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sr. 26».

fltaröurg, Sonntag, 14. November 1880.

XV. Jairgaog

Auzeigeu nimmt entgegen: htr Expedition d.vlattet, sowied-Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haaienstein L Vogler in Frankfurt a- M., Berlin. Keiprig, 551» ic.; Äubcif Aoffe in Berlin, Fran!» fort a. M- ic.

Gerlichschr jfitiniß.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d.Annoncen-Bureaur von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägerffche Buchhandlung daselbst; Herrnaun'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendauk in Berlin; W- Thienes in «lberfeld; C. Schlotte in

Bremen

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageZluftrirted Lountagüblatt" durch die Srprdition (Koch'fche Buchdruckerei- bezogen Mark, durch di« Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf», (ercl. Bestellgebühr). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfz

Für in der Expedition zu ertheilende ÄuSkunst and elnnahme von Adressen werden 25 Pfq. berechnet-

Die Ziele der kouservativeu Partei.

DieNordd. Allgem. Ztg." bringt den nachfolgenden Artikel, welcher geeignet ist, manche unrichtige Auffassungen über die Ziele der konservativen Partei zu beseitigen:

Das .Kleine Journal" bringt einen der Widerlegung bedürfenden Artikel über die Strömungen der konservativen Partei. Der Artikel greift zurück auf die Meinungsver­schiedenheiten, wie sie innerhalb der konservativen Partei über die Berwaltungs-Organisationsgesetze in der verwiche- nen Session hervorgetreten und deduziert aus der Spaltung der Partei bei der diesjährigen Präsidentenwahl, daß die konservative Partei so ungleichartige Elemente in sich schlösse, daß an ein Zusammenhalten derselben nicht zu denken sei. Wir glauben, daß dasKleine Journal" sich bei seinen Deduktionen in einem starken Irrtum befindet. Die Differenzen, welche sich wie in anderen Parteien, so auch innerhalb der konservativen Partei seither herauSge- stellt, haben nach der klaren Sachlage offenbar niemals in Meinungsdifferenzen über Grundprinzipien der Partei, sondern lediglich über die Taktik bestanden, wie man diesen Grundprinzipien im gegebenen Falle Rech­nung tragen solle. In Beziehung auf die Grundprinzipien der Wirtschaftspolitik des Fürsten Bismarck in Beziehung auf die Grundprinzipien der zu erstrebenden preußischen Steuerreform, in Beziehung auf die Grundprinzipien der Verwaltungsorganisation, ja selbst in Beziehung auf die Grundprinzipien der vom Staate im Kulturkämpfe inne­zuhaltenden Linien herrscht unseres Wissens in der Partei ein völliges Einverständnis. WaS in der Partei bei den Verwaltungsgesetzen vorübergehende Meinungsdifferenzen herbeiführte, war nur die Frage der Taktik, ob man gleich für die alten Provinzen die so notwendigen Reformen der Veriraltungsgesetzgebung erstreben, oder ob man auf die so wünschenswerten Verbesserungen zunächst verzichten solle, bis auch die übrigen Provinzen die Mängel aus eigener Erfahrung erkannt haben würden. Ebenso war man bei der kirchenpclitischen Vorlage hinsichtlich deS Bischosspara­graphen über die Anerkennung der Anzeigepflicht durchaus einig, man betrachtete es nur als offene Frage, ob diese Anerkennung in den betreffenden Paragraphen hineinzu- schreiben oder ob man es bei der feierlichen Erklärung der Regierung, keinen Bifchof ohne diese Anerkennung begna­digen zu wollen, bewenden lassen solle. Endlich war bei der diesjährigen Präsidentenwahl die ganze Fraktion über die Zweckmäßigkeit der Akklamationswahl einig, sie trennte sich nur über vie Frage der Taktik für den Fall, daß der AkklamatiouSwahl widersprochen werden würde. Man sieht hieraus, einerseits wie irrtümlich die Ausführungen des Kleinen Journals" sind, man erkennt aber andererseits aus diesen Ausführungen deutlich, worauf eS von dem Kleinen Journal" abgesehen ist. Wir meinen es heißt dem Fürsten BiSmarck einen schlechten Dienst leisten, wenn man ihm eine zuverlässige Partei für feine die ganze Si­tuation beherrschenden Wirtschafts Reformpläne zu zerstören sucht. Die konservative Partei weiß, welche schwere Ver­antwortlichkeit ihr zulällt, wenn sie in sich zerfiele, sie weiß, daß wesentlich in ihrer Geschliffenheit für den Fürsten Bismarck die Möglichkeit liegt, seine Pläne durchzuführen, der konservativen Partei fällt dabei die schwere Rolle zu, mit den übrigen Parteien, deren Haltung auf dem Gebiete eine durchaus schwankende ist, rechnen zu müssen, Sie muß sich nach dem eigenen Prinzipe de« Fürsten Bismarck die Helfer da suchen, wo letztere im gegebenen Falle sich finden. Die konservative Partei kann ihre Prinzipien weder an den Liberalismus noch an den UltramontaniSmuS Preis geben, daher das Paktieren bald nach rechts, bald nach links. Dasselbe ist aber für Jeden, der offene Augen hat, nichts als die Konsequenz de« Vorhandenseins von den großen parlamentarischen Parteien, von denen keine die absolute Majorität hat. Deshalb sowohl in der liberalen, wie ultra­montanen Partei dasselbe Schwanken, welches daSKleine Journal" als bedenkliches Symptom bei den Konservativen erklärt. Dieses Schwanken ist einfach eine Folge der par­lamentarischen Situation. Daraus aber auf eine innere Auflösung der großen konservativen Partei schließen zu wollen, ist eine einfache Verkennung unserer ganzen poli­tischen Lage und wird stets ein frommer Wunsch des Kleinen Journals" bleiben.

Deutsche« «eich.

Berlin, 12. November. Ein Vorspiel der bei Be­ratung des diesjährigen Staatshaushalts zu erwartenden Debatten entwickelte sich bereits in der Donnerstagsitzung des Abg ordiulenhauseS, als in ungewöhnlicher Weife bei

der ersten Verhandlung über die Uebersicht der Staatsein­nahmen und Ausgaben des Jahres 1879/80 Seitens der liberalen Secesstonistengruppe bezüglich der Finanz- und Zoll­gesetzgebung ein heftiger Angriff plötzlich eröffnet wurde. Die Erwiderung blieb wiederholt seitens des Finanz­ministers und seitens der Rechten des Hauses nicht aus, bis erst das grobe Geschütz und dann auch daS Kleinge­wehrfeuer auf der Linken vollständig verstummte. Die Herren Rickert und Genossen traten still den Rückzug an. Es ist zu erwarten, daß bei der großen Staatshaushalts­debatte ein gleiches Schicksal ähnlichen Versuchen nicht er­spart bleiben wird. Es ist ja leichter und denkbarer in liberalen Zeitungen ohne Entgegnung seinem stürmischen Herzen freien Lauf zu lassen, als in der Debatte des Landtages mit dem konservativen Gegner sich Gründe gegen Gründe zu messen. Im Foyer des Abgeordnetenhauses cirkuliertc dieser Tage auf der Rechten in Bezug auf den Richterscheu Gesetzentwurf auf dauernden Klassen-Steuer- Erlaß die Redensart:Da hat einer mit der Peitsche knallen wollen und sich selbst durchs Gesicht geschlagen." In seiner heutigen Sitzung begann daS sehr zahlreich be­setzte Abgeordnetenhaus in Gegenwart fast aller Staats­minister die erste Beratung des Etats, mit welchem der Antrag Richter auf dauernde gesetzliche Festsetzung des Steuererlasses von 14,000,000 M. verbunden gleichzeitig zur Debatte gestellt wurde. Der erste Redner war Abg. Richter, welcher ohne den Beifall der ganzen linken Seite des Hauses zu gewinnen, unter häufigen Widerspruchs­und Mißfallensäußerungen bet Rechten die Finanzpolitik der Regierung in der von ihm bekannten Weise kritisierte. Von konservativer Seite antwortete ihm der Abg. von Heyden, welcher diese Kritik als eine durchaus unge­rechtfertigte zurückwies. Derselbe that dar, daß es die von liberaler Seite unterstützte Finanzpolitik CamphausenS ge­wesen sei, welche in dringender Weise zur Steuerreform Veranlassung gegeben habe; und ging sodann in detaillierter Weise auf die einzelnen Verwaltungen ein. Schließlich sprach sich derselbe für die rückhaltlose Durchführung des Steuerreformprojektes aus, wofür sich auch ein großer Teil der Nation erklärt habe. Für seine Ausführungen wurde diesem Redner lebhafter Beifall der ganzen rechten Seite deö Hauses zu Teil.

Elberfeld, 12. Novbr. DieElberfelder Zeitung" meldet: Regierungspräsident a. D. von.Massenbach in Düsseldorf ist heute Morgen gestorben.

Leipzig, 9. November. Alljährlich am Neformation«- feste findet an unserer Hochschule die Feierlichkeit des Nek- torwechselS statt, welchem auch von der Studentenschaft stets die gebührende Teilnahme geschenkt wird. Dieses Mal war Herr Konsistorialrat Domherr Prof. Dr. theol. Luthardt von dem Plenum der ordentlichen Professoren zum Rektor für vaö nächste Jahr gewählt worden und trat sein Amt an dem genannten Tage an. Während es bisher als Sitte galt, daß dem antretenden wie dem abge- gangeneu Rektor von beit studentischen Korporationen ein Fackelzug gebracht wurde, ist dies feit langer Zeit h uer das erste Mal unterblieben. Es find nun nicht nur unter der Studentenschaft, sondern auch besonders im Publikum wie in mehreren Zeitungen die verschiedensten Gerüchte über den Grund der Unterbleibung deS Fackelzuges ver­breitet worden. Während die einen glauben, daß sich Professor Luthardt, da er gegenwärtig Trauer hat, einen Fackelzug verbeten habe, will man auf der anderen Seite aus bester Quelle wissen, daßwegen der orthodoxen Rich­tung" Luthardtö die Studentenschaft sich passiv verhalten habe. Diese oder andere ähnliche Gründe beruhen teils auf Irrtum, teils auf böswilliger Erfindung. Der ein­zige Grund liegt darin, daß die Corps, welche in diesem Semester den Vortritt in der Studentenschaft haben, an die übrigen Corporationen keine Einladungen zur Beteili­gung hatten ergehen lassen, da sie erwarte» mußten, von jenen und namentlich von der Convention und dem aka­demischen Gesangverein Arion, welche zusammen über 300 Vertreter' zu stellen vermögen, im Stiche gelassen zu werden, weil sie die Corps es bisher stets vorzogen, ihrer­seitsnicht milzumachen", wenn sie nicht die ersten fein konnten. Uebrigens sind dem neuen Rektor von fämmt- lichen Corporationen durch glänzende Auffahrten die schul­digen Ovationen gebracht worden.

Arolsen, 9. November. Aus den Verhandlungen des Landtages der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont, welcher feit dem 26. Oktober in unserer Residenz versammelt und mit einer Eröffnungsrede des Landesdirektors von Sommer­feld im Namen Sr. Majestät des Königs von Preußen eröffnet worden ist, teilen wir Folgendes mit: In den

beiden Plenarsitzungen vom 4. und 6. November, denen verschiedene Ausschußfitzungen vorauSgingen, wurde unter Anderem der Entwurf eines Gesetzes über das Grundbuch­wesen und Einführung deö preußischen Gesetzes vom 12. März 1869, die Ausstellung gerichtlicher Erbbescheinigungen betreffend, einstimmig angenommen. Jngleichen eine Ge­setzesvorlage über Besteuerung des WanderlagerbetriebeS, wonach für jedes Wanderlager pro Woche 30 Mark und für Wanderauktionen pro Tag 30 Mark Steuer an die betr. Gemeindekaffen zu zahlen ist. Die Staatskassen- Rechnuiig pro 1878 wurde geprüft und die Mehrausgaben nachträglich gutgeheißen. Die Rechnung schließt mit einem Kassenvorrate von über 350,000 Mark ab, die EtatSüber- schreitungeii belaufen sich auf etwa 17,000 Mark. Auch im Jahre 1878 ist der Beitrag des Domanius von 4000 Mark nicht geleistet, weil der Reinertrag desselben 225,000 Mark nicht überstiegen hat. Der preußische Staatskassen- zuschuß von 310,000 Mark ist erfolgt, ferner sind noch 23,000 Mark aus den Beständen der an Waldeck ge­zahlten französischen Kriegskontribution vereinnahmt. Nunmehr liegt noch die wichtigste Vorlage der ganzen Landtagssesston zur Beratung vor, nämlich der StaatS- hanshaltSetat pro 1881/83. Wie aus demselben zu er­sehen ist, gedenkt Preußen den bis jetzt geleisteten jährlichen Zuschuß von 310,000 Mark herabzumindern und hat für 1882 nur 286,000 Mark, für 1883 240,000 M. Zu­schuß ausgeworfen.

Darmstadt, 11. Novbr. Verschiedene hessische Ge­meinden und Gutsbesitzer hatten schon früher bei der zweiten Kammer über die durch Hochwasser hervorgerufenen Eigentumsbefchädigungen Beschwerde geführt. In seinem hieraus erfolgenden Antrag war der betreffende Ausschuß von der Voraussetzung ausgegangen, daß die in Biebrich tagende Reichskommisston auch die Strecke Mainz-Mann- Heim untersuchen und in Beratung ziehen werde. Da nun aber das Erwartete nicht eingetreten ist, hat der Ausschuß seinen früheren Antrag zurückgezogen und beantragt nun­mehr: Hohe Kammer wolle beschließen, die großherzogliche Regierung zu ersuchen, 1) schleunigst eine auS an dem Strombau nicht beteiligten Technikern, sachkundigen Land­wirten und Schifffahrtsinteressenten bestehende Kommission zusammen zu berufen, welche auf Basis der Stromregu­lierungen in Baden unsere Strombauverhältnisse untersucht und daß auf Grund dieser Untersuchungen ein einheitlicher Plan für die Strombau- und Dammbauverhältniffe des Rbeins für die Strecke von der Landesgrenze bis Bingen, unter Berücksichtigung der Beschlüsse der ReichSkommission, aufgestellt und der Kammer so rasch tote möglich über daS Resultat Mitteilung gemacht werde; 2) daß die Strom- bauten so lange eingestellt werden, bis die Berichte der Kommission eingelaufen sind.

Karlsruhe, 11. Novbr. Durch landesherrliche Ver­ordnung vom 4. November ist ein Eisenbahnrat gebildet worven, welcher daS Handelsministerium und die General- Direktion der Eisenbahnen hinsichtlich der Interessen des Handels, des Gewerbes und der Landwirtschaft beraten soll. Namentlich bei den Bestimmungen des Betriebsreglements, der Tarife und der Fahrpläne soll dieser Eisenbahnrat sein Gutachten abgeben, Wünsche und Beschwerden äußern. Jede Handelskammer hat einen Vertreter in diesen Rat zu wählen, dazu kommen Vertreter der Gewerbe und Land­wirtschaft und fünf vom Handelsministerium gewählte Männer von anerkanntem wirtschaftlichen Ruf. Diese neue Einrichtung hängt mit der gefährdeten Lage unserer Sl.iatseisenbahnen zusammen, deren Rente jetzt schon zur Bestreitung der Zinsen der Eisenbahnschuld nicht hinreicht, und auch im laufenden Jahre wieder einen Rückgang er­fahren hat. Seil 1. November sind die badischen Bahnen noch dazu von einer Maßregel der preußischen Regierung betroffen, indem in Folge einer Kündigung der vor Kur­zem in den Besitz deö preußischen Staats übergegangenen rheinischen Bahn die direkte Kartierung zwischen hollän­dischen und belgischen Stationen einerseits und Basel an­dererseits via Mannheim, Maxau und Hüningen sistiert worden ist. Damit ist der bedeutende Durchgangsverkehr von Belgien und Holland nach Basel der badischen Linie entzogen und der Reichsbahn im Elsaß zugewendet. Die badische Eisenbahnverwaltung hat zwar bekannt gemacht, daß sie Maßregeln treffen werde, um den direkten Verkehr mit Basel ohne Frachterhöhung in der Hauptsache auch von diesem Terrain ab aufrecht zu erhalten. Allein dies wird nur zum Teil, nämlich für den Verkehr von Bafel nach Holland einführbar fein und unter Gewährung so billiger Frachten, daß der Schaden groß genug fein wird. Man fürchtet bei uns, daß die Benachteiligungen der ha-