Mr. 288.
Marburg, Mittwoch, 8. Dezember 1880.
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Erzählung aus der Haide von Clara Waldheim. (Fortsetzung.)
k V Berlin, 6. Dezbr. Die verstärkte Agrarkommisston des Abgeordnetenhauses verhandelte den Antrag des Abg. v. Meyer (ArnSwalde) auf Erhöhung der Fond« zum Ankauf von absolutem Forstboden. Referent Abg. Schrader beantragte den Antrag der StaalSregierung zur Berücksichtigung zu empfehlen. Seitens des Regierungskommissars
den Heimweg antrrten wollte, bat Rhoden, ihn begleiten zu dürfen, da er ohnehin einen Spaziergang in den Wald machen wolle.
Lebhaft plaudernd schritten sie dahin, d. h. Söbel er- Mtc trotz der Anstrengung des Gehens, und der junge Mann hörte ihm mit taktvoller Aufmerksamkeit zu, blieb auch jedes Mal bereitwillig stehen, wenn der alte Förster im Eifer des Sprechens das Weitergehen vergaß.
„Ja, da Sie im Walde sind, sollten Sie doch auch das Rotkäppchen kennen lernen," sagte er plötzlich mit schlauem Augenblinzeln.
„Dar Rotkäppchen? Wa« meinen Sie damit, Herr Förster?
„Hahaha! Sehen Sie, wir habm hier auch unsere Romantik. Ich möchte wetten, solch ein Rotkäppchen haben Sie in Ihren großen Städten nicht unter all' den schönen Damen."
„So ist ohne Zweifel ein junges Mädchen damit ge- meint?"
„Natürlich, was sonst! Unser Rottäppchen ist Niemand ander« als meine eigene Tochter, und zwar die einzige, die ich noch im Hause habe, die andern find schon alle vergriffen."
Rhoden- wach gerufene Spannung wurde durch den Umstand, daß da- in Rede stehende Mädchen des alten Försters Tochter sei, sehr verringert. Er schob ihr Lob jetzt auf Rechnung de- Vaterstolzes und fragte ziemlich gleichgültig:
. »Und wie kommt Ihre Fräulein Tochter zu dem eigentümlichen Namm, wenn ich fragen darf?"
lFortsetzung folgt.)
netenhause und somit auch aus dem Vorstande der konservativen Fraktion auSgeschieden ist.
Darmstadt, 5. Dezbr. Die Zweite Kammer hat gestern rhre Arberten erledigt und sich sodann auf unbestimmte Zeit vertagt. Die letzten Tage brachten einige Verhandlungen von weiterreichendem Interesse. Zunächst ist das Gesetz über den Bau und die Erhaltung der Kunststraße, nachdem die Regierung auf Beratung derselben bestanden hatte, zustande gekommen. Auch die Vorlage der Regierung, wegen Uebernahme der bei den oberhessischen Eisenbahnen angestellten Beamten und Bediensteten in den Staatsdienst, sowie der dazu vorgelegte Etat wurden, letzterer mit einer kleinen Aenderung, genehmigt. Endlich war auch die Beratung über die Interpellation Betz 'betr. die Ablenkung des Verkehrs durch die preußischen Eisen- bahnverwaltungen, insbesondere durch die Rheinische Bahn gegenüber der LudwigSbahn, von Wichtigkeit, indem filmt» llche Redner der Regierung dringend empfahlen, die erhobenen vielfachen Beschwerden bei der preußischen Regierung und eventuell beim BundeSrat mit Entschiedenheit zu vertreten und für Abhülfe zu sorgen. Die Regierung hatte erklärt, daß sie bereits mit der preußischen Regierung in Verhandlung getreten und gesonnen sei, den Gegenstand werter zu verfolgen. Der letztere ist insofern für da-ganze Land von großer finanzieller Bedeutung, da bei vermin- mindertem Verkehr der LudwigSbahn auf garantierten Strecken tut Mehrzuschuß des Staates eintreten müßte.
München, 3. Dezbr. Der „A. A. Ztg." wird ge» schneben: Nach der heute veröffentlichten amtlichen Publikation ist die Erhebung des König!. Staatsministers Dr. v. Lutz in den erblichen Avelsstand des Königsreichs „als Merkmal allerhöchsten Wohlwollens und in huldvoller Anerkennung seiner Verdienste" erfolgt. — Nach einem heute Vormittag aus St. Petersburg im König!. Staat-rnini» stenum des Aeußern hier etngetroffenen Telegramm ist int /"stnden des König!. Gesandten, Herrn v. Rudhardt, lang- same Befferung eingetreten. — Auf Grund allerhöchster Entschließung vom 21. v. Mts. wurde der an die Stelle des bisherigen Consuls James M. Wilson aus Miffouri zum Consul der vereinigten Staaten von Nordamerika in Nürnberg ernannte G. Henry Horstmann aus Pennsyl- vanien in dieser dienstlichen Eigenschaft anerkannt. - Wt da» Vaterland" berichtet, ist der Regensburger Arma F. Pustet oder vielmehr ihrer Newyorker Filiale die Confiskatton von importierten Meßgewändern wegen zu geringer Zollwertsangaben bei dem amerikanischen Zollamt widerfahren. Die Regensburger Firma bestreitet den ärgerlichen Vorfall, das „Vaterland" hält denselben aber aufrecht.
Straßburg, 6. Dezbr. Der Landesausschuß ist heute Nachmittag mit einer kurzen Ansprache des Statthalter« eröffnet worden.
Anzeigen nimmt! entgegen die Expedition b. Blatte« sowie d. Annonren-Bureemk »on 0. L. Daube LE» in Frankfurt a. M; JLgee'sche Buchhandlung baselbstü Hermann'sche Buchdanbi. ♦ daselbst; Juvalideudarst in
Berlin; W LhieurS in Elberfeld; E. Schlotte in öremin.
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wurde dem Gedanken de« Antrages überall beigeflichtet. Abg. v. Quast wies auf die Notwendigkeit hin, bei der Erfolglosigkeit des Gesetzes für Waldgenoffcnschaften die Frage der Enteignung von Oedländern in's Auge zu fassen. mb^Zr®^rreibet toie6 auf ble verschiedenen tatsächlichen Verhältnisse hm, welche namentlich für die Gemeindeforst- Grundstücke vorhanden seien und beantragte die bewilligten Summen auch zu Prämien an die Gemeinden für die Aufforstung ihrer Oedländereien zu verwenden. Die Abgg. Dr. Seelig und Sombarth entwickelten die Grundsätze, welche für die Erhaltung des Waldes notwendig seien. Der Reg. - Kommissar hielt es für bedenklich, schon jetzt nnen Weg für ein künftiges Waldschutzgesetz festzulegen; Prämien an Gemeinden seien bereit» verteilt und die Regierung würde dieses Vorgehen stets unterstützen. Die Kommission lehnte eine Erweiterung des Anträge» ab und nahm einstimmig den Antrag von Meyer an. — In der Sonnabendsttzung der Budgctkommission wurde zunächst ein Schreibe» des Herrn Finanzministers verlesen, durch welche« derselbe auf die bezügliche Anfrage des Vorsitzenden der Kommission erwidert, er sei noch nicht in der Lage, über die Höbe des im Etatsjahre 1881/82 von Preußen an daß Reich zu leistenden MatrikularbeitragS eine bestimmte ziffermäßige Mitteilung zu machen. Weiter erläuterte der Kommissar des Herrn Finanzministers seine in einer früheren Sitzung der Kommission über die Art der Deckung etwa erhöhter Forderungen des Reichs abgegebene Erklärung dahin, raß er nicht die Absicht gehabt und beim Mangel deSfallsiger Ermächtigung auch nicht hätte haben können, eine Aenderung der Finanzpolitik der Königlichen Staatsregierung anzukündigen, es habe ihm vielmehr nur die Erklärung vorgeschwebt, welche in der Sitzung des Reichstags am 18. Februar d. I. von dem Vertreter des Reichsschatzamtes über die Möglichkeit einer Deckung der erhöhten Ausgaben des Reich« auf einem anderen Wege al« dem der Erhöhung der Matrikularbeiträge abgegeben worden sei. — Die Kommission beschäftigte sich im weiteren Test ihrer Sitzung mit dem Etat der Eisenbahn- Verwaltung, indem sie zunächst die allgemeinen Grundsätze diskutierte, nach welchem dieser Etat hinsichtlich der Veranschlagung der Einnahmen aufgestellt ist. Dabei kam namentlich die Verlegung der Etatsperioden der neuerworbenen Bahnen, sowie der für StaatSrechnung verwalteten Bahnen auf da« für die gesamte preußische Staatsverwaltung angenommene Etatsjahr sowie weiter da« Tarifsystem zur Erörterung. Die Beschlußfassung über einen hinsichtlich der Tarife von der Staatsregierung näher als die bereits gegebenen Aufschlüffe zu verlangenden Antrag wurde ausgesetzt. — Die konservative Fraktion wählte heute den Abgeordneten Freiherrn v. Hammerstein in ihren Vorstand, nachdem Herr v. Wedel-PieSdorf in Folge der Ungültigkeitserklärung feines Mandats au« dem Abgeord-
Sie doch, Fräulein Leonie, wer ist der fremde Herr, den ich vorhin bet Ihrem Papa sah?"
„Der?" fragte Leonie nachlässig und nahm sich gar nicht die Mühe, mit ihren Blicken der Richtung zu folgen, die ihr der alte Söbel deutlich genug mit dem auSgestreck- tem Finger bezeichnete. „Er ist der Agent eine« Holz- geschäfteS, der mit Papa Geschäfte abschlteßen will."
„So, so. Kaust er einen großen Posten?"
„Ich glaube wohl. Die ganze Ausbeute dieses Jahres, wenn ich nicht irre, aber Sie wissen, ich kümmere mich nicht darum."
Da« that sie in Wirklichkeit nie, und Söbel wußte schon au« Erfahrung, daß alle neugierigen Fragen, die er in solchen Angelegenheiten so gerne an sie richtete, unbeantwortet blieben.
Zum Glück trat eben der Müller in Begleitung des Fremden in die Laube. „Jetzt, Herr Söbel, stehe ich zu Ihrer Verfügung," sagte er freundlich, denn er hatte dm biederen, alten Mann gern. „Aber erlauben Sie mir zunächst, Ihnen meinen einstweiligen Gast, Herm Rhoden, vorzustellen, der ein bedeutende« Holzgeschäft mit mir abzuschließen gedenkt."
Der Fremde war wirklich ein schöner Mann, selbst Söbel, der wenig von klassischen Formen verstand, fühlte die« unwillkürlich und betrachtete ihn mit einer gewissen Ehrfurcht. Der junge Mann richtete einige höfliche Worte an Söbel und wandte sich dann an Leonie, die ihm in ihrer stolzen unnahbaren Haltung gegenüberstand, die sie stet« fremden Männern gegenüber beobachtete. E« stand bei ihr unerschütterlich fest, daß jeder Mann ein unschöne« Mädchen nur mit verhaltenem Spott betrachte.
Söbel- Angelegenheit war bald abgemacht, und als er
»«zeigen nimmt entgegen: tU Expedition b.Blatte«, totpie d.Annoncen-Bureauk „on Lh, Dietrich & So. in goffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; faafenftein & Bögler in ftanlfßrt a. M., Berlin, Zeiviig, S6ln tu; Rudolf Klosse in Berlin, Frank- hstf a. M ic.
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Berlin, 6. Dezbr. Al« im Herbst d. I. bei dem außerordentlich regen, gleichzeitig andrängenden Verkehr in Brennmaterialien und in Feldfrüchten, namentlich in Rüben, im Bezirk der Königlichen Eisenbahn-Direktion zu Magdeburg ungewöhnlich hohe Anforderungen an den Wagenpark gestellt wurden und die Direktion sich deshalb genötigt sah, die mietfreie Entladefrist vorübergehend auf sechs Tagesstunden einzuschränken, wurde diese Maßregel von einem Teil der Presse schnell zu den ungünstigsten Parallelen zwischen Staat«- und Privatverwaltung benutzt. Daß hierzu der vorliegende Fall bezüglich der Feststellung der sechsstündigen Frist, welche unter der früheren Pri - "stler ei ^vatverwa l tung der Berlin - Potsdam - Magdeburger Bahn die Regel bildete (während die Staatsbahnen [356 bekanntlich der Regel nach eine mietfreie Frist von 12 bi« 24 Stunden gewähren) nicht eben glücklich gewählt war, t werde ist schon dargelegt worden. Wenn aber z. B. von der „Vossischen Zeitung" behauptet worden ist, „so lange die Perlin-Potödam-Magdeburger Bahn noch selbstständig ge- .0,4wesen, fei nie eine Klage über Wagenmangel laut geworden u. f. w.", so braucht man nur auf eine |*nrß vorliegende Nachweisung über die Wagenstellung int Okto- IllUJ der 1879 auf der genannten Bahn hinzuweisen. Danach bxsei^ ist damals dem Bedarf an bedeckten Wagen nicht an »hneVs einem einzigen Tage, dem Bedarf an offenen Wagen nur ohne b an acht Tagen des Monats genügt worden. Am 1. Ok- onetzk t°ber wurden z. B. 51 bedeckte Wagen beansprucht, c« , @tc fehlten aber 25, statt 126 geforderter offener Wagen konn- Sheital ten att demselben Tage nur 69 gestellt wurden u. s. w. )ie Wii ®in ähnliches Verhältnis fand an den übrigen Tagen statt, en Mi« Diese Ziffern bedürfen keine» weiteren CommentarS. Die „Vossische Zeitung" wird zugeben, daß die Behauptung, es sei bei der früheren Privatverwaltung jener Bahn ein ^'Wagenmangel nie zu beklagen gewesen, ebenso wie die daran v.,«i nid geknüpften weiteren Ausführungen über die Verwendung runksui unb Erneuerung der Betriebsmittel der Staatsbahnen ies leid hiernach des Grades entbehren. — Der soeben zur
Ausgabe gelangte neunte Band, Heft 6, der „Landwirtschaftlichen Jahrbücher" enthält mehrere für die Landwirte höchst wertvolle Aufsätze, u. a. einen solchen von Dr. Anton Novadri, Professor der Landwirtschaft am Polytechnikum zu Zürich, über die Entwickelung der Landwirtschaft in der Urzeit, ein Beitrag zur Urgeschichte des Menschen.
, »O, ich, Sie wissen ja, Fräuleinchen, mein Erste« ist Muter die Geschichte unter dem Strich! WaS kümmern wich die langweiligen Reden im Abgeordnetenhause! Die «se ich höchsten«, wenn da viel mal „Hört, hört!" oder RGroße Heiterkeit" — steht. Sonst scheere ich mich den ausend um ihr Gezänk. Ja — ja — aber die Erzäh. «ng, das ist die Hauptsache! Aber jetzt thut es mir doch >kid, daß ich sie angefangen habe."
„Nun, weßhalb denn, Herr Söbel?"
„Ach, sie wird ja so traurig jetzt, ach, aber Sie haben 4 das Letzte noch nicht gelesen, Fräulein Leonie. Ja, wn Sie, da ist nun diese« junge Mädchen---
Und nun begann Söbel den letzten Teil der Erzählung •t® jungen Mädchen vorzutragen und dabei möglichst weit ®ückzugreifen. Er hatte die Gewohnheit, während de« Drechens ganz unmotivierte Pausen zu machen und wäh- 'Nd derselben tiefsinnig zur Erde zu blicken und sein rote« Mmütiges Gesicht in die grimmigsten Fallen zu legen. Mein andern Mädchen in Leonies Alter wären diese Gri- höchst lächerlich oder langweilig vorgekommen, aber 5°«« besaß eine unerschöpfliche Geduld und überdies waren Q i w und der alte Herr geschworene Freunde.
{ »Ja, ja," sagte der Förster zum Schluß ganz betrübt, stehen die Sachen jetzt, weiß Gott, wie e« werden :tt. pW"
>ie M „Hoffen wir, daß Alles gut wird, Herr Söbel, e« __doch gar zu traurig."
„Nicht wahr, es geht Einem zu Herzen, aber sage«