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Jltacöurg, Freitag, 3. Dezember 1880.

XV.

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VlieWschk ZitiiW

erhoben haben, daß die Gesetze so schlecht vorbereitet ins kamen, was doch künftig durch die Verhandlungen des fVolkSwlrtschastrateS mit verhütet werden solle. Selbst der Einwand, daß die betreffende Verordnung im Widcr- 'pruch mit der Verfassung stehe, der fortschrittliche Abg. Hänel suchte denselben zu begründen blieb nach der ein­gehenden Darstellung deS Herrn Justizministers völlig hin- fallrg und so erlebten auch in diesem Punkte die oppositio­nellen Parteien ein gründliches Fiasko, das am Schluffe der Sitzung noch durch den mißlungenen Versuch des Abg. Eugen Richter erhöht wurde, von der vom Präsidenten vorgeschlagenen Tagesordnung für die Sonnabendsitzung den Etat des Ministeriums für Handel und Gewerbe ab« Zusehen, weil der Herr Handelsminister, Fürst Bismarck, in Berlin nicht anwesend sei. Die ganze Rechte, das Cen­trum und die Nationalliberalcn stimmten dem gegenüber dem Vorschläge des Präsidenten bei und die Opponenten bereiteten sich durch den sehr fadenscheinigen Versuch ihrer üblen Laune eine abermalige, selbstverschuldete und wohl­verdiente Niederlage.

ES darf erwartet werden, daß die gesamte Bevölkerung unserer Monarchie durch ein derartiges Verhalten der oppositionellen Minorität im Abgeordnetenhause mehr und mehr zu der Ueberzeugung gelangt, wie wenig nutzbringend die Thätigkeit dieser Fraktion in der Volksvertretung über­haupt ist und in welch hohem Grade cs im Interesse deS Ganzen gewünscht werden muß, die vonStufe zu Stufe" abwärts schreitenden unfruchtbaren Opponenten, sobald der Ruf zu den Wahlen wieder ertönt, durch fruchttragendere Elemente ersetzt zu sehen.

A. F. E. Bilmar's Geschichte der deutschen Ratioual-Litteratur.

(Verlag der N. G. Elwert'schen VerlagS-Buchhandlung.)

Mit der soeben die Presse verlassenden zwanzigsten Auflage ist dieses vortreffliche Buch in 100,000 Exem­plaren zur Verbreitung gelangt, ein Ekfolg, wie ihn kein ähnlichesBuch aufzuweisen hat. In und weil überDeutschlandS Grenzen hat es bei allen Gebildeten deutscher Zunge, die Herz und Sinn für des Vaterlandes Größe und Bedeu­tung in seinen Dichterheroen, ihren Werken und ihrer Zeit haben eine Heimatsstätte gefunden und beigetragen, das neu erwachte nationale Bewußtsein zu stärken und zu kräftigen. Doch enthalten wir uns unseres eigenen schwachen Urteils und lassen statt deffen die Vorrede zu dieser zwan­zigsten Auflage, von dem die größte Anerkennung verdienen­den Herausgeber der drei letzten Auflagen, Herrn Professor Dr. Goedeke in Göttingen hier folgen.

Derselbe schreibt:Die deutsche Literaturgeschichte Vil- mar's, aus Vorlesungen hervorgegangen und 1845 zuerst erschienen, ist vom Verfasser bis an seinen, am 30. Juli 1868 erfolgten Tod, stets auf das Sorgfältigste verbessert und zum deutschen Haus- und Familienschatze geworden, den man nicht verändern kann, ohne seinen Wert, dem Ge­halt oder der Form nach, zu gefährden. Hätte Vilmar auch nicht verbeten, daß nach seinem Tode nichts davon genommen, nichts hinzugethan werden möge, so müßte man Bedenken tragen, ein Kunstwerk, das viele Mitbewerber überflügelt und, so wie es ist, Tausenden Belehrung, Ge­nuß und Erhebung geboten hat und künftig bieten möge, durch Auslastungen, Zusätze oder Umgestaltungen zu er­schüttern oder zu zerstören. ES ist der durchgeführte Ge-

Deutsches Reich.

** Berlin, 1. Dezember. Mehrere Zeitungen sprechen von einem Entlassungsgesuch, welches der Finanzminister erngerercht habe, und zwar in Folge der in der Budget- Kommission des Abgeordnetenhauses gestellten Frage, ob nicht die Reich«- und Kriegsverwaltung höhere Anforde­rungen an die Matrikularbeiträge zu stellen genötigt sein werde, alS sie in dem jetzt vorgelegten preußischen Etat eingestellt sind. Wie ich höre, ist von einem Rücktritt deS Herrn Bitter nicht die Rede. Von dem Ausdruckdie

W ?ll$ Anlaß der jetzt geschaffenen Institution des VolkSwrrtschaftsratS ein verwirrender Gebrauch gemacht worden. Man sagt, das Parlament habe den Beruf, die Krone zu beraten, und dieser höchste Rat könne nicht ohne Verfassungsänderung erweitert werden. Der Volkswirt­schaftsrat ist aber kein Berater der Krone; eher könnte man sagen, ein Berater der Regierung, unter welcher die Krone im engeren Sinne, d. h. die Person des Königs und außerdem die von ihr allein berufenen Berater, näm­lich das Staatsministerium, zu verstehen sind Der VolkS- wirtschaflsrat ist Hilssorgan der Verwaltung, aber kein danke votr der Größe und Herrlichkeit der mittelalterlichen epischen Volksdichtung, mit ihrer Ehre und Treue bi« in den Tod, es ist die Kraft und Freudigkeit, mit welcher dieser Gedanke aus den Dichtungen selbst entwickelt wurde; es ist ferner die aufrichtige schöne Gerechtigkeit, mit der die Dichter der neueren Zeit nach ihrem nationalen Gehalte gewürdigt wurden; es ist endlich die begeisterte und Be­geisterung weckende Lebendigkeit der Darstellung, was diesem Buche seinen raschen Erfolg und seine dauernde Wirkung gewonnen hat. Stets von hohen, freien Gesichtspunkten ausgehend, hat der Verfasser die edelsten und schönsten Erzeugnisse der Dichtung, die Schöpfungen, auf denen der Wert unserer Literatur beruht, herausgehoben und mit liebevoller Sorgfalt nach ihrem nationalen und künstlerischen Werte behandelt, ohne sich durch das tiefer Stehende von seinem Standpunkte ablenkcn zu lassen, nur da allenfalls etwa« mehr mit den geringeren oder verderblichen Erschei­nungen und Richtungen beschäftigt, wo es ihm darauf an­kam, den Hiutergrund zu zeigen, auf dem das Große und Größere sich um so lebensvoller abhebt. Es kam nicht darauf an, die Maste zu erschöpfen, sondern lichtvoll zu ordnen, noch weniger darauf, eine Büchergeschichte zu lie­fern, oder diesem oder jenem neu aufgestellten GesichtS- punkte zu folgen, um ihn dann mit der wechselnden Mode deS Jahre« oder TageS gegen einen neueren oder neuesten auszutauschen. Wo, wie hier, die Grundanschauung zu einer Lebensüberzeugung und das davon erfüllte Kunstwerk zu einer bedeutungsvollen That geworden, hat es die Kraft, dem sich dagegen versuchenden, aus anderen Anschauungen hervorgegangenen, und andere Ziele verfolgenden Wetteifer Stand zu halten und dem Gerede, als sei das, was durch «ine so lange und so umfangreiche Wirksamkeit bewährt

Anzeige» nimmt entgegen die Expedition d. Blattet, sowie d. Annoncen-Buream von L- Daube 4 So. ir Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst' tzermaun'sche Buchhandl daselbst; Jnvalidendanl i» Berlin: V. LhieneS ir Elberfeld; E. Schlotte ir dSreaten.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blatte«, sowie dAnnoncen-Bureaux von LH, Dietrich & So. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenftem <& Bögler in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Söln tu; Rudolf Stoffe in Berlin, Kraut-

Berater der Krone. Eine Nachsession des Landtags, vorn welcher jetzt in den Blättern viel die Rede ist, ist bisher in den Regierungskreisen noch nicht zur Sprache gekommen, wozu auch noch kein Anlaß vorhanden ist, da die Arbeiter der Landtagskommisstonen regelmäßig, wenn auch ohm Beschleunigung, vorwärts gehen. Die Ausschüsse bet Bundesrats für Zoll- und Steuerwesen, Landheer uni Festungen und Rechnungswesen waren heute zu einer ge­meinschaftlichen Sitzung zusammengetreten. Nach den vom Kaiserlichen Statistischen Amt aufgestellten Ueberstchten über die Produktion, Einfuhr, Ausfuhr, Verbrauch und Besteuerung des Tabaks für die Zeit vom 1. Juli 1879 bi« 30. Juni 1880 wurden 17223 Hektare mit Tabak be- baut, die einen Ertrag in trockenen Tabaksblättern bon,i 284,085 Kg. lieferten und einen Brutto-Geldbetrag von 14,737,000 M. darstellten. Der Netto-Ertrag der Tabaks­abgabe und der Eingangszoll von fremdem Tabak ergeben, zusammen die Summe von 9,154,967 M. Unter den Positionen der fortdauernden Ausgaben im nächstjährigen Marine-Etal erfordert das Militärpersonal 221,120 M di« Jndiensthaltnng der Schiffe 748,000 M., die Natural­verpflegung 600,100 M, der Werftbetried 1,157,665 M.

W°5 M. und die verschiedenen Ausgaben 101,200 M. mehr als im Vorjahr. Unter den einma-, ligen Ausgaben erscheinen 240,000 M. als erste Rate zum Bau der Panzerkorvette E, 298,000 M. als letzte Rate für die Korvette E, 525,000 M. als letzte Rate für die Korvette F, 825,000 M. als erste Rate für die Kor- bette G, 512,500 M. als letzte Rate für den Aviso D, 38,500 M. zum Bau eines Geometer-Observatariums in Kiel, 700,000 M. zur Armierung der Panzerkanonenbote. Ll und N, 250,000 M. zur Armierung der Korvette F 1,500 000 M. zur Fortsetzung der Bauten des Marine-, Etabltstements bei Ellerbeck, 500,000 M. zu Bauten beim Marine-Etablistement in Wilhelmshaven, 600,000 M. als. rur Herstellung einer zweiten Hafeneinfahrt bei Wilhelmshafen, 500,000 M. zum Bau deS Ems-Jade- ' Kanals, 445,000 M. zur Beschaffung eines Kolbenpum- penbaggerS für das Marine-Etablistement zu Wilhelms-,! Haven u. s. w. .

,, 1- Dezbr. Der Kaiser empfing heute Nach-

mittag 1A Uhr in besonderer Audienz den baierischen. Gesandten Graf Lerchenfeld, welcher sein Beglaubigungen Ererben überreichte. Botschafter Fürst Hohenlohe ist heute. Mittag nach Paris abgereist. Alle neueren Mitteilungen stimmen bann überein, daß bet bis vor einigen Jahre»! so starke Andrang junger Leute zur OffizierS-Laufbahn seit bereits in fortgesetzter Abnahme begriffen ist. Auch bie im nächsten Frühjahre bevorstehenbe Errich- i tung bet neuen Truppenteile unb die dadurch für das OffizterS-Avancement eröffneten günstigen Aussichten sollen i bann bisher noch keine Aenberung herbeigeführt haben ist, eine vorübergehende, veraltende Erscheinung, seinen Sauf zu lassen. Werke, wie das von Vilmar, können nicht ver­alten, wenn auch andere sehr wohl daneben bestehen oder aufkommen mögen. ,

Wenn es durch die Natur der Sache geboten war Vilmars Wunsch, sein Werk unverändert zu lasten, als letztem Willen nachzukommen, so hat der Verfasset doch i bie Erweiterung, Fortführung unb Umgestaltung bet An-1 menunflen nicht hindern wollen, die er als angenehme In-: gäbe für die Weitetsuchenden betrachtete und kaum für nötig hielt und als solche frei gab, da er wußte, daß die Fo-ichung nicht still steht und daß demgemäß neue Dinge i an ö Licht gezogen, die schon bekannten in schärfere, hellere oder veränderte Beleuchtung gerückt werden, und manches i j roa« zur Zeit der ersten Abfaffung allgemeiner bekannt wat,J gegenwärtig schon bet Anetinnetnng bebürftig geworden ist

In diesem Sinne haben die gelehrten Arbeiten, welche den im Buche behandelten Dichtungen unb Prosawerken gewidmet sind, neue Ausgaben, neue Forschungen, neue I Ergebnisse in ben Anmerkungen Erwähnung gefunben. In gleichem Sinne würben auch einige biographische Daten -I eingeschaltet und Büchertitel in Erinnerung gebracht. Gegen die Ansichten VilmatS, geschweige gegen seine Grundsätze > u"d Ueberzeugungen ist jedoch auch hier wistentlich und \ absichtlich kein Wort hinzugethan. Denn hier ist Bester« wlsten oder Mehrwissenwollen als im fest in sich gegrün- d"-n Worte be« Textes steht, nicht angebracht unb nicht schicklich; und geradezu vom liebet würde eS sein, wenn I man die Anmerkungen zum Leuchter machen wollte, um sein Llchtlein selbstgefällig darauf flackern zu lasten. So I |tnb denn auch die Anmerkungen, obwohl erweitert, gegen I de« Sinn und Geist des Werkes selbst nicht verändert I

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Jllustrirte» TomitagSblatt

bitten wir baldigst machen zu wollen.

*8® Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

V Bo« Stufe zu Stufe.

Wer den Verhandlungen deS Abgeordnetenhauses in den letzten acht Tagen aufmerksam gefolgt ist, der wird anerkennen, daß oaS Wort:Von Stufe zu Stufe" auf die Fortschrittspartei und die Sezesstonisten seine volle An­wendung findet, und daß sich der Mehrheit der Bevölkerung endlich die Ueberzeugung aufdrängen muß, wie sehr diese Parteien im preußischen Abgeordnetenhause ihre Hauptauf­gabe nur darin erblicken, durch völlig unfruchtbare Nörge- leien die Verhandlungen in die Länge zu ziehen und durch die bekannte Opposition gegen Alles, was von Oben kommt, die vermeintlichen Pflichten ihre« Mandat« zu üben.

Ein kurzer Rückblick liefert hierfür einen treffenden Beweis.

Das Hineintragen der Judenfrage in die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses ist bereits genugsam als großer politischer Fehler der genannten Parteien gekennzeichnet worden; es war ein bedeutsamer Sprung nach abwärts auf der Stufenleiter der vermeintlichen Volksbeglücker. Ein weiterer Sprung nach abwärts geschah durch die Art und Weise, in welcher fortschrittliche Abgeordnete der Landwitt- schast in der Mittwochssttzung gedachten, bezüglich welcher der Abg. Dirichlet meinte, daß solche einseitigen Jnteressen- fragen nicht vor da« Abgeordnetenhaus gehörten, ein Aus­spruch, der von dem konservativen Abg. Freiherrn von Minnigerode gebührend beleuchtet und zurückgewiesen wurde, da doch, wie dieser Abgeordnete mit Recht bemerkte, für einen großen Teil der westlichen und für sämtliche nörd­lichen und östlichen Provinzen die Landwirtschaft die Grund­lage des ganzen Erwerbslebens, die eigentlich nährende Mutter fei, von der alles Andere gespeist und erhalten wird. Wieder eine Stufe nach abwärts betraten die Fort­schrittspartei und Sezesstonisten, indem sie am Freitag in erster Linie natürlich wieder der unvermeidliche Abg. Engen Richter gegen die Einrichtung eines Volkswirt­schaftsrats sich vernehmen ließen,jobgleich, wie der konservative Abg. von Rauchhaupt den Herren begreiflich machte, daß sie es gerade bisher gewesen sind, die stets den Vorwurf