Anzeigen nimmt entgegen: kit Expedition d.Blatte«, [oste d.Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Zoasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin. Leipzig, Köln re.; Rudolf offr in Berlin Frank>
Kr. 283
Marburg, Mittwoch, 27. October 1880.
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GeWschr jritmig
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blattet sowie d. Annoncen-Bureaur von 8. L- Daube & So. in Frankfurt a. M; Jüger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidrndant in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
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Das Manchestertum und die Preise.
Bei dem volkswirtschaftlichen Kongreß hat Dr. Max Hirsch wieder den Vogel geschossen. Dieser Herr beschul- digte den Zolltarif der Schuld an den herrschenden Notständen der Arbeiter. Der gute Herr hat, wie es scheint, ganz vergessen, daß die Notstände bestanden, lange bevor der Zolltarif eingeführt wurde, und ebenso scheint er vergessen zu haben, daß die Kornpreise in der ersten Hälfte dieses Jahres nach Einführung der Zölle sanken und daß sie erst stiegen, als die Maifröfte und später die Regengüsse kamen — und die liberale Presse die Sache so darstellte, als erstreckte sich die Mißernte über ganz Deutschland und als die Börsenspekulation ihre bekannten Man- növer spielen ließ, welche den Roggen in drei Tagen um 10 Mark in die Höhe trieben. Warum sagte Herr Hirsch von all diesen Dingen gar nichts und warum behauptete er, die Witterungsverhältnisse hätten darauf so gut wie keinen Einfluß gehabt? Braucht man noch zu fragen I Hirsch sagte, „man müsse das Volk konsumentions- und produkttonsfähiger machen.* Und deshalb will der Herr Hirsch dem Auslande die freie Einfuhr seiner Maaren gestatten, wodurch unsere deutschen Arbeiter zur Ruhe ge- fetzt würden; denn wenn die Russen den Roggen bauen und das Vieh züchten, von welchen wir Deutsche uns nähren und die Engländer die Kleidungsstoffe machen, mit welchen wie uns kleiden sollen — dann können unsere deutschen Arbeiter Feierabend machen. Aber sie dürfen sich dann auch nicht wundern, wenn der Lohn in die Hände der Engländer und Russen und in die Hände der Zwischenhändler fällt, welche die fremden Maaren einführen. Die Thatsache, daß seit Einführung der Zölle bereits verschiedene Jndustriebranchen wieder viel mehr Arbeit haben, verschweigt Herr Hirsch ebenfalls. Daß gerade die Einführung der Golowährung unsere Jndustrie- u»d Arbeiterverhältuiffe außerordentlich geschädigt hat, davon schweigen die Herren beharrlich. Die Goldwährung, welche unsere Währung verteuert gegenüber der billigen
Beiträge zur Geschichte der Stadt Marburg.
Die Eroberung der Stadt und des Schlosses durch den «irderhesstschen General-Wachtmeister Johann Gcise und der Versuch einer Rückeroberung durch den kaiserlichen General-Feldmarschall Peter Melander, Grafen zu Holzapfel, im 30jährigen Krieg.
(Fortsetzung)
Der Kommissarius aber begehrte eine ganz bestimmte Antwort dem Generalmajor zu referieren und sagte, wofern man in Güte die Garnison nicht aufnehme, würde die Stadt mit Feuer und Kanonen angegriffen werden. Die Deputierten baten nochmals dagegen und erklärten: falls den armen unschuldigen Bürgern, ihren Weibern und Kindern, Schaden und Unglück zugefügt würde, daß man dasselbige dem Verursacher anheim geschoben haben wollte. Das Schlußwort des Kommissars war dieses: Der Generalmajor Geise käme zu ihnen nicht als Feind, sondern als Freund; wenn man gutwillig eine Garnison aufnehme, dann sollte der Bürgerschaft alle Freundschaft und guter Wille erzeigt und gute Ordnung gehalten wer- ^n. Die Deputierten wiederholten das Gesagte, baten vor Gewalt und entfernten sich.
Der Kommissar verließ hierauf die Stadt, um die abschlägige Antwort dem Generalmajor zu überbringen. Dieser zog sofort die zur Okkupation der Stadt auSersehenen Gruppen, Infanterie, Artillerie und Kavallerie, welche in <Lerda, Ockershausen und Weimar einquartiert waren, zusammen und näherte sich am 1. November nächtlicher Weile °er Stadt. Im Reitzgraben wurde eine Batterie errichtet Unt> Laufgräben und Verschanzung angelegt. Wegen der Stoßen Dunkelheit konnten die Belagerten die Bewegungen Ctt Belagerer nicht beobachten, sie vernahmen nur das An-
Silberwährung anderer Länder, kommt ja gerade den Jrn- porthändlern außerordentlich zu statten. — Mit dem teuren deutschen Golde, das sie in Deutschland gegen Papier unb unwertigeö Silber eintauschen können, gehen sie in die Silberländer (Frankreich, Rußland, Oesterreich und Amerika) und kaufen dort, wo das Gold einen so hohen Wert hat, die Maaren, deren Preis sich dort nach dem billigeren Silber normiert, ein und führen sie in das teure Goldland, wo sie natürlich entsprechend tenrer bezahlt werden. So hat sich in Folge der Goldwährung die Einfuhr ausländischer Maaren bei uns ungeheuer vermehrt, aber der Export mußte zurückgehen, weil der Händler die teuren deutschen Maaren im billigen Silberlande nicht mit Profit verkaufen kann.
Die liberale Presse schrie über Ueberproduktion, während sie über Uebereinsuhr hätte schreien sollen. Die Goldwährung ist es vorzugsweise, welche uns die Einfuhr des Auslandes auf den Hals gebracht und dadurch unsere deutsche Arbeit ruiniert Hit. Auch mit den Zöllen ist diesem Uebel nicht vollständig beizukommen; denn was genieren den Händler, der in den Silber- und Papierländern mit deutschem Golde in den Taschen auftreten kann, die paar Groschen Zölle? Es ergiebt sich auch hieraus, wie tiefgreifend die Währungsfrage für alle unsere wirtschaftlichen Verhältnisse ist Wenn wir nicht die vertragsmäßige Doppelwährung einführen, dann zehrt uns die Goldwährung auf. Die Importeure werden fortwährend massenweise die Waren der billigen Silberländer bei uns einführeu und mit unserem Golde bezahlen. Exportieren können wir natürlich sehr schwer, weil bei uns die teuren Goldpreise herrschen. Die Folge ist, daß die Arbeitslöhne bei uns immer mehr herabgedrückt werden müssen, um exportfähig zu bleiben, während gleichzeitig die Warenpreise steigen, und dabei müssen wir Jahr um Jahr daS Defizit, welches durch die große Goldausfuhr entsteht, aus unserem Nationalvermögen decken. Das führt natürlich zu immer größerer Bereicherung der Import- Händler und zu immer größerer Verarmung aller anderen, namentlich aller produktivarbeitenden Volksklassen. Wir haben ja alle diese Folgen vor Augen; aber unsere Gold- männer suchen immer nur andere Ursachen derselben auf, und gehen immer an der Haupursache — der Goldwährung und Demonetisierung des Silbers — vorüber.
Deutsches Reich.
Berlin, 25. Oktober. Die auf Donnerstag, den 28. d. M. festgesetzte Eröffnung des Landtags erfolgt Mittags 12 Uhr durch den Viccpräfidenten des StaalöministeriumS Graf -Stolberg. — Die Reife des hiesigen britischen Botschafters Lord Odo Ruffel ist nur eine Urlaubsreife; derselbe wird binnen 14 Tagen zurückeiwartet. — Es ließ sich erwarten, daß von Seiten der Anhänger der Real-
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fahren der Geschütze und das Getöse beim Aufwerfen der Batterie und der Laufgräben. Die darmstädtische Besatzung hielt sich frisch auf der Stadtmauer während der Nacht bis zum Morgen und feuerte auf Gutdünken aus ihren Musketen und Doppelhaken Schüsse nach den Stellen ab, von wo aus sie das Getöse vernahmen. Wenn die Besatzung beim Auswerfen der Pechkränze das Thun der Belagerer erblickte, dann wurden jedesmal gemeinschaftliche Schüsse auf dieselben abgefeuert.
Nachdem man beobachtet, daß die Belagerer ihre Kanonen gerade auf die Stadtmauer hinter Meister Jakob Balbiers, ErikuS Dexbachs, Vicekanzlers Dr. Nuppels und des Baumeisters Haus gerichtet hatten, ließ der Stadt- Kommandant, Obristlieutenant Christian Willig, in Ueber- einstimmung mit seinen AdjunktiS, dem Amtmann Weid zu Frankenberg, gewesenen Obristwachtmeister, dem gewesenen Hauptmann und Schultheißen zu Breidenbach, Johannes Ruppen und dem Schultheißen Heinrich Botterweck zu Wetter, die Untergasse an 2 Stellen, zwischen Jakob Balbiers und des Baumeisters Haus, verbarrikadieren, daß, für den^ Fall die Stadtmauern durchbrochen würden, bei einem sturmanfall die Stürmenden in diesem Sacke ein« geschlossen und mit Schüssen traktiert werden könnten.
Nach Mitternacht wurde aller Uhren- und Glockenschlag in der Stadt eingestellt, weil man sich am Abend Gedanken darüber gemacht, daß die Stadt mit Feuer angegriffen werden würde, so ließ der Magistrat aus Fürsorge durch alle Straßen und Gassen der Stadt auörufen, jeder Bürger solle bei Leibesstrafe ein großes Gefäß mit Wasser vor seine Hausthür setzen, das Wasser aber nicht aus den Brunnen, sondern aus der Lahn holen. Die großen Plätze der Stadt, als der Marktplatz, der Pfarrkirchhos, der Korn-,
schulen sich ein Sturm des Unwillens gegen die Aeuße« rungen erheben würde, mit welchen Prof. Hoffman in Berlin, Prof. Rühle in Bonn vor wenigen Tagen ihr Rektorat inauguierten. Besonders von dem berühmten Berliner Chemiker, der so lange Jahre in dem praktischen England thätig war, scheint man das gar nicht erwartet zu haben und auch die Regierung selbst hat in den letzten Jahren an der Befähigung der Realschul-Abiturienten zum Studium der Naturwissenschaften nicht den mindesten Zweifel gehegt. Vor uns liegt eine erst im vorigen Jahre vom Kultusminister angeordnete Zusammenstellung aus den in den Jahren 1876 und 1878 erstatteten Gutachten der philosophischen Fakultäten und wissenschaftlichen Prüfungskommissionen über die Ergebnisse der Fakultätsstudien von Realschul-Abiturienten. In Betreff des Studium» der Physik wird in einem Gutachten bemerkt, daß die Beobachtungen int Laboratorium noch nicht ausreichten, um ein festes Urteil zu fällen. An einigen auf Realschulen vorbereiteten Laboranten sei wahrgcnommen, daß sie gut unterrichtet und kenntnisreich gewesen, doch sei ein gewisser Mangel in der Fähigkeit, bei verwickelten Untersuchungen die für die Beurteilung entscheidenden GesichtSpuntte festzuhalten, an ihnen wahrgenommen worden. Nach dem Urteile eines anderen Professors hat eine Anzahl von Realschul-Abiturienten sowohl in den experimentellen als auch in dm mathematisch-physikalischen Hebungen hervorragend Tüchtiges geleistet. Im Seminare einer dritten Universität ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß die auf Realschulen vorgebildeten Mitglieder sich bei den experimentellen Arbeiten durch Geschicklichkeit, Eifer, Ausdauer und Umsicht hervorgethan haben, während die von Gymnasien entlassenen sich mehr theoretischen Studien zu- wenveten. Weiter bezeugt der Professor einer anderen Universität, daß er alle Ursache habe, mit den Realschul- Abiturienten, deren verhältnismäßig viele an den Vorlesungen und Seminarübungen sich beteiligten, zufrieden zu sein, indem sie weder an Vorbildung, noch an Erfolg ihrer Studien hinter den von Gymnasien kommenden zurückblieben, sondern sich eher vor ihnen auszeichnetm. Hin- sichtlich des Studiums der Chemie wird von einer Seite geurteilt, daß die Realschüler besser vorbereitet sind, al« die auf den Gymnasien ausgebildeten Zuhörer, daß aber die letzteren ihre Lücken, wenn auch mühsam, im Lause der Zeit ausgleichen, so daß am Schluffe ein erheblicher Unterschied nicht mehr wahrzunehmen ist. Die Vorbereitung des Gymnasiums für dieses Fach wird auch in einem anderen Gutachten als mangelhaft bezeichnet; im Laboratorium hätten mehrere Realschüler Tüchtiges geleistet, doch sei die Anzahl noch zu gering, um aus dieser Beobachtungen sichere Folgerungen zu ziehen. Von einer anderen Universität wird berichtet, daß die Realschüler zu den fleißigsten Zuhörern gehört haben und daß die Dok-
Heu- und Schuhmarkt, wurden gleichfalls mit großen gefüllten Wasserzübern bestellt; und um die Feuerkugeln aufzuhalten und zu umwickeln, mußten nasse Häute in Bereitschaft gehalten werden.
Nach Ablauf der Mitternacht fingen die Belagerer an, aus ihren Kanonen Feuerkugeln in die Stadt zu werfen, von denen 12 an verschiedenen Häusern in der Gegend der Hofstatt, der Barsüßerstraße, des Marktes und der Reitgasse nicht unbedeutenden Schaden verursachten. Die erste Feuerkugel fiel auf de« Junker Ludwig von Linstngen Mauer, beschädigte fast alle Fenster an der Seite des Hauses und schlug eine Wand samt den Fenstern au«. — Zwei Feuerkugeln fielen in Dr. Tilemanns Hof, zerstörten dessen Sommerhaus und das Waschhaus nebst Waschkessel; alle Fenster, welche in den Hof gingen, wurden teils beschädigt, teils zerschlagen. — Eine Feuerkugel fiel in de« Ratsherrn Bicraus Hinterhaus, an des Rathauses Küche gelegen, durch zwei Böden, zerspaltete die Stickstecken und das Eckband nach der Treppe zu, welche vom Markte in die Mctzgergasse führt. — Eine Feuerkugel fiel in da« Haus der Wittwe des Emanuel Goclenius, zerschmetterte das Dach, den Giebel und viele Balken. — Eine Feuerkugel fiel'in Hans Muths Haus und richtete in diestm und dem daran liegenden großen Schaden an. — Eine Feuerkugel fiel in Jakob BredhauerS Hof und nahm das Dach vom Schornstein mit. — Eine Feuerkugel fiel in PhOtpP Wtlhelmis, Wirts zur Lilie, Pferdestall und steckte das Haus in Brand, welcher doch wieder gelöscht wurde. — Eine Feuerkugel fiel in Balzer Keipers, Wirts zu den 3 Königen, Haus durch den Schornstein in die neue Stube, zerschlug den Ofen, die Fenster und eine Wand, zerstörte den Kramladen und zerbrach das Dach. — Eine Feuerkugel