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2S9.

Marburg, Donnerstag, 9. Dezember 1880.

durch die Expedition («och'sche

«itfta; SB. Lhiem« ts «derfekd: «. Schlotte in Bremer.

Kn-eigen nimmt; entgegen die Expedition b. Blatte« sowie d. Amwncen-Bureaux don ®. L- Daube 4 Co. in Frankfurt a. 3R; Jäger'sche Buchhandlung daselbsti Herrnann'sche Vuchhandl. daselbst; Inoalideudanl ie

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XV. Jahrgang

Anzeigen nimmt emgegen: die Expeditton b.Blatte«, sowie d-Annonren-Bureauk von LH, Dietrich L Co. in staffel und Hannover; LH, Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in zranisurt a. M., Berlin, Lipzig, Löln,r.; Rudolf Koste in Berlin, graul- bt< a. M „

Deutsches Reich.

.. Berlin, 7. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser, dessen ErkältungSzustand glücklicherweise vollständig wieder beseitigt ist, erfreut sich gegenwärtig, wie man erfährt, eines besonders trefflichen Wohlseins. Ob jedoch der Kaiser an den nächsten Hofjagden teilnehmen wird, darüber ist bis jetzt noch keine Bestimmung getroffen. — Die Ministersitzungen des Bundesrats können erst beginnen, wenn die Projekte für den nächsten Reichstag in den vorbereitenden Stadien abgeschlossen sein werden, d. h. der VolkSwirlschaftsrat versammelt gewesen und nach seinem Volum Preußische Vorschläge für die künftige Gewerbegesetz« gebung vorliegend Mithin dürften alle bisherigen Angaben über den Zeitpunkt dieser Ministerberatungen voreilig und ungenau sein. — Der Ausschuß deö BundeSrats für Zoll« und Steuerwesen hat beantragt, den Gesuchen einer größeren Anzahl von Weingroßhandlungen, Handelskammern, und kaufmännischen Korporationen aus der Zeit vom Februar 1879 bis Oktober 1880 wegen Wiedereinführung des Weinzollrabatts bezw. um Erweiterung der Frist für die Einzahlung des kreditierten Eingangszolls von ver- zollteur Wein eine Folge nicht zugeben und desgleichen ein Gesuch wegen Zollbefreiung der aus den WeinteilungS- lagern entnommenen leeren Fässer ablehnend zu bescheiden. — Schon aus der vorläufigen übersichtlichen Mitteilung über den Entwurf des Etats der Militärverwaltung für 1881/82 geht hervor, daß die vielseitig geäußerte Befürch­tung einer erheblichen Erhöhung der Forderungen unbe­gründet ist. Denn die thatsächlich stattfindende Erhöhung ist fast ausschließlich durch die bekannte in dem Gesetz vom 6. Mai o. I. festgestellte Vermehrung der Präsenzstärke des Heeres bedingt und kann daher nichts UeberraschendeS «der Unerwartetes haben. So fallen von den Mehrfor- derungeu in fortdauernden Ausgaben des Etats für Preußen im G-samtbetrage V?n 14,572,449 M. auf die neu zu formierenden Regimenter 4,828,707 M. für Geld- Verpflegung, 5,599,891 M. für Raturalverpflegung, 1,359035 M. für Bekleidung und Ausrüstung der Truppen und 1,046,842 M. für GarnisonSverwaltungS- und Serviswesen. Mit diesen Summen ist die Mehrforderung bereits fast gänzlich gedeckt. Ein Gleiche- gilt von der Erhöhung der einmaligen Ausgabe, die für den preußischen Etat 15,738,139 M. auSmacht. Hierein fallen für die neuen Regimenter 6,532,812 M. an erster Bekleidung und Ausrüstung, 6,576,200 M. an Bewaffnung, 1,478,480 M. für Ankauf von Pferden für das neue Felvartillerle- Regiment und weitere 24 Batterieen. Die Vermehrung der Präsenzstärke des Heeres beträgt übrigens für Preußen und die unter preußischer Verwaltung stehenden Kontingente 19,206 Mann, für Sachsen 3398 Mann und für Württem­berg 1031 Mann.

Rotkäppchen.

Erzählung auS der Haide von Clara Waldheim.

«Fortsetzung.)

»Ja, den bekam sie vorletzten Winter, sie war just fünfzehn Jahr und beinahe schon solch ein Blitzmädel wie jetzt, da war sie zum ersten Mal zum Schlittschuhvergnügen auf dem großen See. DaS war etwa» für die jungen Forstgehilfen und Jägerburschen. Die waren hinter ihr her wie nichts Gutes, und weil ste gerade ein Barett von rotem Sammet auf hatte, in dem sie noch einmal so schön aussah, als gewöhnlich, hatte sie den Namen Rotkäppchen weg, eh' man stch's versah. Seitdem aber heißt sie bei Jedermann das Rotkäppchen, und Jedermann auf fünf Meilen in die Runde kennt sie bei diesem Namen. Im Anfang wußte ich mr kaum zu helfen vor all den jungen Herren, die unser einsame« Häutchen mit ihren Besuchen beehrten, weil sie Gott weiß wie viel Geschäfte bei mir hatten. Sie vergehen mich schon. Da wuxde mir denn Angst, und weil ich merkte, daß unser Herbert ein Auge auf sie geworfen hatte, hab' ich ste ihm verlobt, und nun hat doch die liebe Seele Ruh'."

„Das ist der junge Mann, welchen ich vorhin in Ihrer Begleitung sah?«

„Ja, das war er, nicht wahr, ein stattlicher Mensch, unb ich sage Ihnen, ein Herz, treu wie Gold hat er, und Kenntnisse — na. Sie können'- mir glauben, die Lehrer Dorf wissen beide zusammen nicht so viel, wie er. tzr wjjt es sich nur nicht so anmerken, ich sage es ihm immer, n ist viel zu still — ah, da sind wir ja schon zu Hause! ■uuu, beliebt es vielleicht ein wenig einzutreten, Herr Ahoden?"

Willig folgte Rhoden dem frenndlichen Alten in da«

.. derli«, 7. Dezbr. Die „Rordd. Allg. Ztg.« erklärt 8elL bx8 -Standard" ans Köln Über französisch- deutsche Verabredungen in FriedrichSruh in jedem ein­zelne Punkte für völlig aus der Luft gegriffen. Die Be- prechungen des Reichskanzlers mit dem Fürsten Hohen- lohe und dem Griffen St. Ballier hätten gleicht allen anderen Beziehungen in der jüngsten Zeit den Beweis gel efert, daß die Regierungen der beiden großen Nachbar- SbCr s)inrÄm /nddlichen Tendenz, ihrer Politik und chren Ansichten über die einstweilige Behandlung der Orientfrage vollständig übereinstimmen, aber weder com- munlsttsche Bestrebungen und deren Unterdrückung, noch die Eventualität neuer Königreiche an der Donau seien unter den drei Diplomaten in Friedrichsruh auch nur mit einer Silbe erwähnt worden. - Die 4. Strafkammer de« Landgerichts verurteilte den Redakteur der „ Volks-^ta" und des „Illustrierten Sonntagsblattes«, Dr. Phittvvs wegen einer in dem Feuilleton-Artikel Nr 5 d.s Sonn­tagsblattes« enthaltenen Beleidigung des Königs von Bayern und der bayerischen Armee zu vierwöchentlicher FestnngS- Tragung der Kosten und Bekanntmachung des Urteils im „Sonntagöblatt«.

Elberfeld, 7. Dezbr. Die „Elberfelder Zeitung" meldet: In den DolkswirtschaftSrat der Rhein - Provinz wurden gewählt: Lug (Oberhausen), Brockhoff (Duisburg), Pjklffer (Düsseldorf), Waldhausen (Essen), Leyendecker Mn) Gebhard (Elberfeld), ErkenS (Burtscheid) ^Jansen (Dülken), Mewissen (Köln), Heimendahl (Crefeld), Eee- b°h-n (Bürbach). In Westfalen wurden einstimmig ge- wählt: Baare (Bochum) und von Born (Dortmund), mit 35 Stimmen, Huffer (Münster), mit 29 Stimme, Spring- uluun (Hagen), mit 38 Stimmen, v. Heyne (Minden) und mit 22 Stimmen Schulz (Bochum).

™ Stratzburg, 7. Dezbr. Am Schluffe der gestern S ®?VCn, ?"besausschusses gegebenen Tafel Ab sich der ka serliche Herr Statthalter zu folgender Rede. Auch in diesem Jahre kann ich die Herren des LandeS- ausschusfeS nicht von meiner Tafel scheiden sehen, ohne ste in offen vertraulicher Ansprache begrüßt zu haben. Ich thue dies in nicht minder ernster Stimmung als im vorigen Jahre denn mein Alleinstehen fühle ich täglich nur mehr, aper ich thue es mit weit größerem Vertrauen, da ich die Herren näher kenne, Zeuge ihres Patriotischen Wirkens gewesen bin, und da ich auf meinen Reisen durch das Land eine der Bevölkerung tief innewohnende Achtung vor den Gesetzen erkannt und den gesunden Sinn, den früher mir erwiesene Teilnahme mich ahnen ließ, überall be­währt gefunden habe. Ich bin Niemanden begegnet, der mir Gefühle geheuchelt, und auch die Herren, welchen ihr elsaß-lothringischer Patriotismus es zur Pflicht gemacht, sich an den Gefühlen des Landes zu beteiligen, haben eS mir nicht verhehlt, daß ihnen dies schwer geworden und

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Haus; aber beide waren sehr enttäuscht, die Zimmer leer uno von Rotkäppchen nicht eine Spur zu finden.

Sie war in den Wald gegangen.

Die Begegnung.

Brütend lag die Nachmittagsonne auf Feld und Mark, und wo der grüne Schleier der Nadelbaumkronen eine Oeffnung frei liefe, da traf sie die violetten Heidekraut­bluten mit ihrem glühenden Strahl, daß sie müde die Köpfchen zum Millagsschlummer sinken ließ.

An einem schattigen Plätzchen saß Rotkäppchen auf dem weichen Moor und war beschäftigt, den grünen Tep­pich des Waldes an einzelnen Stellen, wo er am vollsten und üppigsten sproßte, abzulöseu und in ein milgebrachte» Körbchen zu legen. Traumverloren kamen einzelne Melo­dien über die halbgeöffneten, frischroten Lippen, — nicht die Worte eines Liede«, sondern der unmittelbare Ausdruck ihrer glücklichen, friedvollen Seelenstimmung, jund deshalb lag die stille Harmonie des reinen Kinderherzens in diesen Klängen.

Wie ein Bild verkörperter Unschuld saß sie da, vor­gebeugt, daß die langen dunkelbraunen Zöpfe vorn nieder­fielen, die Gedanken nur auf ihre Beschäftigung gerichtet, als gebe es keinen Lärm und keine Zwietracht in der Welt, auch keine Ungeheuer und keine bösen Menschen. '

Da rauscht es im Gebüsch. Bricht nicht ein Ungetüm hervor, sich auf das harmlose Mädchen zu stürzen? Nicht doch, eS ist ein schöner junger Mann, das Lächeln glück­licher Befriedigung auf den Lippen, Jugendlust und Heiter­keit in den strahlenden Augen, und doch, dünkt mich, ist in seinem Blick etwas vom Ungeheuer.

„Verzeihung, mein Fräulein, wenn ich Sie erschreckte.

s^ ^ ^nen Kampf gekostet hat. Ich wiederhole meinen An Jahr- ausgesprochenen Wunsch, daß dieser Patriotismus auch bei den Männern zu lebendigerem Be- wußtsein komme, die unter dem Drucke persönlicher Gefühle ihrem Geburtslande ihre Kräfte noch entziehen! Ich bin ."un schon über Jahr und Tag im Lande, und ist mein Urteil richtig, so ist die weitere Entwickelung seiner Ver- faffung sein Wunsch und ist Bedürfnis für seinen Frieden. Könnte ich dies Ziel erreichen, ich würde mit gutem Be­wußtsein in meine Heimat zurückkehren, aber Zeit gehört zum Reifen solcher Frucht; erstürmen läßt sie sich nicht, voreiliges Fordern einzelner Prärogative führt vom Ä ab. Die mehr oder minder schnelle Entwickelung unseres Verfassungslebens liegt vorzugsweise in der Hand der © welche im Landesausschuß tagen. Darf ich meine Mchl aussprechen, so ist erforderlich: Festhalten an der Mertgen retn sachlichen Erledigung der Fragen, bei selbst­ständiger Vertretung der Interessen des Landes; Festhalten bisher bewährten Mäßigung, aber auch offen furcht- losen Anerkennung der Zusammengehörigkeit von Elsaß- Lothringen mit Deutschland. Mißverstehen Sie mich nicht, $ verlange heute noch keine Sympathieen für diese Zusammengehörigkeit; mein Rat ist nur, daß das Land es sich klar macht, daß dieselbe definitiv ist. Eine Hoffnung, die ich tm vergangenen Jahre hegte, ist nicht in Erfüllung gegangen, auch in diesem Jahre ist Straßburg im LandesauSichufe nicht vertreten. Meine Schuld ist es wahrhaftig nicht, eine Art Protest in den öffentlichen Blät- tern war die Antwort auf mein Handbieten, so mußte die «Lache rnhen, denn nie kann ich einen Schritt thun, den zurück thun zu müssen ich genötigt werden könnte. Aber die Hoffnung gebe ich nicht auf. Im vorigen Jahre waren es drei Städte, deren Municipalverhältniffe Ausnahmen geböten, heute giebt eS deren nur zwei. Daß die Haltung dieser bewen Städte auch von Einfluß auf die Fortbildung ^Verfassung ist, bedarf keiner Erwähnung. Hie? möchte ich schließen, und dennoch nehme ich Ihre Aufmerk­samkeit m einer mich persönlich betreffenden Angelegenheit ferner in Anspruch. Es ist ja immer peinlich, von sich "den, aber ich fühle mich gewissermaßen ver­pflichtet^ den Repräsentanten des Landes Auskunft über meine Stellung zu dieser Frage zu geben. Sie wissen mnne Herren daß ich seit Anfang Juli dieses Jahres vielfach Angriffe m der Presse erfahren habe. Zu meiner Genngthnung haben diese in den elsaß- lothringischen Blättern keinen Widerhall gefunden. Die Angriffe jener Blätter hätten dahin führen können, die Beamten im Reichsland mir zu entfremden. Das ist nicht gelungen. Ich weiß mich heute mit den Beamten, die mit nir in Elsaß-Lothringen dienen, einiger als je. Ver- schledene Artikel waren wieder angethan, Mißtrauen zwischen dem Herrn Reichskanzler und mir zu säen. Wo Gewiß bin ich so glücklich, das liebliche Rotkäppchen ae- funden zu haben!« “

Da« Mädchen hatte sich bei feiner Erscheinung halb aufgerichtet und sah ihn, die eine Hand auf da- Moos geftufct, mit ihren großen feuchtbraunen Augen er­staunt an.

„Wer hat Ihnen denn meinen Namen gesagt, ich kenne Sie doch gar nicht," forschte ste jetzt verwundert.

„Der Fremde nannte seinen Namen und fügte hinzu: „Man darf hier noch gar nicht lange bekannt sein, um v°u Rotkäppchen zu hören; mir hat Ihr Herr Vater da- voa gesagt. Aber wozu sind denn die Beeren und das Moos bestimmt, die Sie da eben bereitlegten, Rotkäppchen?« Er ließ sich auf der natürlichen Moosbank am Fuß einer alten Kiefer nieder.

„O, die fetze ich hübsch in ein Körbchen und stelle es auf die Kommode, daß Herbert sich freut, wenn er heim kommt. Sie wissen doch, wer Herbert ist? — Nun ja er mag die Blumen so gern, und wenn er sieht, daß ich die Stube für ihn auSgeschmückt habe, dann freut er sich unb lächelt zufrieden; ich mag so gern, wenn er lächelt, und er thut es sonst so selten.«

„Und dann küßt er Sie und spricht, mein liebes Rot- käppchen, nicht wahr?«

blickt- ihn «staunt an. „O nein,« sagte sie dann enötend, „da« thut er nicht, ich bin ja noch nicht--

ich bin ja erst seine Braut."

„So, so," sagte der Fremde, auch seinerseits etwas er- wollen Sie sich nicht hier neben mich setzen, Rotkäppchen, und die Blumen einsetzen. Ich möchte, wenn Sie eS mir erlauben wollten, ein wenig dabei zu helfen versuchen. (Fortsetzung folgt.)