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gtr. 273.

JKarhurg, Sounabend, 20. November 1880.

xv. Jahrgang

Anzeigen nimmt entgegen: »le Expedition d.vlatte«, sowie d-Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Lo. in jkaffel und Hannover; Lh. Dietrich in Frankfurt a.M.; haasenstein & Vogler in Frankfurt a M., Berlin, zripzig, 681» re.; Rudolf Kiosie in Berlin, Frank­furt <L M- 1C.

OWessW jfitiiiiß

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d-Annoncen-Bureaux von B- L- Daube & Eo. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhanol. daselbst; Invalidendank in Berlin: W. Thienes in Eberfeld; L. Schlotte ,a

Bremen-

Kur tn der^vxpedltion zu ertheuende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-***

Deutsche- Reich.

* Berlin, 17. November. Die heutigen Mittei­lungen derProv. Corresp." über die Stellung des Herrn Hobrecht zu der Steuerreform werden vermutlich dazu beitragen, den Nimbus, welchen man auf Grund seiner Rede von fortschrittlicher Seite um ihn zu verbreiten sucht, etwas zu mildern. Ist auch die Publikation des halbamt­lichen Blattes nicht direkt gegen diese Rede gerichtet, so be­weist sie jedenfalls, was sie beweisen soll, nämlich daß Herr Hobrecht als Minister zur Zeit der vorigen Wahlen ganz dieselbe Sprache geführt hat, welche die Regierung in Bezug auf die Steuerreform noch heute führt. Der frü­here Finanzminister wird gar als Held der Opposition gegen die Steuerreform überhaupt gefeiert. Das dürfte Angesichts der von derProv. Corresp." ins Gedächtnis gerufenen Aeußerungen nicht mehr möglich sein. Die fortschrittliche Presse ist übrigens in der Würdigung des Auftretens de« früheren Finanzministers keineswegs einig. Während dieVoss. Ztg." behauptet, den tiefsten Eindruck in der ganzen Diskussion habe die Rede HobrechtS gemacht, und sich zu der Aeußerung versteigt:Solche Worte aus solchem Munde verhallen nicht so leicht; sie rufen ein Echo in weiten Kreisen wach," benutzt ein ihr verwandtes Organ die Gelegenheit, um auszuführen, daß Herr Hobrecht der erste Finanzminister gewesen sei, welcher die Frage her­vorgerufen, was ihn eigentlich zum Finanzminister gemacht habe. Man kann eS den fortschrittlichen Blättern über­lassen, sich über das Verdienst des Herrn Hobrecht zu verständigen; einstweilen wird sich der jetzige Finanzmi­nister wohl auch über diewuchtigen Schläge" seine» Vor­gängers zu beruhigen wissen. Die Gründe seiner Beru­fung zum Finanzminister sind jedenfalls nicht so uner­findlich, wie man annehmen möchte, denn wenn der Weg durch das Regierungspräsidium als Vorstufe für das Finanzministerium ausdrücklich bezeichnet wird, so scheint doch unter den Regierungspräsidenten derjenige vorzugs­weise zu der Stelle berufen zu sein, welcher sich als Prä­sident der wirtschaftlichen Interessen seine» Bezirks beson­ders angenommen hat und dies wird Herrn Bitter von Düsseldorf auS schwerlich bestritten werden. Seitens der Truppenkommandeure sind fortgesetzt Klagen darüber laut geworden, daß bei den größeren Truppenübungen die Bclegungsfähigkeit der ländlichen Ortschaften zu gering an­genommen sei. Dies hat dem Minister des Innern schon früher Veranlassung gegeben, die Normierung einheitlicher Grundsätze in dieser Beziehung anzuregen; Die in Folge dessen eingegangeuen Berichte lassen allerdings eine große Verschiedenheit in Bezug auf die Verteilung der Einquar­tierung innerhalb der Kreise erkennen. Hieraus haben nun der Kriegsminister und der Minister des Innern Ver­anlassung genommen,bk anderweit« Regelung der Sache

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Meta Grotzoheim.

Erzählung von S- Reisner.

-Fortsetzung)

Der Roßenstrauß lag zu meinen Füßen war das Zufall oder Absicht?

Es blieb mir keine Zeit, mich mit diesem Problem zu beschäftigen eine naheliegende Sorge nahm mich schon nach Verlauf weniger Minuten in Anspruch, um mich lange Tage hindurch nicht wieder frei zu geben. Der jüngere meiner Zöglinge war, in Folge eines Unfalls auf dem See, bereits unpäßlich von dem Ausflug zurückgekehrt und erkrankte noch an demselben Abend heftig und in be­sorgniserregender Weise. Es war nicht die Pflicht allein, auch eine warme Zuneigung für den befähigten und gut­gearteten Knaben, die mich fesselte und schließlich, wie >ch mir nicht leugnen mochte, der leise Selbstvorwurf, daß ich o"zu bereitwillig Wandas Verlangen und die mir anver- kauten Knaben fremder Aufsicht anheimgegeben hatte, vb der Graf davon wußte, erfuhr ich nicht; sein Ver­halten gegen mich war in keiner Weise verändert und überhaupt ging für den Augenblick jedes andere Interesse w der Besorgnis um das junge hoffnungsvolle Leben unter, 6®8 zu bewahren und behüten ich jetzt doppelt und dreifach °ls heilige Pflicht empfand. Wie aber dann die Sorge weichen begann und endlich der alte silberhaarige ^edizinalrat, der nicht nur Hausarzt, auch Hausfreund M Schloß Cherzowa war, jede Gefahr für beseitigt er- «arte, da schlug vom Alpdruck der Angst befreit, mein 'eti so leicht und frei, wie eS lange nicht geschlagen

das auch der Beginn einer inneren Genesung?

nach gleichen Grundsätzen ins Auge zu fassen. Dem Bundesrat ist die allgemeine Rechnung über den Landes- hauShalt von Elsaß-Lothringen für daS Jahr 1876 nebst ben dazu gehörigen Spezialrechnungen und den Bemer- kungcn de» Rechnungshofes vorgelegt worden; ferner die Ueberstcht ter Ausgaben und Einnahmen der Landesverwal­tung von Elsaß-Lothringen für das Elalsjahr 1879/80 mit dem Anträge, die EtatSüberschreituugen und anßer- etatSmäßigen Ausgaben, vorbehaltlich der bei der Prüfung der Rechnungen sich noch etwa ergebenden Erinnerungen zu genehmigen. Die Ausschüsse des Bundesrats für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr haben beantragt, zu beschließen, daß für die Folge außer ben früher bezeichneten Postsendungen von der Aufnahme in die Nachweisungen über ben Seeverkehr noch diejenigen zur Einfuhr mit der Post bestimmten Gegenstände auSzu- schließen seien, welche bei den Aemtern in den betreffenden Seeplätzen nicht in den freien Verkehr gesetzt, sondern zum Zweck der Eingangsabfertigung auf andern Ländern abge- lassen werden.

Berlin, 18. Novbr. Der Kaiser stattete heute Nach­mittag gegen 2 Uhr dem baierischen Gesandten v. Rudhart imKaiserhof" einen Besuch ab. Herr v. Rudhart ge­denkt morgen Abend auf seinen neuen Posten nach Peters­burg abzureisen. Um 5 Uhr findet heute im königlichen Palai» Hoftafel statt, zu welcher das Präsidium des Ab­geordnetenhauses, die Minister Maybach, v. Puttkamer und Dr. Lucius, die Gesandten Graf Limburg-Stirum, v. Röder, Graf Solms - Sonnenwalde und einige Generäle geladen sind. DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: Die Zeitungen bringen den Text und Unterschriften einer in Sachen der Juden angeblich an den Reichskanzler gerichteten Petition. AuS dem Umstande, daß dieses Aktenstück der Ocffentlich- lichkeit übergeben ist, könnte man schließen, dem Reichs­kanzler wäre diese oder eine ähnliche Eingabe wirklich zu­gegangen. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß dies nicht der Fall ist.

Eisenach, 16. Novbr. Im Verlaufe ihrer Beratungen hat die Delegiertenconferenz deutscher Gewerbe- und Han- delskammern, welche gestern und heute hier tagte, den An­trag der weimarischen Kammer auf Einschränkung der Haltung von Lehrlingen abgelehnt, dagegen einen Antrag der Leipziger Gewcrbekammer in ivlgender Fassung ange­nommen:Die Befugnis zur Ausbildung von Lehrlingen kann solchen Gewerbetreibenden versagt werden, die entweder nicht nachzuweisen vermögen, da« betreffende Gewerbe ord­nungsmäßig erlernt zu haben, oder nicht wenigstens einen in solcher Weise ausgebildeten Werkführer zur Leitung des technischen Betriebes in ihrem Gewerbe halten. Die Kon- trole hierüber kann den Innungen übertragen werden." Die Punkte 8 und 9 des RcichStagsbeschlusses wurden nach dem Anträge der Leipziger Gewerbekammer in nachstehender

Fassung angenommen:Die Innung ist die legitime Ver­treterin des betreffenden Gewerbes. Sie ist über die den fraglichen Gewerbszweig betreffenden öffentlichen Einrich­tungen gutachtlich zu hören; inwieweit die Gesellen an der Verwaltung der JnnungSemrichtungen teilzunehmen berech­tigt sind, insbesondere auch an den Lehrlingsprüfungen, sowie an den Verhandlungen über das Gehilfenwesen, wird durch Statut festgesetzt." Punkt 10 der Reichstagsbeschlüsse gelangte mit einem unwesentlichen Zusatz zur Annahme. Der zweite Gegenstand der Tagesordnung betraf die Er­richtung von Gewerbekammern. Auf Vorschlag des Herrn Dr. Jacobi aus Bremen wurde eine Resolution ange­nommen, dahingehend,daß die Errichtung von Gewerbe- kammern in sämtlichen oeutschen Staaten, wo solche noch nicht vorhanden sind, in Angriff genommen werde, und zwar nicht bloS als sogenannte JnnungsauSschüsse oder Handwerkerkammern unter Beschränkung aus das Klein­gewerbe, sondern unter prinzipieller Ausdehnung auch auf die Großindustrie und ans der Grundlage der Selbstver­waltung, da nur auf diesem Wege sowohl die richtige Ver­bindung von Thatkraft und Intelligenz höher Gebildeter mit dem ArbeitSfleiße des Kleinmeisters innerhalb der zu schaffenden Körperschaften gesichert, wie auch diesen selbst Re Möglichkeit einer ersprießlichen, durch bureaukratische Bevormundung nicht gehinderten und eingeengten Thätigkeit gewährt wird. Als Regel wird die Erichtung selbstständiger Gewerbekammern neben den Handelskammern und von die­sen getrennt anzusehen fein. Doch ist da, wo beide als Zwillings- oder Doppelkammern bereits bestehen, die bis­herige Einrichtung, so lange das Bedürfnis einer Aenoerung sich nicht geltend macht, beizubehalten. Für das Königreich Preußen könnte durch eine Revision des Handelskammer- Gesetzes vom 24. Februar 1870 als eventuelle UebergangS- form zunächst gleichsfalls die Errichtung einer besonderen Gewerbeabteilung innerhalb der bestehenden Handelskammern herbeigeführt werden." Anlangend die Einsetzung eines volkswirtschaftlichen Senats, gegen welchen bekanntlich ins­besondere der deutsche Handelstag opponiert hat und "gegen welche sich auch heute Dr. Brehmer auS Lübeck erklärte, wurde heute nach einem eingehenden Referate deS Dr. Jacobi-Bremen der Wunsch ausgesprochen, daß, wenn ein solcher Senat errichtet würde, auch daS Gewerbe darin vertreten sein möchte. Bezüglich des weiteren Gegenstandes der Tagesordnung:Die Arbeiterversicherung und daS ge­werbliche Kassenwesen" faßte man folgende Resolution: Die Konferenz hat bisher die Ueberzeugung nicht gewonnen, datz die allgemeine zwangsweise Einführung von AlterS- versorgungS- und Jnvalidenkaffen notwendig und möglich, fei." «schließlich erklärte sich die Versammlung mit allen gegen eine Stimme gegen jede Beschränkung der Wechsel- ahrgkeit. Bei dem heutigen Festmahle brachte der Präsident Below den Toast auf den Kaiser au».

Wanda hatte ich in diesen Tagen nur flüchtig gesehen, wenn eben Laune ober irgend ein zufälliger Impuls sie anS Bett des leidenden Neffen führte, an dem sie niemals lange verweilte; ihr unstäteS Naturell war für» Kranken­zimmer nicht geschaffen. Nun aber trat das Leben der Schloßbewohner allgemach inS alte GeleiS zurück, wenn schon mein genesender Pflegling noch stete Aufmerksamkeit forderte und ich ihn nur selten und auf kurze Zeit verließ. Auch an dem Diner, das für den nächsten Sonntag ange- setzt, eine Anzahl Gäste nach Cherzowa brachte, hatte ich nicht teilnehmen wollen, mußte mich aber dem freundlichen Wunsch deS Grafen fügen, der für die Dauer meiner Ab­wesenheit seinen alten zuverlässigen Kammerdiener mit der Krankenwache zu betrauen versprach. Wanda war zu­gegen, als die Angelegenheit erörtert wurde; ihr Blick flog zu mir herüber, rasch und rätselhaft, sprach Freude, sprach Verdruß aus ihm? Ich konnte die Antwort nicht finden.

In Reiz und Frische strahlte sie, die schöne Repräsen­tantin der Hausfrau, als sie an der Seite des Grafen die Herren und Damen des umwohnenden Adels empfiug, unter denen da» polnische Element heut minder als sonst »«treten war. Dennoch fehlte Rittmeister v Szymanski nicht, der obwohl vom Grafen ziemlich kühl empfangen, wie ich zufällig bemerkte, sich doch den bevorzugtesten Platz an der Tafel, neben Wanda, zu sichern gewußt hatte. Es war ja, als könne das nicht anders sein, als gehörten diese, prächtigen Gestalten zusammen, auf denen denn auch manches Auge bewundernd ruhte, finster war das des Grafen dem die unvnhehlte Bewegung deS Rittmeisters um die schöne Cousine freilich nicht entgehen konnte, ebensowenig die vielverheißende Freundlichkeit, mit der dieselbe ausge­

nommen wurde. Sie konnte dem Grafen nicht entgehen sagte ich und ich muß hinzusetzen: auch mir nicht; von Sekunde zu Sekunde fielen mir die Schuppen von den Augen und ich fühlte mit einer Bitterkeit, die zum Glück mehr der verletzten Eigenliebe, als einem tiefver­wundeten Herzen entquoll, daß die schöne Frau ein Doppel- spiel getrieben sei'» au« gedankenloser Koketterie, au« öioßer Lust an der Jntrigue, oder aus schlauer Berechnung. Und wie auch zuerst die holde Erinnerung an den Abend in Olenka mich umfing, immer anf's neue mir zuflüstern wellte: ich sei e», ben Wanba« Blick unb Wort gemeint - dt° Täuschung hielt nicht mehr stand. Ein Thor, ein eitler bünber Thor war ich gewesen - ich glaubte, bie Empfindung gluhenber Scham, bie mich überflutete, kaum tragen zu können I Wie ich bennoch die äußere Ruhe zu bewahren suchte bei Gesprächen, in die ich gezogen; vielleicht hielt bas Bewußtsein bet Notwendigkeit, vielleicht ein Gefühl aufketmenber Verachtung für bie reizende Polin dem inneren Sturm das Gegengewicht.

Endlich war die Pein überstanden man hob die Xafd auf, um sich draußen auf der Terrasse, wo der Kaffee serviert wurde, zu versammeln. Ich aber ging, meinem ReconvaleScenten zu sehen, den ich schlafend tt"b b d« alte freundliche Joseph seinen Platz am SU? m$ "Ehmen ließ, blieb mir Zeit, ein Stündchen L a zu genießen, ben heißen Kopf unb bie bewegte Sruft draußen tm kühlen Luftstrom zu haben e« that mir wahrlich notl 9

Parkwege einschlagend, die nach der schon erwähnten Drucke führten, war ich nach kurzer Wanderung durchs Don zufällig bis zum Friedhöfe gelangt, der auf mfjigem Hügel gelegen, das altertümliche, kleine Gotte»-