Regierung werde denselben in Erwägung ziehen. Nur verlange man nicht, daß der Schutz der Polizei blos für die Fortschrittspartei und deren Clientele in Wirksamkeit trete. — Nachdem die italienische Regierung ihre Kündigung deS deutsch-italienischen Handelsvertrages zurückgenommen und besten Verlängerung bis Ende Juni beantragt hat, gestand die deutsche Negierung diese Ver­längerung zu. Ob dieselbe eintreten wird, hängt von der Annahme der den italienischen Kammern vorliegenden Ge­setzentwürfe über Verlängerung mehrerer Meistbegünstigungs- Verträge ab. — Nach dem Brande in der Villa Mommsen zu Charlottenburg wurde bekanntlich in England der Ge­danke angeregt, den empfindlichen Verlust, welchen der deutsche Gelehrte infolge der Zerstörung eines großen Teiles seiner wertvollen Bibliothek erlitten hatte, durch Veranstal­tung einer Sammlung thunlichft zu ersetzen. Vom Aus­lande eine derartige Gabe entgegen zu nehmen, erklärte Herr Professor Mommsen sich außer stände, die Frage aber, ob er seinen Freunden in Deutschland die Sammlung und Ueberreichung einet solchen Subvention gestatten würde, glaubte er nicht unbedingt verneinen zu dürfen. Die hierauf in diesen Kreisen veranstaltete Subscription hat, wie aus folgendem, an die Geber gerichteten Schreiben hervorgeht, ein überaus günstiges Ergebnis gehabt:

„Berlin, 7. Dezember 1880.

Hierdurch erlauben wir un», Ihnen ergebenst mitzu­teilen, daß die Zeichnungen für die Dotation, welche eine Anzahl von Verehrern des Herrn Professor Mommsen dem letzteren zu seinem 64. Geburtstage (am 30. November a. c.) darzubringen beschlossen hatte, bi» jetzt die Gesamt­summe von 106,000 Mark erreicht und daß wir namens der Herren Zeichner die eingegangenen Beträge Herrn Professor Mommsen an seinem Geburtstage zur Verfügung gestellt haben. Im Auftrage der Veranstalter der Sub­skription verfehlen wir nicht, Ihnen für Ihre freundliche Anteilnahme deren verbindlichsten Dank abzustatten und zeichnen

deutsche Bank."

Wie die „Schief. Ztg." hört, hat allein das Haus Mendelssohn in Berlin volle 10,000 M. gezeichnet.

— Bezüglich der Steuerreform bringen die liberalen Blätter über konservative Anträge folgende Mitteilung: Die konservative Fraktion hat sich, wie wir er­fahren, dahin geeinigt, mit der Wiederaufnahme der parla­mentarischen Arbeiten mit selbstständigen Anträgen auf eine Steuerreform hervorzutreten. Die Mitteilung, daß zwischen, den Konservativen und dem Finanzminister ein Einverständnis darüber erzielt sei, statt des vorgeschlagenen einmaligen Steuererlasses von 14 Millionen Mark dauernd auf die Hebung der untersten Kiaffensteuerstufe im Betrage von 6 Millionen Mark zu verzichten, wird uns als den Thatfachen nicht entsprechend bezeichnet. Dagegen hat man sich im Schoße der konservativen Fraktion dahin geeinigt 1111 1 — i'" ,

„Meine Sache!" sagte Ludwig.

Die Sonnabend-Gesellschaft beim Restaurateur Schulz fand sich allmälig zusammen. Der Kämmerer Dahlke, der Posthalter Menzel, der Kaufmann Semei kamen und nah­men Platz.

Der Kämmerer wollt'S gar nicht glauben, daß der Herr im Mullrock der alte Ludwig fei. „Kinder", sagte er, „so steht doch der Ludwig im Leben nicht aus!" — Und der Posthalter Menzel meinte, der Kopf, den der alte Lu ewig habe, fei ein richtiger Kopf, und dieser Kopf, den der gegenwärtige Herr hier habe, sei ein Butterfaß. Der Kaufmann Samel bot sogar eine Wette an, daß der rich­tige und wahre Ludwig im Augenblicke zu Hause in einem Wasserschiff sitze oder unter Decken schwitze.

Dies Gerede wurde dem alten Ludwig denn doch mit der Zeit ein Bischen zu viel. Er sprang auf und tief, indem er nach seiner Mütze am Nagel griff: „Bleibt ge­sund!" — Aber als er sich die Mütze aufsetzen wollte, ging sie nicht auf seinem Kopf. „Teufel noch einmal", sagt er sich, „das ist doch meine Mütze". Er sieht sie von allen Seiten an.

Das ist doch seine blautuchene Mütze, die er sich vor einem Jahre vorn Kürschner Giesel dicht nebenan gekauft hat! Sie ging ihm sonst bis an die Ohren, aber heute bedeckt sie kaum den Scheitel.

Herr du meines Lebens, denkt sich Ludwig, sie haben Recht, mein Kopf ist geschwollen. Und nun kommt's ihm vor, als wenn sein Schädel weiter schwoll und immer und immer größer würde.

Mit einem Male steckte er seine Mütze in die Tasche,