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Nr. 283.

JIfar6urg, Donnerstag, 2. Dezember 1880.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie b. Anrwncen-Bureaur »on S. L. Daube * So. in

Frankfurt«. M; Jüger'sche vuchhandlung daselostl; Hermanu'sche Bnchhandl. daselbst; Jnvalidenoan! in Berlin; W. ThieueS in Gberfeld; T. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureaux von LH, Dietrich & So. in staffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein L Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Sripzig, Cöln rc.; Rudolf vtoffe in Berlin, Frank.

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wirb, so liegt das in den Wirkungen des parlamentarischen Byzantinismus, der nicht erlaubt, auf der Tribüne die Dinge bei ihrem richtigen Namen zu nennen.

Unserer Ansicht nach handelt el sich in der Gegenwart gar nicht mehr um FraktionSkämpfe, sondern um die Ber- ttetung der Monarchie, und zwar der Hohenzollern'schen Monarchie und deS deutschen Kaisertums gegen die zu ihrer Bekämpfung geeigneten Elemente in Preußen. Die Gegner sind nicht nur die Sozialdemokraten, nicht nur das päpstliche Centrum mit seiner Regristination der päpstlichen Kämpfe gegen jede nationale deutsche Dynastie, nicht nur die Polen,. Franzosen und der eine Däne, den wir jener Sette zuzählen müssen, sondern auch die Partei Richter« Rickert, welche, unserer Ueberzeugung nach, nicht deutsche Rationalität, aber die monarchische Gestaltung derselben bekämpfen, ob bewußt oder unbewußt, das lassen wir un­entschieden.*

Des Laudgrafe« Philipp des Grotzmütiaeu vo« Hessen letzte Ledensjahre.

(Schluß!.

Weit schärfer tritt eine Anspielung auf des Kaisers Treulosigkeit in dem vielbesprochenen Philippsthaler her­vor welchen der Landgraf in der Zwölfzahl der metallenen Knöpfe seines Rockes, den er in seinem Gefängnis trug, M Jahre 1552 prägen ließ. Man hat an der Echtheit dieser Denkmünze gezweifelt; fast hundert Jahre hindurch war sie der Streitpunkt der eifrigsten Münzkenner. Aber ,bem ®?ufeum ZU Kassel, noch vorzüglicher in dem Wiener Münzkabinet befindet sich ein von feinem Silber 'm Durchmesser 1'/. Zoll große- geprägtes Original, an dessen Echtheit wohl nicht zu zweifeln ist. Auf der Vorder- leue das geharnischte Brustbild L. Philipps mit seinem Titel und der Jahreszahl 1552, dabei fieri fecit; auf der Eseite 5 hessische Wappenschilder mit zerstreuten Buch- Itaben P. 8. E. D. 8. (parcere subjectis et debellare superbos) und die charakteristische Unterschrift: Bess.

u. Lud. vilorn als en falsch Aiet geschworn. (Anspielung auf den Bruch der vom Kaiser Karl V. be- chwvrenen Wahlkapitulation). Die in einzelnen europäi« Ichen Münzkabinetten zerstreuten, im 17. Jahrhundert mit »te er Sorgfalt nachgeahmten, also unechten Denkmünzen Mer Art sind gegossen. Vergleiche Rommel a. a. O. 183 f.

Die weitere Ausbildung der hessischen Kirchenordnung «Nb hessischen Schulwesen- in den Jahren 1540 bis

«olle man bei Heppe K.-G. I. S. 285 bi» 345 Schlesen. Hier nur einige Bemerkungen. Nachdem die ^Ucerische Organisation der hessischen Kirche im Jahre

sammen 239,577 M., und für die Universität Kiel zum Neubau des Bibliothekgebaudcs wurden 100,000 M. 6c« »lUtgt. Zum Weiterbau von Gebäuden für höhere Lehr­anstalten sind im Ganzen veranschlagt 719,875 M. von diesen wurden jedoch die geforderten 120,000 M. zum Bau des Gymnasiums zu Göttingen von der heutigen Be- ratung abgesetzt. Für oie Fortsetzung der Bauten für da- Elementarunterrichtswesen wurden 245,835 M. bewilligt; ebenso für Kunst- und wissenschaftliche Zwecke 390,000 M-, zur Errichtung eines Denkmal- für Wilhelm v. Hurn- boldt. Endlich wurde für das Polytechnikum bei Berlin £ « e ?f 1,750,000 M. und für andere Zwecke des technischen Unterrichtswesens 312,500 M. [bewilligt. ~ Drdmarium wurde von der Kommission die ?ÄOtt.tc200 Funktionszulage für den Vorsteher de- Centralbureaus« abermals gestrichen. Der konser­vative Abgeordnete Stroßer sprach sich in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses im Namen der konserva­tiven Fraktion in höchst sympathischer Weise für das Gesetz,

rj?. Erweiterung, Umwandlung und Neuerrichtuna von Wlttwen- und Waisenkassen für Elementarlehrer aus und verlangte u A. eine Erhöhung der Pensionen von auf 250 reffe. 300 M.; der genannte Abg. sprach ferner die Erwartung aus, daß die Regierung nunmehr auch baldigst ein Gesetz bezüglich der emeritierten

Erlegen werde. Es erhellt hieraus abermals, welch lebhaftes Interesse und welch' eine große Teilnahme bie konservative Partei dem Lehrerstande zuwendet und wie ? clne besondere Pflicht erachtet, nicht allein für die Wlttwen und Waisen desselben in wohlwollenster Welse Sorge zu tragen, sondern auch das Looö der entert« tiertm Lehrer nach bester Kraft erleichtern zu helfen. - r 29. Rovbr. Der Gewerbe-Convent der freien

Bremen hat in feiner Abendsitzung folgenden ^sch/uß nahezu ernst rnmig gefaßt:Der Zollanschluß des bremischen Staatsgebietes ist als int Interesse Bremens Aohlwie tnt national-wirtschaftlichen Interesse anzustreben. ®et ®ottbent schließt sich dem in dem heutigen Berichte der Gewerbekammer ausgesprochenen Bedauern über die Nichtannahme des Dr. WilkenSschen Antrages seitens der Bürgerschaft an.« '

Darmstadt, 29. November. Die heutige Sitzung der Zweiten Kammer wurde fast ausschließlich durch die Be- ratung des Fischereigesetzes in Anspruch genommen. Da- Gesetz will diejenigen Grundsätze, welche in Bezug auf die Ausübung und den Schutz der Fischerei in Preußen und nfolge stattgefundener Uebereinkunft auch in den meisten übrigen deutschen Bundesstaaten gesetzlich angenommen worden sind, im wesentlichen auch in Hessen einfübren. Der Ausschuß hatte sich in Anerkennung der hohen Wich­tigkeit gleicher Bestimmungen den Absichten der Regierung mit geringfügigen Aenderungen angeschlossen, und in diesem

Deutscher «eich.

30. Nov. Gegenüber der Bemerkung des Abg. Richter, daß der Reichskanzler sich in FriedrichSruh mit der Jagd amüsiere, schreibt dieNordd. Allg. Ztg.«: Seit einer Reihe von Jahren hat Fürst Bismarck sich weder an einer Jagd beteiligt, noch einer solchen als Zuschauer bei­gewohnt, noch ein Gewehr zum Gebrauch in" die Hand ge- nommen. Wer dem Abgeordneten Richter das Gegenteil erzählt hat, der hat ihn belogen und der Herr Abgeordnete, anstatt die Lügen zu sichten, hat diese dazu benutzt, um daraus öffentlich dem Kanzler Mangel an Pflichtgefühl unb vielleicht noch an einigen anderen wünschenswerten Eigenschaften vorzuwerfen. Wir nehmen nicht an, baß es Herrn Richter einfallen wird, eine von ihm öffentlich veMudete Unwahrheit zurück zu nehmen, aber wir benützen doch diese Gelegenheit, um von neuem einmal wieder fest- zusteuen, tote wenig genau er eS mit der Benutzung un­wahrer Angaben nimmt, die ihm, wie wir annehmen, von anderen mitgeteilt werden. Die Budgetkommission de- Abgeordnetenhauses beschäftigte sich gestern mit dem Extta- ordtnartum de- Etats des Kultusministerium-, welcher im S--n 6151,537 M. (1,202,850 M. U,« im ®otiabre beträgt. Zum Weiterbau des Dienstgebäudes Unter den Linden 4, für welche bis jetzt 850,000 M. be- willigt worden sind, wurden neu 780,000 M. bewilligt um die Bauarbeiten zu vollenden. Für die Universität in Berlin wurden die geringen Raten zur Fortsetzung der begonnenen Bauten verschiedener Kliniken, naturwissenschaft­licher Institute re. mit zusammen 766,750 M. bewilligt Für die Universität Halle a. S. ebenfalls zur Fortsetzung von Bauten verschiedener Kliniken, naturwissenschaftlicher Institute re. mit zusammen 766,750 M. bewilligt. Für die Universität Halle a. S. ebenfalls zur Fortsetzung von Bauten und zum Neubau der medizinischen Klinik, zu-

1539 ihre vorläufige Vollendung erhalten hatte, waren derselben die Wege ihrer weiteren Entwickelung ein für allemal vorgezeichnet. Diejenigen beiden Theologen, welche (anfangs neben Bucer, der aber 1549 wegen des Interims

Übersiedelte) in diesem Zeitraum in der hessischen Kirche bett maßgebendsten Einfluß ausübten, waren der tiefgelehrte Holländer Andreas Hyperius (feit . r E Marburg) und der praktische Kirchenmann Pisto- nns, fett 1541 Superintendent der Diözese Alsfeld, die bis dahin von Tilemann Schnabel verwaltet worden war. So war in der Kirchenordnung von 1566, welche Philivv

®Erat kurz vor feinem Tode ebirte, ber Abschluß ber Entwicklung referäfentirt, welche die hes- sische Kirche unter bem Einfluß Franz Lamberts, Martin BucetS unb PH. MelanchthonS durchlebt hatte. Bemerkens­wert ist, daß die geistlichen Spiele, an denen sich das christliche Volk im Mittelalter erfreute, an einzelnen Orten in Hessen noch immer ihren Fortgang hatten. In Mar­burg z. B. führte man im Rathaufe, Öfters aber auch auf bem Markte (wo eine Bühne errichtet warb), ebenso in ber Vorstabt Weidenhausen, noch immer baS alte PassionS- fpiel auf, beSgleichen Komödienvon den zehn Menschen­altern«,vom reichen Mann und vom armen Lazarus« unb wohl auch noch anbere, namentlich benverlorenen Sohn« von Burkarb WaldiS.

Der mit bem Evangelium gewonnenen reineren Er­kenntnis sollte nach Philipps Willen bet jebem seiner Untertanen ein reiner gottesfürchtiger Wandel entsprechen. Daher kehrte er sich mit besonderem Ernst gegen gewissen­lose und habsüchtige Beamte und gestattete jedem Unter« Ha», der sich bedrückt hielt, seine Klagen persönlich bei ihm vorzubringen. Unerbittlich streng war er gegen jede '

gröbere Verletzung der Zucht, gegen jede Entweihung deS Sonntags und der Sacramente, gegen Raub und Plün- berung, gemäß feinem Wahlspruch, daß ein Fürst an feiner Münze, Reinhaltung der Straßen und Haltung seiner Zusagen erkannt werde. Sein Haushalt und seine Hof­haltung zeigt un- das Bild der höchsten Einfachheit und Sparsamkeit. Mit Treue und väterlichem Ernst wachte Philipp über die Erziehung seiner Kinder (5 Söhne und 5 Töchter, von denen je 4 den Vater überlebten) und er« wähnte sie noch in feinem letzten Willen zu treuem Fest-

-/^Evangelischen Glauben, zu einem keuschen und goltcerftrdjttgen Wandel, zu einem milden, gerechten unb , Regiment, zu Eintracht, OrdnungSelieb, und redlicher Fürsorge für daS Land' Obgleich Philipp noch an feinem Lebensabend eine große Ritzung zu den Freuden der Jagd bezeigte, war er doch m seinen letzten Lebensjahren vielfach von körfeerlicben Leiden geplagt Im Frühjahr 1567 fühlte er, daß sein Ende herannahe. Um sich auf den letzten Weg zu rüsten empfing er am Gründonnerstag mit seinen vier Söhnen und mit seiner Schwiegertochter Sabina von Württemberg, Wilhelms Gemahlin, in bem Schloß zu Kassel baS heilige Abendmahl, verteitte Tags barauf feine Kleinodien unter feine Söhne^und Freunde unb entschlief am Ostermontag, SmAMartinstiftes, feine Söhne und ' umstanden, sanft und schmerzlos b" Wo«ten:Vater, in Deine Hände befehle ich 3Um ?u>igen Frieden Sein Gebein wurde mit vlcttn Ehren neben dem seiner edlen Gattin Christine in der Gruft unter ber St. Martini-Kirche beigefetzt, wo über seinem geharnischten Stanbbilb ein Denkmal von Marmor, einen Sarkophag und ein in Stein gehauenes

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Die Partei Richter-Rickert.

In einem sehr bemerkenswerten Artikel berNorbd. Allg. Ztg." wirb in sehr zutreffenber Weise die parlamen­tarische Position Richter und Rickert geschildert. ES heißt dort in der Hauptsache wie folgt:In dem großen Durch­schnitte des politischen und sozialen Kampfes, der vor un­seren Augen vorgeht, liegt die Grenze der sich bekämpfen­den Elemente nicht da, wo die eigentliche Sozialdemokratie beginnt, sondern da, wo das Herunterreißen, Verleumden und Fälschen der gouvernementalen Autorität anfängt, um sie in Bresche zu legen, ohne angeben zu können, was man an ihre Stelle setzen will. Der Abg. Richter ist ein so genaues Prototyp der unfruchtbaren Negation ohne Fähig­keit zum Ersatz an Stelle beS Bekämpften, daß wir wohl sagen können: wer auf Seite de- Abgeordneten Richter steht, der untergräbt da« Bestehende, und wer ihn bekämpft der verteidigt dasselbe. Wer ihn bekämpft, ber vertritt bte ruhige Fortentwickelung unserer nationalen unb staat­lichen Existenz. Wer mit ihm geht, der spielt Hazard und will zerstören, wa- besteht, ohne zu wissen, was an die Stelle treten könnte.

Wir wählen gerade diesen Abgeordneten als Kriterium, weil.keiner seiner Gesinnungsgenossen mit der Rotheit und Klarheit die Stellung zeichnet, die sie mit einander ein« nehmen. Der Abgeordnete Rickert, der ihm am nächsten steht, ist im Grunde doch nur der Abgeordnet Richter mit bem Schleier mäßigen Schamgefühls.

Die ganze Kunst ber Politik besteht barin, in jeder Lage des Leben- bie Grenze de- Möglichen zu ziehen, Wie immer wir bie Zukunft Deutschland- auffassen mögen, so liegt unserer Ueberzeugung nach nicht nur die Position Bebel unb Hasselmann, sondern in allernächster Verwandt­schaft mit dieser auch die parlamentarische Position Richter und Rickert außerhalb des Möglichen für den preußischen Staat und das deutsche Reich. Die Position, welche diese Herren genommen haben, liegt außerhalb des Bereichs der Hohenzollern'schen Dynastie; sie ist eine republikanische, und wenn sie als solche parlamentarisch bisher nicht bezeichnet