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Marburg, Donnerstag, 28. October 1880.

XV. Fa-rgaig

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Beitrüge zur Geschichte der Stadt Marburg.

Die Eroberung der Stadt und des Schlosses durch den niederhessischen General-Wachtmeister Johann Geise und der Versuch einer Rückeroberung durch de» kaiserlichen General-Fcldmarschall Peter Melander, Grafen zu Holz­

apfel, im 30jährigen Krieg. 4

(Fortsetzung)

Die Bürger mußten anfänglich die einquartierten Sol­daten und Offiziere nicht nur verköstigen, sondern an sie noch alle 10 Tage 100 Rthlr. ServiS entrichten. Da rem Verpflegungsreglement vorhanden war, so entstanden bald Streitigkeiten zwischen den Offizieren und Bürgern wegen der Traktamente, insonderheit wegen des vielen Wein« den die Offiziere in den Schenken auf Rechnung der Bür­ger getrunken hatten. Auf die Bitte des Magistrats erließ der Generalmajor ein Reglement, allein nach 14 Tagen Wrte dieses wieder auf, die Offiziere und Soldaten er­hielten Löhnungsgelder und mußten von da an sich selbst verköstigen.

Bald danach hatten beide, der KriegSkommifiar und auch der Generalmajor, sich verlauten lasten, weil die «ladt der Verköstigung nunmehr enthoben, solle sie mit «ner Kricgskontribution belegt werden. Um dieses zu ver- Mdern, beschloß der Rat mit Zustimmung der Zünfte und Gemeinen den beiden genannten Herrenmit einem Präsent unter die Augen zu gehen", welchem Beschlüsse auch die fürstlichen RegierungSräle beitraten. Für jeden der Herren wurde ein silberner Pokal, ä 70 Rthlr., bei dem Gold- mteb Christoph Schultheiß ausgesucht, überreicht und an­genommen. Dem Generalmajor war auf dem Rathause, wohin er eingeladen, eine Ohm Wein überreicht worden. °et Überreichung des Pokals erinnerte er sich des ersten

erhaltener königlicher Sanktion zur Einbringung gelangen. Der gestrige Ministerrat hat sich, wie man hört, vorzugsweise mit der Rede zur Eröffnung des Land- Ä, ne[($e, Unfalls von dem Vizepräsidenten Grafen Stollberg gehalten werden wir.-, beschäftigt. Dieselbe wird dann in gewohnter Weise dem Könige unterbreitet werden.

Unter den Vorlagen, welche den Landtag beschäftigen Sn' t6 .au$ eilte in Bezug auf die lang ventilierte Angelegenheit des Tiergartens bei Berlin Der­selbe gehört bekanntlich mit dem Zoologischen Garten, der Fasanerie und dem sogenannten Seepark noch zum Kreise Teltow, obgleich er in allen Beziehungen des öffentlichen Lebens mit der Stadt Berlin in engster Verbindung steht auf allen Seiten, von Berlin und Charlottenburg um- er nicht einmal räumlich mit dem Ärei e Teltow zusammenhängt. Die Interessenten haben sich sammtlich für Jncornmunalisieru-ig in Berlin erklärt Ein dahm zielendes Gesetz dürste in der nächsten Session zur Vorlage kommen. Es ist die Frage aufgeworfen worden, weshalb die Ausführungsbestimmungen, d. i. die Instruktion zu dem Kirchengesctz, betreffend das Ruhege- halt der emeritierten Geistlichen vom 26. Januar d * nodj nicht zur Publikation gelangt sind. Wie ich höre Sweben zur Zeit zwischen den beteiligten Ressorts die Verhandlungen über die Einrichtung der mit dem 1. April t. I. durch dieses Gesetz notwendig werdenden Kassen­stellen. sobald diese Verhandlungen, die nur eine innere ^^°"Msangelegenhelt betreffen, beendigt sind, werden die AusfuhrungSbestlmmungen bekannt gemacht werden Die Frage,, ob die Verwaltungsbehörden überhaupt befugt sind diejenigen Eltern, welche ihre Kinder in die Volks- ES ?tCf«,-JlU^.3tt)ana8roei^ rur Beschaffung der not­wendigsten Bucher für tue Schulkinder anzuhalten, ist nach

F°lg' emes Spezialfalles ergangenen Rescript der Minister des Innern und des Kultus unbedingt zu denn wie die Schulaufsichtsbehörde befugt ist, den Schu besuch selbst zu erzwingen, ebenso erscheint sie auch b£fA9-'<?U ®lor0UI1Ö der Elementarschüler mit den vor- geschrlebenen Buchern zwangsweise durchzuführen. Aus SS Bestimmungen ist ersichtlich, wie ein

des Kultusminister vom 14. Oktober hervorhebt, baß die erfolgte Aufhebung der Verordnung wegen Er- stattung von Saultätsberichten sich nur auf die nicht im Staatsdienste stehenden Medizinalperfonen bezieht Es daher keinem Zweifel, daß die Kreiswundärzte zur Erstattung von QuartalS-SanitätSberichten verpflichtet sind und daß dieselben selbst da, wo sie von einer 9te» gierinig hiervon entbunden sind, anzuweifen sind, solche Berichte wieder aufzunehmen. Dieselben sollen an den ^Vjlfnö des Kreises als Beitrag zu dem von letzterem zu erstattenden Krcls-Sanitätsberichten eingesandt werden Es ist eine oft hervorgehobene Thatsache, daß die Vieh-

Rach einem 18tägigen Aufenthalte verließ am 5. De­zember der Generalmajor sein Quartier und die Stadt, um nach kurzer Zeit, als seine Gegenwart erforderlich war, wieder zu erscheinen. Bor seinem Abzug ließ er durch seinen Sekretär dem Magistrat anbeuten, weil er wegen Mangels der Quartiere in der Stadt nicht hätte einloaiert werben können, fei er in das deutsche Haus gezogen habe aber dem Herrn Komtur viele Mühe und Unkosten ver- ursacht, der Rat möge deshalb gegen genannten Herrn sich dankbar erzeigen. ^Hierauf wurden die Herren Fisler, Klun^ Schott und der Stadtfchreiber als Deputierte erwählt und zum Komtur in das deutsche Haus geschickt. Dem aus- m bie 0e^abte Mühe und Unkosten fugten sie noch hinzu:weil der Herr Landkomtur ein lieber Herr und der Stadt Patron sei, so «eben fle (1A ber Hoffnung hin er würde ihr Elend berücksichtigen und 8% «° bte Bürgerschaft sich dessen zu bedanken

habe. Der Komtur entgegnete hierauf er kenne bet armen Bürgerschaft Zustand gar wohl, wenn" es sich um ein paar Tage handelte, bann würde er keine Entschäbiguna hiSnSsm1 <Slanfle 0e:aucrt hätte und 7 b ö 8 Ohm Wem nebst vielem anderen daraus gegangen, ohne die Fourage für dre Pferde, so könne er, wenn er "Achten wollte, solches gegen den deutschen 2CJ"3 bw,ltroortU' aber, Weil die Stadt den Gmeralmajor hätte verpflegen müssen, daß sie seinen Schaden mcht begehre, die Herren möchten noch einmal mit dem Generalmajor Ruckfprache nehmen und dann wieder bei tbm vorsprechen. Die Deputierten teilten dem General- major vorstehende Unterredung mit, worauf dieser erwi- berte.er fei dem Herrn Landkomtur allbereits selbst mit etwa« an bte Hand gegangen, obwohl die Stadt alle« zu

ftnjetgen nimmt entgegen: dir Expedition ».Blatte», sowie d.Annvncen-Gureaus von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Krankfurt a M., Berlin, Lripzig, Cöln i.; Rudolf Dlofle ia Berlin, Staub brt -r. R tl

und Pferdeprämiierungswesen einen bedeutenden Einfluß auf die Entwickelung der Viehzucht zur Folge hat. Dieß hat auch das König!. Landes Oekonomiekollegium in feiner in diesem Jahre abgehalteneii Sitzung ausgesprochen, in« bem der Ansicht des betreffenden Referenten,daß das M Zett geltende Prämiierungsverfahren, wie es von der Staatsregierung für ihre Beihilfen obligatorisch hingestellt sA burchweg als zweckmäßig bewährt habe und daß aller Orten sichtbare Erfolge der staatlichen Maßregeln zur Hebung ber Tierzucht sich beobachten ließen" bei- und den Antrag, daß der Minister dringend zu er- such/n fei, dst bisher et wähnten Staatsbeihilfen unter den bi«ber festgehaltenen Bedingungen den Centralhauptvereinen auch ferner zuzuwenden, annahm. In Bezug auf das agrikultur-chemische Versuchswesen in Preußen gibt ber nunmehr veröffentlichte Jahresbericht für 1879 an daß neben den beiden in PreSkau und Poppelsdorf beftebenben Akademien 16 Versuchsstationen existieren

Hannover, 22. Oft. Die in der Presse in letzter ötelfaj ventilierte Frage wegen Wiedereinführung ber Prügelstrafe beschäftigte am 21. den hannoverschen Provinzial-Landtag, anläßlich ber Beratung über Abände­rung des Reglements über die Verwaltung des provinzial- stäiiden WerkhauseS in Moringen, v. Hinüber stellte dabei den Antrag, körperliche Züchtigung bis zu zwanzig Hieben unter gewissen Einschränkungen für zulässig zu er­klären. Der Antrag wurde damit motiviert, daß bie Korrigenden, welche in den Werkhäusern untergebracht schlimmer feicn' a[« die ärgsten Verbrecht Bis zum Jahre 1872 fei die körperliche Züchtigung in ^,°rmgen in Gebrauch gewesen, jeder Sträfling habe bei Ankunft und Abgang eine Tracht Schälge erhalten ieht

Beseitigung b-x Prügelstrast, sei di/Zahl der KoÄ genben sehr bedeutend gewachsen. Grnmbrecht (Ober­bürgermeister vor Harburg) und v. Linstngen (Bürger- melster von Uelzen) bekämpfen den Antrag, andere Redner, namentlich von der Rltterschast, sprechen lebhaft dafür. Schatzrat Hugenberg äußert sich dahin: Es sei ein Irrtum, wenn man blos von der Einführung der Prügelstrafe ein Abnehmen der Bagabondage erwarte. Das Ueberhand- Äoi0c.nben sei hauptsächlich eine Folge der wittschastlichen Krisis, mit deren Beseitigung würde sich mch die Zahl der Inhaftierten verringern. 9 Oie Prügel- trafe fet dis 1872 sehr wenig in Anwendung gebracht, sie )Qbe öum Teil günstig gewirkt, aber auch den entgegenge- E-/? .^'rsolg gehabt. Daher erwarte man von ihrer ©itiittdnfu^iing nicht zu viel. Bon anderer Seite wur- den noch Bedenken ausgesprochen, ob ber Antrag an ent- !£rafcetf stelle Erfolg haben werbe. Nachdem noch v. Hammestem-Loxten aus Mecklenburg hingewiesen hatte, daß die Vagabonden ängstlich würden, weil sie hier Ghpö und Kleie treten müßten - eine Annahme, die

Buchhandlung das ettft; Hermannffche Luchhandl. dasrldst; Jnvalidendauk ti Berlin; fit ThieneS in Aderfeld ; 6. Schlotte ia Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d-Annoncen-Bureanx von @. L- Daube & Co. in

®?en?LU,lb^ctfl)ra^ "baß er sich hinwieder zu allen und möglichen Dingen der Bürgerschaft willfährig und ge- fliffen erfinden lassen wollte." 0

Am Abend des 16. November 1645 begehrte der in- ttrimistlsche Stadtkommandant Major Winkelstern vom Magistrat die Eröffnung des Rathauses. Der Tanzboden im Parterre wurde aufgeschlossen. Vor Mitternacht kam em bepackter Wagen mit 7 Pferden zum Lahnthor herein der vor das Rathaus gefahren wurde. Die Pferde blieben eingespannt bis Mitternacht. Zwischen 11 und 12 Ubr ftettten sich einige 100 Musketiere mit ihren Gewehren auf dem Markte auf, andere trugen Leitern herbei, dann wurde der Packwagen geöffnet, Hacken, Bickel, Schippen u a demselben entnommen und unter die Soldaten verteilt wieder andere trugen Faschinen auf den Tanzboden, worauf sich dann die Mannschaft in Ordnung stellte, die Leitern voranfchickte und zum Barfüßerthor hinaus marschierte.

Am 17. November wurde es ruchbar, daß die nieder- hessischen Soldaten hinter dem Schlosse den landgräflichen Lustgarten eingenommen und sich verschanzt hätten. Nach­mittags kam der Generalmajor Geise in Begleitung von 450 Musketieren und einem Regiment Reiter hierselbst an. Der Generalmajor nahm sein Absteigequartier im deutschen Hause bei bem Landkomtur Georg Daniel von Habel und der Major Gleim bezog die Krone, jetzt Hotel Ritter, die Musketiere wurden am Steinweg, Rodengraben, Ketzerbach Pilgrimstein und Grün, und das Regiment Reiter, welches der Obrist Grob führte, wurde in Weidenhausen einquar- tiert. Am Abend desselben Tages zogen die mit dem Generalmajor gekommenen Musketiere über den Markt zum Barfüßerthor hinaus, um hinter dem Schlöffe im Lustgarten an den Schanzen Mitarbeiten zu helfen.

Bestellungen auf die Monate November und Dezember der

Bberhessischen Zeitung

mit deren Gratisbeilage

Jllnstrirtc» LonntagSblatt

bitten wir baldigst machen zu wollen.

Die Landpostboten nehmen aus dem Lande Bestellungen entgegen.

__Die Gxped. d. Oberh. Zeitung.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Oks. Feldmarschall Graf Moltke, welcher seinen heutigen Geburtstag auswärts begeht, wurden von dem Kaiser Glückwünsche nachgesendet. Die Kaiserin, die Kronprinzessin und bie Mitglieber der königlichen Familie schickten Gratulations-Telegramme. Aus allen Teilen Deutschlands gingen sehr zahlreiche Glückwünsche ein. Alle Generale, viele distinguierte Personen fuhren an der Wohnung des FeldmarschallS vor, um ihre Karten abzu- geben. Die Capelle des Eifenbahn-Regiments hatte eine Morgenmusik gebracht. Feldmarschall Moltke reifte gegen 10 Uhr Vormittags in der Richtung nach Magdeburg ab, um sich weiteren Ovationen zu entziehen. Der Rordd. Allg. Ztg." zufolge hat das Staatsministerium in seinen l tzten Sitzungen die Landtagsvorlagen genehmigt und dem Kaiser zur Sanction unterbreitet. Die vorgestrige Sitzung War der Landtagseröffnuiigsrede gewidmet, welche alödaun dem Fürsten Bismarck übersandt wurde und dem­nächst dem Kaiser unterbreitet wird. Unter den Landtags­vorlagen befindet sich der Entwurf über die JncommuNali- sterung des Tiergartens in Berlin. Die Abgeordneten Beiscrt, Kieschke, Meyer und Rickert fordern diejenigen Abgeordneten, welche mit ihnen zu einer liberalen Ver­einigung zusammentreten wollen, zu einer Besprechung am 28. October Abends im Abgeorductenhause auf. Dem Bundesrat liegen in feiner heutigen Sitzung Gegenstände von nicht hervorragender Bedeutung vor: zunächst bie Vorlage über bie Befähigung als Schiffer in kleiner Sübseefahrt, alsdann Anträge, und zwar betreffend die Besetzung er­ledigter Stellen bei den DiSziplinarkammeni, die pensions­fähige Dienstzeit der in der Südsee angefteHtcn Konsulats­beamten und die Pensionsverhältniffe mehrerer Beamten ber Postverwaltung.

** Berlin, 25. Oktober. Der Bundesrat hält Dienstag Mittag 2 Uhr wieder eine Plenarsitzung ab. Das Staatsministerium hat in seinen letzten Sitzungen die Vorlagen für den Landtag genehmigt und dürften die-