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fllaröurg, Donnerstag, 16. Dezember 1880.
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gespannt werden. Darum ist es auch nicht weiter zu be- fj?Ae-r' baJ$ bet Ingreß vorläufig keine bindenden Beschlüsse gefaßt, sondern nur die Anregung gegeben hat, daS umfassende Gebiet der Armenpflege und des Wohlthuns einer ferneren Bearbeitung zu unterziehen. Sehr zu beklagen ist es, daß auf dem Kongreß immer nur von der Organisation zur Verbreitung der Gaben und der Zuwendung äußerer Hilfe, aber gar nicht von der so notwendigen sittlich bessernden Einwirkung auf die Armen die Rede war. ES ist doch bekannt, daß ein großer Teil der Armut eine Folge von Leichtsinn und sonstigen sittlichen Fehlern ist und daß die Quelle der Armut in den meisten Fällen dauernd nur durch sittliche Besserung der Armen verstopft werden kann. Es machte aber den Eindruck, als ginge der Kongreß absichtlich um diese wichtige Seite der Armenpflege herum und als läge dem Ganzen als pflicht- schweigende Tendenz die gänzliche Beseitigung der Mithülfe ^r Kirche und ihrer Organe aus der Armenpflege zu Grunde. Wenigstens gaben einzelne Redner zu dieser Vermutung bestimmten Anlaß.
Uotköppcheit.
Erzählung aus der Haide von Clara Waldheim.
(Fortsetzung.»
„Ohne Ihre Mitteilung, ohne meine rasche Dazwischenkunft — wer weiß, wie die Sachen jetzt ständen, wer weiß, ob der Verführer nicht mehr Macht über das Herz des unschuldigen Kindes gewonnen hätte. O, wie soll ich Ihnen Ihre Aufmerksamkeit danken !"
»Und Rhoden?" fragte sie, ohne eine Spur von Ungeduld zu verraten.
Ein Schatten flog bei dieser fast vergrsienen Erin- nerung über Herbert» heiteres Antlitz.
„Wir treffen uns morgen frühl" entgegnete er, „e« war nicht anders zu machen, und jetzt ist e» zu spät, zu- rüctzutreten, so gern ich auch bei meiner jetzigen Stimmung allen Streit vermeiden möchte. Hoffen wir, daß Gott, der bisher alles zum Besten gewandt, auch dies zu einem guten Ende führen wird."
»Ja," sagte Leonie, „Sie haben eine sichere Hand — aber Gerechtigkeit muß sein."
„Soll ich Sie nicht nach Hause begleiten? Es wird kühl hier," sprach Herbert, dem doch eine gewiffe Mattigkeit in ihrem Wesen auffiel. Sie dankte kurz und entschieden.
D to0^' Leonie, und nochmals viel tausend
Er ging mit schnellen Schritten davon, ohne noch einmal nach ihr zurückzusehen, die noch lange schweigend am Baumstamm lehnte, und erst als völlige Dunkelheit herein- gebrochen war, sich nach Hause begab.
Der «ongretz der Armevpflcger.
II.
Der Kern der zweitägigen Verhandlungen war die Erörterung der Frage, wie man der Armut in ihren verschiedenen Formen am besten zu Leibe gehen könne und wie man sich ihr gegenüber da, wo sie an die Oeffentlich- keit trete, von Seiten des Einzelnen, wie von Seiten der dazu berufenen Stellen zu verhalten habe. Zunächst wurden die besten Mittel gegen die Slraßenbettelei und die Vagabundage besprochen, und man stimmte vorzugsweise in der Ansicht überein, daß der Straßenbettelei am besten durch Gründung von Vereinen gegen Verarmung und Bettelei entgegengewirkt werden könnte und daß diesen Vereinen eine centrale Wirksamkeit gegeben werden müßte. Einzeln machte sich die Ansicht geltend, daß der Straßenbettelei nur im Wege der Gesetzgebung beizukommen wäre; etliche der Recner hielten die größte Strenge gegen umherziehende Bettler für geboten und solche Strenge für die beste Humanität. Man eiferte sehr gegen da- gemein- schädliche Verschleudern von Gaben an gewerbsmäßige Bettler und wollte die einzige Garantie dagegen in den Vereinen gegen Verarpiung und Bettelet finden; aber keiner dachte daran, die schwache Seite dieser Vereine zu berühren die darin besteht, daß sie oft die Handhabe sind, die christliche Barmherzigkeit zu mindern und die Selbstgenügsamkeit, Selbstgerechtigkeit und die HerzenSverarmung zu fördern, indem durch oiese den Reichen und Wohlhabenden die unmittelbare Berührung mit den Armen und Elenoen entzogen und eine Segensquelle für Reiche und Arme verstopft wird; denn die von Person zu Person wirkende Uebung christlicher Barmherzigleit ist viel wertvoller als die Zahlung eines Zehrpfennig«, der dem Armen aus einer Kasse gegeben und ihm gleichsam durch eine Hinterthür zugcworfen wird, damit der vornehme Geber ja nicht mit dem niedrigen Armen in Berührung kommt. Mag man immerhin Vereine gegen Bettelei gründen, um das Gabenwesen zu ordnen und legitimierte Personen von unbekannten Umherziehenden unterscheiden zu können, aber keineswegs dürfen sie als Barrisren gegen jede private Mildthäiigkeit aufgerichtet werden, und nicht ist es wohlgcthan, wenn, wie in Berlin, die Mitglieder solcher Vereine ihre Thüren mit Schildern versehen lassen, die jedermann ansagen, daß sie an einen Verein ein für allemal eine kleine Summ« gezahlt haben, um sich von der Privatmildthätigkcit damit loszukaufen. Es steht nicht fein au«, wenn ein solche« Schild es ausruft: „Hier wird jeder Arme abgewiesen, ich habe mit der Armut nichts zu schaffen." Ganz so schroff wird e« hoffentlich uicht überall gemeint sein und manches Mitglied eine» Vereins gegen Verarmung und Bettelei wird gewiß auch privatim noch seine milde Hand aufthun; aber die Anleitung dazu, die christliche Pflicht und Barm-
Jn Herbert'« Augen blitzte e« auf. Ohne ein Wort zu envidern, schritt er zu dem Platze zurück, wo sein Pistol am Boden lag. Er hob e« auf und legte zum zweiten Mal an, sicher und ohne Zaudern.
Der Schuß krachte. Blut färbte Rhoden« dunkle Locken er taumelte und sank zu Boden.
„Barmherziger Gott, Sie haben ihn erschoffen l« Leonie stürzte aus dem nächsten Gebüsch und warf sich mit ae- rungenen Händen über den Daliegenden.
ick tOt' t0t!“ jammerte sie, „und ich habe es ver- ■
^rztgkelt mit einem gewissen Beitrag auf eine gewisse Heil zu quittieren, giebl die Schildcreinrichtung sicherlich. Damit soll den Wohllhätigkeits-Vercinen selber natürlich nicht ent« gegengetreten werden. Sie sind ja zahlreich und wirken alle im wegen und ihre Wirksamkeit ist um so wertvoller, wenn sie sich in der rechten Weise an die gesetzliche Armenpflege anlehnen. lieber oiese Anlehnung und über die Organisation der freien Wohlthätigkeit ward nun in der Versammlung manch' gute« Wort gesprochen. Man gab übereinstimmend der Ansicht Ausdruck, daß die gesetzliche Armenpflege nur daS Notvürftigste zu reichen habe, daß für da« Andere die freie LiebeSthätigkeit zu sorgen habe, aber deren Organisation in Vereinen so beschaffen sein mußte, baß letztere sich eng an die gesetzliche Armenpflege anschließen, und strengste Prüfung der Ansprüche der Armen sei Pflicht jedes WohlthätigkeitSvereinS; einer Täuschung, sagte ein Rconer, werbe nur dann vorgebcugt werden wenn die Vereine so zu 'sagen in Personalunion ständen; tn erster Linie müßten sie aber bei der öffentlichen Armenpflege Erkundigungen einziehen. — Ein weitere« gelb für die Besprechung der Thätigkeit der Wohlthätig- keitsvereme bot die Frage nach Beteiligung der Frauen bei der Armen- und WohlthätigkeitSpflege. Diese Frage ward tm allgemeinen dahin beantragt, daß die Frauenhilfe bet der Armenpflege al« eine sehr wertvolle anzusehen sei, wenn sie als Ergänzung der wohlgeschulten männlichen kommu- nalen Armenpflege auftrete, und es wurden den Frauen hauptsächlich als Gebiet ihrer Wirksamkeit die Krankenpflege, die Unterbringung von Kindern, die Leitung von Kinderschulen, die Beschaffung und Verwertung weiblicher Arbeiten, die Errichtung von Volksküchen rc. zugewiesen,
ihnen auch der gute Rat gegeben, in den Wohlthä- trgkeitr-Veretnen nicht so sehr ihre persönlichen Neigungen n den Vordergrund zu stellen und sich einer willigen Unterordnung zu befleißigen. Gewiß werden sich die Frauen für daS Kompliment bedanken und sich die Ermahnung zu Herzen nehmen, aber ebenso gewiß wird c« auch in Hu- kunft in dm WohlthätigkeitSvereinen der Frauen nicht an- der« zugehen, als bisher, und wenn die Frauen so eifrig und so barmherzigen Sinnes und mit so großem Erfolg weiter wirken, wie sie eS bis jetzt gethan, so wird man immerhin die kleinen Schwächen und Eigentümlichkeiten einzelner lieber ertragen wollen, als durch schroffe« Entgegentreten und strenges Einschnüren in bestimmte Schranken (zumal wenn diese von Männern gezogen sind) solche Frauen veranlaffen, der Sache der Wohlthätigkeit den Rucken zu kehren. Lasse mau doch den Männern ihr strenge« Pflichtgefühl und ihren strengen Ordnungssinn und Den Frauen dafür ihr gutes Herz und ihren barm« herzigen gesetzlosen Sinn, so wird der Wohlthätigkeit und der Armut mehr genützt werden, al« wenn Männer und Frauen zusammen in das bureaukratische Beamten-Joch
Da« Duell.
Die ersten Strahlen der Morgensonne flogen grüßend uv« die Erde; aber nur die Vögel sangen ihr entgegen, die Menschen lagen noch der Ruhe ab und der Thau lag perlend auf den geschlossenen Blumen.
Schon seit länger al« einer halben Stunde schritt Rhoden am Platze de« Rendezvous auf und ab. Obgleich er seinen Gegner noch nicht so früh erwarten konnte, hatte es ihn doch nicht länger zu Hause gelitten. Die Nacht, deren Stille ihm nicht die mindeste Zerstreuung gewährte, hatte ihn fast rasend gemacht vor Zorn, und wie er rast- und nieder schritt, die Hände geballt und leise Fluche zwischen den Zähnen murmelnd, sah man es ihm an, daß er darnach dürstete, seine Rache im Herzblut seine« Gegner« zu kühlen.
Herbert kam nach seiner Meinung noch zu früh und war einigermaßen erstaunt, seinen Gegner schon hier zu finden. Er befand sich in einer zu friedlichen, versöhnlichen Stimmung, al« das er nicht einen Versuch hätte machen sollen, den Streit in Güte beizulegen. Rhoden jedoch, der in seiner Erbitterung keine Grenzen kannte, wies ihn schroff zurück.
Die Plätze wurden eingenommen, und das Duell ohne Zeugen begann.
Herbert traf den Vogel im sausenden Flug und den Hasen im pfeilgeschwinden Lauf; aber sollte er sich an dem Manne vergreifen, der nur gcftern in allen seinen Hoffnungen unbarmherzig getäuscht worden? Seine Kugel flog in den nächsten Baumstamm.
Rhoden schrie auf in wildem Zorn. „DaS ist der letzte Hohn, den ich mir anthun lasse I" rief er bebend, erhob fein Pistol und drückte auf Geradewohl los.
Erst zetzt ging Herbert ein Licht auf über ihr gestrige« - Benehmen. Er kniete gleichfalls neben dem Gefallenen 1 nkber. „Beruhigen Sie sich," sagte er Leonie empor» ^'nVttrcmu? betäubt fein, die Kugel kann ihn nur j gestreift haben." d
In der That erwies sich die Wunde nur als ein I Streifschuß, der, eine augenblickliche vestnnungrlostgkeit hervorgerufen hatte. (Fortsetzung folgt) I
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Lnzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« sowie b. Amwneen-Bureaux von G. L- Daube *6o. in Frankfurt a. M; Jügerfsche Buchhandlung daselbst HermamLsche Buchhandl daselbst; Jnvalibendank in Berlin; ä. LhieneS in Elberfeld; L. Schlotte in Beemsv.
Tagesbericht.
DaS Krönungs- und OrdenSfest wird am 23. Januar stattfinden, bekanntlich fällt dasselbe jederzeit auf den Sonntag, welcher auf den 17. Januar folgt.
Der „Hannoversche Courier" hat in Bezug auf den Steuererlaß und die Steuerreform, sowie in Betreff der Anschauungen und Verhandlungen der konservativen Partei über diese Fragen kürzlich Mitteilungen gebracht, die in völlig verschwommener Weise ein durchaus undurchsichtiges Bild der Verhältnisse ergeben, wie diese sich in letzter Heil entwickelt haben dürften. Soviel man erfährt, ist daran nur richtig, daß Rücksprachen über die Zielpunkte der inneren Steuerreform Preußen« stattgefunden haben und daß eine organische Verbindung des SteuerlaffeS mit dieser Reform insoweit in Aussicht genommen ist, als diese ohne ein Vorgreifen für die Gesamtheit der Reform möglich ist. Jndeß scheinen bi« jetzt keinerlei bindende Verabredungen ftattgehabt zu haben. Der Gesetzentwurf über die Steuerreform innerhalb des Reichs und Peeußen« soll gegenwärtig im Staatsministerium seinen Abschluß gefunden haben und baldmöglichst dem Abgeordnetcnhause zugänglich gemacht Werben.
Bei den Mitteilungen verschiedener Blätter über den f-tan?oo^Oner^.anbIun0cn in Betreff des Staatshaushalts für 1881/82 wird man weder denjenigen zustimmen können, welche die Lage dieser Beratungen als durchaus günstig, noch denjenigen, welche in pessimistischer Weise die Verhand- lungen im Abgeordnetenhaus« als ungünstig schildern. Es
Der Pulverdampf verzog sich, und Herbert stand ruhig und unbewegt auf seinem Platze.
„Hal" rief Rhoden fassungslos, „noch einmal!"
Herbert warf seine Waffe ins Gras und schritt auf den Gegner zu.
„Lassen wir es jetzt gut sein, mein Herr," sprach er besänftigend. Der Ehre ist genug geschehen, und wir können al« Männer in Frieden scheiden. Wünschen Sie eS, so nehme ich die Worte zurück, die Veranlaffung zu diesem Duell gaben." ° I
Rhoden trat abwehrend zurück, und ein Blick unsäg- ltd?cr Verachtung traf fein Gegenüber. „Feigling," ' knirschte er. **
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition b.vlatte«, sowie b.Annoncen-Lureaux von Lh, Dietrich & Co. in Kastel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenftein & Bögler in Frankfurt a M., Berlin, Leipzig, LSln tu; Rudolf d-offe tu Berlin, Frank.
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