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Marburg, Dienstag, 21. Dezember 1880.
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Berfaffuugsäudernng in Frankreich.
(Korrespondenz aus Frankreich.)
In den Leitartikeln fast aller deutscher Zeitungen begegnen wir der übereinstimmenden Auffassung, Gambetta habe durch sein Spiel hinter den Coulissen nun bald alle Hindernisse fortgeräumt und alle Vorbereitungen getroffen, um demnächst an der Spitze eims ganz ergebenen Ministeriums den Präsioentensiuhl zu besteigen. Diese Auf- fassung beruht jcdcch auf einer lükenhaften Kenntnis des Weges, welchen die politische Entwicklung Frankreichs seit Begründung der radikalen Republik, von der die indirekte Diktatur Gambcttas datiert, cingeschlagen hat. Sehr bemerkenswerte Winkt in dieser Richtung hat uns Gavardie bei Gelegenheit der Baudry-Debatte gegeben. Er wies darauf hin, daß dar Streben der herrschenden Partei auf nichts ^anderes als «ine Verfassungsänderung gerichtet ist. Ter L-chwcrpunkt d-s Präsidenten soll verschoben werden von dem Präsidenten auf die Deputiertenkammer. Diese beherrschend, leitet Ganbetta ganz und unbedingt, und durch sie hat er bis jetzt alb Maßregeln durchgesetzt, die nur Etappen zu seinen grosen Plänen waren. Hier feierte sein Genie die größten Tiumphe, hier donnerte seine Beredsamkeit allen Widerspuch nieder, in so lauter und vernehmbarer Sprache, daß->as Echo davon immer noch erfolgreich nach dem „Luxechurg" (dem Palaste deS Senats) und dem „Elisse" (der Whnung des Präsidenten) hinüberschallte. Hier tritt er heior, wenn seine Kreaturen den Druck hinter den Knlissennickt geschickt genug ausübtcn, wie beispielsweise beim Ainestiegesetz. Hier appelliert er in letzter Instanz über de Kopf de« Präsidenten Grevy hinweg an die Souveränctä oes Volkes, vertreten in seiner gesetzmäßig gewählten Körpschaft. Hier ist sein Erfolg sicher; er leitet die Mehrhci der Kammer in allen großen Fragen ganz nach seinem Ullen, und daher ist er der eigentliche Souverän. Hier - und nicht im Kabinet des Präsidenten der Republik wer« einstmals die längst vorbereiteten Entschlüsse gefaßt vrden, denen Frankreich zujauchzen wird, und die Europa, Bestürzung setzen werden.
Gambetta denkt also niche tfcrnt daran, eine so gefügige und schlichte Persönlichke wie Grevy vom Präsi-
Pariser Bildhauer David bei dessen Anwesenheit in Berlin modelliert war, ist eine von Herrn Köppen gegossene und ciselierte vergrößerte Copie besorgt worden. Vor dem idyllischen Gartenhause, einem Dichlerasyl, wie eS würdiger und anmutiger nicht gedacht werden kann, sand in der Rosenzcit, der Zeit des Dichtens und der Liebe, in der sechsten Nachmittagsstunde des 26 Juni 1880 der eigentliche Festesakt statt, zu dessen Begehung sich eine stattliche Anzahl Damen und Herren auS Künstler-, Gelehrten- und andern, zu den Verehrern der Chamisso'schcn Muse gehörigen Kreisen eingefunden hatte. Fahnen und Embleme schmückten die Stelle, die von den Zweigen zweier hochstämmigen Kastanienbäume beschirmt wird, und im Vordergründe fand die Büste Chamisso's Aufstellung, welche tagS vorher dem Inhaber des HauseS FriedrichSstraße 235, Fabrikbesitzer Köppen, von den Nachkommen des Dichter« zum Geschenk gemacht wurde. Das ganze HauS war in Oelfarben neu angestrichen und die HauSthür, sowie das verhüllte Reliefbild mit Guirlanden bekränzt, welche die Schülerinnen der Blochschen Schule in Sturm und Regen tagelang zuvor emsig gewunden hatten. Schon in der weit geöffneten Hausthür empfing die Gäste ein Arrangement von Treibhausgewächsen, und der altehrwürdige Garten mit seinen Linden und hohen Kastanien hatte sich über und über in ein Festgcwand gekleidet. Da« Gartenhaus war festlich beleuchtet, an einem der Kastanienbäume vor demselben hing eine Copie des zu enthüllenden Reliefs und kleine ringsum bekränzte Copien waren an den Bäumen angebracht.
Der Sockel, auf dem die Büste stand, war mit Epheu
dentenstuhle zu entfernen und sich selbst darauf zu setzen. Als Präsident könnte er seine Pläne nur durch Staatsstreiche durchsetzen und das liegt weit ab von seinem Charakter und widerspräche auch den Traditionen seines bisherigen politischen Lebens. Wenn aber die ganze Thatkraft des bis auf einen geringen Bruchteil geeinigten Volke« in einer Vertretung organisiert und vereinigt fein wird, welcher auch die gesetzgebende Gewalt zukommt, so erscheint derjenige Mann als der wahre Diktator der Nation, in dessen Hände die große Mehrheit de« Parlaments, die Gewalt legt. Die Macht des Mannes liegt darin, daß er alle« durch das Volk ist und da« Geheimnis, sich in der Macht zu Erhalten, besteht darin, daß er alles für das Volk thut, das heißt, daß er dem Geist, der in der großen Mehrheit des Volkes lebt, Nahrung und frische Belebung giebt; auch gewährt seine Person und Vergangenheit eine Bürgschaft, daß er dem Volksgeisie im geeigneten Moment durch Thaten Ausdruck geben wiro.
Diese Verschiebung de« politischen Schwerpunktes, welche sich thatsächlich schon vollzogen hat, noch durch die Verfassung anerkennen zu lassen, ist vorläufig das Streben der Gambettisten. Sie ist notwendig, wenn ihr Haupt die Rolle spielen soll, die wir soeben geschildert. Wenn man dieses Ziel kennt, wird man manche Erscheinung im inneren politischen Leben Frankreichs begreifen können. Manchen Vorfall im Parlament und in den Couloirs, manche Rede Gambcttas wird dadurch verständlich.
Afcheil- ntoffel. o.
Deutsche« Reich.
V derliv, 17. Dezbr. Der von dem Finanzmtnister und dem Minister für öffentliche Arbeiten dem Hause der Abgeordneten vorgelegte Entwurf eines Gesetzes betreffend die Verwendung der Jahresüberschüsse der Verwaltung der Eisenbahnangelegenheiten, will die im vorigen Jahre bei der Verstaatlichung der Privatbahnen zugesagten finanziellen Garantieen erfüllen. Der Entwurf stellt fest, daß die Jahresüberschüsse der Staatseisenbahnverwaltung in folgender Reihenfolge zu verwenden find: 1) zur Verzinsung der jeweiligen Staatscisenbahnkapitalschuld (§. 5); 2) zur Ausgleichung eines etma vorhandenen Deficils in der Staatsverwaltung, welches andernfalls durch Anleihen gedeckt werden müßte und zwar eines Deficits, welches sich in den Einnahmen und Ausgaben des letzt abgelaufenen Rechnung«- JahreS, oder welches sich nach dem Voranschläge für daS bevorstehende Etatsjahr Herausstellen sollte, biß zur Höhe von 2,200,000 Mark. 3) Zur Bildung eines Eisenbahn- Reservefond«. Falls die Einnahmen der Eisenbahnen nicht zur Verzinsung der StaatSeisenbahnschuld ausreichen sollten, werden die erforderlichen Mittel aus dem Eisenbahnreservefonds entnommen. Sobalv der Reservefond 1 Prozent der StaatSeisenbahnschuld übersteigt, ist alljährlich bi« zu */* Prozent oer Eisenbahnsckuld auS dem Reservefonds zu amortisieren. Die Verwaltung des Eisenbahnreservefonds wird der Hauptverwaltung der Staatsschulden unter Kon-
vie allk illigsten :n stets [3697 rchhdlg.
Bestellstngen für das 1. Quartal 1881 der Sberhessischen Zeitung mit deren Gratisbeilage
JlluftrirteS Sonntagsblatt
bitten wir baldigst machen zu wollen.
Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.
Die Exped. Oüerh. Zeitung.
Zum huudertjährigen Gebrtstage Ehamtfsos.
(Schluß i.
Allgemeines Interesse dürste -llcr ein Bericht über eine sinnige Feier zu Ehren Changs erregen, die Fulda wie folgt beschreibt:
Lange schon hatte man in Mgcbenden Kreisen und unter den zahlreichen Verehrern d verewigten Säugers - den Wunsch geäußert, da« Hau«, i welchem derselbe zuletzt gelebt und gewirkt hatte, bur ein äußere« Zeichen zu ehren, und man hatte zuerst als assendsten Zeitpunkt dieser Feierlichkeit den 100. Geburt«, bcS Dichters in ^Aussicht genommen. Aber die ungür^x Jahreszeit hätte eine Feier in dem umfangreichen, von (ehrwürdigen Bäumen beschatteten Garten des Hause«, n LieblingSaufcnt- halt Chamissos, wo dem liederreichen «ingcr gar oft die Muse huldreich erschienen, unmöglich g^cht. Da reiften in einem Frauenherzen Dankbarkeit un^cßcifttrung den Gedanken, dem Dichter eine Gedenktafel Hause zu errichten, da« er in dem letzten JahrzehrseineS irdischen Lebens bewohnte. Als Fräulein Auguste^ch vor zwei Jahren ihre höhere Töchterschule in das ug Friedrichstraße 235 verlegte, machte der HauSb,^ Fabrikant Köppen sie darauf aufmerksam, daß Adalt Chamisso mit seiner Gattin Antonie, mit zwei Knm (Ernst und Max) und zwei Töchtern in dieses Haus i.Jahre 1829 cingezogcn sei und daß er hier bis zu feinet^ ^wohnt habe. Durch diese Mitteilung erhielten Har^nd Garten für Fräulein Bloch eine hohe Bedeutung, l. fcem <por. trait-Medaillon des Dichter«, welches von de berühmten
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täglidi oujer an den Werktagen nach Sonn- an» Feiertage«. Preis für da« Quartal mit der mSchentlichen Beilage ,,JlUstrirteS Loll«tagS»!att" durch die Expedition
4 et. exogen 2-, Mark, durch dl« Postämter des Deutschen Reichs 3 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). 7-JnsertionSgebühr für die gespaltene Jetle 10 Pfg. _______________________________________ >*ür m der Expedition zu erthetlende üu??unf! und Annahme von Adressen werden 25 Vf8. berechnet.
ßonig- ramtl- öchent- wiedcr daher wffent- [3716 1880. ant.
d Ad. 5,2.50 M.
ßratt, Flaschet
pr- Fl icke.
>er.
Anzeigen nimmt' entgegen die Expedition d. Blattet sowie d. Annoncen-Bureaux von B- L. Daube & Co. in Aanksurt a. M; Jäger>sche Luchhandlung daselbst^; Hermanns che Buchhandl. daselbst; Jnoalidenvant la Berlin; &■ LhreneS in Elberfeld: C. Schlotte io
Oremen.
Anzeigen nimmt tmgegen: die Expedition d.Blattrt, sowie d.Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; haasrntzein & Bögler in Zrankfurt a M., Berlin. Leipzig, LLlu n»; Äudolf is Berlin, Frankfurt e. M. tt.
trolle der Staatsschuldenkommission übertragen. Die am 1. April 1880 vorhanden gewesene StaatSeisenbahnschuld wird in dem Entwurf auf 1,498,858,100 Mark und der zu ihrer Verzinsung erforderliche Betrag auf 63,914,324 Mark festgesetzt. — Die von der Konservativen in Aussicht genommene Unterstützung für dauernde Regelung eines Steuererlasses hat offenbar die fortschrittliche Presse in bedeutende Verlegenheit gesetzt. Während ein Teil der Blätter sich dahin äußert, man könne diesen Steuererlaß gar nickt verwerfen, ohne es mit dem lieben Wähler zu verderben, erklärt der andere Teil, und zwar der, welcher sonst Richter'sche Anträge zu verteidigen pflegt, e« sei Herrn Richter mit seinem Anträge gar nicht Ernst gewesen; eine verschwindende Minorität könne sich schon einen Scherz erlauben, während die konservative Majoritätßpartei dem Anscheine nach die Sache ernst nehmen wolle. Wir hätten nicht geglaubt, daß die Fortschrittspartei so bescheiden sei, daß sie Anträge „nur zum Scherz" stellen könne. Wir wundern uns nicht, daß diejenige liberale Presse, wie zum Beispiel die „Nat-Zlg." welche in die Nichter'schen Pfiffe und Kniffe nicht ganz eingeweiht ist, seinen Antrag, nachdem ihn die Konservativen ernst zu nehmen geneigt scheinen, al« sehr verfehlt erklärt. — Von liberaler Seite ist den Konservativen u. A. auch vvrgeworfen worden, daß sie in die Beratung des Etats der Eisenbahnverwaltung nicht gründlich genug eingetreten und sich bereit gezeigt hätten, dieselbe, wie man zu sagen pflegt, über's Knie zu brechen. Dem gegenüber muß hervorgehoben werden, daß es sich bei der bisherigen Beratung nur um die ziffermäßige Feststellung des Etats handelte und daß erst nach den Weihnachtsferien aus dem Schoße der Budgetkommission Anträge an das Haus gelangen werden, welche den Beweis liefern dürften, daß die maßgebenden allgemeinen Gesichtspunkte bei dem Eisenbahnwesen von ihr wohl in'S Auge gefaßt wurden. Da die konservativen Mitglieder der Budgetkommission an diesen Anträgen in hervorragender Weise beteiligt sind, so .hätte die liberale Presse nicht nötig gehabt, sich in dieser Beziehung so sehr zu echauffieren.
Kiel, 16. Dez. Nach ,der nunmehr erfolgten Beendigung der notwendigsten Renovierungsarbeiten im Treppenhause deS hiesigen königlichen Schlosses empfing, schreibt die „Kiel. Ztg.", Se. königl. Hoheit Prinz Heinrich gestern diejenigen offiziellen und hoffähigen Persönlichkeiten, welche sich zur Aufwartung oder Vorstellung bei Höchstdcmselben hatten anmelden lassen. Es erschienen der Präsident des OberlandesgcrichtS, Geh. Ober-Justizrat VierhauS, Ober- StaatSanwalt Starke, der neuernannte Ober-Postdirektor Ober-Postrat Hufadel, Jntendanturrat Freiherr v. Lilien, Lanoesdirektor v. Ahlefeld, der Propst des adligen Klosters zu Preetz Graf Reventlow, Landrat Freiherr v. Heintze- Bordelsholm. Da« Konsistorium war vertreten durch den Konststorialprästdenten Mommsen, Konsistorialrat Chalybäus, Propst Jeß. Der Generalsuperintcndent Jensen, welcher seines leidenden Gesundheitszustandes wegen persönlich nicht umwunden, finnig entnommen von dem Dichtergrabe auf dem Jerusalemer Kirchhofe. Vor dem Gartenhause hatten die Schülerinnen der Bloch'schen Schule Aufstellung genommen. Die jungen, festlich geschmückten Mädchen umgaben eine Eiche, um welcher, noch unter der Hülle, das Medaillonbild Chamisso« angebracht war. Aller Augen waren auf die anwesenden Nachkommen des gefeierten Dichters gerichtet, denen sich einige der ältesten Freunde des letzteren und seiner Familie angeschloffen hatten. Gesänge und Deklamationen leiteten die Feier ein und wechselten mit den Festreden, deren eine au« dem Munde des Herrn Johannes Bloch, Bruders der genannten Dame und als Vertreter de« in zahlreichen Mitgliedern anwesenden Verein« für die Geschichte Berlin«, den Dichter und das von ihm bewohnte Haus historisch beleuchtete, während der Professor Märker in schwungvollen, geistreichen Worten Chamisso als Menschen und Freund verherrlichte und am Schluffe seiner Rede daS Zeichen zur gleichzeitigen Ent- hüllung des an Ort und Stelle befindlichen Modell» und des Bronze-Medaillons an der Front de« Hauses gab
Die ebenso sinnige wie tief ergreifende Chamisso-Feier am 26. Juni 1880 ist nicht nur den Teilnehmern unvergeßlich geblieben, sie erregte weit über den Krei« derselben hinaus, deren jedem ein Epheublatt vom Grabe des Dichters geschenkt wurde, worauf mit goldener Inschrift der Name de« gefeierten Sängers und das Datum der Enthüllungsfeier stand, in außerordentlicher Weise daS Interesse des größeren Publikums, welches seitdem gern das Dichterhaus in der FriedrichSstraße aufsucht, über dessen Thür das Medaillon Adalbert v. Chamisso erglänzt und als Inschrift