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Jiiarßurg, Donnerstag, 4. November 1880.

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Beiträge zur Geschichte der Stadt Marburg.

Die Eroberung -er Itadt und -es Schlosses durch de» mederhessische» General-Wachtmeister Johann Geise uud «er Versuch einer Rückeroberung durch den kaiserlichen «eneral-Aeldmarschall Peter Melander, Grafen zu Holz­apfel, im 30jährigen Krieg.

(Fortsetzung)

Das kleine silberne Stadtstegel, welches der Stadt- Meiber wahrscheinlich vergessen hatte mit den übrigen Wertstücken in Sicherheit zu bringen, wurde beim Plün­dern gefunden, mitgenommen, in Fulda veräußert, und kam erst 1653 nach Marburg wieder zurück.

Die Eroberer verschonten nicht einmal die Armenhäuser, nämlich die beiden Siechenhöse und das Hospital St. Jakob m Weidenhausen. Diese Häuser wurden gleich anderen ausgeplündert, ruiniert und zuletzt alles in denselben zer- ichlagen. Die Insassen zerstreuten sich und konnten eine SNt lang in ihren ruinierten Häusern nicht wohnen, «lliche der Armen sind verhungert, verschmachtet und ge- I'vrben, andere haben weder Nahrung noch Kleidung gehabt.

In den oben erwähnten Obligationen hatten die @t» oerer ausdrücklich versprochen, nicht nur die Arcstierten

Rat und der Bürgerschaft frei zu geben, sondern auch uue ferneren Plünderungen und Erpressungen irgend Mcher Art von dem Tage an einzustellen. Beides wurde Ut gehalten. An demselben Tage und in derselben stunde, als der Akkord über die 12,000 Rthlr. unter« Meben wurde, nahmen die von der Artillerie 3 aus dem ^tcunb einige aus der Bürgerschaft von neuem gefangen Jb setzten sie bei die Profosen. Anstatt der öffentlichen Änderungen wurden die täglichen Visitationen in den »Äüsern fortgesetzt und selbst die nicht einmal verschont,

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1 Rittmeister, 1 Ingenieur und über 400 gemeine Sol­daten; außerdem gab noch viele Verwundete und Zer­quetschte. Nach der Aufzeichnung im Theatrum Europaeum (6. Teil, Seite 13) soll der Graf Holzapfel ebenwohl in Lebensgefahr einmal gestanden habet,. Es heißt nämlich da:Fünf oder sechs Tage vor dem Ausbruch der Kaiser­lichen, nachdem dem fürstlich-hessischen Kommandanten auf dem Schlosse hinterbracht worden, daß das Quartier des General-Feldmarschalls sich in der Behausung des gewesenen landgräflich-darmstädtischen Rentmeisters Daniel Selb am Grün, jetzt Nr. 579, befände, habe er unterschiedliche der gröbsten Geschütze auf dieses Haus richten und Feuer geben t-üen,Jn ^er Meinung, Haus und Gäste mit einander zu fallen. Er habe aber dadurch weiter keinen Schaden an­gerichtet, als daß einem Soldaten der Kopf abgeschossen worden und von dessen zersplittertem Hirnschädel ein Stück dem General-Feldmarschall Holzapfel in's Angesicht ge­sprungen sei und dieses so verletzt, daß das Blut eine Weile nicht habe gestillt werden können; der anwesende Markgraf von Baden sei gleichfalls am Schenkel verwun­det worden. Nach einer anderen Erzählung soll der Schuß nicht allein die in dem gräflichen Quartier zubereitete und gedeckte Tafel zerschmettert, sondern auch der Schildwache vor Ihrer Gräflichen Excellenz Gemach den Kops hinweg­genommen; auch sollen unterschiedliche Stücke des zersplit­terten Holzes, beiden, dem Grafen Holzapfel und dem A... o.x. l r....... r.' * , . _ e am Halse und sonst

&6e blutrünstig gemacht haben, so daß Holzapfel sich genötigt gesehen, sein Quartier in die Wohnung des Dok­tors VigeliuS zu verlegen. An anderen Orten wird noch hmzugefetzt, daß dem Rentmeister Seip die Kugel zwischen den Beinen durchgelaufen sei, ohne ihn zu beschädigen.

Volk unter die Mörder gefallen sei und wie tot daliege: selne Wunden seien der Unglaube und dessen schreckliche Folgen. Redner kam auch auf die Presse zu sprechen und verurteilte namentlich einen Teil der Berliner Presse auf das Schärfste, da sie jedes Heiligtum schamlos beschimpfe und durch nichtswürdige Annoncen jedes SittlichkeitSgefübl ertöte. Unter der Collckte, welche in der Kirche nach der MlsflonSpredigt abgehalten wurde, fand sich eine ganze Anzahl Pfennige vor, jeder in Papier eingewickelt, welches letztere jedesmal mit unflätigen Schimpfwörtem und Flüchen meist in hebräischer Sprache beschrieben war.

.. Münster, 30 October. DieWest. Prov.-Ztg.« teilt mit, daß der Herr Regierungspräsident Steinmann in Arns­berg zum Oberprästdenten der Provinz Schleswig-Holstein Arnsberg °abgi!bt $ 6mit8 ^te seine Geschäfte in

Mönche«, 29. October. Wie man demRürnb. Gorr." mitteilt, so verlautet in Abgeordnetenkreisen mit aller Bestimmtheit, daß die Staatsregierung beabsichtige, der demnächst zusammentretenden Kammer ein neues Land­tagswahlgesetz vorzulegen.

Ausland.

Rom, 2. November. Garibaldi ist gestern in Mailand elngetrcsfen und mit Ovationen empfangen worden. Später trafen Rochefort, Blanqui, Pair und Asst ein.

Neapel, 2. November. Der Vesuv ist in lebhafter Bewegung. Die Ausströmung der Lava dauert fort und durfte wahrscheinlich noch zunehmen.

8ottho«, 2. November. Das Gerichtsverfahren gegen Healy und Walsh wegen der Einschüchterung deS Pächters Manning wurde gestern in Bantry eröffnet. Die Ser» ,.anbJ,mr8 mbete mit der Verweisung der Angeklagten vor die Assisen. Die Angeklagten wurden gegen Cautiou frei- gelaffen. '

« ? November. DerBien Public" veröffent-

licht ein längeres aus Rom datiertes und von dem Papste unterzeichnetes Dokument, wodurch dem früheren Bischof von Tournai, Dumont, jede kirchliche und weltliche Juris­diktion in der Diöcese Tournai entzogen wird.

Türkei. Zur Dulcignofrage wird dem ,Reuter'schen Bureau" unterm 29. October aus Konstantinopel teleara- phlert: Dervisch Pascha der noch nicht in Dulcigno ringe» troffen, ist von der Pforte ermächtigt worden, die Alba­nesenchefs, die an der Spitze der Widcrstandspartei stehen, zu verhaften und an Bord eines türkischen Kriegsschiffes zu senden. Nach der Uebergabe von Dulcigno werden sie einzeln gefragt werden, ob sie willen« sind, montenegrinische Unterthanen zu werden, und im Falle ihre Antwort ver- neinend ausfällt, sollen sie nach Skutari gebracht werden. Dervisch Pascha wird im stände sein 10,000 Mann zu- sammenzuziehen, und ist ermächtigt, sämtliche Häuser in

sich morgen zum Besuche deS Herzogs von Ratibor nach Randen in Schlesien und kehrt, sobald seine Gesundheit gestattet, nach Paris zurück um die Leitung der Botschaft zu übernehmen. Zu der Bekanntmachung der englischen Regierung betr. die Beobachtung der deutschen Fischerei­grenzen wird derNordd. Allg. Ztg." mitgeteilt, dieselbe sei durch die deutscherseits nach London gerichtete Mitteilung Uber die in diesem Frühjahr stattgehabten Gewaltthätig- ketten englischer Fischer gegen deutsche Fischer an der deutschen Noroseeküste veranlaßt anläßlich der jüngsten Vorfälle, die den Charakter eines kleinen Kriegs zwischen den numerisch überlegenen englischen Fischerflottillen und den deutschen Fischern anzunehmen drohten, habe sich das auswärtige Amt auch mit der Admiralität über einen wirksamen maritimen Schutz der deutschen Fischerei in Verbindung gesetzt und fei in Folge dessen schon in dem neuen Etat Bedacht genommen hierfür während der Fischsaison ein Kanonenboot erster Klasse zu verwenden. Gestern fand hier eine Besprechung statt zwischen hervorragenden Direktoren von Realgymnasien (Realschulen I. Ordnung) aus ver- schieden Teilen Deutschlands und Mitgliedern des Abgeord­netenhauses aus verschiedenen Fraktionen, namentlich solchen, welche sich für die Schulfrage interessieren. Die Stim­mung unter den anwesenden Abgeordneten war eine den Realgymnasien entschieden günstige. Diese Anstalten dürften auch im Abgeordnetenhause die Unterstützung finden, die bei dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft wie des gefamtcn Kulturlebens für ihr Gedeihen notwendig ist. E der dem Haufe der Abgeordneten von- dem Finanz. Minister übersandten Uebersicht sind die Höchstbestcuerten des gesamten preußischen Staats im Regierungsbezirk Wiesbaden ansässig, wozu, da ihrer nur zwei sind, ohne Zweifel zwei Freiherren Rothschild in Frankfurt a. M. gehören; sie zahlen die Einkommensteuer von einem bis auf 2,460,000, beziehentlich 2,400,000 M. geschätzten Jahreseinkommen. Ihnen folgt ein Insasse des Regie- NlngSbezirkS Düsseldorf, also wohl Geheimer Commerzienrat Krupp, der gleich den beiden andern eine Stufe höher ver­anlagt worden ist uud von einem bis auf 2,040,000 M. geschätzten Jahreseinkommen die Steuer mit 59,400 M. zahlt. In Berlin ist ein Bewohner von 32,400 M' Jahressteuer auf 45,000 M. erhöht worden, was eine Jahreseinnahme von i1/» Millionen Mark voraussetzt. Zu einem Jahreseinkommen von mehr als 168,000 M sind in ganj Preußen 149 eingeschätzt, wovon 64 in Berlin, 20 im Bezirk Breslau, 12 im Bezirk Köln, 7 im Bezirk Wiesbaden u. s. w.

Königsberg, 30. October. Am 23. d. M. hielt Herr Hosprcdlger Stöcker in der hiesigen Haberberger Kirche unter dem Zudrange einer zahlreichen Zuhörerschaft einen Vortrag über innere Mission, worin er u. A. unsere sttt- liche Zustände schilderte und bemerkte, daß unser deutsches

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Deutsche- «eich.

** Berlin, 2. Nov. Die Berichte, welche aus den Provinzen über die Lage der Industrie eingehen, schildern diese als eine durchaus erfreuliche. So wird u. A. aus Gegenden, in welchen besonders die Textilindustrie zu Hause ist, ein kräftiger Aufschwung derselben gemeldet. Die Spinnereien sowie die Tuchfabriken arbeiten vollauf, um die empfangenen Aufträge, welche einen lebhaften Betrieb noch auf eine längere Dauer erwarten lassen, auszuführen In Folge dessen ist in einzelnen Fabriken die Arbeitszeit um ein bis zwei Stunden verlängert und die Zahl der Arbeiter vermehrt worden, was wiederum einen der ver­längerten Arbeitszeit entsprechenden Mehrverdienst für die Arbeiter zur Folge hat. Verschiedene Tuchfabriken haben aus Paris große Aufträge auf feine Tuche für Damen­kleider erhalten; der Begehr nach diesen Tuchen ist so groß, daß die Fabriken demselben bei Weitem nicht voll genügen können. Die Abnahme des Arbeitsmangels und der bessere Verdienst der Fabrikarbeiter haben auch den kleineren Ge­werbebetrieb, dessen Existenzfähigkeit in größeren Fabrik­städten mehr ober weniger in der Zahlungsfähigkeit der Fabrikarbeiter begründet ist, mehr belebt. Auch von der Maschinenfabrikation wird berichtet, daß sie mehr und mehr sich zu beleben fortfährt und daß die eingetretene Besserung Aussicht auf weiteren Fortgang hat. Nachdem das bei den Submissionen zu beobachtende Verfahren durch die Feststellung allgemeiner, demselben zu Grunde zu legen­der Bedingungen mittelst Verfügung des Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 24. Juni neu geregelt worden, erscheint es notwendig, im Anschlüsse daran eine Verein­fachung des Abrechnungsverfahrens bei der Ausführung öffentlicher Bauten in denjenigen Fällen eintreten zu lassen, für welche es nach den bestehenden Vorschriften der Auf­stellung balancierender Kosten-RevistonS-Nachweisungen bedarf. Der Minister hat daher unter Aufhebung der hierauf bezüglichen Bestimmungen verfügt, daß künftighin statt jener balancierenden Nachweisungen nur eine nach den Anschlagstiteln geordnete und auf die zugehörigen Rech- nungsbeläge Bezug nehmende Zusammenstellung der ent­standenen Kosten ein ausführlicher Erläuterungsbericht beizubringen ist..Der Bundsrat hält morgen wieder eine Sitzung, für welche vorzugsweise die in jüngster Zeit ein- gegangenen Vorlagen auf der Tagesordnung stehen, u. 'A. der Nachtrag zum amtlichen Warenverzeichnis, die Fest­stellung der Umzugskosten des MarinelazarettS-Personals in Aokohama u. s. w., sowie ein Antrag, betreffend die Besetzung zweier Ratsstellen beim Reichsgericht.

Berlin, 2. Nov. DieNordd. Allgem. Ztg." erklärt die Meldung eines Wiener Blattes, daß der Reichskanzler scine Entlassung gefordert habe ober zu forbern gedenke, als jeder Begründung entbehrend. Fürst Hohenlohe begibt

welche mit einer Schutzwache versehen waren, wie i. B bte lutherische Pfarrkirche, die Häuser der Professoren u a' Die Schuhwache für die Pfarrkirche kostete 7 Rthlr. und wurde aus dem Kirchenkasten bezahlt. Unter dem Vor- toanbe etlicher feindseliger Edelleute geflüchtete Güter in der Pfarrkirche zu suchen, brangen kaiserliche hohe und niebere Offiziere, unter den selbst der OberkommissariuS Hofmann nicht fehlte, in die Kirche. Alle die daselbst be- ftndlichen Kisten und Kasten wurden durchsucht, und wenn die Eigentümer nicht zur Stelle waren und aufschlossen so ließen die Plünderer durch die mitgebrachten Schlosser- meister die Schlösser erbrechen. Alles in den Kasten be- findliche wurde durch einander geworfen, und wenn die Plünderer etwas fanden, das ihnen gefiel, und was sich sonst noch an Geld, Gold ober Silber vorfand, es gehöre, wem es wolle, das wurde mitgenommen. Ebenso durch­suchten sie auch die Häuser der Professoren u. a. unter gleichem Vorwande. Um den Schein der Plünderung von sich zu weisen, stellten die Plünderer sogar den Geplün­derten über die mitgenommene» Sachen Quittungen aus. Nach dem aufgerichteten Akkord wurde auch noch ein Keller erbrochen und über 2000 Rthlr. an Wert aus demselben entwendet. Der ganze Schaden der Plünderung wird auf 1 Million Thaler geschätzt.

Während der Belagerung und nachdem die Niederheffen den Kaiserlichen die Stadt überlassen und sich zurückge­zogen hatten, wurde von ersteren bis zum Abzug der letz­teren ein beständiges Feuer vom Schlosse aus unterhalten. Von Seiten der Kaiserlichen fiel der General-Wachtmeister Reich, welchen eine Falkonetkugel traf. Er starb an Ver­wundung und wurde am 16. Dezember 1647 in Gießen zu Grabe getragen. Ferner 1 Obristtieutenant, 7 Kapitäne,

Anzeigen nimmt entgegen dir Expedition d. Blatte« f otme d. Annoncen-Bureaux von ®. L Daube L To. in

Frankfurt a. M; Jäger'sche

Buchhandlung daselbst;

Hermannffche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W Thiene« in Elberfeld: 6. Schlotte m «fernen.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blatte«, sowie d.Anno ncen-Lureauz von Th, Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, SeiMi«, Soin iu; Rudolf Sofie is Berlin, Frank-

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