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Jllartiurg, Mittwoch, 15. Dezember !880.
XV. /ahrgaig
Anzeigen nimmt «mgtgen: Ht Expedition d.vlattr», sowie d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & 60. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, «eipzig, Köln tu; Rudolf Waffe in Berlin. Frank- ktf «. M lt
GerMchr jfitimj.
Anzeigen nimmt' entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d-Annoncen-Bureaux von G. L- Daube *60. in Frankfurt a. M; JSgerffche Buchhandlung daselbst,; Hermann'sche f'uckhandl. daselbst; Jnvalideudant in Berlin; ö) ThieneS in Cldeefeld: 4. Schlotte in Bre«-n.
(fcf^eint Mgli^ <mffee an ben Wetttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „ginfhrtrte» «onntagSdlatt" durch die Expedition lAoch'fche Buchdruckeret) bezogen Mark, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Psg. (erd. Bestellgebühr). — JnsertiouSgebühr für die .jefpaltene Zeile 10 Wfe
?ür tn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet
— Zur „iSreuzboteu" - Augelegeuheit.
Die „MagdeburgerZeitung" ist, wie man eS zu nennen pflegt, mit der v. Friesen'schen Sache sehr hineingefallen, denn in einem Leitarkel versicherte sie noch mit einer gc- wissen Emphase: „so wie in der bekannten Erklärung des Gegners von Herrn v. Friesen tn den „„Grenzboten"" könne nur einer in Europa sprechen" und gleichzeitig wurde in derselben Nummer bereits aus Dresden versichert, „daß der Verfasser der bekannten Schmähschrift gegen Herrn von Friesen ein entlassener Beamter des auswärtigen Amtes in Dresden sei", was bereits au« Berlin mit dem Hinzufügen bestätigt worden ist: der betreffende Beamte sei seitdem in den Reichsdienst getreten, aber von Neuem entlassen, weil er sich für denselben als unfähig erwiesen habe.
Das ist nun allerdings hart für die „Magdeb. Ztg.", welche die ganze Angelegenheit erst zu einer solchen Bedeutung gebracht hat, die sie sonst nimmermehr bekommen hätte.
Wir haben von vornherein den Streit als rein sächsische Angelegenheit behandelt und zwar als noch alle Welt glaubte, Fürst Bismarck stecke dahinter. Wir können jetzt bestätigen, daß dieser in der That bisher gar nicht die Zeit gefunden hat, da« Friesen'sche Buch zu lesen, und daß ihm, zumal bei den wichtigen jetzigen Geschäften, nichts ferner liegt, als eine Polemik mit dem sächsischen Hofe. Den „Grenzboten" ist eS allerdings gelungen, wieder einmal Aufsehen zu erregen, freilich nicht Ansehen zu gewinnen.
Tagesbericht.
Wir machen darauf aufmerksam, daß daS europäische Schiedsgericht, in welches Herr Gladstone die Mächte locken möchte, nicht die geringste Aussicht auf Erfolg für sich hat, denn ein Schiedsgericht ohne Aktion war bereits der Kongreß zu Berlin, ein Schiedsgericht m i t Aktion aber würde sicher keine Zustimmung der Mächte finden. Will Herr Gladstone vielleicht eine neue „Flottenvemonstration" ? Wir denken, man hat mit einer genug gehabt und ist froh dieselbe los zu sein.
Der Graf Limburg-Stirum scheidet, wie wir hören, wirklich aus dem auswärtigen Amte aus. Es ist besonders hervorzuheben, daß der jetzige Zeitpunkt des Rücktritts keineswegs durch irgendwelche Differenzen mit dem Fürsten Bismarck über die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten beschleunigt worden ist, sondern daß der wahre Grund in den Privatverhältnissen deS Grafen gesucht werden muß, da der große Grundbesitz desselben in Schlesien unbedingt seine persönliche Gegenwart erfordert. Graf Limburg-Stirum hat unseres Wissens bereits schon früher
ßtottäppche«.
Erzählung au« der Haide van Clara Waldheim.
«Fortsetzung)
»Ich bin bereit", entgegnete Herbert ruhig. „Wann beliebt eS Ihnen?"
„Jetzt, in diesem Augenblick nochl" schrie Rhoden, ein Pistol auS der Brusttajche reißend und auf Herbert eindringend. Dieser stand so zwischen ihm und Rotkäppchen, daß diese seine Bewegung nicht wahrnehmen konnte.
„Keine Scene in Gegenwart de« Mädchens!" sprach er leise, aber entschieden. „Morgen früh, wenn eS Ihnen recht ist."
„Gut denn, morgen früh, um fünf Uhr!" antwortete Rhoden, der seine Fassung wieder erlangt hatte, indem er die Pistole wieder an ihreü Ort steckte und die Arme von Neuem über der Brust kreuzte.
„Willst Du jetzt nicht nach Hause gehen, Liane?" wandte sich Herbert wieder an da» Mädchen, daS noch immer weinend dastand.
„Fritz" entgegnete sie schluchzend, „höre mich doch an! Du bist mir jetzt böse, ach, und ich habe eS auch verdient, aber--*
„Ich habe ja kein Recht, Liane, Dir böse zu sein. Du darfst Dich fortan in allen Deinen Handlungen nach meinem Wohegefallen nicht mehr richten. Aber warum sagtest Du eS mir nicht, daß Du ihn lieber hast al« mich?"
„Ihn lieber al« Dich?" rief da« Mädchen erschrocken. „Wer hat daS gesagt, Fritz. Du weißt doch, daß ich Dich viel lieber habe als Alles auf der Welt, lieber als Baler und Geschwister und Alles, Alles."
den Wunsch wiederholt geäußert, aus dem angeführten Gmnde zurückzutreten.
AuS Altona erhalten wir die erfreuliche Nachricht, daß bei der daselbst am Freitag stattgehabten Wahl eines Bürgerworthalters und eines Stellvertreters desselben, die radikale Partei eine empfindliche Niederlage erlitten hat, indem der bisherige Bürgerworthalter Hell, Redakteur der fortschrittlichen „Altonaer Nachrichten" nicht wiedergewählt wurde. Derselbe erhielt nur 7 Stimmen, während sein Gtgner, ein Herr Schütt, welcher konservativen Grundsätzen zuneigen soll, 14 Stimmen aufzuweisen hatte und somit gewählt ist. Durch den Ausfall dieser Wahl ist zugleich der Beweis geliefert, daß die radikale Freihandelspartei in der Bürgerschaft Altona'S nur noch sehr schwach vertreten ist.
Die in Neustettin erscheinende konservative „Norddeutche Preffe", Zeitung für Pommern und Westpreußen, ist am 10. Dezember d. I. durch Kauf in die Hände des ko», servativen Verein« übergegangen. In der Redaktion der genannten Zeitung ist eine Aenderung nicht eingetreten.
Die Agrarkommission des Abgeordnetenhauses fuhr am Sonnabend in der Beratung des Gesetzes über die gemeinschaftlichen Holzungen fort und hat den prinzipiell dem Gesetze entgegenstehenden Knebel'schen Antrag abgelehnt. Im Uebrigen beschäftigte sich die Kommission vorzugsweise mit einer eingehenden Diskussion der vom Abg. Dr. Grimm gestellten Anträge, welche vorläufig zu einer Klarlegung der dem Gesetze zu Grunde liegenden Prinzipien geführt hat.
Die Budgetkommisston deS Abgeordnetenhause« erledigte in ihrer Sonnabend-Sitzung die vom Hause bei Beratung des Etats der Bauverwaltung und des Finanzministeriums der Kommission überwiesenen Ausgabetitel. Bei Titel 8 des Etats der Bauverwaltung (zue Remune- rierung von Hülfsarbeitern) wurden unter .timmnng deS Vertreters der König!. Staatsregierung 3000 Mark mit Rücksicht daraüf abgesetzt, daß das Haus die für An- stellung eines ständigen bautechnischen Hülfsarbeiters in der landwirtschaftlichen Abteilung deS Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten geforderten Beträge bewilligt hat und in Folge dessen eine Entlastung der Bauabteilung deS Arbeit-Ministeriums und der seüher hier bearbeiteten Bausachen deS LandwirtschaftSministeriumS eintreten wird. Ebenso wurde bei Titel 7 Kapitel 58 des Etats des Finanzministeriums (zur Remunerierung und Unterstützung der außeretatSmäßigen Mitglieder der Regierungen rc. rc.) der Betrag von 20,000 Mark abgesetzt, da die Kommission der Ansicht war, daß eine Erhöhung dieses
„Schwachheit, dein Nam' ist Weib!" rief Rhoden grimmig dazwischen, dann schlug er sich mit der Hand vor die Stirn und war im nächsten Augenblick hohnlachend verschwunden.
„Rotkäppchen!" sagte Herbert, der nicht wußte, ob er ihre Worte im Traum oder Wachen gehört.
„Ja, Fritz," sprach sie eindringlicher, „Du kannst mir 6 glauben, ich habe Dich viel lieber als ihn, er that mir nur so leie, weil er keine Angehörigen hat, die ihn lieben, und er sagte immer, eS tröste ihn, daß ich jfrcund- lich gegen ihn sei. Und alS er hcut fragte, ob ich mit ihm gehen und seine Frau werden wolle, da wollte ich „nein" sagen, aber ich hatte so sehr angst, er werde böse oder traurig sein."
„Rotkäppchen!" wiederholte er.
„Und ich hätte doch „nein" gesagt," fuhr sie wieder fort, „ja gewiß und wahrhaftig, Fritz, denn wie sollte ich seine Frau werden, oa ich doch Niemandem als Dir angehören will, so lange ich lebe."
Sie stand mit gesenktem Haupt und niedergeschlagenen Augen vor ihm, denn da er seine abweisende Haltung bewahrte, wagte sie nicht, wie sonst, ihm um den Hals zu fallen und ihn mit Liebkosungen aufzuheitern.
„Fritz!" bat sie schüchtern.
„Rotkäppchen!" jubelte er plötzlich auf, wie au« bangem Traum erwachend, und er beugte sich zu ihr herab und küßte ihren Hal«, ihre Locken, ihre Hände und konnte nicht müoe werden, sie immer wieder an sein Herz zu drücken und die Thränen aus ihren Augen zu trocknen.
Am liebsten hätte er sie auf seinen Armen nach Hause getragen. Da« gab ein trauliche« Plaudern, ein Abbitten und Verzeihen, ein Scherzen und Kosen, als sie daheim in
Titels über die seitherige Ist-Ausgabe um so weniger gerechtfertigt erscheine, al« in Folge der neuen Verwaltungs- Organisation eher eine Verminderung als eine Vermehrung des Beamtenpersonals der Regierungen in Aussicht genommen werden könne. Die übrigen Titel, insbesondere der für einen neu anzustellenden vortragenden Rat de« Finanzministeriums geforderte Mehrbetrag, die Besoldungen der Oberprästdenten, Regierungspräsidenten und Regierungen, sowie daS zu DiSposttionSgehältern für die durch die Ausführung der neuen Verwaltungs-Organisation disponibel werdenden Beamten geforderten Pauschquantum, wurden nach eingehender Diskussion durch Majoritätsbeschlüsse nach den Forderungen der Staatsregierung be-
DaS Herrenhaus tritt heute zu einer Sitzung zusammen und wird bis incl. den 18. Dezbr. täglich Sitzungen abhalten. Ueber den Zeitpunkt des Beginn« der Weihnachtsferien für das Abgeordnetenhaus ist Näheres noch nicht bekannt, doch wird die Hoffnung laut, daß e« möglich werden könne, die letzte Sitzung vor Weihnachten ebenfalls am Sonnabend den 18. d. abzuhalten.
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Dezbr. Zum commandierenden General der 8. Armeecorps ist der bisherige Kommandeur der 21. Division Generallieutenant v. Thile ernannt; an seine Stelle tritt der Kommandeur der 58. Jnfanteriebrigade v. Böhn und an dessen Stelle der Kommandeur des Leibgrenadier-Regiment« v. Reibnitz. — Der deutsche Botschafter in Wien, Prinz Reuß, ist heute Morgen bereit« von Friedrichsruhe zurückgekehrt und in längerer Audienz von Sr. Majestät dem Kaiser empfangen worden. Prinz Reuß begiebt sich unmittelbar nach Wien zurück. Die Reisen der deutschen wie auswärtigen Botschafter nach Friedrichrruhe zu Besprechungen mit dem Reichskanzler beweisen die Lebendigkeit der Verhandlungen der Mächte über ein ungetrübtes Einverständnis in der orientalischen Frage. — Das Herrenhaus wird am Dienstag seine Arbeiten aufnehmen. In der Justizkommission, welche den Gesetz- Entwurf über da» Pfandleihgewerbe zu beraten hat, ist man gestern in die zweite Lesung eingetreten. Der Bericht soll am Dienstag zur Verteilung kommen. Die Arbeiten des Herrenhauses sollen bis zum 19. d. M. jedenfalls vorläufig abgewickelt fein. — Die Angelegenheit über eine vor kurzem festgestellte Unzulänglichkeit der Geschäftsräume deö Abgeordnetenhauses und die Notwendigkeit eine« Neubaues des Dienstgebäudes, worüber flüchtige Angaben bi« jetzt gemacht sind, erweist sich als eine Thalsache, welche, wie man hört, bereits Gegenstand einer Vorstellung de« Gesamtvorstandes des Hauses an daö Staatsministerium in den ersten Tagen diese« Monats geworden ist. Die ihrem Wohnstübchen saßen. So gesprächig und zärtlich hatten Lianens Schwestern, die in Photographien an der Wand dingen, noch nie einen Bräutigam gesehen, selbst ihre eigenen nicht, geschweige denn Herbert. Erst als die Abendsonne durch's Fenster schien und der alte Söbel von einem Ausgange zurückkehrte, drückte er den letzten Kuß auf die Stirn seiner Braut, die ihm eben in's Ohr geflüstert hatte, die Hochzeit könne ihrethalben bald, recht bald gefeiert werden.
Wie ein Trunkener griff er nach seinem Hut und ging in dm Wald hinaus. Ihm schien |cS eine Unmöglichkeit, in Gegenwart Anderer von seinem Glück zu schweigen, und^och fühlte er sich nicht aufgelegt, davon zu reden.
So streifte er lange zwischen den Bäumen einher, von denen ihm jeder einzelne bekannt war, und die ihm heute doch so ganz anders als sonst erschienen. Erst als der stürmische Jubel in seiner Brust sich gelegt und einer stillen, ruhigen Seligkeit Platz gemacht hatte, schlug er den Heimweg ein.
Eine zusammengekauerte Frauengestalt erhob sich von dem Fuße eines Baumstammes, al« er daran vorüberschritt.
„Leonie, sind Sie e« ?* fragte er erstaunt. „Ja, mein Freund, ich war ein wenig müde und wollte hier au«- ruhen. Eigentlich beabsichtigte ich, zu Ihnen zu gehen. Wie ist es abgelaufen?"
„O, Leonie, ich bin so glücklich!" sprach er tief bewegt. „Liane, meine Braut, ist ein Engel! E« ist Alles gut zwischen uns, und daS verdanke ich Ihnen, Leonie!" Er ergriff ihre beiden Hände mit Wärme.
(Fortsetzung folgt.)