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Jilaröurg, Sonntag, 31. October 1880.
XV. Jahrgang
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Anzeigen nimmt nngcgen: zte Expedition d.Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von Ltz, Dietrich & Eo. in staffel und Hannover; Lh Dietrich in Frankfurt a.M.; vaa'enstein & Bögler in zrantfurt a- M., Berlin, LetpziS' 2dln k.; Rudolf /'amt in Berlin, gtcn!» fi?rt a. M rc.
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Die Gx-eS. Oberh. Zeitung.
Deutsches Reich.
Berliu, 29. Okt. Die Abendblätter erklären, daß irgendwelche Acußerungen des Polizeipräsidenten v. Madai über den Oberbürgermeister Miquel bezüglich der ZutütlS- karten bei der Eröffnungsfeier des Frankfurter Opernhauses nicht existieren. — Die Folgen, welche für das nächste Rechnungsjahr im Hinblick auf den in der Thronrede verheißenen Erlaß direkter L>teueru auS dem 14-Millioneu- Ueberfchuß zu erwarten sind, stellen sich nach dem söge« nannten Verwendungsgesetz wie folgt dar: Laut gesetzlich getroffener Vorkehrung müssen dieselben benutzt werben, um einige Monatsraten an der Klassen- und Einkommensteuer in Wegfall zu bringen, und zwar reichen diese 14 Millionen ungefähr aus, um die zunächst zu erlassenden drei Monatsraten der Klassensteuer und der fünf untersten Stufen der Einkommensteuer den Steuerpflichtigen zurückzugeben. Das Einkommen von 420 bis 660 Di. hat also einen Steuererlaß von 75 Pfg., das von 5400 bis 6000 M. einen solchen von 40V* M. zu gewärtigen. Die große Menge Derjenigen, welche weniger als 420 M. und die kleine Zahl Derer, die mehr als 6000 M. Einkommen haben, können an diesen Nachlässen nicht beteiligt werden. Die Personen der vorgenannten Steuer- stufcu haben also, kurz gesagt, einen Erlaß in Höhe eines vollen Viertels ihres bisherigen Steuersatzes zu erwarten. Immerhin ein erfreulicher Anfang. — Der Ueberschuß der 14 Millionen aus den Staatseinnahmen, um zum Steuerlaß verwendet zu werden, wird von den liberalen berliner Blättern heute morgen bemängelt, weil ihnen hierin ein thatsächlicher Erfolg der Zoll- und Steuer- wie der Eisenbahnpolitik vor Augen liegt. Am widerwärtigsten sind die eigentlichen Bemerkungen der „Nat.-Ztg." Das Blatt schreibt: Wir sind eine gut erzogene Nation und wir hatten uns schon in aller Stille mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß wir uns für dieses Jahr noch mit dem leeren Portemonnaie begnügen müßten, daß uns aber im nächsten Jahr vielleicht ein Geschenk gemacht werden würde. Es ist auch im ganzen Lauf der Zeit nicht das geringste
Beiträge zur Geschichte der Stadt Marburg.
Die Eroberung der Statt und des Schlosses durch den niederhessische» General-Wachtmeister Johann Geise und der Versuch einer Rückeroberung durch Sen kaiserlichen General-Keldmarschall Peter Melander, Grase» zu Holzapfel, im 30jährige» Krieg.
(Fortsetzung)
Naumeier erkannte alsbald den Doktor Heilmann wieder, ließ sogleich abpacken und das Geraubte gutwillig zurückgcben; auch erhielt das Haus 2 Soldaten Schutzwache. Heilmann bemerkt jedoch, daß andere Soldaten ihm heimlich Schaden zugefügt und ein Loch in seinen Keller gebrochen hätten.
Nach kurzem Aufenthalte bei den Seinen in der Stadt ging Doktor Heilmann in Begleitung mehrerer kaiserlicher Offiziere wieder zurück in seine Wohnung am Steinweg. Die Plünderung war noch in vollem Gange, und er mußte sehen, wie bald hier bald da Soldaten sich an die Bürger wachten, sie schlugen und stießen mit ihren Gewehren und Geld von ihnen verlangten. Als die so mißhandelten Bürger Doktor Heilmann sahen, schlugen sie die Hände zusammen und baten ihn um Gotte« Willen, sich doch ihrer anzunehmen. Heitmann trug anfangs Bedenken, dieses zu thun, verstand sich jedoch auf wiederholtes eindringliches Bitten am andern Tage dazu, ging zu dem General«Feldzeugmeister von Fernamont und fragte ihn, cb er erlaube, daß er vor ihn trete und im Interesse der Bürgerschaft reden dürfe. Die Antwort Fernamont's lautete bejahend mit der Bemerkung, er solle für seine Person deswegen nichts zu fürchten haben, es wäre ihm sogar lieb, einen bekannten Mann in der Stadt zu finden, der ihm die Notdurft derselben vorbringen könne, weil dadurch viel
geschehen, um uns Hoffnungen einzuflößen; kaum daß man gestern von Ohr zu Ohr sich zuflüsterte, es werde vielleicht doch ein geringer Anfang mit Steuererlassen gemacht werden. Im größten Teile deS Landes ging man von der resignierten Betrachtung aus, es würde wohl für diesmal noch nichts werden. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß es ein geschickter Schachzug war, die Absicht eines Steuerlasscs zu verschweigen und sie heute mit der Kraft einer Ueberraschung wirken zu lassen. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß diese Ankündigung einen nicht unbedeutenden Eindruck hervorbringcn wird, der auch durch nachträgliche Erwägungen nicht leicht wieder auszu- löschcn sein wird. — Das „Berl. Tagebl." steht in der Mitteilung ein für die Reichstagssession und die nächsten Wahlen berechnetes Manöver der Regierung und bemerkt dazu: Von diesem Standpunkte aus betrachtet, ist diese Entlastungs-Verheißung der Thronrede ein schwerlich ungesetzliches Mittel der Wahlbeeinflusfung, das auf die Mafien der Bevölkerung kaum seine Wirkung verfehlen dürfte, jedenfalls aber dem Reichskanzler die Sorge um eine Majorität, welche ihm im Reichstage die neuen geplanten Steuern votiere, ungemein erleichtert. Hier wird es also von feiten der Volksvertretung ungemeiner Vorsicht bedürfen, damit, wenn sie die CharybdiS der Steuererhöhung vermeidet, ste nicht in die Scylla der Unpopularität gerät. — Die Jagdordnung befindet sich nicht unter den Vorlagen, welche in dieser Session zur Beratung gelangen sollen. Wie wir hören, sicht Die Staatsregierung von der Wiedereinbringung der Vorlage vorläufig ab, nicht, wie ein hiesige» Blatt nach einer parlamentarischen Korrespondenz mitzuteilen weiß, „weil ste den Schein vermeiden will, die in den Beratungen der Herrenhaus-Kommission hervorgetretenen Tendenzen zu teilen'" sondern deshalb, weil einerseits die bevorstehende Session des Landtag« bereits mit einem reichlichen Arbeitspensum belastet ist, und weil andererseits cs nach den bei den Beratungen des Feld- und Forstpolizeigesetzes gemachten Erfahrungen zweckmäßiger erscheint, die Vereinbarung deS ZuständigkeitSgesctzes sowohl als auch den weiteren Abschluß der Verwaltungsorganisationsgesetze zunächst eine Wiederberatung der Jagdord-, nung vorausgehen zu lassen, da letztere vielseitig den beiden letztgenannten Gesetzen angepaßt worden ist.
Darmstadt, 29. Oktober. Der Großherzog hat sich mit dem Erbgroßherzvg und allen Prinzesstnnen-Töchtern heute zum Besuch der kronprinzlichen Herrschaften nach Wiesbaden begeben. Dieselben werden am Abend wieder zurückkehren.
Offeubach, 29. Oktober. Nach einer am prinzlich hessischen Hofhalt in Schloß Rumpenheim eingegangenen Meldung ist die Herzogin von Cumberland, geborene Prinzessin von Dänemark von einem Sohne entbunden worden.
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Unheil verhindert würde; auch solle er dabei sein, wenn die Quartierzettel gemacht würden, weil seine Leute hier ganz unbekannt seien.
Doktor Heilmann erbat sich zunächst von dem Feldzeugmeister von Fernamont Einstellung der Plünderung, damit die Bürger in ihren Häusern wieder sicher wären. Einige Stunden darauf, am 4. Tage nach der Eroberung, ließ Fernamont nach geschehenem allgemeinen Trommelschlag durch einen kaiserlichen Herold die Plünderung und Schleppung der Bürger bei Leibes- und Lebensstrafe verbieten, zugleich aber auch bei derselben Strafe die Bürger auffordern, aus ihren Verstecken hervorzukriechen und sich in ihre Häuser zu begeben. Nachdem dies geschehen, wurden unter Bcihütfe Heilmannö mehrere Regimenter einquartiert. Unter diesen befanden sich auch die meisten Generäle. Auch der General-Feldmarschall Holzapfel wechselte auf kurze Zeit sein Quartier Kirchhain mit Marburg. Doktor Heilmann bemerkt in einem Schreiben, er habe sich durch die Teilnahme an der Einquartierung eine große Last auf den Hals geladen, bald seien die Soldaten mit ihren Quartieren, balü die Bürger mit den Soldaten nicht zufrieden gewesen. Ein Adjutant hätte ihm beinahe mit seinem Stock iuS Gesicht geschlagen, weil er ihm kein Billet auf sein eigenmichtig genommenes Quartier habe geben wollen. — Trotzdem die Einstellung der Plünderung verheißen war, so dauerte sie dennoch nach wie vor fort. Begegnete den Plünderern ein Bürger, der noch gut gekleidet war, so rissen sie ihm die Kleider vom Leibe und nahmen sie ihm hinweg. Schrieen die bedrängten Leute bei der Generalität um Hülfe, so wurden sie mit rauhen harten Worten angefahren, gescholten und ihnen auch wohl noch gar mit Schlägen gedroht. Gott haben ste gedankt, wenn sie un»
Stuttgart, 29. Ottober. Der „Schwäb. Merkur" bringt Berichte über Ueberschwemmungen aus fast allen Landesteilen, insbesondere vom Neckar aus Rottweil, Sulz, Rottenburg, Cannstatt und Heilbronn, von der Donau aus Tuttlingen und Ulm, ferner aus Oberschwaben, dem Schwarzwald rc. Jetzt ist das Wasser überall wieder im Abnehmen.
München, 26. October. Einem hiesigen Blatte, welches die Aufgaben deS SteuergesetzgebungSauöschufieS der Abgeordnetenkammer besprach und dabei die Frage stellte: „Warum will die Finanzexcellenz beim nichts von einer Börsensteuer wissen?" ist im Auftrag beS Herrn Staatsministers v. Riebel ans bem Staatsministerium der Finanzen die folgende, mehrfache Aufschlüsse erteilende Erwiderung zugegangen: „Zur Beantwortung dieser Frage sei zunächst darauf hingewiesen, daß eine bem Zwecke vollständig genügende Börsensteuer nach der Natur der Sache nicht von Baiern allein, sondern nur vorn Reiche aus eingeführt werden kann, und daß die königlich bairische Regierung dem für das Reich vorbereiteten Börsensteuergesetzentwurfe zugestimmt hat, und zwar unter persönlicher Mitwirkung des bairischen Finanzministers bei den desfallsigen Verhandlungen im Bundesrate. Abgesehen hiervon hat der dermalige Finanz- Minister in dem Gebührengesetzc dem Landtage Vorschläge unterbreitet, um die mobilen Werte und deren Bewegung in weit größerem Maße als früher zu der Gebührenbewertung heranzuziehen. Da diese Vorschläge vom Landtage unverändert angenommen wurden, so ist thatsächlich nicht bloS derjenige Teil des Reichsbörsensteuer-Gesetzentwurfs, welcher sich zur allgemeinen Einführung in einem Ver- kehrögebiet wie Baiern eignet (Emissionsgebühren von In- haberpapieren, Besteuerung der Lombarddarlehen und oer Lotteriegewinnste) feit 1. October 1879 in Baiern Gesetz, sondern es werden auch außerdem erhöhte Gebühren für die Gründung von Aktiengesellschaften rc. erhoben. Der Finanzminister war ferner allen Ernstes bemüht, den Defraudationen der Kapitalrentensteuer entgegenzuwirken, und es kann in dieser Hinsicht mitgeteilt werden, daß bei der im Jahre 1880 vorgenommenrn Neuregulierung der Kapitalrentensteuer um mehr als 25 pCt. Renten mehr angemeldet und zur Steuer herangezogen wurden, als bei der Kapitalrentensteuer-Regulierung vom Jahre 1877. Vorstehende Thatsachen werden genügen, um die Stellung des bairischen Finanzministers zur Börsensteuer und überhaupt zu der Besteuerung des mobilen Kapitals zu kennzeichnen. Andererseits hat der Finanzminister ungeachtet der bekannten Finanzlage des Staates nicht gezögert, gelegentlich des Gebührengesetzes auf die Entlastung des Grundbesitze- hinzuwirken, und es wurde in Folge dessen, insbesondere durch Beseitigung der drückenden sogenannten BesitzveränderungS- taxe beim erbschaftlichen Uebergange von Liegenschaften auf die nächsten Familienangehörigen, durch Wegfall deS Gra-
verletzt und ungeprügelt nach Hanse gekommen sind und ihr endliches Verderben haben ansehen müssen.
v Die Kunde von der Gefangennahme der beiden RatS- herren war wie ein Lauffeuer durch die Stadt gegangen, und die Furcht vor gleichem Schicksal hatte die übrigen auS dem Rate teilweise in Verstecke getrieben, andere hatten durch Heilmannö Beihülfe das Weite gesucht. Diejenigen nun, welche den Worten des kaiserlichen Herolds Vertrauen schenkten, kamen au8 ihren Verstecken hervorgekrochen und ließen sich sehen, wurden aber sofort, so viel man deren habhaft werden konnte, nebst etlichen aus der Bürgerschaft, von oen dazu bestellten kaiserlichen Offizieren und Soldaten aufgegriffen, hi die Stockhäuser bei die Profosen (Regi- mentsstockmeister) gesetzt und von diesen Tag und Nacht bewacht. Am andern Tage führten die Profosen unter einer Bedeckung von Soldaten die Gefangenen zunächst vor den OberkommissariuS Hofmann, bann von diesem vor den General-Auditeur Groß, der folgende Ansprache an sie hielt: Sie, wie die ganze Bürgerschaft seien Rebellen, die sich hätten gelüsten lassen, wider des Kaisers Majestät Armee zu opponieren und die Waffen zu ergreifen. Wegen ihrer Treulosigkeit gegen den Kaiser und ihren rechtmäßigen Landesheren, den Landgrafen Georg II. von Hessen-Darm- stabt, feien Ihrer Majestät mit Leib unb Gut, Ehr und Blut, Weib und Kind verfallen und verdienten, daß ihnen die Köpfe abgeschlagen und auf Phähle gesteckt, ihre Leiber gespießt unb sie auf blefe Weise vom Leben zum Tobe gebracht würben; daß ble Stabt in Braud gesteckt, die Häuser abgebrochen, eine Säule dahin gesetzt unb ein Galgen darüber gemacht würbe, zur ewigen Schaube unb zum Spott ihrer Kinber unb Nachkommen, baren ste sehen sollten, wie mit ihnen einst verfahren worden fei; wofern aber dir