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JKarÖurg, Frcüag, 29. October 1880.

XV. Jahrgang

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Beiträge zur Geschichte -er Stadt Marburg.

Die Eroberung der Stadt und des Lchlosfes durch den »iedcrhcsstschen General-Wachtmeister Johann Geise und der Versuch eiuer Rückeroberung durch Sen kaiserlichen «eneral-Feldmarschall Peter Melander, Grafen ;u Holz­apfels im Svjährtgeu Krieg.

(Fortsetzung)

daselbst; Javatidrudarck i» L-rlia; W ThieneS in Elberfeld; L. Schlotte « Breme».

30.

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* Berlin, 27. Olt. Zum crften Mal seit langer Zeit wird morgen eine Thronrede im Stande sein, in Bezug auf die Finanzen eine Besserung anzukündigen, wenigstens im Ordinarium bleiben die Einnahmen dieses Mal nicht hinter den Ausgaben zurück, und nur die uner­warteten Ausgaben des Extraordinariums erfordern eine außerordentliche Deckung. An dem Aufschwünge der Fi­nanzen sind nicht bloS die Reichssteuern beteiligt, sondern was noch erfreulicher ist, auch die Ueberschüsse der Betriebs­verwaltung, besonders der verstaatlichten Eisenbahnen. Im Ordinarium des Etats wird ein erheblicher Ueberschuß nachgewicsen werden, auf Grund dessen ein erster Nachlaß der Steuern schon in der Thronrede wird angekündigt werden können. Wie verlautet, handelt es sich dabei um 14 Millionen, welche als Steuererlaß verwendet werden sollen. Eine allgemeine Reform der direkten Steuern wird weiter beabsichtigt, jedoch soll schon jetzt mit einer teilweisen Erleichterung vorgegangen werden. UebrigenS wird der Landtag nicht erst aus dem Staatshaushalt mühsam die Daten zu entziffern haben, welche die Ver­staatlichung der Eisenbahnen angehen, sondern es liegt in ider Absicht, eine ausführliche Denkschrift darüber vorzu- legen, wie auch die Gesetzentwürfe, welche das Abgeord­netenhaus in Bezug auf die Sicherheit der Verwaltung der Eisenbahnen ausdrücklich verlangt hat, demselben zu­gehen sollen. Wie bereits verlautet, wird der Minister des Innern die Session in hohem Maße in Anspruch nehmen, indem die in der vorigen Session nicht zur Er­ledigung gekommenen Gesetze namentlich daö Kompetenzgesetz, wieder vorgelegt werden sollen, und außerdem die Aus­dehnung der Verwaltungsreform zunächst auf einige Pro­vinzen in Aussicht genommen ist. Daß diese demnächst auch für die westlichen Provinzen beabsichtigt ist, jedoch nur zur Sicherung des Zustandekommens, schrittweise vor- gegangen werden soll, darf als unzweifelhaft gelten. Der Kultusminister wird wohl nur das Gesetz für die Wittwen

Anzeigen nun au entgegen Me Expedition d.vlattei sowie d.Annoncen-Bureau von Th, Dietrich & Eo. i staffel und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt a.M. Haaienstein -i Bogicr ii Mursurt & M., Berlin Löl« k.; Nubol

Stoffe i» Berlin, Frau« fett i-_«

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Anzeigen nimmt entgegnt die Expedition b. Blatte» sowie d. Ännoncen-Bureaux von L- Daube L So. in Frankfurt a. M; Jtgerffche Buchhandlung daselbst; Hermannssche Buchhanol.

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Von Seiten der Vertreter der Bürgerschaft hatte man gegen die Huldigung bis auf das äußerste protestiert, weil Landgraf Georg sie von ihren Unterthanenpflichten noch nicht entbunden hatte und auch nicht entbinden wollte, und sie sich zur Uebernahme neuer Pflichten gewissenshalber nicht entschließen konnten. Als der Generalmajor Geise zuletzt mit den schärfsten Gcwaltmaßregeln drohte, fügte man sich w das Unvermeidliche, aber mit schwerem Herzen. Der Bürgermeister wurde zuerst aufgcfordert, Handgelöbnis zu ihun. Er trat vor, reichte dem Generalmajor Geise die Hand und sprach:Dieweil ich dann soll und muß schwören, rbn von meinem gnädigsten Fürsten und Herrn der teuren Pflichten, so ich geleistet, noch nicht erlassen bin, und hier­durch Gott erzürne und die große Sünde begehen möchte, dls will ich dieselbe Sünde demjenigen so schuldig an dieser Aktion in sein Gewissen und anheim geschoben haben." Dem Bürgermeister folgten der Rat, die Zünfte und die ^nze Bürgerschaft und reichten im Vorübergehen dem

«I Generalmajor die Hände. Darauf wurde die Eidesformel l KW «och einmal vorgelesen und dann der Huldigungseid mit <cc iwei^oufgehobenen Fingern geleistet.

. Die Bürgerschaft Marburgs wurde erst nach dem Frie- deiwschlnsse in 1648 ihrer Unterthanenpflichten von Land- Georg II. von Hessen-Darmstadt entbunden.

und Ganzen heilsame Früchte getragen haben; vielmehr ist eS nur zu wahr, daß viele dieser Lehrervereinigungen eine Bahn betreten haben, auf welcher das wahre Wohl der Schule nicht gedeihen kann. ES ist offenkundig und die Beratungen und Beschlüsse periodischer VereinSvcrsamm- lungen sowie die Kundgebungen der al» Vereinsorgane dienenden Lehrerpresse lassen keinen Zweifel, daß in diesen Vereinigungen diejenigen Elemente mehr und mehr die Führung an sich genommen haben, welch- in der an und für sich durchaus lobenswerten engern Verbindung unter den Berufsgenossen nicht sowohl eine Gelegenheit zu innerer geistiger und fachgemäßer Fortbildung, als vielmehr ein Mittel zur Förderung von Tendenzen und Bestrebungen erblicken, die in dem wahren Interesse der Schule und der an ihr Wirkenden keine Wurzel haben. Auf diese Weise ist es dahin gekommen, daß viele Lehrervereine, statt ihren Mitgliedern den Segen eine« wahrhaft geistig-sittlichen An­halts zu bieten, zu Herden agitatorischer Sonderbestrebungen geworden sind. Die gemeinsamen charakteristischen Merk­male dieser Bestrebungen: eine ungemessene Ueberschätzuna des eigenen Wissens und Könnens, die Pflege und Ver- breftung übertriebener Aufforderung an äußere Stellung und Anerkennung, die Abneigung, sich der Autorität der vorgesetzten Aufsichtsbehörde unterzuordnen, das systemati­sche Bestreben, den in dem christlichen Charakter unserer Volköerziehung wurzelnden Zusammenhang zwischen der Schule und der Kirche zu lockern oder ganz zu lösen, die unverhüllte agitatorische Parteinahme für extreme poli­tische Richtungen, das weder durch ausreichende Sachkennt­nis, noch durch irgend ein genügend reifes Urteil unter­stütztes Absprechen über die wichtigsten staatlichen und pädagogischen Einrichtungen lassen erkennen, daß ein großer Teil der Lehrervereine auf Abwege geraten ist, welche eine

®eta$r für die gedeihliche Entwickelung unseres Volksschulwesens in sich tragen. Ich betrachte es daher als eine Pflicht der staatlichen Unterrichtsverwaltung, nicht nur dem Elementarlehrerstande diese Gefahr rückhaltSlo» vor Augen zu stellen, sondern auch ihm in einem frei- willigen organischen Anschlüsse an seine natürlichen Auto­ritäten, also an seine Lehrer und Vorgesetzten, dasjenige »n Wirklichkeit zu bieten, waS er bisher zum Teil auf Irr­wegen vergeblich versucht hat.

Hannover, 25. Oktober. Se. Excellenz der KuliuS- uunister Herr von Puttkamer ist, wie derHann. Kourier berichtet, heute Nacht hier eingetroffen und im Hotel Royal abgestiegen. Derselbe inspizierte Vormittags die Lyceen, wohnte der Feierlichkeit der Grundsteinlegung der Drei- falttgkeitökirche bei, dinierte bei dem Herrn Oberprästdenten von Leipziger und setzt morgen früh die Reise nach GoSlar fort. Bei dem Besuch, den der Herr Kultusminister der technischen Hochschule abstattete, wurde derselbe, wie da» Blatt ausführlicher mitteilt, im Portale des UnterrichtS- den Vorstädten, den Mühlen, dem Vorwerk Schwan und an dem Berg nach dem Schlosse hin Wachtposten auf. Das Wohnhaus des gewesenen Oberschultheißen und Dok- torS der Rechte, Georg Adam Heilmann, am obern Stein- weg in der Nähe des KesselthoreS, jetzt Nr. 408, hatten sich die Kaiserlichen ganz besonders zu einem ihnen sehr vorteilhaften Posten ausersehen.

Vor dem kaiserlichen Einfall waren an 100 geflüchtete Bürgers- und Bauersleute mit ihrem Gepäck in Heilmann« offen stehendes HauS eingeschlichen, bevor es der Hausherr gewahr geworden. Die Leute verblieben sämtlich in der damals sehr ausgedehnten Hausflur. Als die Belagerer an den Steinweg kamen, eilte ein kaiserlicher Obrist namens Don Felix mit einem Kapitän und einer Kompagnie Fuß- volk nach HeilmannS verschlossenem Hause. Es wurde dasselbe nilit mit Gewalt erbrochen, sondern nur vernehm­lich an die Hausthüre gepocht. Doktor Heilmann, der mit fernem Diener, einem Skribenten, das HauS allein be­wohnte, verließ mit diesem, der 2 Lichter in seinen Händen trug, ftln Zimmer, eilte in die Hausflur und öffnete die Hausthür. Der Anblick der Leute machte die Soldaten stutzig; sie traten nicht sogleich ein, sondern ließen erst durch etliche ihrer Leute rekognoszieren. Als sie vernahmen, daß es meistens geflüchtete Bauersleute seien, erklärten sie Dv'tor Heilmann, sie müßten in seinem Hause einen sicheren Posten fassen; er möge nur bei ihnen bleiben, es folle rhm kein Leid geschehen, allein die geflüchteten Leute mutzte er aus seinem Hause entfernen. Weil sich die armen Leute aber vor dem Plündern und Schlagen so sehr fürch­teten, baten sie Don Felix, er möge ihnen doch einige Utt« strosfizrere zugeben, daß sie ohne Gefahr an einen andern Ort kamen. Der Obrist willigte sofort in ihr Begehren

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ter Lehrer verlegen. Aus dem Ressort des landwirtschaft­lichen Ministeriums soll ein Viehscuchengesetz, wohl im Anschluß an das bekannte Reichsgesetz vorgelegt werden. 3U Betreff dcS Volkswirtschastsrats hört man, daß eine Vorlage weder an den Landtag noch an den Reichstag zu erwarten ist. Wenn eine allerhöchste Verordnung in Bezug darauf erlassen werden soll, so ist dazu weder in Preußen noch im Reiche die Mitwirkung parlamentarisch notwendig. UebrigenS gilt es nicht für wahrscheinlich, daß der Volks- wirtschaftöral nur für Preußen ins Leben treten wird, da bei der Behandlung der Handelsangelegenheiten der Ge­sichtspunkt geltend war, daß einen preußischen Handel nicht mehr gebe, sondern nur einen deutschen. ES dürfte wohl überflüssig sein, ausdrücklich zu konstatieren, daß die Regierung zu der Frage über das Präsidium des Abgeordnetenhauses keine Stellung nimmt, da dieselbe lediglich ein Internum des HauseS betrifft. Es scheint jedoch nicht, als ob die Frage so einfach durch Akklamation erledigt werden wird, wie man vor Kurzem annahm, doch hofft man, daß sie spätestes am Freitag zu Ende geführt werden wird, so baß am Sonnabend nach Konstituierung deS HauseS der Staatshaushallsetat vorgelegt werden kann. Nach den Bestimmungen des Reglements, betreffend die unentgeltliche Benutzung der Staats- uns unter Staats­verwaltung stehenden Eisenbahnen zur Beförderung von Personen und Gütern vom 8. Juni 1880, kann bei Ent­lassungen aus dem Dienst den Beamten und Angehörigen derselben die freie Fahrt und der freie Effektentransport nach dem von ihnen gewählten neuen Wohnort bewilligt werden. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Direktionen ermächtigt, diese Bewilligung auch noch inner­halb 6 Monaten nach dem Tage der Entlassung dann eintrcten zu lassen, wenn der Umzug aus triftigen Gründen verzögert worden ist. In einem weiteren Erlaß wird be­stimmt, daß für dm Schulbesuch die freie Fahrt auf die dritte Wagenklasse zu beschränken ist.

Der Unterrichtsminister hat erst unterm 20. v. M. die Volksschullchrer-Konferenzen an den Lehrersemi­naren aus's Neue eindringlichst empfohlen, weil diese Ein­richtung erfahrungsgemäß die erfreulichsten Erfolge gehabt hätte. Aber nicht nur nach der Richtung der sachlichen Weiterbildung, auch nach einer anderen Seile wünscht der Minilter die Wiederbelebung beziehentlich Verallgemeinerung solcher periodischen Lehrerkonferenzen uns fährt dann fort: Unleugbar ist in unserem Lehrerstande daö Bedürfnis, durch ein engeres kollegialisch - korporatives Aneinanderschließen ihren nachteiligen Einflüssen auf oas gesamte amtliche und außeramtliche Leben sich zu entziehen, in weitem Umfange verbreitet. Aber kein wahrer Freund der Volksschule wird der Meinung sein, daß die von einem Teil des Lehrcr- tandes auf dem Boden der ausschließlichen Selbsthülfe seit einer Reihe von Jahren gemachten Versuche im Großen

Der Verlust der Stadt und deö Schlosses Marburg war für Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt zu bedeutend, als daß nicht Gedanken an eine Rückeroberung tu seiner Seele aussteigen und zur Reife gelangen sollten. Hessen - Kassel war 2 Jahre lan, in unbehelligtem Besitz öon Marburg geblieben, da erschien eines Tages im No­vember des Jahres 1647 Landgraf Georg bei dem kaiser­lichen General-Feldmarschall Peter Melander, Grafen zu- Holzapfel, im kaiserlichen Lager zu Treysa, um sich meßen eine« Angriffs von Marburg mit ihm zu besprechen. Der damalige niederhessische Kommandant der Stadt und deö Schlosses Marburg, Johann Stauff, der von dem Besuche des Langrafen im kaiserlichen Lager und von dem daselbst gefaßten Beschlüsse, daß Marburg angegriffen werden sollte, Kunde erhalten hatte, versäumte es nicht, schleunigst der Landgräfin Amalie Bericht zu erstatten. Diese unterstellt kurz danach in einem Briefe vom 29. November 1647 ihrem Obristlieutenant Mai Stauff'ö Bericht und bemerkt dazu noch fönendes:Die Stadt kann sich nicht lange halten, daö Schloß aber ist befestigt, daß er verhoffentlich, wenn er es angreifen sollte, daran Arbeit finden wird, und halten wir uns auf solchen Fall des Herrn General-Feld- marfchalls Wrangels Hülfe zum Ersatz gänzlich versichert." Wie die hohe Frau eS vorausgesehen, so kam es. Am 24. November 1647 brach die kaiserliche Armee von Treysa auf und zog nach Neustadt und Kirchhain. Auf gegebene Ordre des General Feldmarschalls Grafen Holzapfel rückte von da Zie Infanterie und etliche Regimenter Kavallerie unter der Führung des General-Feldzeugmeisters und Obristen Franz^von Barditz, Freiherrn zu Fernamont, vor Stadt und Schloß Marburg. Abends zwischen 9 und 10 Uhr sielen die Belagerer in Weidenhausen ein und stellten in