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IliavDUtg, Sonntag, 24. October 1880.

XV. Jahrgang

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t Raffel 1880. f Reisen. Orleans.

anjetgett nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d- Annoncen-Buremtk von <8- L. Daube & So. in

Die Enthüllung.

Novelle von A Reichstädt.

(Schluß

Wer nur irgend das Haus verlassen konnte, unternahm die Wallfahrt. Die Landstraßen waren belebt von Menschen aus allen Dörfern, das Meer von Booten, denn selbst von den entlegensten Inseln kamen die Leute; so begleitete auch Nani ihren Vater.

ES ließ ihr keine Ruhe daheim. Durch Kirketups un­erklärlichen Tod schien ihr des Fürsten Ende nur noch un­heimlicher. Sic fing an zu grübeln und verglich seinen jähen Tod mit ihrem langsamen, grausamen, hoffnungslosen Hinstcrben. Welches war entsetzlicher? Beides schien ihr gleich unerforschlich und deshalb verwandt in seinen Schrecken und Schmerzen.

Warum ist unser Leben solches Rätsel? murrte sie. Immer bleibt es dunkel und unfaßbar. Ich werde an Gott irre!

Sie bebte, denn ihr Glaube schien ihr zur Thorheit geworden.

Woran sollen wir uns halten, wenn Nicht an das Ver­trauen, daß Der da droben ein gerechter Vater ist? ragte sie bitter. 'Rein,- nein, gerecht bist Du nicht o Gott, sonst würdest Du solche Schicksale nicht dulden und unser Vater bist Du auch nicht, wie würdest Du uns sonst nur Wege führen, die wir nicht verstehen.

Während sie noch so haderte und vergebens nach Ruhe

Klarheit rang, fing die Musik an eine ernste, Herzergreifende Weise. Die Menge lauschte mit ange- Mtenem Atem. Ihr thaten die Töne weh bei der trüben Feier und doch lösten sie ihre Seele von dem Staub der f Erde. Unverwandt schaute sie auf die Mitte und faltete 6,6 Hände leise wie die andern. Die arme Fürstin! dachte

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Oktober. Der Kaiser ist heute Nacht wohlbehalten hier eingetroffen. Heute wohnte der Kaiser der Einweihung des neuen Gebäudes des Joachimsthal'schen Gymnasiums bei und nahm nach Beendigung des Gesanges des ChoralsNun danket Alle Golt" das Wort zu dem Wunsche, daß der Segen Gottes, der das alte Haus ge­gründet und begleitet, auch über dem neuen Hause walte. Er könne nur wünschen, daß die von den Rednern in den Anreden eben ausgesprochenen Gesinnungen Fleisch und Blut werden möchten an Allen, die jetzt und künftig in diesem Hause weilten, und zwar auf dem Grunde, auf dem alles Heil allein ruhe, wie eben [gesagt worden. Direkt an die Schüler gewendet sagte der Kaiser: Es sei zu Ihnen gesprochen, die Sie hier die erste Erziehung erhalten Vergessen Sie nicht, was Staat und Lehrer für Sie ge- than, so werden Sie tüchtige und treue Unterthanen wer­den, dann wird cs um Preußen immer wohl stehen, wie die Stifter eS bei Gründung und Erhaltung dieser Anstalt beabsichligt haben. Das walte Gott! Der Volkswirt- schaftliche Kongreß hat zu der Frage betreffend die Ver­sorgung Europas mit Brot eine Resolution mit allen gegen 11 Stimmen angenommen, wonach die Zinsen von Brotkorn aus anderen Laurern für eine Notwendigkeit er­klärt werden; der Gewinn, welcher durch den Gctreidezoll unter gewissen Verhältnissen zugeführt werden könne, stehe in keinem Verhältnis zu dem dadurch der übrigen Bevöl­kerung zugefügten Schaden. Der orkanartige Sturm, welcher gestern Morgen in Berlin und Umgebung gewütet hat viel ärgeren Schaden angerichtet, als man anfangs annahm. Im Thiergarten ist eine große Anzahl von Bäumen entwurzelt oder gebrochen, namentlich an der Char­lottenburger Chaussee, nahe der SiegcS-Allc, solche, deren Umfang am unteren Stammende fast 5 Fuß beträgt. An der Luisen-Jnsel lagen gestern Vormittag abgebrochene Stämme quer über dem Wasser, auf den Alleen vielfach quer über dem Wege. Vor dem Wilhelms-Gymnasium

stlner Bauprinzipien hier folgen zu lassen. Die russische Manne, die, wie ich schon einmal sagte, sich vor allen urigen durch ihre Originalbauten auözeichnet, hat in dem General Admiral" das Problem des gepanzerten Kreuzer» verwirklicht. Keine der anderen Marinen hat eS unter­nommen, Schiffe, welche nur für Kreuzungsfahrten bestimmt sind, zu panzern. Da man für die Kreuzer in der russi­schen Flotte es als besonders wesentlich hielt, vor den Ge­schossen der meisten anderen Kreuzer absolut gesichert und noch hinreichend gegen die Geschoffe stärker bewaffneter Schlffe wie eS die Panzerschiffe zweiter Klaffe sind widerstandsfähig zu sein, so wünschte man diese Eigenschaft mit einer großen Geschwindigkeit zu vereinigen und baute Schlffe, deren Wasserlinie mit 15 Centimeter starken Panzer- platten geschützt ist. Man hielt es außerdem für not­wendig, die Bestärkung zwar nicht vollständig da die« ein zu bedeutendes Gewicht erfordert hätte aber doch an den wichtigsten Teilen der Geschütze zu schützen. Die Bestückung besteht aus 4 Stück 20 Centimeter-Ge- Mtzen, welche in den Ecken der Kasematte stehen und in Bug und Heckrichtung feuern können und 2 Stück 15 Ccntlmeter-Geschützen, die, in der Mitte der Kasematte stehend, in der Breitseite feuern. In Berücksichtigung der speziellen Bestimmung des Schiffes alö Kreuzer ist der eiserne Rumpf mit Holz beplankt. Hieraus ergibt sich außerdem eine Verbesserung deö Nutzeffektes, in Folge dessen sich die Geschwindigkeit von 15 wahrscheinlich auf 16 Knoten erhöht. Der Kohlenvorrat von 1000 Tonnen entspricht einem mit 10 Knoten zurücklegbaren Wege von 3900 Metten. Der senkrechte Bug führt keinen Sporn, fft aber mit Torpedo armiert. Man hat also diesem Schiffe ähnlichen gegenüber eine große Überlegenheit in der Defensive zu sichern gewußt. Es ist voll getakelt und die Schraube kann gehißt werden. Die mit Eisenblech ge­deckten Decke sind nicht mit Holzbeplankung versehen, son­dern mit durchbrochenen Kautschukplatten und Taumatten überdeckt. Die sehr lichten und luftigen Zwischendecke gewahren der mit 312 Köpfen normierten Bemannung geräumige Unterkunft. Man hat hierbei zweifelsohne eine Erganzungsmannschaft berücksichtigt, welche im Kreuzung»- salle etnzuschlffen wäre, um die eventuellen Prisen bemannen zu können. DerGeneral Admiral" repräsentiert den ersten Schritt in der Frage bezüglich der Entpanzerung der Geschütze, indem man die gedeckte Kasematte weaae- lassen und alle Geschütze auf Deck installiert hat.

Hannover, 21. Oktober. Der Provinzial - Landtag hatte heute die Wahl der drei Mitglieder des LandeS- DirektoriumS auf die nächsten zwölf Jahre zu vollziehen, das gegenwärtig au» Rudolf v. Bennigsen und den beiden Schatzräten Hugenberg und Müller besteht. Fast die Voll­zahl der Abgeordneten war zugegen. Bei der Wahl de» Landes-Direktors stimmten von 72 Anwesenden 46 für

Und vergib unS unsere Schuld.

Abendruhe sank auf die Fluren und das silberne Meer. Voll Heimweh und Gram vertiefte Nani sich in das Bild des Geliebten. Zuletzt wurde e» ruhig in ihrem Herzen.

Die Worte, die auf dem Sockel standen, die letzten, die Waldemar auf Erden gesprochen, richteten sie auf.

Sinnend wiederholte sie dieselben fort und fort, bi« ein Friede ihr Gemüt erquickte wie ihn nur die geläuterte Seele empfängt.

Fast freudig beugte sie sich unter das schwere Leid. Eine Hoffnung erhob sie über allen Jammer.

Waldemars Antlitz umfloß der Abendschein, ein fast überirdisches Licht streifte seine Stirn.

Gott ist kein unbarmherziger Richter. Seine Liebe rst noch größer als seine Rache, glaubst Du da» nicht auch, Vater?"

Und sie führte den wankenden Greis von dem dunkeln­den Hügel fort.

Alles, was noch an unreinen Kämpfen in ihr getobt, war von dieser Stunde an wie ausgelöscht au« ihrer Seele. Waldemar» Sühne reinigte auch sie.---

Jahre sind seitdem dahin gerollt, viele Jahre.

Noch immer umspülen die Wellen das einsame EUand, in dem kleinen Gasthofe am Strand schallet eine alte ge- beugte Frau. Sie läßt keinen Armen hungrig ihre Schwelle verlaffen, den Trostlosen ist sie ein Halt, die Verstoßenen nimmt sie auf, jeder Unglückliche flüchtet zu ihr. ES ist Nani, von der alle Bewohner ihrer Insel sagen, daß sie nur lebt, um zu erquicken und die Wunden, die da» Leben schlägt, zu lindern.

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tn der Bcllcvucstraßc waren zwei große Kastauienbäume vom Sturme gefällt, deren einer die Gaslaterne zer­schmetterte. Gestern Morgen, als die Kinder zur Schule gingen, deckte der Sturm das Zinkvach der einen Kuppel deö neuen Hauptpostamts in der Spandauerstraße in einem Umfange von ca. 20 Fuß los und schleuderte es auf den Bürgersteigs Vom Cafs Bauer, unter den Linden, wurde eine der mächtigen Fahnenstangen herabgerissen, stürzte auf das Dach des Nebenhauses und nach Durchschlagung des­selben ^ruf den Asphalt. Von dem Grundstück Stralauer- straße 30 stürzte die große Fahnenstange herab und er­schlug einen Bernhardmerhund. Von mehreren Häusern in der Langenstraße regnete eS förmlich Dachziegels ohne daß jedoch jemand ernstlich verletzt wurde. In einem photographischen Atelier in der Alexanderstraße wurden fast sämmtliche Oberlichtscheiben zertrümmert. In der Oranten- und in mehreren anderen Straßen wurden die Scheiben der GaSlaterncn aus ihren Rahmen gerissen und aus das Pflaster geschleudert. Auch in der Umgegend hat der Sturm bedentcndm Schaden angerichtet; nament­lich hat er die Bäume der Tempelhofer Chaussee arg mit­genommen, Aeste von Armes-icke abgebrochen und auf den Fahrwegge schleudert. In Schöneberg ist ein leichtes Fach­werkgebäude beinahe vollständig abgedeckt worden und eine an der Chaussee stehende Pappel fast in der Mitte durch­gebrochen. Nicht besser erging cS'den Ortschaften Malchow, Mariendorf, Wcißensee, Britz, Rixdorf rc. Auf der Havel, unterhalb Spandau, sind drei Kühne an das Ufer getrieben und liegen dort fest, so daß die Ladung in Gefahr ist. Im Grünewald und auf den Chausseen sind starke Bäume entwurzelt. Der Holzbestand auf den Höhen an der Havel, in der Spandaucr Forst soll namentlich stark in Folge des Windbruchs gelitten haben. In den Dörfern ist besonders der Schaden an Zäunen und Einfriedigungen, da der Sturm stoßweise mit furchtbarer Vehemenz sich erhob, ein ganz behütender.

Marienburg, 20. Oktober. Höheren Orts ist die Königliche Regierung zu Danzig beauftragt worden, die vorbereitenden Schritte für die in Aussicht genommene Renovierung und Wiederherstellung des Marienburger Hochmeisterschlosses zu thun. So sind . den Pächtern der in dem Schlosse befindlichen Räume deö ehemaligen Mili­tär-Magazins die bezüglichen, auf längere Zeit abgeschlossenen Mietöverträge jetzt gekündigt worden, und eS sollen diese Räume demnächst bis zum Beginn der Restaurationsarbeit immer nur für kürzere Zeit verpachtet werden.

Kiel, 20. Oktober. Der zur Zeit in unfern Hafen sich aufhaltende russische KreuzerGeneral Admiral" nimmt ein großes Interesse der hiesigen fachmännischen Kreise, semcr eigentümlichen, einzigartigen Konstru'tion wegen, in Anspruch. ES dürfte wohl'Ihren Lesern willkommen fein, eine kurze Beschreibung deS Schiffes und Erläuterung sie. Wie muß der Witwe diesen Augenblick umS Herz sein und teilnehmend betete sie für jene um Fassung, da sanken die Hüllen und frei und kühn zeichnete sich die Bildsäule WaldemarS, ans weißem Marmor gemeißelt, gegen das tiefblaue Meer ab. Seine Schönheit war von dem Künstler in idealer Verklärung wiedergegeben, ja, das seine stolze, majestätische Haltung, das war fein edles, hin­reißendes Profil, ©in Sonnenstrahl fiel auf den kalten Stein und durchglühte ihn mit warmem Leben, sein Mund schien reden zu wollen, seine Brust zu atmen.

Regungslos vor Erschütterung starrte Nani die Statue an. Wie eine Binde fiel es von ihren Augen.

Jetzt wußte sie alles.

Ein gellender herzzerreißender Schrei: Waldemar!

Scheu wich die Menge auseinander. Keiner verstand den Ruf. Zermalmt von der Wucht eine« solchen Wieder- findenS lag das junge Weib am Fuß seines Bildes. Eine liefe Ohnmacht entzog ihren Schmerz den Augen Neu­gieriger. Niemand ahnte die Tragödie ihres Lebens. Nie­mand kümmerte sich um sie. Ihr Vater nahm sie in feine Arme und trug sie sanft unter die Cypreffen.

Als sie wieder erwachte, hatten sich die Zuschauer in alle Richtungen zerstreut. Sie war mit ihrem Vater ganz allein.

Ganz allein und verlaffen! murmelte sie leise und ließ ihre Thräncu strömen.

Nein, nicht verlaffen! und sie umschlang den Vater.

Lange, lange, saßen sie so, der Alte und das Kind, ohne zu reden. Was in ihrer Seele vorging, wer könnte eS schildern. ES war eine Stunde, in der sich ihnen die Geheimniffe des göttlichen Richters enthüllten, so tiefsinnig wie sie aus wenigen Schicksalen offenbar werden. Nur ergriffen vermochten sie zu stammeln:

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Frankfurt a. M; Jägerffi

Buchhandlung dasel» Hermaun'sche Buchhari daselbst; Jnvalideudank in

Berlin; 88. Thiene» in

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