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Lere,; Nr. 2S8

Marburg, Mittwoch, 3. November 1880.

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DerReichsanzeiger" schreibt: Die bisherigen Er­mittelungen über die Ursachen des Eiscnbahn-UnglückfalleS bei Courl lasten mit Sicherheit schließen, daß die Fahrge- schwtndigkeit deS Zuges größer gewesen, als für die drei­fach gekuppelte Lokomotive des Zuges polizeilich gestattet ist, in Folge dessen die Lokomotive in erheblich pendelnde Seitenschwankungen geriet, welche schließlich eine Entgleisung herbeiführten. Bezüglich der mehrfachen Eisenbahn-Unfälle in letzter Zeit sei zu konstatieren, daß keiner derselben durch einen Mangel in den Betriebsvorschriften oder in der Unterhaltung der Bahn und den Betriebsmitteln, sondern fast in allen Fällen durch die Nichtbeachtung positiver Vorschriften herbeigeführt wurde. Die Centralinstanz der Eisenbahnverwaltung habe in der Sachverständigen-Kom- Mission die Prüfung der Frage angeordnet, ob die geste­henden Vorschriften Lücken aufwcisen oder Bestimmungen

ralität Rast und Stillstand erbat, und damit das Er' brechen der Schlösser an den Thüren und Kasten auf dem Rathause aufhörte und die Stadtbriefe nicht ferner zerstreut würden, um eine Salvo guardi anhielt und diese auch erlangte; desgleichen habe ich die auf den Treppen, auf dem Gang und allenthalben zerstreuten Briefe aus dem Schmutze zusammengrtragen. Es ist auch bekannt, daß ich zur Erhaltung meiner Wohnung im Stadthause eine Salvo guardi mit 8 KönigSthaler erkaufte, damit des Hauses Thüren, Fenster, Tische und Bänke, wie auch meine eigenen darin liegenden 90 Mött allerlei Frucht mir verblieben. Auf Angabe des ge­fangenen UnterbürgermeistrrS, etlicher des Rates und der Bürgerschaft zur Beförderung ihrer Erlösung und der Stadt Wohlfahrt wurde ich durch Musketiere aus meiner Wohnung geholt und zum ProfoS geführt. Während meiner Abwesenheit wurden mir meine Kessel, mein Zinn und mein Bettwcrk geplündert.

Meine großgünstigen Herren wisten sich auch zwei­felsohne zu erinnern, wie ich vom ersten Tage der Er­oberung bis zum Abzug des Feindes als ein Stadt­bedienter von der Generalität und hohen Offizieren wegen gemeiner Stadt bald um Fleisch, Bier und andere ihre Notdurft geängstigt worden bin.

Die gefangen gewesenen Herren Schöffen, Herr Doktor Heilmann und andere werden mir genugsam Zeugnis geben können, wie ich wegen der gefangenen Schöffen, Vierer und Bürger und zur Erhaltung der Stadt Wohl­fahrt alle Tage bis in die Nacht hinein ohne Unterlaß, auch als die Leute vor und hinter mir niedergeschossen wurden, habe laufen müsten.

ES wird auch meinen hochgeehrten Herren nicht ent-

Zacharias Schmitt, Johannes Creutzer, Konrad Kolb, Peter Mai, Jeremias Selig; im Namen Seiner Kaiser­lichen Majestät unterschrieb und unterstegelte der General- Kommissar über das Kaiserliche Kriegsherr, der General- Wachtmeister und Obrist Graf Ernst von Traun. In dieser Obligation wird bestimmt, daß 6000 Rthlr. in der Ostermesse und 6000 Rthlr. in der Herbstmeste 1648 ge­zahlt werden mußten.

2) Eine Obligation über 2500 Rthlr. Glockengelder wurde mit dem General-Feldzeugmeister von Fernamont aufge­richtet und im Namen der Stadt Marburg unterschrieben von Helfrich Bange, Paulus Sauer, Mathäus Schrot, Antonius Kolb, Ludwig Didenzhäuser, Johannes Liebecher, Klaus Bayer, Heinrich Scheffer, Kaspar Giebel und mit dem kleinen Stadtstegel bekräftigt. Die beiden Zahlungs­termine sind Ostern und Herbstmesse 1648.

In ähnlicher Weise wie Doktor Heilmann machte sich um das Wohl der Stadt und der Bürgerschaft in jener traurigen Katastrophe der Stadtschreiber Johann Philipp CrolliuS verdient. Seine Verdienste finden sich ausge­zeichnet in einem an den Magistrat der Stadt gerichteten Schreiben, das folgendermaßen lautet:

Ehrenfeste, Hochgelehrte rc. großgünstige Herren!

Denselben ist sondern Zweifel bekannt, mit wa« für eifriger und treuer Fürsorge ich in Anno 1647 bet eilendem Sturm und Angriff der Kaiserlichen daS sil­berne Geschirr und die besten Hauptbriefe der Stadt bald hier bald dorthin getragen und auf diese Weise er­halten habe. Gleichfalls ist bekannt, daß nach gewalt­samer Eroberung hiesiger Stabt ich der erste war, der mit Leibes- und Lebensgefahr neben dem Herrn Magni­fico und dem Herrn Doktor Tielemann bet der Gene­

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Beitriige zur Geschichte der Stadt Mardurg.

Die Eroberung der Itadt und des Schlosses durch den niederhessischen General-Wachtmeister Johann Geise und der Versuch einer Rückeroberung durch den kaiserlichen Geueral-Feldmarschall Peter Melander, Grafen zu Holz­apfel, im 3«jShrtgen Krieg.

(Fortsetzung)

Um desto gefaßter dem Tode in'S Angesicht zu schauen, ließen sie zu dem Ende ihren Seelsorger, den DiakonuS an der Pfarrkirche, Herrn Otto Henckel, zu sich rufen und sich von ihm nach vorhergcgangener Buße und Beichte das hochwürdige Sakrament und Nachtmahl des Herrn Jesu Christi zur Vergebung ihrer Sünden und zur Erhaltung ihrer Seelen und Seeligkeit reichen. Zu diesen scharfen Drohungen von Seiten der Eroberer gesellte sich nun noch das Lamento der Gefangenen Weiber und Kinder und ihrer Angehörigen. Mit Rücksicht auf die Erhaltung ihres eigenen Lebens und die Zusprache von Seiten der Ihrigen entschlossen sich die gefangenen Ratsmitglieder und Bürger, den ihnen gestellten Akkord anzunehmen. Am 20. Dezem­ber 1647 wurden die Gefangenen auf das Rathaus ge­führt und daselbst

1) eine Obligation über 12,000 Rthlr. Ranzion- und Brandschatzungsgeldcr vor ihnen im Namen der Stadt Marburg unterschrieben und mit dem kleinen Stadtstegel untersiegelt. Die Namen der Unterzeichner sind diese: Johannes Schott, Helfrich Bange, Eberhard Bierau, Pau­lus Sauer, Matthäus Schrot, Antonius Kolb, Johannes Liebecher, Ludwig Didenzhäuser, Heinrich Scheffer, Kaspar Giebel, Erasmus Sömmeringk, Erieu« Sallich, Joachim Mann, Johannes Runckel, Jakob Rauschenberger, Lorenz Jeude, Peter Scherrer, Ludwig Lin«, Johann Kurt Scheffer,

April 1880.81 zur Klassen- und klassifizierten Einkommen­steuer veranlagten Personen" mitzuteilen. Die Seelenzahl nach den Klassensteuerrollen betrug 26,3 Millionen, der klassifizierten Einkommensteuer unterlagen 634,249 oder 2,40 pCt., befreit von der Klassensteuer waren 7,3 Mill, oder 27,80 pCt, klassensteuerpflichtig waren 18,4 Mill, oder 69,80 Prozent. Der Gesamtertrag der Klassensteuer betrug 44,1 Millionen Mark, der Gesamtbetrag der klassi­fizierten Einkommensteuer 33,5 Mill. Mark.

Mittelst allerhöchster Ordre ist dem Albert-Verein in Dresden gestattet worden, zu derjenigen Ausspielung von Kunstwerken, welche derselbe zum Besten des von ihm da­selbst errichteten Carola-HauS genannten Krankenpflege­rinnen-Asyls in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres zu veranstalten beabsichtigt, auch im diesseitigen Staatsgebiete Lose zu verteilen.

Viel Aufsehen erregt in England eine Rede des Mar­quis Salisbury, der jetzt gegen die auswärtige Politik des Cabinets Gladstone genau dieselben Anklagen erhebt, die noch vor einem Jahr gegen seine eigne Politik von den Whigs erhoben worden waren: man wisse gar nicht, waö das Kabinet eigentlich wolle, seine Politik sei dunkel und rätselhaft. Mit beißender Ironie behandelt Salis­bury die Blamage Gladstones in Sachen der von ihm ins Leben geruienen famosen Flottendemonstration. Aus dem österr. Rothbuche gehe hervor, daß keine Macht ihren Schiffen erlaubt hätte, zu schießen.Da hätte man doch

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Aenderung bedürfen.

die jetzt praktisch gewordene Frage der Klassen- und klassifizierten Ein­es nicht uninteressant sein, einige

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dem Abgeordnetenhaus- vorgelegten

Nachweisung über die Anzahl der für das Jahr vom 1.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d.Lnnoncen-Bureanr von E. L. Daube & So- in Frankfurt a. R; JSgerffche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhaudl. daselbst; Invalideudank in

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Bremen

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Tagesbericht.

Außer der in der Thronrede namhaft gemachten Vor­lage betr. das AuölührungSgesetz zur ReichS-Seuchenord- nung, dürften Seitens des Ministeriums für Landwirt­schaft, Domänen und Forsten noch eingebracht werden: eine Vorlage, welche die Wiedereröffnung der Rentenbanken zur Ablösung der Reallasten zum Gegenstand hat, sowie ein Gesetzentwurf gegen die Waldteilung und möglicherweise noch eine Vorlage, welche das Höferecht für Lauenburg regelt. _______________

Wie aus Hofkreisen verlautet, ist der Kaiser Franz Joseph durch die Sendung deS Grafen Brandenburg II. nach Trvppau, die aus Anlaß der Anwesenheit deS Kaisers in Oesterreich-Schlesien erfolgte, außerordentlich angenehm berührt und geradezu überrascht worden. Bei der ersten Audienz entschuldigte sich deshalb der Kaiser gegenüber dem Grafen Brandenburg, indem er scherzend darauf hin­wies, daß er nicht einen einzigen preußischen Orden zur Hand und angelegt habe. Am nächsten Tage jedoch er­schien Kaiser Franz Joseph bei der Tafel in preußischer Uniform und mit dem Bande deS Schwarzen Adlerorden«; beides war auf telegraphische Anweisung sofort aus Wien nach Troppau gesandt worden. Graf Brandenburg hatte alsdann auf besonderen Wunsch des Kaisers noch eine Audienz bei letzterem, wobei derselbe Veranlassung nahm, als den alleinigen Zweck der Unterredung die Bitte zu bezeichnen, dem Kaiser Wilhelm nochmals den herzlichsten und aufrichtigsten Dank für die ebenso freundliche al- glänzende Aufnahme und die mannigfachen Gunstbezeu­gungen auszusprechcn, die dem Kronprinzen Rudolf wäh­rend dessen letzter Anwesenheit in Berlin vom ganzen kaiserlichen Hose erwiesen worden find. Prinz Wilhelm wird sich, einer Einladung des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich folgend, zu dessen VermählungSfeierlichketten nach Wien begeben.

ebensogut sechs Waschtröge mit den bezüglichen Flaggen absenden können." Gladstone habe Deutschland und Oester­reich England entfremdet, der russischen Macht zu liebe, die von jeher den Interessen Englands zu schaden gesucht habe, wo sie nur konnte. Salisbury sagt über Gladstone was letzterer immer über Beaconsfield gesagt hatte:DaS Kabinet befolgt eine abenteuerliche Politik." Wie man sieht, haben in England nur die Rollen gewechselt.

Die Dulcigno-Angelegenheit scheint zu keinem Ende kommen zu sollen. Die Ermordung deS türkischen Kom­missärs durch die Albanesen hat entweder Riza Pascha eingeschüchtert, oder ihm erwünschten Vorwand zu weiterer Verzögerung gegeben, denn, wie aus Castelnuovo gemeldet wird, verständigte Riza Pascha den montenegrinischen Woi­woden Popovic, er müsse die Wiederaufnahme der Ver­handlungen vertagen, bis er neue Instruktionen auS Kon­stantinopel erhalten habe. 7000 Montenegriner concen- triercn sich neuerlich bei Jutorman, anscheinend in der Absicht, gegen Dulcigno vorzurücken. Der Pariser AgenturHavaS" zufolge hätte der Sultan Derwisch Pascha zum Generalkommissär mit der Vollmacht zur Ueber- gabe DulcignoS ernannt. Eine Depesche derAgence Havas" auS Ragusa besagt, Riza Pascha sei seines Postens enthoben und durch Derwisch Pascha ersetzt.

Deutscher Reich.

Berlin, 1. November. Heute Mittag 1 Uhr hat die feierliche Enthüllung des Denkmals des Feldmarschalls Graf Wrangel am Leipziger Platz stattgefunden, welcher der Kaiser, militärische Deputationen, die Spitzen der Ct- vilbehörden und die Generalität beiwohnten; der Platz war von einer großen Menschenmasse bedeckt. Der KrtegS- minister v. Kameke hielt eine Ansprache an dm Kaiser, worin er den Dank der Armee für daS Denkmal aussprach. Darauf fiel die Hülle desselben unter den Klängen deS Hohenfriedberger Marsches. Als der Kaiser den Platz ver­ließ, brachte der Kriegsminister ein dreifaches Hoch dem Kaiser aus, in welches die ringsum versammelten Menschen­massen enthusiastisch einstimmten. DerNordd. Allgem. Ztg." zufolge ist die Nachricht, Fürst Bismarck habe die Absicht aufgegeben, den volkswirtschaftlichen Rat zunächst nur für Preußen zu berufen, irrtümlich. Der volkswirt­schaftliche Rat solle ein Deutscher werden, vorläufig jedoch ein preußischer sein. Zur Herstellung der analogen Ein­richtung für daS Reich bedürfe e« einer Verständigung der Regierungen untereinander und der Mitwirkung des Bun­desrates. Durch kaiserliche Initiative könne dem volkswirt­schaftlichen Rate eine beratende Einwirkung nur auf kaiser­liche Entschließungen, nicht aber auf solche des BundeSratS zugeteilt werden. In Preußen dagegen fei der König als selbstständiger Faktor der Gesetzgebung berechtigt, jeden