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Marburg, Mittwoch, 3. November 1880.
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Der „Reichsanzeiger" schreibt: Die bisherigen Ermittelungen über die Ursachen des Eiscnbahn-UnglückfalleS bei Courl lasten mit Sicherheit schließen, daß die Fahrge- schwtndigkeit deS Zuges größer gewesen, als für die dreifach gekuppelte Lokomotive des Zuges polizeilich gestattet ist, in Folge dessen die Lokomotive in erheblich pendelnde Seitenschwankungen geriet, welche schließlich eine Entgleisung herbeiführten. Bezüglich der mehrfachen Eisenbahn-Unfälle in letzter Zeit sei zu konstatieren, daß keiner derselben durch einen Mangel in den Betriebsvorschriften oder in der Unterhaltung der Bahn und den Betriebsmitteln, sondern fast in allen Fällen durch die Nichtbeachtung positiver Vorschriften herbeigeführt wurde. Die Centralinstanz der Eisenbahnverwaltung habe in der Sachverständigen-Kom- Mission die Prüfung der Frage angeordnet, ob die gestehenden Vorschriften Lücken aufwcisen oder Bestimmungen
ralität Rast und Stillstand erbat, und damit das Er' brechen der Schlösser an den Thüren und Kasten auf dem Rathause aufhörte und die Stadtbriefe nicht ferner zerstreut würden, um eine Salvo guardi anhielt und diese auch erlangte; desgleichen habe ich die auf den Treppen, auf dem Gang und allenthalben zerstreuten Briefe aus dem Schmutze zusammengrtragen. Es ist auch bekannt, daß ich zur Erhaltung meiner Wohnung im Stadthause eine Salvo guardi mit 8 KönigSthaler erkaufte, damit des Hauses Thüren, Fenster, Tische und Bänke, wie auch meine eigenen darin liegenden 90 Mött allerlei Frucht mir verblieben. Auf Angabe des gefangenen UnterbürgermeistrrS, etlicher des Rates und der Bürgerschaft zur Beförderung ihrer Erlösung und der Stadt Wohlfahrt wurde ich durch Musketiere aus meiner Wohnung geholt und zum ProfoS geführt. Während meiner Abwesenheit wurden mir meine Kessel, mein Zinn und mein Bettwcrk geplündert.
Meine großgünstigen Herren wisten sich auch zweifelsohne zu erinnern, wie ich vom ersten Tage der Eroberung bis zum Abzug des Feindes als ein Stadtbedienter von der Generalität und hohen Offizieren wegen gemeiner Stadt bald um Fleisch, Bier und andere ihre Notdurft geängstigt worden bin.
Die gefangen gewesenen Herren Schöffen, Herr Doktor Heilmann und andere werden mir genugsam Zeugnis geben können, wie ich wegen der gefangenen Schöffen, Vierer und Bürger und zur Erhaltung der Stadt Wohlfahrt alle Tage bis in die Nacht hinein ohne Unterlaß, auch als die Leute vor und hinter mir niedergeschossen wurden, habe laufen müsten.
ES wird auch meinen hochgeehrten Herren nicht ent-
Zacharias Schmitt, Johannes Creutzer, Konrad Kolb, Peter Mai, Jeremias Selig; im Namen Seiner Kaiserlichen Majestät unterschrieb und unterstegelte der General- Kommissar über das Kaiserliche Kriegsherr, der General- Wachtmeister und Obrist Graf Ernst von Traun. In dieser Obligation wird bestimmt, daß 6000 Rthlr. in der Ostermesse und 6000 Rthlr. in der Herbstmeste 1648 gezahlt werden mußten.
2) Eine Obligation über 2500 Rthlr. Glockengelder wurde mit dem General-Feldzeugmeister von Fernamont aufgerichtet und im Namen der Stadt Marburg unterschrieben von Helfrich Bange, Paulus Sauer, Mathäus Schrot, Antonius Kolb, Ludwig Didenzhäuser, Johannes Liebecher, Klaus Bayer, Heinrich Scheffer, Kaspar Giebel und mit dem kleinen Stadtstegel bekräftigt. Die beiden Zahlungstermine sind Ostern und Herbstmesse 1648.
In ähnlicher Weise wie Doktor Heilmann machte sich um das Wohl der Stadt und der Bürgerschaft in jener traurigen Katastrophe der Stadtschreiber Johann Philipp CrolliuS verdient. Seine Verdienste finden sich ausgezeichnet in einem an den Magistrat der Stadt gerichteten Schreiben, das folgendermaßen lautet:
Ehrenfeste, Hochgelehrte rc. großgünstige Herren!
Denselben ist sondern Zweifel bekannt, mit wa« für eifriger und treuer Fürsorge ich in Anno 1647 bet eilendem Sturm und Angriff der Kaiserlichen daS silberne Geschirr und die besten Hauptbriefe der Stadt bald hier bald dorthin getragen und auf diese Weise erhalten habe. Gleichfalls ist bekannt, daß nach gewaltsamer Eroberung hiesiger Stabt ich der erste war, der mit Leibes- und Lebensgefahr neben dem Herrn Magnifico und dem Herrn Doktor Tielemann bet der Gene
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Beitriige zur Geschichte der Stadt Mardurg.
Die Eroberung der Itadt und des Schlosses durch den niederhessischen General-Wachtmeister Johann Geise und der Versuch einer Rückeroberung durch den kaiserlichen Geueral-Feldmarschall Peter Melander, Grafen zu Holzapfel, im 3«jShrtgen Krieg.
(Fortsetzung)
Um desto gefaßter dem Tode in'S Angesicht zu schauen, ließen sie zu dem Ende ihren Seelsorger, den DiakonuS an der Pfarrkirche, Herrn Otto Henckel, zu sich rufen und sich von ihm nach vorhergcgangener Buße und Beichte das hochwürdige Sakrament und Nachtmahl des Herrn Jesu Christi zur Vergebung ihrer Sünden und zur Erhaltung ihrer Seelen und Seeligkeit reichen. — Zu diesen scharfen Drohungen von Seiten der Eroberer gesellte sich nun noch das Lamento der Gefangenen Weiber und Kinder und ihrer Angehörigen. Mit Rücksicht auf die Erhaltung ihres eigenen Lebens und die Zusprache von Seiten der Ihrigen entschlossen sich die gefangenen Ratsmitglieder und Bürger, den ihnen gestellten Akkord anzunehmen. Am 20. Dezember 1647 wurden die Gefangenen auf das Rathaus geführt und daselbst
1) eine Obligation über 12,000 Rthlr. Ranzion- und Brandschatzungsgeldcr vor ihnen im Namen der Stadt Marburg unterschrieben und mit dem kleinen Stadtstegel untersiegelt. Die Namen der Unterzeichner sind diese: Johannes Schott, Helfrich Bange, Eberhard Bierau, Paulus Sauer, Matthäus Schrot, Antonius Kolb, Johannes Liebecher, Ludwig Didenzhäuser, Heinrich Scheffer, Kaspar Giebel, Erasmus Sömmeringk, Erieu« Sallich, Joachim Mann, Johannes Runckel, Jakob Rauschenberger, Lorenz Jeude, Peter Scherrer, Ludwig Lin«, Johann Kurt Scheffer,
April 1880.81 zur Klassen- und klassifizierten Einkommensteuer veranlagten Personen" mitzuteilen. Die Seelenzahl nach den Klassensteuerrollen betrug 26,3 Millionen, der klassifizierten Einkommensteuer unterlagen 634,249 oder 2,40 pCt., befreit von der Klassensteuer waren 7,3 Mill, oder 27,80 pCt, klassensteuerpflichtig waren 18,4 Mill, oder 69,80 Prozent. Der Gesamtertrag der Klassensteuer betrug 44,1 Millionen Mark, der Gesamtbetrag der klassifizierten Einkommensteuer 33,5 Mill. Mark.
Mittelst allerhöchster Ordre ist dem Albert-Verein in Dresden gestattet worden, zu derjenigen Ausspielung von Kunstwerken, welche derselbe zum Besten des von ihm daselbst errichteten Carola-HauS genannten Krankenpflegerinnen-Asyls in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres zu veranstalten beabsichtigt, auch im diesseitigen Staatsgebiete Lose zu verteilen.
Viel Aufsehen erregt in England eine Rede des Marquis Salisbury, der jetzt gegen die auswärtige Politik des Cabinets Gladstone genau dieselben Anklagen erhebt, die noch vor einem Jahr gegen seine eigne Politik von den Whigs erhoben worden waren: man wisse gar nicht, waö das Kabinet eigentlich wolle, seine Politik sei dunkel und rätselhaft. Mit beißender Ironie behandelt Salisbury die Blamage Gladstones in Sachen der von ihm ins Leben geruienen famosen Flottendemonstration. Aus dem österr. Rothbuche gehe hervor, daß keine Macht ihren Schiffen erlaubt hätte, zu schießen. „Da hätte man doch
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Aenderung bedürfen.
die jetzt praktisch gewordene Frage der Klassen- und klassifizierten Eines nicht uninteressant sein, einige
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dem Abgeordnetenhaus- vorgelegten
Nachweisung über die Anzahl der für das Jahr vom 1.
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Tagesbericht.
Außer der in der Thronrede namhaft gemachten Vorlage betr. das AuölührungSgesetz zur ReichS-Seuchenord- nung, dürften Seitens des Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten noch eingebracht werden: eine Vorlage, welche die Wiedereröffnung der Rentenbanken zur Ablösung der Reallasten zum Gegenstand hat, sowie ein Gesetzentwurf gegen die Waldteilung und möglicherweise noch eine Vorlage, welche das Höferecht für Lauenburg regelt. _______________
Wie aus Hofkreisen verlautet, ist der Kaiser Franz Joseph durch die Sendung deS Grafen Brandenburg II. nach Trvppau, die aus Anlaß der Anwesenheit deS Kaisers in Oesterreich-Schlesien erfolgte, außerordentlich angenehm berührt und geradezu überrascht worden. Bei der ersten Audienz entschuldigte sich deshalb der Kaiser gegenüber dem Grafen Brandenburg, indem er scherzend darauf hinwies, daß er nicht einen einzigen preußischen Orden zur Hand und angelegt habe. Am nächsten Tage jedoch erschien Kaiser Franz Joseph bei der Tafel in preußischer Uniform und mit dem Bande deS Schwarzen Adlerorden«; beides war auf telegraphische Anweisung sofort aus Wien nach Troppau gesandt worden. Graf Brandenburg hatte alsdann auf besonderen Wunsch des Kaisers noch eine Audienz bei letzterem, wobei derselbe Veranlassung nahm, als den alleinigen Zweck der Unterredung die Bitte zu bezeichnen, dem Kaiser Wilhelm nochmals den herzlichsten und aufrichtigsten Dank für die ebenso freundliche al- glänzende Aufnahme und die mannigfachen Gunstbezeugungen auszusprechcn, die dem Kronprinzen Rudolf während dessen letzter Anwesenheit in Berlin vom ganzen kaiserlichen Hose erwiesen worden find. — Prinz Wilhelm wird sich, einer Einladung des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich folgend, zu dessen VermählungSfeierlichketten nach Wien begeben.
ebensogut sechs Waschtröge mit den bezüglichen Flaggen absenden können." Gladstone habe Deutschland und Oesterreich England entfremdet, der russischen Macht zu liebe, die von jeher den Interessen Englands zu schaden gesucht habe, wo sie nur konnte. Salisbury sagt über Gladstone was letzterer immer über Beaconsfield gesagt hatte: „DaS Kabinet befolgt eine abenteuerliche Politik." — Wie man sieht, haben in England nur die Rollen gewechselt.
Die Dulcigno-Angelegenheit scheint zu keinem Ende kommen zu sollen. Die Ermordung deS türkischen Kommissärs durch die Albanesen hat entweder Riza Pascha eingeschüchtert, oder ihm erwünschten Vorwand zu weiterer Verzögerung gegeben, denn, wie aus Castelnuovo gemeldet wird, verständigte Riza Pascha den montenegrinischen Woiwoden Popovic, er müsse die Wiederaufnahme der Verhandlungen vertagen, bis er neue Instruktionen auS Konstantinopel erhalten habe. 7000 Montenegriner concen- triercn sich neuerlich bei Jutorman, anscheinend in der Absicht, gegen Dulcigno vorzurücken. — Der Pariser Agentur „HavaS" zufolge hätte der Sultan Derwisch Pascha zum Generalkommissär mit der Vollmacht zur Ueber- gabe DulcignoS ernannt. Eine Depesche der „Agence Havas" auS Ragusa besagt, Riza Pascha sei seines Postens enthoben und durch Derwisch Pascha ersetzt.
Deutscher Reich.
Berlin, 1. November. Heute Mittag 1 Uhr hat die feierliche Enthüllung des Denkmals des Feldmarschalls Graf Wrangel am Leipziger Platz stattgefunden, welcher der Kaiser, militärische Deputationen, die Spitzen der Ct- vilbehörden und die Generalität beiwohnten; der Platz war von einer großen Menschenmasse bedeckt. Der KrtegS- minister v. Kameke hielt eine Ansprache an dm Kaiser, worin er den Dank der Armee für daS Denkmal aussprach. Darauf fiel die Hülle desselben unter den Klängen deS Hohenfriedberger Marsches. Als der Kaiser den Platz verließ, brachte der Kriegsminister ein dreifaches Hoch dem Kaiser aus, in welches die ringsum versammelten Menschenmassen enthusiastisch einstimmten. — Der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge ist die Nachricht, Fürst Bismarck habe die Absicht aufgegeben, den volkswirtschaftlichen Rat zunächst nur für Preußen zu berufen, irrtümlich. Der volkswirtschaftliche Rat solle ein Deutscher werden, vorläufig jedoch ein preußischer sein. Zur Herstellung der analogen Einrichtung für daS Reich bedürfe e« einer Verständigung der Regierungen untereinander und der Mitwirkung des Bundesrates. Durch kaiserliche Initiative könne dem volkswirtschaftlichen Rate eine beratende Einwirkung nur auf kaiserliche Entschließungen, nicht aber auf solche des BundeSratS zugeteilt werden. In Preußen dagegen fei der König als selbstständiger Faktor der Gesetzgebung berechtigt, jeden