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Marburg, Sonnabend, 11. Dezember 1880.

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tptffen will. Jedermann wußte aus den im Reichstage öffentlich gepflogenen Verhandlungen, daß der Militäretal um die in Rede stehende Summe vermehrt werde» und hiernach die Malrikularbeiträge steigen würden; jedermann wußte aber auch, daß der preußische Etat vor dem Reichs- etal festzustellen sei und daß die allein sichere Grundlage desselben die allein maßgebende Ziffer der Matrikularbei- träge die schon festgestellte vorjährige, nicht eine mögliche oder wahrscheinliche künftige sei. Die erfahrenen Ludget- leute des Parlaments würden mit Recht einen Finanzmi­nister ladet», welcher eine andere Grundlage für seine Fj- nauzaufstellung benutzte. Von allen bisher anerkannten Gesichtspunkten ist daher die Annahme eines wirklichen UeberschusseS im Ordinarium und die Verwendung desselben zu einem Steuererlaß gerechtfertigl.

Die Regierung hat ihrerseits einem dauernden Steuer­erlaß widerstrebt, weil sic keine absolute Sicherheit für die dauernde Besserung unserer Finanzen besitzt und weil sie lhrerseitS die altpreußische Gewissenhaftigkeit auch in dieser Beziehung üben will. Es entspricht aber durchaus den Verhältniffen, wenn der Finanzminister als Deckung für die größeren Bedürfnisse deS Reichs eben auf die Möglich­keit und Hoffnung hinweift, daß sowohl die ReichSsteuern als die Betriebseinnahmen schon im nächsten Jahr sich soweit steigern werden um den vorhandenen Ausfall zu decken.

Wir glauben daher, daß der Finanzminister völlig in seinem Rechte ist, wenn er den Steuererlaß zunächst für ein Jahr allen Einwendungen gegenüber aufrecht erhält. Das Land würde eS dagegen den Parteien zuzuschreiben haben, wenn die wohlgemeinten Absichten der Regierung nicht in Erfüllung gehen sollten. Wir hoffen indes noch auf die vollständige Anerkennung der durchaus den bishe­rigen Verhältniffen entsprechenden Vorschläge der Regierung.

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Rotkäppchen.

Erzählung auS der Haide von Clara Waldheim.

(Fortsetzung.)

Sie war so reizend neben der dustern, unschönen Leonie, daß Rhoden, obgleich er sich, wenn er von ihr abwesend war, ihr Bild stets in den prächtigsten Farben malte, den» noch überrascht «ar. Sie war so reizend in dem rosa­duftigen Gesellschaftsanzug, daß er sie hätte stürmisch in seine Arme ziehen mögen, um das zarte Antlitz, den schneeigen HalS mit glühenden Küssen zu bedecken.

Aber er begegnete ihr in so kühlem Gesellschaftstone, daß sie erschreckt zu ihm aufblickte. Wie war ec so ganz anders al« im Walde, wo er jeden Nachmittag mit ihr znsammentraf und so lieb und traut zu ihr sprach, daß sie immer ganz berauscht seinen Worten lauschte: Sie hatte eben Leonie von ihm erzählt und konnte nicht ahnen, daß LeonienS kluge, graue Augen ihren Freund incommodierten.

ES war ein Schwirren, ein Durcheinander von Unter­haltungen in dem etwas engen Gesellschaftszimmer, daß Man sich fast nur im Zwiegespräch mit seinem Nachbar verständlich machen konnte.

Arthur Rhoden lehnte am Fenster und suchte die zer­streuten Ausrufe bei Gespräches, die bi« zu ihm drangen, aufzufangen. Liane war durch andere junge Mädchen in Uschlag genommen, und die jungen Männer wagten sich noch nicht recht an ihn heran. Herbert, der Einzige, welcher mit ihm rivalisieren konnte, war viel zu verschloffen Und zurückhaltend, um sich einem Fremden sogleich ver­traulich zu nähern.

Rhoden betrachtete diesen ernsten, jungen Mann mit ver eisernen Stirn und dem ruhigen Blick mit einer ge»

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Roch einmal der Steuererlatz.

Der im gestrigen Blatte erwähnte Artikel der „Prov.- Corr." über den Steuererlaß hat folgenden Wortlaut:

Es erregte bekanntlich allseitige Freude, als die Regie­rung bei der Eröffnung des Landtages in Bezug auf die Finanzen eine Wendung zum Bessern und schließlich einen Steuererlaß ankündigen konnte. Sie begründete ihre Auf­fassung durch die im Steigen begriffenen Erträge aus den Reichssteuern und die sich günstiger gestaltenden Verhält- Nisse der Betriebsverwaltungen. Den Steuererlaß stützte sie besonders auf den Ueberschuß im Ordinarium und glaubte den. Erlaß um so mehr schon jetzt bewilligen zu können, als sie die Hoffnung auf dauernde Wiederherstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalte für eine wohlbe. gründete erklärte.

Man versetze sich in jene Zeit zurück und man wird den wohlthuenden, erfreulichen Eindruck jener Ankündigung ermeffen, zugleich aber die Enttäuschung der Gegner der Regierung, welche ihre Hoffnungen gerade aus die finan­ziellen Verlegenheiten derselben gebaut hatten. Von An­fang an trat das Bemühen derselben hervor, den Steuer­erlaß, welchen die Regierung dem Lande entgegenbrachte, zu verflüchtigen ober zu überbieten, um ben günstigen Ein­druck besselben im Lande für sich in Anspruch zu nehmen oder wenigstens für die Regierung zu vereiteln. Wir sahen die merkwürdige Erscheinung, daß die Fortschrittspartei, welche bis dahin die Möglichkeit des SteuerlaffeS bestritten hatte, plötzlich mit dem Anträge hervortrat, denselben statt zunächst für dieses Jahr, gleich dauernd zu bewilligen, un­bekümmert darum, wie sich die nächsten Jahre gestalten würden und ob hiernach die Verhältnisse wirklich so lägen wie die Regierung allerdings hoffte, ohne jedoch die Bürg­schaft hierfür übernehmen zu wollen. Al« jener zu weit gehende Antrag keine Aussicht auf Erfolg darbot, suchte man nach andern Mitteln, die Absicht der Regierung selbst zu vereiteln.

Den willkommenen Vorwand dafür bot neuerdings die Erklärung der Regierung, daß die Malrikularbeiträge für das Reich im nächsten Jahre ungefähr um ebensoviel er­höht werden würden, als der Steuererlaß betragen solle, daß sich aber der Betrag noch nicht genau feststellen lasse und eventuell auf anderweitige Deckung desselben Bedacht genommen werden müsse. Der Steuererlaß wurde deshalb als ungerechtfertigt erklärt, vielmehr die vorherige Fest­stellung des MatrikularbeitrageS für das nächste Jahr verlangt.

Wir meinen jedoch, daß der Finanzminister richtig ver­fahren ist, indem et trotz der in Aussicht stehenden Ver- Mehrung der Malrikularbeiträge die Finanzen Preußens so feststellte, wie geschehen, und den hiernach im Ordinarium vorhandenen Ueberschuß zu einem Steuererlaß verwendet

wissen Spannung. In diesem phlegmatischen Aeußern, unter diesen kühlen Manieren kann teilt leidenschaftliches, tiebeglühendeS Herz wohnen, sagte er sich und konnte sich nicht leugnen, daß er bei diesem Gedanken eine gewisse Erleichterung empfand.

„Da« kommt Alles von der Liebe, mein Fräulein", rief der große Förster, bet sich für einen witzigen Gesell­schafter hielt, und die schöne Brünette, an bie diese Worte gerichtet waren, schlug, mühsam errötend die Augen nieder.

„Wie ich Ihne» sage, eine ganze Kette Hühner!" hörte man einen jungen Forftgehilscn erzählen, „es fehlte nicht viel, und ich hätte ihrer zwei oder drei mit einem Schuß getroffen."

„Wiffen Sie schon, daß ich auf Versetzung angetragen habe," fragte ein alter Förster dazwischen, bet eine Straf­stelle in Aussicht hatte, „es gefällt mit hier längst nicht mehr — armselige Gegend!"

„Ach, wie kann so etwas Vorkommen," brummte der alte Södel in einer andern Ecke des Zimmers mit seiner tiefen Stimme. „Ist mir doch, so lang ich Förster war, niemals pasfirt, daß das Maaß nicht gestimmt hat. Ein­mal, ja, doch da hatte der Herr Forstmeister einen wack­ligen Maaßstab genommen, und da wollte er denn raison- nieren. Aber, hab' ich ihm gesagt, Herr Forstmeister, Sie müssen man nicht mit dem wackligen Maaßstab meffen, ja, ja, — da« hab ich ihm gesagt, und er hat dazu ge­lacht. Hehehe! Haben sich hier doch so viele Förster pen­sionieren lassen, und haben doch Niemand den Charakter als Hegemeister verliehen als mit allein! ja—ja.

„Rotkäppchen", tönte eine klare {Stimme dazwischen, bei deren Klang der lauschende Rhoden heimlich berührt zusammenzuckte, .Rotkäppchen, Du mußt nicht so ost allein

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„ " dellt«, 9. Dez. Der Bundc«rat hatte beider Beschlußfassung über den Anschluß bremischer Gebietsteile an das ^Zollgebiet im Jahre 1875 bestimmt, baß bie Stadt Delmenhorst von dem Gcenzbezirk auszuscheiben sei Die weitere Entwickelung bet Verhältnisse hat jetzt gezeigt, baß diese Ausscheidung bezüglich dc« Grenzschutzes bedenk­lich geworden ist. Seit bett Tarifveränderungm des vorigen Jahres hat der Schmuggel, besonder« mit Tabacksstengeln aus dem Freihafenqebiete nach bet oldenburgifchen Grenze, einen sehr erheblichen Umfang angenommen. Die olden- burgische Regierung hält eS daher in Uebereinstimmung mit dem Provinzial-Steuertirektot und dem ReichSbevoll- mächkigten in Hannover für nötig, daß sobald als thunlich die Stadt Delmenhorst nebst angemeffen begrenzter Um­gebung in den Grenzbezirk eingeschloffeue und daselbst ein Grenzaufseherstation errichtet werde, und sie hat jetzt eine

Frankfurta. M; JSgerffch-

Buchhandlung daselbstf;

Hermannffche Bachtzandt. ♦ daselbst; Jnvalidendant in

Berlin; «tt Thiene« tn Elberfeld: <i. Schlotte m artmsn.

Anzeigen nimmt entgegen; btt Expedition d.lvlattes, sowie d.Annoncen-vureaur von Th, Dietrich & Eo. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a M., Berlin Leipzi», ESln ic.; Rudolf Rosse in Berlin, Frank- furt a. M it

ud» S udeteij durch die Expedition («och'sche

___________________________________________J* in der Expedition zu

entsprechende Beschlußfassung der Bundesrats beantragt. — Durch verschiedene Blätter wird verbreitet, baß die angeblich russtscherseitS stattgehabte Aufkünbigung deutsch- russischer Eisenbahntarife deshalb erfolgt sei, „weil der Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach in Petersburg Vorstellungen wegen der den Hafen vvn Lidau begünstigen­den russisch-internen Tarife gemacht hätte." Ich bin in der Lage mitzuteilen, daß — wie übrigens für bie ben Ver­hältnissen näher Stehenbeu auf der Hand liegt — diese Unterstellung vollständig auS der Luft gegriffen ist — In verschiedenen Zeitungen finden sich Mitteilungen über die Absichten der Reichsregiernng in Bezug auf den Bau eines Reichstagsgebäudes neuerdings kundgegeben haben soll. Unzweifelhaft ist eS, daß diese Angelegenheit den Reichstag tn der einen oder anderen Form beschäftigen wird,Jedoch liegen, wie ich erfahre, bestimmte Anhaltspunkte, auf Grund deren zuverlässige Angaben zu machen wären, zur Zett nicht vor.

Maitlz, 8. Dez. Nach dem vorläufigen Resulatte der Volkszählung hat sich unsere Stadt in den letzten fünf Jahren um 3487 Seelen vermehrt; 1875 betrug die Einwohnerzahl 50,518, 'am 1. Dezember wurden 53,965 Einwohner gezählt. An aktiven Mllitärpersonen zählt unsere Garnison 7060 Mann, die bei jenen beiden Zahlen nicht inbegriffen find.

München, 8. Dezba. Nach den nunmehr an die Central-Zählungskommission eingelangten Berichten der Bezirkskommission beträgt die Summe der am 1. Dezbr. hier gezählten Personen 228,372. — .In dieser Summe ift das diplomatische Corps mit seinen Angehörigen und Dienerschaft nicht eingerechnet. — Da die Abschlüsse der Beztrkskommisstonen insgesamt nur provisorische sind und von diesen selbst, wie von der Centralkommission noch einer genauen Revision unterstellt werden muffen, sind Aende- rungen an der angegebenen Gesamtzahl nicht ausgeschlossen. (Nach der Volkszählung am 1. Dezember 1875 betrug die Einwohnerzahl 198,829.)

Nüruberg, 7. Dez. Dar erst heute bekannt gegebene provisorische Ergebnis der Volkszählung wefft "99,777, also um 8759 mehr als im Jahre 1875 auf. Die erreichte Zahl, selbst wenn sie bei der Revision sich noch etwa« er­höhen sollte, bleibt weit hinter den Erwartungen zurück und stimmt durchaus nicht mit oen viel höheren Berech­nungen des statistischen Bureaus und des Gesundheits­amtes überein.

7- Dez. Die Volkszählung vom 1. Dezember 1880 hat nach der vorläufige» Zusammenstellung für bie Ltadt Metz 53,661 Einwohner ergeben, welche sich auf 3148 Häuser unb 12,071 Haushaltungen verteilen. Nach der Zählung vom 1. Dezember 1875 hatte bie Stabt 45,856 Einwohner in 3088 Häusern unb 11,425 §au8= Hutungen. Mithin ergibt sich für die fünfjährige Periode in den Wald gehen; da giebt es böse Wölfe für die Rot­käppchen, Du weißt."

Rotkäppchen lachte harmlos bei diesem Scherz ihrer Freundin, Herbert, der die Worte gleichfalls {gehört hatte, hob aufmerksam den Kopf, und eine leichte Röte ging lang­sam über seine Züge.

Rhoden richtete seine Blicke wahrhaft durchbohrend auf Leonie, aber diese saß in ihrer nachlässigen Haltung da und schob gleichgültig einen kostbaren Brillantring an ihrem Finger auf und ab.

Der junge Mann biß die Zähne zusammen vor Wut. Was hatte dieses Mävchen, das noch obendrein häßlich war, sich um seine Angelegenheiten zu bekümmern. Wie wischend hatte ste ihn gestern angeblickt, als er von seinem Spaziergang in den Wald, wo er Rotkäppchen alle Tage fruf, zurückgekehrt war. Doch durste ihn dies beunruhigen? Ein spöttisches Lächeln trat auf seine Züge, und er warf verächtlich oen Kopf zurück. Er vertrante auf Rotkäppchen und ihre Liebe — er hatte ihr Herz gewonnen, besten burfte er gewiß sein.

Wer hätte nicht schon empfunden, wie ein unangeneh- mer Gedanke uns zu quälen vermag, wenn er wieder unb wieder in unserer Erinnerung auftaucht unb all unser Fuhlen auf sich concentriert, bis wir, ber immer neuen Verletzung müde, nur den einen Wunsch hegen, eine Ver­änderung hervorzurufen, sei sie auch noch schlimmer als die Gegenwart selbst.

Von diesem Verlangen erfüllt, schritt Herbert am Nach- mittag des folgenden Tages dem Mühlengut zu. Hier herrschte nicht wie gewöhnlich da« geschäftige Treiben, die Arbeiter hielten ihre Mittagsruhe, unb nur bie Mühle klapperte in ihrem einförmigen Takt. (Fortsetzung folgt.)

Nnzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d. Annoncen-Bureaux von E. L- Daube 4 Eo. in

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