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Nr. 2»3.

Marburg, Dienstag, 14. Dezember 1880.

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V Eia uagerechter Vorwurf.

In der DvnnerStagssitzung des Abgeordnetenhauses hat der Abg. Dr. Windthorst bei der Beratung des Knl- tuö-Elats sich die Gelegenheit nicht entschlüpfen lassen, dem Herrn Kultusminister einen Vorwurf zu machen, welcher den Stempel der Ungerechtigkeit an der Stirn trägt. Dr. Windthorst beschuldigte den Kultusminister, daß er mit verschränkten Armen den Leiden der katholischen Staats­bürger zuschaue und die Wiederlegung, welche Herr von Pultkamer dieser Beschuldigung zu Teil werden ließ, wird in der gesamten Bevölkerung unserer Monarchie den lau­testen Wiederhall gefunden haben. Wenn je ein Minister in der schwierigen Lage, in welcher Herr von Puttkamer sich bei Uebernahme seine« Amtes befand, mit ebenso großem Geschick wie allseitig anerkanntem Wohlwollen den obschwe­benden Verhältnissen gerecht geworden, so ist dies zweifel­los bei dem Herrn Kultusminister der Fall. Zu jeder Zeit hat derselbe sein lebhaftes Interesse nicht allein für die evangelischen, sondern auch für die katholischen Staats­bürger bekundet und wir sollten meinen, daß zahlreiche Beispiele aus der noch nicht zu langen Amtsperiode des Herrn von Puttkamer anzuführen sind, die denn doch lauter als Alles andere für die wohlmeinenden Absichten desselben hinsichtlich des sogenannten Kulturkampfes sprechen. Wie sind keine Freunde des Kulturkampfes und würden dir endliche Beseitigung desselben mit Freuden begrüßen. Wenn aber Herr Windthorst meinte, daß man sich nichts vergebe, wenn man, trotzdem man sich im Rechte wähne, den ersten Schritt zur Versöhnung thue, und diesen Satz auf die Regierung anwendete, so möchten wir doch darauf Hinweisen, daß diese Theorie Herrn Windthorst um so mehr veran­lassen sollte, sein möglichste« zur Beendigung des Kultur­kampfes beizutragen, nicht aber durch ungerechte Vorwürfe die Gegensätze zu verschärfen und so das Mißverständnis hervvrzurufen, daß es ihm w niger um den Frieden als um den Kampf zu thun ist.

Rotkäppchen," fuhr Rhoden fort, den Arm um ihre Laille legend,wer weiß, wie lange mir noch daS Glück ^rgönnt sein wird, Dich biet zu sehen, Dich, die einzige Seele, die ein wenig Teilnahuir für mich hegt. Die Zeit deines Aufenthaltes hier ist längst abgelaufen, ich habe »»eine Abreise nur verzögert, well ich mich von Dir, Du

Deutsches Strich.

Berlin, 11. Dezbr. Bezüglich der Aeußerungen ver­schiedener Blätter über Aenderungen in der Reihenfolge der Etatsberatungen sagt dieNorbd. Allgem. Zeitung": Wir können die Berechtigung des Wunsches anerkennen, die Möglichkeit der Realisierung aber nicht einsehen, so­lange man an den einjährigen Etatsperioden festhalte. Bei der Beratung deS Reichsbudgets vor dem Landes­budget wäre eine nochmalige Verlegung des EtatSjahreS unvermeiolich. Die Parlaments-Sessionen müßten dann schon im Juli oder August beginnen. Bei der Einführung der zweijährigen Etatsperioden würde eine Beratung des Reichsetats in dem einen, die Beratung des LanveSctatS im zweiten Jahre stattfindrn können. Es sei zu hoffen,

Kirch, Rath, tfitnft 13626

Stotkäppche».

Erzählung au» der Haide von tlara Waldheim. (Fortsetzung.)

Im Wald, an Lianen« LieblingSplatz", entgegnete sie kurz und mühsam, dann wandte sie sich ab.

Er verließ sie sofort und schritt dem Walde zu.--

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blatte«, sowie d-Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasensteiu L Bögler in ycantfurt a M., Berlin, «ripzl^, Cölu i«; Rudolf üi Berlin, Frank- r *)< n

schoben, da die Geschäfte des Plenums eine solche Be- schaftlguug nicht zuließen. - Der Staatsminister a. D. Graf Friedrich zu Eulenbuag ist, wie dieN. Pr. Ztg." mitgetetlt, bedenklich erkrankt. Graf Eulenburg war be­reits seit längerer Zeit, namentlich schon bet einem Be- Besuche von Schlangenbad im letzten Sommer, leidend. Die Krankheit hat nun einen akuten, in den letzten Tagen gefahrdrohenden Charakter angenommen. Graf Eulenburg, zu dessen Pflege sein einziger Bruder nebst Familie aus Lieberose herbeigeeilt ist, wird von dem Geh. Ober-Medi­zinalrat Prof. Dr. v. Langenbeck und dem Geh. Sanitäts­rate Dr. Westfahl behandelt und von beiden Aerrtcn täa- lich mehrere Male besucht. ö

Halle, a. S., 9. Decbr. DerKonservative Verein,, ist in der letzten Zeit sehr thätig gewesen und hat sich in drei Sitzungen eingehend mit der Jnnungsfrage auf Grund der vom Referenten Realschuldirektor Dr. Schrader ge­stellten Thesen beschäftigt. Die gestern angenommenen Thesen haben folgenden Wortlaut: a) in der Pflege der Ehrenhaftigkeit aller seiner Mitglieder, b) in der Ent­wickelung der gewerblichen Geschicklichkeit, c) in dem Schutze für die Schwachen. Die Förderung der Innungen durch den Staat kann bestehen a) in der Erteilung der obrig- keitligen Kraft an die Einrichtungen derselben, b) in der Erteilung des Rechts, Streitigkeiten auf eigenem gewerb­lichen Gebiet in schiedsrichterlicher Vorinstanz zu behandeln, e) in finanzieller Unterstützung größerer gewerblicher Unter­nehmungen, d) in Zuerkennung eines bestimmten Anteils an der Vertretung des Handwerkerstandes in Staat und Gemeinde durch korporative Regelung des Wahlrechts. An einer Petition für Aufhebung der obligatorischen Zivilehe und der Simultanschulen soll sich nach Ansicht des Vor­standes der Verein als solcher nicht beteiligen, sondern eS soll dem Einzelnen überlasten werden, wie er sich zu beiden Fragen stellt.

_ DreStzeu, 8. Dezember. Sowie in anderen großen Städten hat auch in Dresden, wie die jüngste VolkSzäh- lung ergeben, die Bevölkerung in den letzten 5 Jahren UlM in dem Maße zugenommen, als in den Jahren vor­her. Man wird dies in volkswirtschaftlicher Beziehung und insbesondere im Interesse der Landwirtschaft nicht be- dauern dürfen. Schon die alljährlich hier stattfindenden Gestnvemärkte zeigten in den letzten Jahren, daß der Zu- drang der Landbevölkerung nach der Hauptstadt bedeutend abgenommen hatte. Dagegen sind allerdings einige Vor- orte hiesiger Stadt ansehnlich in der Bevölkerungszahl ae- roa$fett, eine Erscheinung, die sich nicht allein daran« er­klärt, daß die Arbeiter mehr und mehr aus der Stadt nach den umliegenden Ortschaften verzogen sind, sondern auch rn dem allgemein in der Bevölkerung erwachten Zuge nach dem Landleben. Jahr aus und Jahr ein wird in ^Vereinen und öffentlichen Versammlungen auf der» Nutzen

Sie hatte ihr Haupt an seine Brust gelehnt und schluchzte laut.

Liane!" sagte plötzlich eine tiefe Stimme, Herbert stand vor ihnen. Nicht eine Muskel feine« Antlitzes ver­riet den Kampf, den er eben durchkämpft, aber es lag etwas unheimlich Düsteres in seinem Wesen, und der Aus­druck unbeugsamer Entschlossenheit lag deutlicher als je auf seiner umwölkten Stirn.

Die Beiden waren aufgesprungen. DaS Mädchen lzit- terte an allen Gliedern, der junge Mann kreuzte trotzig und kampfbereit die Arme über einander, aber eS wollte ihm nicht gelingen, ein spöttisches Lächeln auf seinen Lippen f-sizuhalten. r

Liane", wiederholte Herbert, und sein Ton klang wie onst mild und freundlich, als wenn er zu einem Kinde spräche,was machst Du hier? Du hättest das nicht thun sollen! 7

@limme Ver^UC^te iU frechen, aber Thränen erstickten ihre

Mein Herr," nahm jetzt Rhoden daS Wort,Sie begegnen der jungen Dame in einer Weise, die" . -Ich allein zu verantworten habe!" schnitt ihm Herbert daS Wort ab und seine blauen Augen blitzten momentan aut, als sie seinen Gegner trafen. Dann wandte er sich, ohne diesen zu beachten, wieder an Rotkäppchen, und seine Stimme bebte doch unwillkürlich, als er fortfuhr:

Du hast ihn wohl sehr lieb? Sieh, das thut mir ein SchurkI" ®u bat^N nicht folgen, er ist Das fordert Genugthuung!" fuhr Rhoden wütend auf,Sie werden---*

(Fortsetzung folgt )

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daß , die bisherige Abneigung der liberalen Kreise gegen zweijährige Etatsperioden einer günstigeren Stimmung w«che- - Professor BrunS ist gestorben. - Der deutsche Botschafter Gras Hatzfeld in Konstantinopel hat seinen Urlaub nach Deutschland angetreten. Gegenüber der drzüjlicheii Mitteilung deSHamburger Eorrespondenten"

brC4.( ^6- Zlg.": Ueber den Hamburger

Zollanschluß habe man in Berlin niemals Sorgen gehabt. Die Sorgen deshalb seien ausschließlich Sache der Ham­burger Negierungskreise. Die Initiative habe verfassungs- mäßig von Hamburg auszugehen und werde, wenn sie er­folgt sei, hier das bereitwillige Entgegenkommen finden, welche die Antwort des Reichskanzler auf die Zollanschluß- Adresse ausdrücke; aber man erwarte die Hamburger Ini­tiative ohne jede Ungeduld. Die Andeutung, daß die Ar- belkcn bezüglich des Altonaer Zollanschlusscs ruhten, beruhe auf Erfindung. Die Arbeiten seien in vollem Gange nnd wnrden allen nnberechtigten Gegeuwirknngen gegenüber in Kurzem zum Abschluß gelangen. Wie Weisung, dieselben ruhen zu lassen, habe niemals existiert. Die vielbe­sprocheneListe" der Unterzeichner der Mommsen-Forckcn- bcck schen Erklärung in Betreff der Judenfrage, welche nach Herrn Stöcker sich an dem Tanze um das goldene Kalb beteiligt haben, ist von dem genannten Abgeordneten vor­gelegt. Dieselbe enthält folgende Namen: Geh. Commer- zienrat A. Delbrück, Geh. Commerzienrat E. Stephan, Geh. Regierungsrat Dr. Engel, Dr. Werner Siemens, Dr. G. Siemens, Commerzienrat R. Eger, Dr. Fr. Kapp, Geh. Commerzienrat Gelpke, Julius Kaufmann, Kieschkc, Oberregierungsrat, G. Keibel, A.Frentzel, Karsten, Justiz­rat, C. Dietrich, Stadtrat, Sarve, Hergeröberg, Commer­zienrat, Koffka, Rechtsanwalt, P. Parey, Dr. Albrecht. Aus den Kommissionen des Abgeordnetenhauses wird folgen­des berichtet: Die Eisenbahn-Kommission behandelte in ihrer ersten Sitzung in einer allgemeinen Debatte zu §. 1 bie au« der Mitt- der Kommission aufgeworfene Frage: ob das vorgelegte Gesetz überhaupt durch ein begründetes Bedürfnis hervorgeruf-n sei, bejahte diese Frage nach aus­führlicher Diskussion und nahm 1 und 2 an. Zu 8. 3, Bildung der Bezirk«eisenbahnräte, liegen Petitionen und zahlreiche neue, weitgehende Anträge vor. Die Schlachthauskommission erledigte in der gestrigen Sitzung die Nr. 2 de« §. 2. Nach längerer Beratung, in welcher die Schwierigkeit der Vorschrift scharf hervorgehoben war, wurden alle Amendements abgelehnt. Die Nummern 3, 4 und 5 gelangten gleichfalls nach längerer Debatte und 'er­folgloser Bekämpfung von der einen Seite nach dem Ent­wurf zur Annahme. Unter 6 wurden die allgemeinen Gesichtspunkte noch vorgeführt, die eingegangenen Amen- dementS besprochen, die Beschlußfassung aber einer späteren Sitzung Vorbehalten. Die heute beabsichtigte Besichtigung des städtischen Schlachthaus - Etablistement« wurde aufge- Stern meines Lebens, nicht losreißen konnte, aber jetzt muß geschieden fein "

Lian- sah ihn mit ihren großen, fenchtbraunen Augen erschreckt an.Sie wollen fort?" war Alles, was sie mit zitternden Lippen hervorbringen konnte.

Ich muß, Rotkäppchen, ich muß!" entgegnete er seuf­zend.Oder kannst Du glauben, daß ich freiwillig von hier gehen würde, wo ich das einzige, da« süßeste Glück meine« Lebens gefunden!"

Er zog ihre Hände an seine heißen Lippen, sein Blick schien mit magnetischer Kraft den ihren scstzuhalten.

Aber," hob sie ganz schüchtern und verwirrt an, in- dem ihre Augen sich langsam mit Thränen füllten,warum müssen Sie fort, Herr Rhoden--*

Nenne mich Arthur?" unterbrach er Sie flehend. Sieh, seit dem Tode meiner Mutter hat mich Niemand mehr so genannt. Erfülle mir diesen letzten Wunsch, Rot­käppchen!"

Arthur," flüsterte sie erglühend und kaum vernehm­bar,warum bleiben Sie nicht hier? Ich mag nicht daran denken, daß Sie fort gehen werden, ach, ich werde sehr traurig fein, wenn ich Sie nicht mehr sehen darf."

Aus feinen Blicken leuchtete Triumph. Er zog sie fester an sich.

Rotkäppchen," sagte er mit seiner klangvollen Stimme, die so bestrickend war, wenn er leise sprach,Rotkäppchen, o Du weißt nicht, wie glücklich mich dies Wort machH Auch ich fühle, baß ich nicht leben kann ohne Dich, und darum" er legte plötzlich mit einer stürmischen Be­wegung beide Arme um ihre Schulternund darum komme mit mir in meine Heimat al« mein treues anae- betete« Weibi"

Anzeigen nimmt1 entgegen die Expeditton d. Blatte« sowie b. Ännoncen-8uretra$ von G L- Daude * Co. in Frankfurt « M; Jägerische Buchhandlung bafelbftä Henmmnffche Buchhandl. daselbst: Jnvalidendank ii Berlin; W Thiene« in «derfeld: C. Schlotte in ------ . _____ , Bremen.

Rotkäppchen, mein süße« Mädchen, wie danke ich Dir, i Du gekommen bist," sprach Arthur Rhoden, die Hände ] AanenS mit glühenden Küssen bedeckend, und sie, die einen Kuß von ihrem Verlobten für unschicklich gehalten, duldete ohne Sträuben die Liebkosungen des Fremden.

Er zog sie zu sich auf die Rasenbank am Fuß der großen Eiche nieder. Hier war eS, wo sie sich zuerst ge­troffen und wo Rhoden durch die Schilderung seines ein- ftmen Lebens zuerst das Mitleiden in dem Herzen de« Mädchens wachgerufen hatte. Hier war eS, wo sie sich fkitdem jeden Tag gesehen und wo sich ihr Innere« all- mälig dem süßen Gift der Ueberredung geöffnet. Sie ahnte dunkel, daß sie irgend ein Unrecht begehe, wenn sie den Fremden täglich hier erwarte, und eine unerklärliche Scheu hielt sie ab, Herbert ein Wort davon zu sagen. Ihr Ivar immer, als werde ihr Verlobter Rhoden nicht so gut verstehen wie sie, al« könne er ihn beleidigen oder ihm gar k>n Leid zufügen.