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Nr. 396.

Klarffurg, Freitag, 17. Dezember 1880.

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Auf Grund einer Ordre de« Kaisers vom 9. d. Mts. werden in den Jahren 1881 und 1882 28623 Ersatz- Reservisten erster Klasse bei der Infanterie und den Jägern und 1320 Ersatz-Reservisten bei der Artillerie zu einer zehnwöchentlichen Uebung bei allen Armee-CorpS, ausge­nommen dem Gardecorps, einberufen. Als Zeit für diese Uebungen sind die Herbstmonate bestimmt. Bei jedem Linien-Bataillon wird für die Dauer der UeungSzeit eine Erfatz-Reserve-Kompagnie formiert, wozu als Ausbildungs- Personal Linien-Offiziere und Unter-Offiziere kommandiert werden.

DieProv. - Corresp." schreibt in einem Artikel über die liberale Gruppe und über ihren Wortführer: die jüngst erschienene secessionistische Flugschrift erweise sich als eine offene und unumwundene Kriegserklärung an den leitenden Staatsmann und bezeuge in jedem Satze, daß die Seces- sionisten zur direkten Feindschaft gegen den Fürsten Bis­marck übergegangen seien. Au« der Schrift ergebe sich ferner, daß wirtschaftspolitische Beweggründe den Anlaß zur Secession und Abwendung von der Gesamlpolitik des Reichskanzlers gebildet hätten. Der Artikel hebt der secef« stonistischen Flugschrift gegenüber hervor: es sei gerade ein nicht hoch genug zu schätzendes Verdienst de« Reichs­kanzlers, mit starker Hand diejenigen theoretischen Vor­urteile zerbrochen zu haben, welche das deutsche Reich fortwährend in wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Aus­lande erhalten müßten und hiermit auch die politische Selbstständigkeit und Sicherheit auf die Dauer in Frage stellten. Richt die Umkehr bis auf eine hundert Jahre zurückliegende Vergangenheit, nicht politische, gewerbliche ocer kirchliche Reaktion sei das Ziel des Reichskanzler», aber auch nicht die Pflege de« Liberalismus und seiner einseitigen Interessen, sondern das sittliche und materielle Gesamtwohl des deutschen Vaterlandes, für deffen Wahrung und Mehrung der Reichskanzler alle Zeit eingetreten sei und auch noch ferner eintreten werde, den Secesstonisten zum Trotz. Der Artikel schließt: die Secession kann nur zu weiterer Zersetzung und Zersplitterung der liberalen Partei führen. Sollte die Bildung einer großen liberalen Partei, wovon viel die Rede ist, nach diesem Programm gelingen, so dürfte es nur der Fortschrittspartei zu Statten kommen und den Liberalismus fortan wieder trotz der Zahl seiner Bekenner zur bloßen Verneinung und dadurch zur Ohnmacht und Unfruchtbarkeit verurteilen.

Es beruht auf Vereinbarungen zwischen den Parteien des Abgeordnetenhauses, daß die Frage de« pon der StaatS- Rcgierung in Aussicht genommenen Steuer - Erlasses erst nach dem Weihnachtsfeste eingehend wird behandelt werden;

Kandidat den der Nationalliberalen schlug, gewonnen hat. Die von der Fortschrittspartei gewonnenen Sitze sind den Freckonservativen (in Reutlingen, Goldap und Altenburg) und den Nationalliberalen (in Lübeck und Kassel) abge­nommen worden. Die« zur Steuer der Wahrheit.

In dem englischen Ministerium geht es augenblicklich her, wie m einem aufgestörtcn Ameisenhaufen; es herrscht die größte Rührigkeit, Unruhe und Verwirrung. Ein Kablnetskonseil jagt den andern. Dem vorgestern stattge- habten wohnten sämtliche Minister bei. Dilke reiste noch an demselben Tage nach Frankreich ab. Der Obersekretär P£r Irland, Mr. Forster, hielt eine lange Unterredung mit Gladstone. Alle diese Aeußerlichkeiten bekunden zur Ge­nüge den Ernst der Situation, dem die tagtäglich aus Irland eintreffenden Alarmnachrichten neue Nahrung im Uebermaße zuführen. Noch zaudert das Ministerium, die thatsächlich vorhandene irische Zwangslage als solche direkt dadurch anzuerkennen, daß es zur Anwendung vou Gewalt­maßregeln schreitet. Man erfährt, daß ein Befehl zur Entsendung weiterer Truppen nach Irland noch nicht er­lassen worden sei, indeß würden erforderlichenfalls Ver­stärkungen von 4000 bi» 5000 Mann fast unverzüglich abgesendrt werden können.

In Bukarest herrscht bedeutende Aufregung wegen des gegen den rumänischen Ministerpräsidenten Bratiano beim Verlassen der Deputiertenkammer vollführten Attentats. Dasselbe mißlang, wie bereits mitgeteilt; Bratiano ist nur ^lcht verwundet und bewirkte selbst die Festnahme des Frevlers. Aus den vorliegenden Versionen scheint hervor­zugehen, daß Motive politischer Art dem Mordversuch nicht fremd waren; ja, nach der einen Meldung soll der Mord- geselle das Mitglied eine« weitverbreiteten Komplot« sein

Nottäppche«.

Grzühlung au» der Haide von Clara Waldheim.

(Fortsetzung.)/

Ich eile, etwas Waffer au» dem See herbeizuholen," sprach Herbert weiter,und dann, geben Sie Acht, wird er sich bald erholen."

Sie winkte ihm, noch ohne ein Wort hervorbringen zu können, daß er thun möge, wie er gesagt, aber ihr großes, weitgeöffnetes Auge hing mit qualvoller Spannung an Rhoden'S bleichem Antlitz.

Als Herbert mit dem Waffer im Hut zurückkam, hatte sie bereits ihre gewohnte Ruhe wiedergefunden. Sie hatte ihr Taschentuch genommen, tauchte cs in das frische Naß und band r» dem Verwundeten um den Kopf.

Er beginnt zu athmeu," sagte Herbert,jetzt wird er bald die Augen aufschlagen. Gotllob, daß da» so glücklich abgelaufen ist." w

£) gehen Sie, gehen Sie, drängte Leonie,lassen Sie mich mit ihm allein!"

Er erfüllte ihr Begehr, einsehend, daß sein Verweilen von keinem Nutzen sein, vielmehr den Verwundeten zu neuer Aufregung veranlaffen könne.

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r/ babst nicht ausgeschlossen, daß der auf einen ein­maligen Erlaß gerichtete Vorschlag der Staatsregierung bet den weiteren Beratungen zu einer dauernden Auß-r- Hebungsetzung des bezüglichen Teils der Klassen- und Ein­kommensteuer führen kann.

Die verstärkte Agrarkommisfion de« Abgeordnetenhauses fuhr am Dienstag Abend in der Beratung der einzelnen Paragraphen de« Gesetzes über gemeinschaftliche Holzungen, m Gegenwart mehrerer RegierungS - Kommissarien, fort. ES entwickelte sich eine lebhafte Debatte über einzelne Be- stlmmungen des Gesetze», namenllich über die Frage, welche Kosten der Staat in Folge der Uebernahme der Aufsicht über die gemeinschaftlichen Waldungen zu übernehmen habe, ob die Aufsichtskosten oder nur die Kosten der Ober­aufsicht. Nach beruhigenden Erklärungen der Herren Regierungs-Kommiffarien wurde der $. 3 in der Fassung der Vorlage angenommen. Ebenso wurden die 8§. 4 und 5 nach der RegierungS-Vorlage genehmigt.

Die Unterrichtskommission des Abgeordnetenhauses beriet vorgestern über die Novelle zum Gesetze, betreffend die Pensionskasse der Lehrerwittwen. Referent Abg. Dr. Kropatscheck teilt mit, daß die Subkommission einen neuen Entwurf als Grundlage der Beratung genommen, wonach unter Eentralifation aller Kassen der Beitrag der Lehrer auf 16, der Gemeinde pro Stelle auf 15 M. erhöht werde, dagegen die 24 M. Eintrittgelder wegfallen; die Verwal­tung der Kasse soll durch ein Kuratorium mit dem Sitze in Berlin staltfinden. Der Kommissar de« Finanzministers erklärte sodann, daß die Regierung in den Staatszuschuß einwillige, aber die conditio sine qua non hierfür sei die, daß die Kassen centralisiert werden. Darauf entstand eine saft einstündige Diskussion darüber ob der der Sub- kommisston zugcgangene Entwurf, der ja mehr eine Privat- arbett sei, oder die von der Regierung vorgelegte Novelle zur Basis der Beratungen zu nehmen sei. Die Kommission entschied sich für die Debatte über die Novelle und wurde nochmal« mit erheblicher Majorität der Pcnsionsbetraa auf 250 Mark festgesetzt. Darauf beantragte Abg. Schläger als § la die Ccntralisation der Kaffen mit dem Sitze in Berlin. Die Kommission trat in die Beratung des Anträge« du, ohne jedoch dieselbe schon zum Absatz zu bringen.

Fortschrittliche Blätter erzählen ihren Lesern neuerdings das Märchen, daß es der Fortschrittspartei gelungen sei, in Reutlingen, Lübeck, Goldap, Kassel und Altenburg die dort gewonnenen Sitze den Konservativen zu entreißen. Dem gegenüber ist zu betonen, daß die konservative Partei nicht einen einzigen Wahlsttz verloren, wohl aber einen solchen, und zwar für BreSlau-Reumarkt (Land), wo ihr hatte ein Duell, oh!" Der Zorn begann von Neuem in ihm zu kochen. Er suchte mit den Blicken nach seinem Gegner, und seine Hand tastete nach der Waffe.

Leonie stand mit verschränkten Armen vor ihm.

Ja," entgegnete sie,Sie hatten ein Duell, das ohne gefährliche Folgen abgelaufen wäre, wenn Sie nicht das edelmütige Anerbieten Ihres Gegners mit einer Beleidigung zurückgewiesen hätten. Haben Sie sich jetzt weit genug erholt, um mich ruhig anhören zu können?"

Er blickte sie erstaunt fragend an.

Sie werden jetzt, wenn sie es vermögen, ruhig nach Hause gehen, werden dort, um Herbert in seiner Stellung al« Königlicher Beauiter nicht zu schaden, nichts von Ihrem Duell erwähnen, vielmehr au»sagen, Sir hätten sich Ihre Verletzung durch einen Sturz auf die spitzigen Kiesel oder bergt zugezogen, und zwar die« Alle« ohne mich abmachen, denn ich mag nicht lügen. Sie werden auch weiter keine Schritte thun, Ihre thörichte »nd grundlose Rache zu ver­folgen. --"

Sein Antlitz war, während Sie sprach, immer er­staunter und spöttischer geworden.

In der That, mein Fräulein," unterbrach er sie jetzt, Sie geben hier Befehle"

Die Sie befolgen werden!" fiel sie entschieden rin. Und um Weiüäufigkeiten zu vermeiden, will ich gleich vorausschicken, daß ich Mittel habe, Sie zu zwingen "

Sie zog den Brief hervor, bd dessen Lektüre Herbert sie gestern angdroffen.

Sie werden ihn nicht mißbrauchen," sprach sie, chn fest anblickend, indem sie ihm denselben reichte.

Rhoden hatte kaum einen Blick auf das Papier ge­worfen, al« er noch bleicher wurde att zuvor. Leonie

Anzeigen nimmt entgegen: ate Expedition d.vlatte», sowie d.Annonren-Bureaux von LH, Dietrich & So. in «affet und Hannover; LH, Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt «. M., Berlin, tkip-iL, 56ln it.; Rudolf vmil« in Berlin, Stent« httt a. M re.

Anzeigen nimmt' entgegen die Expedition d.vlatte» sowie d.Amwncen^ureaux von ®. 2. Daube & So. in

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Deatsche» Reich.

, «erliu, 15. Dezbr. Heute Nachmittag um 3 Uhr Md die Trauerfeter für den Württembcrgischen Gesandten, Frerherrn von Spitzemberg, statt. Derselben wohnten der Kronprinz, die Prinzen Alexander, August von Württem- b"9 und Friedrich von Hohenzollern, der Bundesrat, die L>taat«mlmster, die Botschafter, das diplomatische Corp«, die obersten Hofchargen und Offiziere bei. Der Kaiser war durch die Grafen Perponcher und Lehndorff, die Kaiserin durch die Palastdame Gräfin Oriolla vertreten. Die übrigen Prinzen entsandten Hofmarschalle oder Adju­tanten. DieNationalzeitung" veröffentlicht eine ihr von dem hiesigen sächsischen Gesandten v. Nostiz-Wallwitz jugegangene Zuschrift, worin derselbe unter Bezugnahme auf die Briefe deS ehemaligen LegationSrateS v. Lindenau erklärt, daß er den Angriffen des letzteren gegen den Td, 'Uster a. D. v. Friesen entschieden fernstehe. Er (Nosttz) halte ihm nicht zuviel zugetraut. Er hätte da« Papier, den einzigen Beweis einer sorgsam verhehlten Schuld, mit einer Bewegung vernichten können, aber er ließ es unver- sehrt auf den Rasen nirderfallen

Leonie hob eS aus.Niemand kennt seinen Inhalt," sagte sie,Niemand außer mir. Wollen Sie thun, wie andeutetc, so soll mein Vater selbst niemals erfahren, daß die Banknoten, mit denen Sie ihn bezahlt haben? Lischt find, daß Sie selbst das Mitglied einer Fälscher, vande

"Hören Sie auf, Leonie!" bat er flehend.

, "^ic können dann mir den Betrag zurückerstatten' ich seldft werde ihn einwechseln, bevor mein Vater noch eines der gefälschten Papiere auSgcgeben hat, und Sie können dann, wenn Sie wollen, ungefährdet eine andere, weniger schmachvolle Bahn beschreiten."

£idt innt- ®r h^e da« Haupt in die Hand sinken lassen.

U "^eu Sie mich anhören?" fragte er nach einer längeren Pause.

Sie neigte bejahend da« Haupt.

Sie verachten mich, Leonie," hob er mit einem schwe­ren Seufzer an,und ich weiß auch, daß an eine Recht- LMng meiner Schuld nicht zu denken ist. Dennoch sollen ©te mich nicht für schlechter halten al« ich bin. Ich stamme aus einer adeligen Familie, die als eine der reich- S"9a t' l.ange mein Vater lebte. Ich war das einzige nb' 'm Müßiggang uno Ueberfluß erzogen, und hatte k»i ?Umk ^e meines «aterS, der vor einigen Jahren er­folgte, das Leben noch von keiner ernsten Seite kennen gelernt.

(Schluß folgt.)

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Wie befinden Sie sich jetzt, Herr Rhoden? Soll ich Äuen behülflich sein, sich zu erheben?"

Wo bin ich?" ragte mhooen mit nocp schwacper stimme, während er sich mit LeonienS Hülfe aufrichtele und an die Moosbank lehnte.Ach, ich entsinne mich, ich

Buchhandlung bofeOms Hermannffche Buchhandl. daselbst; Jnoalidendank in Berlin; W LhieneS in Elberfeld; 4. Schlotte in ---- --------------------- dretnen.

W in der Expedition zu erteilende Lnft«ff** " pf«.

Als Rhoden die Augen aufschlug, stand Leonie in ihrer ruhigen Haltung neben ihm. Sie neigte kaum bemerkbar m *as Haupt zu ihm herab, als sie in höflich kühlem Tone iRflff fragte: