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den Vertretern des Ministerium- der öffentlichen Arbeiten und de- Finanzministeriums einerseits und von den dazu designierten Mitgliedern des Verwaltungsausschusses anderer­seits untcrschristlich vollzogen worden.

Darmstadt, 27. Nov. Als vor 15 Jahren in Hessen das Chausseegeld aufgehoben wurde, dachte wohl Niemand daran, daß je wieder der Versuch gemacht werden könnte, eS, wenn auch nur teilweise oder in anderer Form, wieder einzuführen. Jetzt stehen wir vor einem solchen Versuch, da sowohl Regierung wie der Ausschuß der zweiten Kammer damit einverstanden sind, größere Industrielle und Ge­werbetreibende mit einem besonderen Beitrag für Unter­haltung der KrriSstraßen heranzuziehen, eine Minderheit des Ausschusses auch die bei der Holzabfuhr wesentlich interessierten größeren Waldbesttzer für beitragpflichtig er­klärt haben will.

AllSlalld.

Wien, 27. Novbr. Während die Dulcignofrage al« abgethan gilt, sollen die Aussichten in Bezug auf die Donaufrage für Oesterreich nicht sehr günstig stehen. Man behauptet, daß Oesterreich mit seiner Forderung, daß ihm ein dominierendes Votum zugestanden werde, schwerlich durchdringen werde. In der Kommission werden thatsächlich vier Vertreter Rußlands sitzen, nämlich die Rußlands, Serbiens, Bulgariens und Rumäniens, wenn mit denselben nur eine Seemacht stimmt, sind wir der Niederlage gewiß und unser Handel von Bredowa abwärts kann zu jeder Stunde vernichtet werden. Sehr schlecht ist man hier auf Rumänien zu sprechen, da man einsieht, daß man sich hier in der Voraussetzung getäuscht hat, man könnte Rumäniens Freundschaft durch Concessionen ä, la Handelsconvention gewinnen. Rumänen ist ins russische Lager übergegangen und hat dem österreich-ungarischen Vorprojekte den Krieg erklärt. Die Sache steht jetzt so, daß man sich sehr glück­lich schätzen muß, wenn man in Galatz ein unbedeutendes Bruchteilchen jenes Rechtes zurückerobert, das wir einst auf der Donau besessen haben. Erwägt man, daß man vor kaum dritthalb Jahren in Wien von Zollverein und Militärconventionen mit den Balkanstaaten, von allmähliger „Angliederung" der letzteren an Oesterreich-Ungarn träumte, so wird man zugeben muffen, daß die Enttäuschung , die man jetzt erlebt, eine sehr bittere ist. — Im ungarischen Abgeordnetenhause wurde gestern bei Beratung des Kultus; und Unterrichlsbudgcts wieder einmal für Religionsfreiheit vlaidiert; die Regierung solle einen darauf bezüglichen Ge­setzentwurf vorlegen. Der Antrag wurde mit 102 gegen 93 Stimmen, also mit geringer Majorität, abgelehnt, nach­dem der Kultusminister erklärt hatte, daß ein allgemeines Gesetz, deffen Konsequenzen zu fürchten seien, nicht not­wendig sei, da wer immer in Ungarn um die Aufnahme unter die rezipierten Religionen nachsucht, der Willfahrt gewiß sei, auf welche Weise aber die Frage der Religions­freiheit besser und gefahrloser gelöst werde, als' durch ein allgemeines Gesetz, das Erscheinungen Hervorrufen könnte, die selbst den Bestand des ungarischen Staates zu ge­fährden vermöchten.

Rom, 28. Nov. (Deputiertenkammer.) In der heutigen JnterpellationSdebatte kritisiert Minghetti die äußere und innere Politik des Kabinets. Cavalotti erklärte, er und seine Freunde von der äußersten Linken würden sich vcr Abstimmung enthalten. CriSpi erklärte, gegen das Kabinet stimmen zu wollen. Fabrizi versichert, die Mailänder Feste hätten keinen republikanischen Charakter gehabt.

Parts, 29. Nov. (Deputiertenkammer.) Die Vorlage betr. die Unentgeltlichkeit des Elementar-UnkerrichtS wird angenommen und der Beschluß gefaßt, daß am Donners- tag die Untersuchungs-Kommission in Ciffey's Angelegen­heit ernannt werden soll. — (Senat.) Anläßlich der Be­ratung deS Justiz-Budgets bekämpft OSkar Devallse die Maßregeln des Justizministers betreffend die Magistratur. Nachdem Minister Cazot hierauf erwidert hat, wird das Justizbudget genehmigt. Bei dem KultuS-Budget beschließt uns der Dichter Moritz Graf zu Bentheim-Tecklenburg*) in gebundener Rede erzählen:

Der Landgraf soll gehalten sein Durch Schwur und hartes Drängen, Daß an dem Thor zu Ziegenhain Heinz muß in Ketten hängen.

Doch fern des edlen Philipp Brust War solches Schmachbeginnen, Und seines Schwure» Lösung wußt Mit List er zu gewinnen.

Drum als in Ziegenhain nachher Der Held ihn grüßt wieder Schlang eine gold'ne Kette er Um Heinzens kräst'ge Glieder, Und ließ empor ihn ziehn daran Gar sänftiglich und gnädig.

Mit froher Stimme rief er dann:

„Des Schwur» bin ich jetzt ledig: In Ketten wird der Freund gehängt, So wie sie mir behagen;

Die Kette, die ihn jetzt bedrängt, Soll auch sein Wappen tragen. Die Brust schmück ich mit meinem Bild, Die er dem Feinde zeigte;

War seine Treue doch der Schild, Die er dem Feinde zeigte;

♦) Rheinisches Taschenbuch. Jahrgang 1846.

daS Hauö ein Amendement, wonach die ursprünglich von der Regierung vorgeschlagene Summe für Besoldung der Bischöfe, welche von der Deputiertenkammer herabgesetzt worden war, wiederhergestellt wird. — Mehrere Personen, welche sich auf den Kirchhof LevalloiS begaben, um auf dem Grabe Ferrs'S zu demonstrieren, wurden verhaftet.

Louda», 29. Novbr. Da» Goldstream-Garderegiment erhielt Befehl nach Irland abzumarschieren.

Bukarest, 28. November. Die rumänische Thron­folgefrage ist durch eine in seinem eigenen und im Namen seiner Kinder erfolgte offizielle Erklärung deS Fürsten Leopold von Hohenzollern, wonach er die event. Erbfolge deS Fürsten Karl annehme, geregelt. Es hat hierbei weder eine Adoptierung noch eine uumittelbare Bezeichnung eine» ThronfolgerS stattgefunden.

Athen, 27. Novbr. Am Mittwoch hatte Herr von Radowitz eine persönliche Begegnung mit dem König. Die Unterredung zwischen Sr. Majestät und dem deutschen Botschafter war eine ernste und lange. Man vernimmt aus bester Quelle, daß bezüglich der Lage und Absichten der griechischen Negierung König Georg sich noch energischer al» KumunduroS bei seiner kürzlichen Konferirung mit Herrn von Radowitz ausgedrückt hat. Der deutsche Bot­schafter stellte Seiner Majestät die Gefahren vor Augen, denen Griechenland sich aussetzen würde, falls e» eine« Krieg gegen die Türkei unternähme und den Versuch machte, da» ihm von der Konferenz zugesprochene Terri­torium zu besetzen, ehe Europa den Augenblick für einen solchen Schritt gekommen erachte. Seine Majestät ent­gegnete hierauf offen, daß er das Risiko eine« Kriege« mit der Türkei in einer an und für sich gerechten Sache, welche bereits die feierliche Billigung Europas erlangt, ge­ringer anschlage, als es mit ansehcn zu müssen, wie sein Land fortwährend inneren Convulsionen ausgesetzt sei, nach all den Opfern, die eS bereits gebracht habe. König Georg fühlt, daß eS vergeblich fein würde, den Lauf des Schick­sals aufhalten zu wollen. Wollte er sich dem unvermeid­lichen entgcgenstemmen, so würde er einfach seine persön­liche Sicherheit, seine Prestige und seine Popularität bei den Griechen des In- und Auslandes aufs Spiel setzen. Seine Majestät deutete an, daß die Griechen noch nicht alles Vertrauen in die Mächte verloren hätten, trotz des öuten Rater Deutschlands. Fürst Bismarck unterstütze der Ansicht der Griechen nach, einfach die ehrgeizigen Pläne und Interessen Oesterreichs im Orient.

Melbourne, 28. November. Der Kapitän und sechs Mann der Besatzung des englischen Kriegsschiffes „Sandfly" wurden von Eingeborenen der Salomon-Inseln ermordet.

Hesseu-Raffa«.

Marburg, 30. Nov. Nach dem soeben ausgegebenen Verzeichnis des Personal« und der Studierenden hiesiger Universität für das laufende Wintersemester beträgt die höchst erfreuliche Gesamtzahl der letzteren 619.

Marburg, 30. Novbr. Zu den mannichfachen Ver­besserungen die unser altehrwürdiges Schloß in den letzten Jahren erhalten hat, ist nun noch eine hinzugekommen, die von der ganzen Stadt freudig begrüßt wird. E« ist dieses die neue Turmuhr, die bereits durch ihren regel­mäßigen Gang und kräftiges Schlagwerk sich bemerkbar macht. — Neu angefcrtigt wurde die Uhr in der mechani- fchen Werkstatt von H. S ü ß Hierselbst, und dürfte dieselbe dadurch, daß sie einen 8 t ä g i g e n Gang bei demselben Fallraum hat,, den die alte bei 12stündigem Gang hatte, zu den selteneren Turmuhren dieser Leistungsfähigkeit gehören. Die Uhr wird nach Marburger Zeit reguliert, die gegen die Bahnhofszeit 3 Minuten vorgeht. — Dem Vernehmen nach soll eS noch im Plane liegen, an dem nördlichen Giebel des sog. Stockhauses ein Zifferblatt anzubringen, deffen Zeiger durch elektrische Leitung mit der Turmuhr verbunden werden. Jedenfalls wäre für den nördlichen Teil der Stadt bei dem häufigen unregelmäßigen Gang

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War seine Treue doch der Schild, Durch den kein Schlag mich beugte. Beglückt der Fürst, den solch ein Mut Und solche Treue schützen;

Sie werden ihm sein höchste» Gut Und seine stärksten Stützen."

Zu Haina schmückt ein schlichter Stein Heinz Lüderö Grabesstätte, Und an dem Thor zu Ziegenhain Hangt jetzt noch eine Kette.

Zwar ist da« Gold nicht mehr zu schaun, Da» Sinnbild fester Treue;

Doch leuchtet in der Hessen Gaun Solch Kleinod stets aus» neue. —

ES ist bekannt, daß damals goldene Gnadenketten statt unserer jetzigen Ordenskreuze verteilt wurden. Da« Ehren­zeichen de» heldenmütigen Heinze, Kommandanten und Oberamtmanns von Ziegenhain, zugleich Obervorstehers der hohen Spitäler, aus 33 vergoldeten ©loben von der Größe eines Kugelringes bestehend, war, wie ein Augen­zeuge berichtet, noch im Jahre 1798 vorhanden. In der Teilung der Lüder'schen Erbschaft ist e« leider zerstückelt an die Geschlechter von Baumbach-Kirchheim, von Schenck zu Rülferode im Darmstädtischen und von Schenck zu Hermannstein gekommen. (Justi, Heffische Denkwürdig­keiten IV. 2. 477).

lSchluß folgt.)

der Elisabethuhr damit einem recht fühlbaren Bedürfnis entsprochen.

Marburg, 30. Nov. Von befreundeter Seite werden wir um Aufnahme folgender Berichtigung ersucht: Die Red. d. „Marb. Tagebl." knüpft an die Mitteilung über das Geschenk der Aachen-Münchener Feucrverstcherungsgc- sellschaft von 100 M. zur Beschaffung eines Schlauch­wagens die Bitte an die übrigen hier vertretenen Feuer- verstcherungsgesellschaften sich diese Handlungsweise zur Nachachtung dienen zu lassen. Der genanntenMedaction scheinen die einschlägigen Verhältnisse sehr wenig bekannt zu sein, sonst würde sie diese Bitte nicht gestellt haben. Bei der Aachen-Münchener ist es nämlich Verpflichtung, (concesstonS- und statutenmäßige), einen Teil ihres Rein­gewinnes zu Gaben von Feuerlöschgeräten an Gemeinden rc. zu verwenden, bei allen übrigen Gesellschaften besteht diese Verpflichtung nicht und bei Gesellschaften die auf Gegen­seitigkeit beruhen, wie z. B. die Gothaer, würde eS sogar Verletzung der Statuten sein.

— Die Erlaubniß zur Führung de« Rektortitels wurde in letzter Zeit mehrfach von Lehrern beantragt, welche zwar die Prüfung pro rectoratu bestanden haben, jedoch keine Stelle bekleiden, welche als eine Rektorstelle anzusehen ist. Es hat deshalb der Minister der Unter­richts-Angelegenheiten verfügt, daß mit dem Bestehen der Rektoratsprüfung der Titel „Rektor" noch nicht erworben werde, sondern daß die Berechtigung zur Führung desselben erst eintrete, wenn die bekleidete Stelle eine Rektorstelle ist.

— Ein sehr interessanter Beitrag zur hessischen Kriegs­geschichte von Carl Baron von Stamford, Major a. D., ist soeben im Verlage von Gustav Klaunig in Kassel unter dem Titel „Das Regiment Prinz Maximilian von Heffen-Kassel im Kriege des Kaisers gegen die Türken 1717—1718 und im Kriege der Quadrupelallianz auf Sicilien 1718—1720" erschienen. Der Herr Verfasser, bekanntlich Vorsitzender des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, hat bereits zahlreiche und treffliche Ar­beiten zur Kunde unserer hessischen Geschichte geliefert und hat mit diesem Buche auch eine der zahlreichen Lücken aus­gefüllt, die zu einer vollständigen Geschichte der Kriegs- thaten des hessischen Heeres noch vorhanden sind. Das vorliegende Werk zeichnet sich durch anziehende und fesselnde Darstellung aus und überliefert vieles Neue der allgemeinen Geschichte, da Herr Major von Stamford sich auf Quellen stützt, die dem größeren Publikum bisher nicht zugänglich waren. Wie der Verfasser in der Vorrede anführt, wurde ihm die Benutzung de« so reichen Staats­archivs zu Marburg von dem Herrn Oberpräsidenten Frhrn. v. Ende bereitwilligst gestattet und der Vorstand diese« Archivs, Herr Dr. Koenneke, sowie die Beamten desselben sind in jeder Richtung seinen Wünschen entgegen: gekommen. Dergleichen ermöglichte chm Herr Hvfbaurat Knyrim die Schloßbibliothek zu Wilhelmshöhe, und durch Beantwortung von Fragen wie durch Mitteilungen wurde er, wenn auch die diesbezüglichen Aufforderungen nicht be­sonders erfolgreich gewesen sind, doch von manchen Seiten, insbesondere von dem Director de« k. k. Staatsarchiv« zu Wien, Ritter von Arneth, sowie des königl. bayrischen Obersten und Commandcur de« 4 Jnf.-Regtö. zu Metz, Herrn v. Hoffmann, unterstützt. Das Buch umfaßt zwei Abteilungen ein Quellenverzeichnis, drei Anlagen, und vier auf ein Blatt vereinigte Situationspläne, die nach Original­zeichnungen zu Schloß Wilhelmshöhe angefertigt worden sind. In feinem Voiwort bemerkt der Herr Verfaffer: „Ist auch der Staat Heffen untergegangen, so dauert doch sein tapferer Volksstamm fort; und die Geschichte seiner Kriegöthaten verdient vor Vergessenheit bewahrt zu werden. Denn fast auf allen Schlachtfeldern Europa'« in den letzt- vergangenen Jahrhunderten kämpften die Söhne de« zu kriegerischer Zucht und damit zu kriegerischen Leistungen unübertrefflich angelegten Stammes. Sie kämpften nicht immer mit Ruhm und mit Ehre. Ein berechtigter Wunsch ist es denn wohl, daß dem nur noch der Geschichte ange­hörenden hessischen Heere ein würdiges Denkmal in einer umfassenden Kriegsgeschichte gesetzt werde; noch ist ein großer Teil derselben Lücke, eigentümliche Umstände ließen gerade bei dem hessischen Heere eine Aufzeichnung seiner Thaten und Schicksale nicht in dem Maße zu Stande kommen, wie bei anderen. Toten setzt man Denkmale, auf welchen nur Gutes verzeichnet sein darf: für das einstige hessische Heer verlangen wir nur die Wahrheit, auf daß da« Monument ein würdiges werde. Kriegsmänner sind vor allen Anderen dazu berufen, Kriegsgeschichte niederzu­schreiben; möchten daher unter den Männern, welche die Ehre hatten, die letzten Führer jener Regimenter zu sein, sich solche finden, die Bausteine zum Werke herbeitrügen. Daß dieses doch bald geschähe, denn rasch lichten sich unsere Reihen I"

Frtmkeuberg, 27. November. Am Sonntag hatten die Ktrchenbesucher zu Willersdorf bei Frankenberg einen eben so erfreulichen, al« gewiß seltenen Anblick. Kurz nach Beendigung de« Altardienstes nämlich öffnete sich die Kirch- thüre und herein traten zwei Handwerksburschen mit Fell­eisen uud Knotenstock, setzten sich still zu den Männern, fangen eifrig mit, hörten der Predigt andächtig zu und verließen mit den übrigen Kirchenbesuchern das Gotteshaus erst, nachdem der Segen gefprochen war. Möchten sie recht viele Nachfolger finden.

Melsungen, 27. Nov. Zur Wahl eines Abgeordneten zum Kommunallandtag für die Städte Melsungen, Roten- burg, Sontra, Spangenberg und Felsberg wurden über­haupt 957 Stimmen abgegeben, davon erhielt Herr Bürger-