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Marburg, Dienstag. 23. November 1880.

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Deutscher Strich.

« Berlin, 20. Novbr. Geheimer Commerzienrat Conrad, Vorsteher des Kollegiums der Aeltesten der Kauf­mannschaft, ist gestorben. In der nächsten Zeit werden im Abgeordnetenhause, abgesehen von der Sensationssitzung am Sonnabend, zunächst vorzugsweise die Kommissionen thätig sein, einerseils die Verwaltungskommisston, welche schon lebhaft an der Arbeit ist, andererseits die Budget- kommisston, welche die größten Fragen in Bezug auf die Fortsetzung der Wirtschaftsreform zu diskutieren hat. Einen überaus günstigen Eindruck scheint in dieser Be­ziehung die Diskussion über die Verstaatlichung der Eisen­bahnen gemacht zu haben. Wenn man bedenkt, welche Ge­fahren von der Verstaatlichung vorausgesetzt wurden, ist es allerdings von Bedeutung, daß der erste Bericht schon in verhältnißmäßig ungünstiger Zeit so erfreuliche Ergeb­nisse melden konnte. Auf Grund der vom Kaiserlichen Zoll- und Steuer-RcchnungSbureau angefertigten Ueber» sichten über die vorläufige Feststellung der Zölle und Ver­brauchssteuern, welche die zum Zollgebiet des veutschen Reiches gehörigen Staaten für das 1. und 2. Quartal des Etatsjahres 1880/81 an die Neichskasse abzuführen haben, sind im 1. Quartal abgeführt 77,232,078 Mark, wovon auf Preußen kommen 51,842,446 Mark; für das 2. Quartal bleiben abzuführen 89,561,545 Mark, wovon auf Preußen kommen 62,776,933 Mark, so daß Preußen eine Einnahme von 114,629,379 Mark an Zöllen und Verbrauchssteuern aufzuweisen hat. An Spielkartenstempel sind im 1. Quartal abgeführt 257,325 Mark, wovon auf Preußen 158,869 Mark fallen; für das 2. Quartal müssen abgeführt werden 156,676 Mark, wovon auf Preußen entfallen 87,819 Mark, so daß Preußen aus dieser L-teuer eine Einnahme von 246,688 Mark erzielte. Für verkaufte Wechselstempelmarken und gestempelte Blan- ketö wurden vereinnahmt im 1. Quartal 31,723 Mark, im 2. Quartal 31,903 M., wovon auf Preußen 17,452 Mark und 17,534 Mark kommen. Die neubearbeitele Abteilung 2 des Abschnitts V der Allgemeinen Dienstan­weisung für die Reichs - Postbeamten, welche den Expe- ditionsbienst bei den Postanstal en behandelt, gelangt mit dem 1. Dezember d. I. in Wirksamkeit. '

Berlin, 21. November. DieNordd. 3ttigern. Ztg." veröffentlicht eine Eingabe von 24 Kaufleuten an den Reichskanzler, worin dieselben eine authentische Inter­pretation der Worte deS Reichskanzler« im Reichstage vom 8. Mai 1880 erbitten, sowie die Antwort des Reichs­kanzlers. In der letzteren heißt es: Als seine erste Auf­gabe betrachte er die Befestigung der nationalen Einheit im Sinne der Reichsverfassung und die Förderung der­selben auf allen Gebieten der Politik. Auch in wirt­schaftlicher Hinsicht halte et für feine Pflicht, die Ver-

Änaeigen nimmt emgegen: He Expedition d.Blatte«, l,wie dAnnonren-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haafenstein & Bögler in ßransiml c. M., Berlin getpjig, Söln ic.; Rudolf Stoffe ix Beilin, Arant. f«ri a. M. re.

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Der finanzielle Unterschied zwischen 4 und 41/» Procent betrage in Berücksichtigung der verschiedenen Begebungs- Course nur 440,000 Mark. Dagegen fei die volkswirt­schaftliche Wirkung bei der Convertierung in eine 4V,proc. Anleihe überwiegend. Das Markanlehen von 1876 soll in die Convertierung nicht einbezogen werden.

Ausland.

Nizza, 20. Novbr. Das hiesige Zuchtpolizeigericht hat entgegen der Anschauung des Vertreters der Staats­anwaltschaft zwei Journalisten zu lOtägiger Gefängnis­strafe und 2000 Frcs. Geldbuße verurteilt weil dieselben bei Ausführung der Märzdekrete in das ÖrdenShaus der Brüder der afrikanischen Mission drangen. Die Verur­teilten meldeten Appellation an.

Neapel, 20. November. Der Seismograph zeigt eine erhöhte unterirdische Tätigkeit des Vesuvs an. Die Lava ergießt sich fortdauernd reichlicher in nordwestlicher Richtung.

Paris, 20. Novbr. In der Kammer der Depufierten wurde der Bericht der Enquete-Commission betr. das amt­liche Verhalten des Generals Cissey verteilt. Der Bericht gipfelt in dem Anträge auf Veranstaltung der Enquete. Marmeminister Clous brachte einen Entwurf über die Ab­tretung der Insel Tahiti in Frankreich ein. Die Kam­mer nahm die Artikel 5, 6 und 7 des Entwurfs über die Reform deS Richterstandes an und begann mit der Bera- tung des Artikel 8, welcher die Unabsetzbarkeit der rich­terlichen Beamten während der Dauer eines Jahres auf- hebt. Die Debatte war eine lang dauernde. Zwei Amen­dements wurden abgelehnt, die Fortsetzung der Debatte auf Montag vertagt., Am Montag wird Lavieille über die Ernennung Clous's zum Marineminister interpellieren. Ans Ragusa meldet dieAgence Havas": Derwisch Pascha verlangte 4000 Mann Verstärkungen.TempS" fagt, Goschen habe dem Sultan erklärt, Europa werde nicht länger als 10 Tage Geduld haben wegen Uebergabe Dulcignos.

20- Novbr. In Folge heftigen Sturmes und Wolkenbruches tu vergangener Nacht ist die Divette aufs neue ausgetreten. Truppen eilten den Überschwemm­ten zu Hülfe.

London, 20. Novbr. Lord Salisbury hielt gestern im konservativen Verein in Hackney eine Rede, worin er die gesamte Politik der Regierung, besonders bezüglich Ir­lands, heftig angriff. Das Ministerium fei verantwortlich für een anarchistischen Zustand des Landes, weil e« die Agitation durch Reden im Parlament und die Weigerung ZwangSmaßregelu vorzuschlagen, ermutigt habe.Daily Telegraph" meldet aus Konstantinopel von gestern: Die Pforte hat die Kollektivnote der Mächte dahin beantwortet

der Sultan, kraft seines Begnadigungsrechts, das betene Lösegeld an, da wurde wieder von neuem im Juch­hei gelebt und ans Bezahlen dachte keiner. Bis endlich der Herr Graf die Anweisung auf eine große Summe an einen Herrn von unserer Gesandtschaft schickte, der ihm be­kannt war. Der machte dann reinen Tisch und spedierte uns sammt und sonders selbst zur Post. Da mußten wir nun freilich fort.

.Hier hatte sich unterdeß doch mancherlei verändert Der Graf war kränklich und übellaunig geworden und mochte die jungen Herren eben nicht aufs freundlichste emp:angen haben dazu hatte er ja allen Grund. Schlimm ward aber, daß er nicht Rühmens genug von dem jungen Elbau machen konnte, der freilich seine Zeit besser benützt und seine Stu Dien nahezu beendet hatte. Für Graf Sta- nislauS war jedes solche Lob seines früheren Lerngenossen X teine Ast. Und als gar Comteß Hedwig, die NUN völlig erwachsen und sehr schön geworden war, in dies Lob

Unb babei im Sprache kam, daß sie den Ernst Elbau nicht nur mehrmals hier während seiner Ferien sondern auch letzten Winter in B., wo sie mit der Französin einen Besuch bei Verwandten gemacht, wiederge-

"to bf -T gänzlich der Boden aus- geschlagen. Graf Stanislaus wütete und tobte förmlich 7. ron Wilmovsky nicht minder, wenn er auch

?C tr.unb mc$r im Stillen hetzte und schürte. Daß er das that und warum, entging mit am wenigsten ; wußte ich doch besser als irgend ein Anderer, daß er langet mit seinem Vetter einig war, dereinst seinSchwagerzu wer- den, d. h. Eomteß Hedwig zu heiraten und durch ihre reiche Mit­gift seine Der schuldeten polnischen Güter frei zu machen.

(Fortsetzung folgt.)

Mein Grotzoheim.

Erzählung von Reisner.

_ , (Fortsetzung)

, Graf Stanislaus nun, was ein Hacken werden will, krümmt sich früh. Es wäre viel dabei zu sprechen, aber wozu? Genug, der Uebcrmut und der Leichtsinn wuchs mit tem jungen Herrn in die Höhe und auch ja, es ist nicht anders, auch die Rohheit, trotz aller äußeren nobelen Manieren. Ich kannte das am besten, ich war der Gärt­nersohn und hatte von jeher der jungen Herrschaft zu Willen sein müssen, und wie Graf Stanislaus heranwuchs, wurde ich Leibdi.ner bei ihm Das war kein gutes Amt, aber ich mußte mich rrein schicken.

»Zum Aushalten wars übrigens immer noch, wär nur der Vetter, der Herr von Wilmovsky nicht gewesen, der drüben jcnseit der Grenze ein paar verschuldete Güter be- P8, die für ihn vom Vormund verwaltet wurden; er war tot ein paar Iahte älter, als unser junger Herr und mehr w Cherzewa, alö in seinem Eigentum zu Hause. Es ging f»te ein Schrecken durch Dorf und Schloß, wenn er auf tanem Falben so wild dahergesprengt kam, denn nachher f6®1 von Zaum und Zügel keine Rede mehr, eine Tollheit We die andere und beklagen durfte sich keiner, der etwa dabei zu Schaden kam hätts auch keiner gewagt.

,Der junge Elbau war nun davon ganz das Wider- Ml, hielt sich von jeder Roheit und von all dem wilden Gebähten fern, saß über den Büchern wie festgewachsen tod trat Niemand zu nahe. Dabei schoß er, schlank wie Tanne, in die Höhe, schön und frisch; das Herz im tobe mußte Einem lachen, wenn man ihn ansah. Die "den Vettern freilich verspotteten ihn als Memme und lMtetsöhnchen wiewohl er keine Mutier hatte weil

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wirklichung des Art. 33 der Reichöverfaffung anzustteben, wonach Deutschland ein Zollgebiet und ein Handelsgebiet buben soll, umgeben von einer gemeinschaftlichen Zoll­grenze. Aber in gleichem Maße fühle er sich auch bafür verantwortlich, baß er bie bem Kaiser nach Art. 17 zu- stehende Ueberwachung unb Ausführung ber Reichsgesetze unb bie Rechte schütze, welche Hamburg nach Artikel 34 zustehen. In biefetn Sinne bestätige er auch heute seine Aeußerung vom 8. Mai im Reichstage. lieber die Gren­zen, welche für den Freihafen Hamburgs erforderlich seien, damit derselbe dem Begriff des Freihafens loyal entspreche, steht dem Bundesräte die Entscheidung zu; die Mitwirkung des Reichskanzlers daran werde stets der Ausdruck der Gesinnung und des Pflichtgefühls sein, kraft deren er für die Förderung des Wohlstandes der Hansastädte und Wah­rung ihrer verfassungsmäßigen Rechte mit derselben amt­lichen Gewissenhaftigkeit und landsmannschaftlichen Teil­nahme einzutreten habe, wie für die Jnteresfen in jedem Teile des Reiches. Hierauf werde die Frage, ob die Hanse­städte früher oder später nach Artikel 34 ihren Einschluß in den allgemeinen Zollverband beantragen, stets ohne Einfluß bleiben. Sollte Hamburg den Zollanschluß der bisher ausgeschlossenen Gebietsteile selbst beantragen, so werde er jedes zulässige Entgegenkommen des Reichs be­fürworten um diese Entschließung und ihre Ausführung zu erleichtern. Das Reich habe, wie er glaube, seinerseits an Vollendung der nationalen Zolleinheit und an bet Er­haltung unb gedeihlichen Entwickelung feiner größten Handelsstadt ein so zweifelsloses Interesse, daß eine aus­giebige Unterstützung ber Anlagen, welche ber Zollanschluß bedinge, gerechtfertigt erscheine. Er hab- schon 1867 btefe Ueberzeugung bei Erörterung bet Frage, wie lange Bau­zeit bie zum künftigen Zollanfchlnß notroenbigen Entrepot- Anlagen erfordern unb wie hoch ber ungefähre Kostenbe­trag derselben sein werbe. Er habe heute noch diese Ueber­zeugung, und würde dieselbe, soweit sein amtlicher Einfluß reiche, gern bethätigen, sobald die Haitsestädte bereit seien mit dem Reiche über den Zollanschluß zu verhandeln, wozu Artikel 34 ihnen die Initiative gebe.Die gestrige Versammlung von nationalliberalen Secesstonisten beschloß die Gründung eines Wahlvcretns der Liberalen.

^ttttttftflilt, 20. Novbr. Die erste Ständekammer tritt vor Weihnachten zusammen

Mainz, 20. Novbr. Dem Gouverneur von Mainz, General der Infanterie v. Pritzelivitz wurde auf fein Nach- suchen ber Abschieb bewilligt und Generallieutenant von Woyna, Commanseur der 30. Infanterie-Brigade zu Metz, zum Gouverneur der Festung Mainz ernannt.

Stuttgart, 20. Novbr. Da«Nene Tageblatt" mel­det: In den Erläuterungen zum Staatsschuldeii-Etat wird die Frage bet Convertierung in eine 4procentige ober 4 /-procentige Matkanleihe ober ins Rentenfystem erörtert.

er von ihren Tollheiten nichts wissen mochte. Das focht ihn wohl wenig an; er verkehrte mit Graf Stanislaus überhaupt nur während der Lectionen, die sie gemeinsam beim Informator hatten, und mit Herrn von Wilmovskv gar nicht.

«Daß übrigens mit Comteß Hedwig besser stand, als mtt ihrem Bruder, wat leicht zu merken Arges aber dachte keiner dabei, denn im Grunde waren sie ja noch halbe Kinder. Und ehe die Sache etwa doch hätte gefährlich werden können, wurden sie getrennt: denn Graf LtaniSlauS, der am Studieren keinen Geschmack fand, ging statt dessen mit seinem Vetter ein paar Jahre auf Reisen unter Aufsicht des Informators natürlich unb ber junge Elbau kam zur selben Zeit aufS Gymnasium nach ich hab bett Namen vergessen um, wie mans hieß, für bie Universität reif zu werden. Er sollte, wie es hieß, die Rechte studieren und vielleicht später, wenn fein Papa mit Tode abginge, hier in dessen Stelle treten. So hatte stshs der alte Elbau zurecht gelegt und der Herr Graf hätte wohl kaum was dagegen eingewendet er war dem Ernst seht gewogen.

Wic'S nun in den nächsten Iahten hier zugegangen ist, davon weiß ich wenig ober nichts zu sagen, ba ich als Dimer bett Grafen StaxislauS begleiten mußte. Es waren tolle Iahte denn bie jungen Herren trieben eben, was sie gelüfteten unb ber Informator war zufrieden damit und blieb am liebsten hinter der Flasche sitzen. Wir sind auch viel länger fortgewesen als anfangs bestimmt war wohl schier bie doppelte Zeit denn von Paris, wo wir uns am längsten aufbielten, war gar kein Fortkommen; die Herren machten Schulden über Schulden und schrieben dann de- unb wehmütige Briefe nach Hause, kam aber ba» er»

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