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Marburg, DmimMag, 11. November 1880.
XV. Jahrgang
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Berlin, 9. Nov. Der Gesandte in Athen v. fliadowitz, wird sich, nachdem er den Reichskanzler in Friedrichsruhe aufgesucht, demnächst auf seinen Posten nach Athen begeben. — Der gestern auS München hier eingetroffene Cardinal Hohenlohe ist heute früh nach Schlesien weiter- gereisl. — In der Prozeßsache Dr. Karl MayerS in Stuttgart wider den Redacteur der „Rordd. Allgem. Ztg." Pindter, wegen Beleidigung, beschloß der Strafsenat des Kammergerichts bei der Verhandlung in zweiter Instanz unter Anderen den früheren würltembergifchen Minister v. Varnbüler darüber zu vernehmen, ob es wahr sei, daß für den Kläger Mayer in den Jahren bis 1870 wiederholt Geldsendungen aus Frankreich nach Stuttgart gelangten, welche die Aufmerksamkeit der württembergischeu Negierung in hohem Maße erregten. Ferner sollen Zeugen darüber vernommen werden, daß Marie Kurz, in Rosenz im Auftrage des Klägers reichsfeindliche Artikel für französische Zeitungen übersetzte und unverhältnismäßig hohes Honorar dafür direct aus Frankreich erhielt; daß Kläger bis 1868 als Agent Napoleons fungierte und dafür von der französischen Regierung Bezahlung und später von dem letzten König von Hannover Geld zu Agitationszwecken erhielt. — Wie der Wiener „Presse" berichtet wird, hat die Besetzung des StaatssecretariatS des Auswärtigen durch den Grafen Hatzfeld wegen der Verbindung, in welcher derselbe mit dem Banquier Bleichröder steht, Widerspruch gefunden. Man sagt hier: „ES geht durchaus nicht an, daß im Publikum die Vorstellung aufkomme, als könne jemand von der Börse Vorteile durch Informationen haben, die bas auswärtige Amt zu geben hervorragend befähigt ist. Vollends wer, in einer hohen Stellung fungierend, nach den Börsenkreisen hin durch Freundschaften liiert ist, der darf nicht teilhaben an Staatsgeheimnissen, und hat sich herausgestellt oder existiert nur die Vermutung, daß ein Beamter einem Banquier verpflichtet sei, so ist sein Fernbleiben von wichtigen Aemtern von selbst geboten. Es sei nicht Camarilla-Hinterlist, sondern Kaiserlich Königliche Erwägung, die hinter dem Veto steht. Ein Abgeordneter habe scherzhaft gesagt: „Ich zahle demjenigen 1000 Mark, der mir sagt, wie der Hofmann heißt, der gegen Hatzfeld und Biömarck intriguiert haben soll; dieser intriguierende Hofmann existiert nicht." — Das Gerücht, daß zwischen den Ministern Maybach und Bitter ernstliche Differenzen anögebrochen seien, weil letzterer sich entschieden weigere, seine Zustimmung zu neuen Ankäufen von Eisenbahnen zu geben und daß diese Angelegenheit zu einer KabinetSfrage gemacht werden sollte, wird als durchaus unbegründet bezeichnet. Wie im Gegenteil erzählt wird, hat erst in den jüngsten Tagen der Minister Maybach auf daö bestimmteste erklärt, daß dem Landtage im Laufe dieser Session keine
Mei« Grotzoheim.
Erzählung von E- Reisner.
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(Fortsetzung)
„Ich kann," fügte ich etwas verlegen zur Erklärung bei, „wenn ich Ihren Rat bezüglich meiner längeren Abwesenheit hier befolgen will, unmöglich für deren Dauer die Gastfreundschaft deö Pfarrhauses in Anspruch nehmen — und was Ihre hiesigen Hotels betrifft —*
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Der Notar unterbrach mich mit der Versicherung, daß Haus und Alles, was darin, mir jeden Augenblick zur Verfügung stehe — und da Mutter Grau, überfroh, wieder actio zu werden, des Nötige sofort zu ordnen versprach, so war die Sache schnell erledigt. Schon am nächsten Tage schied ich aus dem trauten Pfarrhause — wit dem Gefühl, als verlasse ich eine liebe, langgewöhnte Heimatstätte. Woher kam nur mir, der ich bisher kaum ein rechtes Heimatsgefühl gekannt, diese Sentimentalität, wie ichs nannte! Galt's doch auch noch keinen Abschied; ich mußte das Versprechen geben — und gab es gern — bie Abende stets im engen Kreise der lieben Menschen zu verleben, denen ich mich so schnell befreundet hatte.
Die Frage, wie die Tagesstunden, die mir hier ja un» beschränkt gehörten, auszufüllen seien, war von vornherein entschieden. Noch vor meiner Uebersiedelung in das neue Heim hatte ich, um Urlaubsverlängerung bittend, an den Vater meiner Zöglinge, den Grafen Cz. in B. geschrieben zugleich an Freund Bertram, einen Studiengenossen, ber au« Gefälligkeit für mich einstweilen bei den jungen, Mflichen Sprößlingen meine Stelle vertrat. „Fasse Dick w Geduld und halte noch einige Wochen in Umgebungen ä»S, die Dir, wie ich weiß, nicht symphatisch sind," schloß
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Vorlage über Ankauf von Eisenbahnen (mit Ausnahme ber Rhein-Nahe-Bahn) zugehen werde. — Die ursprüngliche Absicht deS Reichskanzlers, dem Bundesrate sofort bei seinem Zusammentritt Vorschläge wegen Errichtung eine« deutschen Volkswirtschaftsrates zu machen, soll, wie jetzt bestimmt verlautet, an dem Widerspruche der Regierungen von Baiern und Württemberg gescheitert sein.
Hamburg, 9. Nov. Die Strafkammer des Landgerichts sprach den Kapitän Keyn von der „Franconia"tz von der Anklage auf fahrlässige Tötung frei.
Karlsruhe, 7. November, lieber die Frage der Beschränkung der allgemeinen Wechselfähigkeit hat die Regierung von 15 Bezirksämtern, den 7 Handelskammern von landwirtschaftlichen und Gewerbevereinen eingehende Gutachten erhoben. Die überwiegende Mehrzahl spricht sich gegen jegliche Beschränkung aus, insbesondere alle Handelskammern und alle Gewerbevereine. Dabei betonen sie die hohe wirtschaftliche Bedeutung der Wechselfähigkeit für das Kleingewerbe. Derselben Ansicht huldigt die landwirtschaftliche Centralstelle, die landwirtschaftlichen Interessen im Auge behaltend. Geteilter Meinung sind die Bezirksämter (8 dagegen, 7 dafür), die landwirtschaftlichen Vereine (20 dagegen, 20 dafür) und der CentralauSschuß der landwirtschaftlichen Vereine (2 Stimmen für, 3 gegen Beschränkung). Auch int Gebiete der Justizverwaltung sind Gutachten erhoben worden, und zwar von zwei Landgerichten, von dem Vorstande der Anwaltskammer und von zwei 'Notaren. Mit Ausnahme eines Notars stimmten alle gegen Beschränkung der Wechselfähigkeit.
Stuttgart, 9. Nov. Der Director der Abteilung des Cultusministeriums für die Gelehrtcnschulen, Binder, ist in den Ruhestand getreten unter ehrenvollster Anerkennung seiner ausgezeichneten Dienstleistungen. An seine Stelle ist Oberstudienrat Bockshammer getreten. — Münster- baumeister Scheu in Ulm ist gestorben.
München, 7. Nov. Bezüglich der Frage einer Beschränkung ber Wechselfähigkeit liegen unserer Staatsregierung schon zahlreiche Gutachten vor und bieS namentlich auch aus landwirtschaftlichen Kreisen; dessenungeachtet hat dieselbe die diesfälligen Fragen auch dem Generalcomilö deS landwirtschasilichen Vereins zur Gutachten-Erstattung vorgelegt und wird dasselbe am 22. d. M. hierüber in Beratung treten. Zu dieser Sitzung sollen auch die außerordentlichen Mitglieder des GeneralcomitoS Einladung erhalten.
Aoslaad.
Wien, 8. November. Die Sitzung der NeichSratS- Delegation am 6. d. M. hat durchaus den vorausgesehenen Verlauf genommen. Die vom Budgetauöschusse empfohlenen Abstriche am Ordinarium haben nämlich die Zustimmung der Delegations-Majorität nicht zu finden .vermocht, viel- ..... ..... —[—-------------- - - I IUI I ich meine Epistel an den wackeren, etwas schüchternen Philologen. Mir aber senve freundlichst die unten verzeichneten Bücher umgehend hierher; ich will die Mußetage redlich ausnützen und nun ernstlich an die langverschobene Staatsprüfung denken — eS ist wahrlich Zeit!"
Ich fühlte, wie mir bei den letzten Worten alles Blut zum Kopfe drang — ich warf die Feder fort und barg mein Gesicht in den Händen---
Ja, eS war Zeit! Achtzehn verlorene Monate hatte ich zu beklagen — verloren für meine wissenschaftliche Fortbildung, für die Förderung meiner ZukunftSauSstchten; hingebracht im Rausch einer Empfindung, die meinem Leben niemals auch nur den Schatten wahren Glückes geben konnte, in müßigen Träumen — und, waS schlimmer als AlleS: im hohlen leeren Treiben eines Gesellschaftskreises, dem ich nur, ein geduldeter angehörte, weil eine schöne Frau die Caprice hatte, — so nannte man's — den Hauslehrer ihrer jungen Neffen zu protegieren! Und weil ich, von den Augen dieser Frau beherrscht, wie im Zauber- bann lag, und nicht die Kraft hatte, zu entfliehen! —
Nun aber war ich ja entflohen! Des Großonkels Tod, der Ruf hierher, hatte mich aus pem Bereich jener dunklen Augen entführt — und auf der Reise schon, während Meile um Meile sich zwischen mich und den Zauberkreis legte, fühlk ich die Bande sich lockern, die ich so lange getragen. Ernüchtert klar und bewußt schaute ich — zum erstenmal seit langer Frist — der Wahrheit inS Auge: ich erkannte die Nichtigkeit, die Leere des Daseins, daS ich geführt, auch seine Gefahr für mein besseres Selbst; daher die Frage, die sich an jenem ersten Abend im Pfarrhaus mir aufdrängte. Es mußte nun — und sofort — anders mit mir werden ! — —
mehr hat letztere die von der Kriegsverwaltung prälimi- nierten Ziffern wieder hergestellt. Blos die Forderung für die Berittenmachung der Hauptleute im Betrage von 137,000 ft. wurde abgelehnt, «eil — wie an dieser Stelle schon konstatiert wurde — der Kriegsminister selbst angedeutet hatte, daß er diesem Abstriche ebenfalls zuzustimmen vermöchte. Die Delegierten des Herrenhauses und die Autonomisten stimmten zusammen, eine Konstellation, die fich zweifellos in der für morgen anberaumten Sitzung bei der Abstimmung über das Extra-Ordmarium wiederholen wird. — Zu beachtenswerten Auseinandersetzungen führte in der gleichen Sitzung die Debatte über den sogenannten „OkkupationS - Kredit". Ein ziemlich scharfer Ausfall des Dalmatiuers-Klaic tief nämlich sowohl Freiherrn von Haymerle, als auch den Reichs-Finanzminister Szlavy zur Verteidigung der Verwaltung in den okkupierten Provinzen in die Arena. Namentlich wies Herr von Szlavy den erhobenen Vorwurf der Germanisation in Bosnien-Herzegowina mit Entschiedenheit zurück und er, als Ungar, darf gewiß als ein klassischer Zeuge dafür gelten, daß dieser Vorwurf unbegründet ist. Große Zustimmung erntete der Minister als er gegenüber der Forderung Klaics, daß alle nach Bosnien-Herzegowina zu entsendenden Beamten der kroatischen Sprache mächtig sein sollten, hervorhob, daß der Berliner Vertrag die Verwaltung der genannten Länder an Oesterreich-Ungarn und nicht an Kroatien stipuliere, eine Aeußerung, in der zunächst eine nicht undeutliche Abfertigung jener Tendenzen zu erblicken ist, welche die volle Wiederherstellung des dreieinigen Königreiches mit Einschluß von Bosnien und Herzegowina gelten. Hervorzuheben bleibt noch, daß Herr von Szlavy ein Wort des Baron Haymerle, Oesterreich-Ungarns Aufgabe in' den okkupierten Ländern fei, letztere glücklich zu machen und ihre Wohlfahrt „dauernd" zu begründen, dahin ergänzte, daß aus ihr ein Schluß auf die nahe bevorstehende Annexion nicht zu ziehen sei. Allerdings nahm der Delegierte Grocholski diese Kontroverse zum Anlaß, um dem Wunsche der Völker Oesterreich Ausdruck zu geben, daß der österreichische Adler die Berge Bosniens und der Herzegowina nie wieder verlassen möge. Kein Zweifel, daß dies in der Thal die Anschauung der überwiegenden Majorität hier zu Lande ist. Das Fremden- blatt nimmt denn auch keinen Anstand, dieser Aeußerung Grocholskis rundweg beizupflichten, obschon es hinzufügen zu sollen glaubt, daß die Annexionöfrage zunächst nicht auf der Tagesordnung stehe.
Pest, 9. Nov. Die österreichische Delegation erledigte das Ordinarium der Kriegsmarine und des Heeres und bewilligte zur Beschaffung der Küstengeschütze für Pola anstatt der von dem Ausschüsse beantragten 320,000 fl. auf den Antrag EngertS 640,000 fl., nachdem Baron Heyrnerle betont hatte, daß die Regierung bei der Feststel-
Die Erwiderung auf mein Urlaubsgesuch kam mir vom Secretair des Grafen zu. Sie lautete gewährend, doch mit der Bemerkung, daß, das späteste Ziel angenommen, meine Rückkehr vor Schluß der Osterferien bestimmt stattfinden müsse. Herr Bertram habe, wie sich gestern entschieden, zu dieser Zeit sein Probejahr am Gymnasium einer Provinzialstadt anzutreten; auch werde um weniges später die Uebersiedelung der gräflichen Familie nach Cher- zowa, dem Stammgut in Westpreußen, stattfinden, das, wie ich ja wisse, zum Sommeraufenthalt für dies Jahr bestimmt sei. Man erwarte mein Eintreffen sicher rinn angegebenen Zeitpunkt.
Ostern traf spät im Aprll — fast noch zwei Monate bis dahin; ich athmete auf! Der erste Schritt, der schwerste, meinte ich, sei geschehen. Daß ich nicht willensstark genug war, die Kette, die mich an jenes Haus, an jene Verhältnisse äußerlich fesselte, ohne Weiteres zu zerreißen, daß ich mit dem schwächlichen Tröste „kommt Zeit, kommt Rat!" sie einstweilen weiter trug — das rechnete '4 mir, blind für biejigenen, geheimen Regungen, nur al» die sehr natürliche Scheu vor einem gewaltsamen Bruche an, den ich ja, Andern gegenüber, durch nichts zu recht« ertigen wußte. „Vielleicht", sagte ich mir, „giebt der Zu- sall oder mein gütiges Geschick — im Lauf der nächsten Wochen mir selbst den scheinbar gültigen Vorwand zur Lösung von meinen Verpflichtungen an die Hand; unter« "b habe ich hier, Sinn und Gedanken in ernste, zweck- MUe Arbeit vertieft, mich allmälig, ohne allzu scharfen Ritz ins innerste Leben, dem Einfluß zu entziehen begonnen, den ein fernes, süßes Bild noch auf mich übt — unb das Schlimmste ist überwunden. Wären nut meine Bucher erst da!" (Fortsetzung folgt.)