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Nr. 282.

Marburg, Mittwoch, 1. Dezember 1880.

XV. Jotrgaig1

WttMchk jcitmig

Wilhelm v. Schachten und den Kanzler Heinrich Lersner umarmte, da bemächtigte sich Aller jene große, unnennbare Rührung, welche auö dem tiefen Gefühl überstandener Leiden hervoiquillt. Auf demselben Schloß, wo er einst Luther und Melanchthon, Zwingli und OekolampadiuS und noch andere Reformatoren zu einer evangelischen Ver­brüderung versammelt hatte, begrüßten ihn die Mitglieder der Landes-Universität alsMärtyrer der Reformation und deutschen Freiheit". Am folgenden Sonntag (Miseri- cordiaS), 12. September, ritt Philipp in Kassel ein. Wohl freute sich sein Herz, sein treues Volk wiederzusehen; aber viele von denen, die er am liebsten hatte, waren nicht mehr da, vor Allen seine treue Christine, deren vollen Wert er wohl erst in den letzten Jahren recht erkannt halte, und an welche noch viele Briefe aus der Gefangen­schaft vorhanden sind, sämtlich anhebend mit der Anrede: Liebes Weib". Al« die in den Kirchen versammelten Bürger seine Ankunft vernahmen, eilten sie ihm, innig be­wegt, zum herzlichen Empfange entgegen. Aber Philipp's erster Gang war nicht in das Schloß seiner Väter, son­dern in die St. Martinskirche, wohin alles Volk ihm nach- folgte und wo er im hohen Chor vor dem Denkmal seiner heldenmütigen Gemahlin zum Gebet niederkniete, und in dieser demütigen Stellung so lange verweilte, bis die ersten Töne der Orgel denAmbrostanischen Lobgesang" anstimm­ten. Am 17. September feierte dann ganz Hessen ein kirchliches Dankfest für die Befreiung des geliebten Landes­herrn. Christoph von Württemberg, welcher ihm die Wie­derherstellung seines Herzogtums verdankte, war der erste auswärtige Fürst, der seine herzlichen Glückwünsche sandte.

Die Leiden einer so langen, unverdienten Gefangen- schaft", sagt Rommel am Schlüsse seines Berichtes,hatten

Des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen letzte Ledeasjahre.

(Fortsetzung.)

Noch am 24. August in dem festen Schloß Bilsen bet Mastricht eingeschlossen, entwirft Landgraf Philipp ein er« IchutterndeS Gemälde von der brutalen Härte und dem chmutzlgen Eigennutz seines letzten Kerkermeister Don An­tonio de ESquival. Er bittet die Statthalterin Maria, unter Aufzählung aller ihm in dieser Zeit zuzefügten Kränkungen, ihn lieber in die berüchtigte Bastille Vilvorden oder in den tiefsten Thurm zu bringen, als ihn länger unter der Aufsicht dieses Wüterichs zu lassen. (Duller, Neue Beiträge zur Geschichte Philipps des Großen. Darm­stadt 1842. Nr. 149.) Erst am 4. September wurde der Schwergeprüfte nach einer Gefangenschaft von 5 Jahren 11 Wochen 2 Tagen wirklich in Freiheit gesetzt. Sein Haar war inzwischen grau, sein Angesicht bleich geworden. Zu Löwen in de« Papstes Palast von der Statthalterin erst gastlich bewirtet, ritt Philipp als freier Mann von dannen, bcglettcl von Adam Trott, Kurt Diebe, Eberhard bon Bruch; 300 spanijche Reiter bildeten die Ehrenwache, die benachbarten Fürsten hatten Gelcilsbriefe gesendet. Die Reise ging über Jülich, Köln nach Rheinfels (al. Siegen?), »o an der hessischen Grenze Landgras Wilhelm den vor- nämlich durch ihn befreiten Landesherrn und Vater em­pfing; 100 hessische Arkcbusirer waren aufgestellt; die spanischen und flandrischen Begleiter, selbst der vielgenannte habgierige Hauptmann wurden großmütig beschenkt ent­lassen-.

Am 10. September traf Philipp in Marburg ein. Als er vor der Stadt seine Söhne, Simon Bing,

gebung gesteht jedem Grundbesitzer die Jagd auf seinem Grund und Boden zu und bedarf derselbe nur eines Jagd- "tri-Beengung eines gewissen Flächenmaßes des Grundstücks hat die Befugnis zur Ausübung der W

Daß eine solche Beschränkung nicht besteht, hat ge­wisse Nachteile zur Folge. Die selbstständig- Jagdaus- übung, sogar aus der kleinsten Fläche, erschwert eine pfleg­liche Behandlung der Jagd. In den benachbarten deutschen Staaten, Preußen, Baden, Bayern, ist die Ausübung des Jagdrechts nur dann gestattet, wenn der Grundbesitz eine zusammenhängende Fläche von bestimmter Größe bildet. Die Mißstände, welche das in Elsaß-Lothringen geltende Jagdgesetz vom 3. Mai 1844 im Gefolge hat, haben die Bezirkstage wiederholt Anträge auf Abänderung desselben stellen lassen; auch hat der Landesausschuß sich alljährlich mit der Angelegenheit beschäftigt. In Folge dessen wurde vom Landesausschuß am 13. April 1880 ein Gesetzentwurf angenommen, welcher von der Negierung dem Staatsrat zur Begutachtung vorgelegt wurde. Nachdem die Beratung im Staatsrat stattgesundeu, ist von der Regierung der jetzt vorliegende Gesetzentwurf festgestelll worden. Der Reichs­kanzler hat ferner d. d. Friedrichsruh, den 25. November beantragt, daß in Straßburg gemischte Privattransitlager von Getreide u. s. w. ohne amtlichen Mitverschluß gestattet werden dürfe. Hessen beantragt, zu beschließen, daß daS Verzeichnis genehmigungspflichtiger Anlagen in §. 16 der Gewerbeordnung auf die mit erhitzten Theerölen arbeitenden Anstalten zum Imprägnieren von Hölzern auszudehnen sei. Endlich hat der Ausschuß für Zoll- und Steuer- wescn beantragt, daß es zur Erlangung der Steuervergütung für inländischen Branntwein, welcher nach Bayern, Würt­temberg und Baden ausgesührt wird, der Bescheinigung über die erfolgte Ausfuhr nicht mehr bedürfen, dazu viel­mehr die Bescheinigung über den Eingang in einem der genannten Bundesstaaten genügen soll.

Berlin, 29. Novbr. Der Kaiser unternahm gestern Nachmittag in geschlossenem Wagen eine Spazierfahrt und empfängt heute Nachmittag 1 Uhr den Botschafter Fürst Hohenlohe. Auf ein an Fürst Bi-marck gerichtetes Bc- grußungS-Telegramm von 300 in Düsseldorf versammelten Mitgliedern des Vereins der deutschen Eisenhüttenleute worin dieselben für das Wohlwollen danken, welches der Reichskanzler für die Industrie durch die Ucbernahme des Handelsministeriums auf's Neue bekundet habe, dankte der Reichskanzler derNordd. Allg. Ztg." zufolge telegraphisch und fügte die Versicherung hinzu, er werde fortfahren, das Amt des Handelsministers im Interesse der nationalen Arbeit wahrzunehmen, zu deren Schutz und Förderung er dasselbe übernommen habe. Die Konferenz deutscher Armenpfleger hat nach zweitägiger Verhandlung beschlossen, einenDeutschen Verein für Armenpflege und Wohlthätig- keit" zu stiften. Eine Kommission, in welcher alle Land-

Philipp S Körper, nicht die Weisheit seines Geistes, noch feine Liebe zum deutschen Vaterland, geschwächt; jene edle versöhnliche Friedfertigkeit, welche von nun an alle seine Handlungen bezeichnet, war eine Frucht der evangeli chen Lehre, die mit ihm gerettet wurde.« Nicht kriegerischer Rache, sondern dem Rellgionsfrieden und dessen Ausdeh­nung auf den dem helvetischen Bekenntnis zugrthanen frommen Friedrich III. von der Pfalz, überhaupt evan­gelischer und politischer Freiheit, dem großen Hauptziel seines Lebens, widmete er den Rest feiner Tage, als Ge­setzgeber seines Landes, als Schirmer unterdrückter ©tau« be» SebeiLh Q.aen,8anb.en (zuletzt in Frankreich und in und » a u väterlicher Freund aller Könige bk ("^er ihnen Maximilian II. und

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Philipp hatte in seiner erneuerten Kapitulation ver­sprechen müssen, die ihm vom Kaiser zugefügte Beleidiauna ! K?rl V i^nben begnügte sich erst im TodeSjah? ' «nem Brief an den Kurfürsten August von

1556 des verderblichen ErbsohnS (Phi- S *1-) zu erwähnen, welchen der Kaiser der europäischen . Christenheit hinterlassen hatte. Aber ein- nicht unalaub- Aussage hat uns noch zwei andere Spuren^ einer harmlosen Revanche erhalten, welche Philipp an seinem grausamen Gegner verübt habe. Die erste betrifft jenen . edlen Heinze von Lüder, dessen Widerstand in der Festung äST« @raJcn Reinhard von Solms und Iden Kaiser erbitterte, daß der Landgraf damals dem

2?$ mußte, den ungehorsamen Komman- -u lasse» l-mer (des Landgrafen) Befreiung hängen zu lassen. Den weitern Verlaus dieser Begebenheit tnig

Anzeigen nimmt entgegen i die Expedition d. Blatte» ' sowie d. Annoneen-Bureanx?; von S- L. Daube *So. in h Frankfurt a. M; JSgerffche ! Buchhandlung daselbst!; ', Hermann'sche vuchhanol. . daselbst; Invalidendank in ?

Berlin; D. Thiene« in , «lderfeld; 6. Schlotte in '

Srcmn.

«n#eigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von LH, Dietrich & Eo. 4n staffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haajenstein L Bögler in Frankfutt a. M., Berlin, Leipzig, SSln iu; Rudolf Stoffe in Berlin. Irani-

schaften und die verschiedenen Arten des öffentlichen Unter- stutzungswesens vertreten sind, soll Statuten und TageS- orbnung vorbereiten für einen im nächsten Herbst zu halten-11 ben öffentlichen Kongreß. Aus den sachlichen Verhand- 1 jungen sollten diesmal noch keine praktischen Beschlüsse? hervorgehen; so kann nur mitgeteilt werden, daß in Bezug auf btt Bettelplage der Bekämpfung durch freie Vereine mehr Vertrauen geschenkt wurde, als Verboten und Strafen; '1 daß allseitig der Anschluß der freien Wohlthätigkeitsvereine / an bu amtliche Armenpflege verlangt ward, sobald letztere 9ut ""b ?"uerhaft organisiert, und daß endlich allgemein / die Ansicht auftrat, daß die Frauen aus ihrem zerstreuten' unb zersplitterten Wohlthätigkeitsbetriebe heraus zu wohl- 1 bemessenem Anteile an den mannigfachen Aufgaben der öffentlichen Armenpflege herangezogen werden möchten. An 1 der Verhandlung nahmen teil u. a.: Staatsminister a D griebent^al,, ©etffarbt aus Crefeld, Ernst aus Elberfeld, j Profeffor Böhmert (Dresden), Aug. Lammers (Bremen), i ?-'^lleu. s. w. Demnächst soll im StaatSministertum '. baä Trunksuchtgesetz zur Beratung kommen. Bereits haben ' jumtllche Ortsbehörden Nachweisungen über die in ihrem Bez^ während des Jahres 1879 vorgekommenen Fälle von Trunkenheit nnreichen müssen oder sollen sie doch un- ' verweilt einreichen. Es muß auch angegeben werden, wie 11 viel Personen, die wegen Trunkenheit in Polizeigewahrsam ' gebracht waren, nach ihrer Ausnüchterung wieder entlassen "erden kounten, wie viele wegen Bettelns und Vagabon- dlerens noch anderweit eingesperrt und wie viele wegen Lustiger Vergehen und Verbrechen bestraft werden mußten. 1 Dergleichen Nachweise sollen künftig alljährlich aufgestellt 1 »erben. Aus Grund dieses statistischen Materials sollen ' bte näheren Bestimmungen des Trunksuchtgesetze« ausge- arbeitet werden. ° ' * 0 ji;

n ^"tiu. 27. Nov. Der Stappellauf der Glattdecks- ; ^°?vttte 88 ging heute Mittag auf der Werft des Vulcan ?! glücklich von statten. Das Schiff erhielt in der Taufe, "e^e von dem Marineminister v. Stofch vollzogen wurde, ben R^meuCarola'. In seiner kurzen Taufrede bezeich. :J "fte als Bestimmung des neuen Schiffes, 1

ba" L? ,-m Kriege den großen Schlachtschiffen der Marine : jui Seite stehen und im Frieden zum Schutze der deut- :

fremden Gewässern verwendet ?!

SS»?'- ? fneUt Kn-gsschiff solle den Namen der ?' ^^ahlrn eine« unserer Krieg-Helden tragen, die selbst ' servorrage durch die Unermüdlichkeit, mit welcher sie ! ich der Sorge um die Verwundeten und um die Not- et7Jlbml ?hv^^ Landes hingebe. Im Auftrage des Kaisers Sachsen Carola °Uf Namen der KöniginZvon ,

Kreuznach, 20. Nov. Der Vertrag, betr. den Ueber- ßang der RheirrNahe-Bahn an den Staat, ist, wie unter ! dem gestrigen Datum aus Kreuznach gemeldet wird, von

Bestellungen auf den Monat Dezember der Dberhessischen Zeitung mit deren Gratisbeilage

Jllustrirtts Sonntagsblatt

bitten wir baldigst machen zu wollen.

Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

______________Die Ex-ed. Oberh. Zeitung.

Deutsches Reich.

«* Berlin, 29. Novbr. Dem Bundesrate ist neuer­dings eine ganze Reihe von Drucksachen zugegangen: zu­nächst mehrere Spezial-EtatS für das nächste Etatsjahr! Der Etat der Reichsschuld beziffert die fortdauernden Aus­gaben auf 10,602,500 M., 1,600,000 M. mehr als im Vorjahr, welcher Mehrbetrag auf die höhere Ausgabe für Verzinsung der höheren Reichsschuld fällt. Bei den ein­maligen Ausgaben, welche auf 110,000 M. veranschlagt sind, roeroen 18,500 M. erspart. Für das Reichsamt M Innern sind die Einnahmen auf 1,008,489 M. veran­schlagt, 190,288 M. mehr als im Vorjahre, welcher Mehr­betrag auf zu erwartende Mehreinnahmen des Patentamts fällt. Die fortdauernden Ausgaben sind auf 2,764,417 M. normiert, 134,661 M. mehr als im Vorjahre, die ein­maligen Ausgaben auf 17,400 M., 6,800 M. weniger. Der Etat der NeichS-Post- und Telegrapheu-Verwaltung führt an Einnahmen 137,721,750 M. auf, 4,015,600 mehr als im Vorjahre, an Porto und Telegraphengebühr allein 4,500,000 M. mehr, dagegen an Personengeld 700,000 weniger. Dagegen werden die fortdauernden Ausgaben auf 119,024,605 M., 1,967,500 M. mehr, und die einmaligen Ausgaben auf 9,109,122 Mark, 655,792 Mark mehr als im Vorjahre veranschlagt. Die Ausschüsse für Handel und Verkehr und für Rech­nungswesen haben dem Bundesrat am 26. November einen Antrag, betreffend den BtsoldungS- und Pensions-Etat der ReichSbauk-Beamten, mit Ausnahme der Mitglieder des Reichsbank-Direktoriums, für 1881 zur Genehmigung vor­gelegt. Dieser Etat schließt mit 3,721,588 M ab, wovon 80,000 M. auf Pensionen und Wartegelder fallen. Dem Etat sind Zusatzbestimmungen beigefügt, welche sich auf die Tantiemen, Ortszulagen, Mietsentschädigungen und Gra­tifikationen beziehen. Dem Bundesrat ist ferner der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Ausübung des Jagr- rechts in Elsaß-Lothringen, nebst Erläuterungen, zur Be- schlußnahme vorgelegt worden. Der Entwurf enthält 12 Paragraphen. Die in Elsaß-Lothringen bestehende Gesetz-

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