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Marburg, Freitag, 22. October 1880.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d-Annoncen-Bureanr von ®. L- Daube & (So. in Frankfurt a. M; Jägerische Buchhandlung dakeloü; Hennann'sche Buchyanvl. ♦ daselbst; Juvalideudank in
Berlin: W Thiene» in «lderfeld: <L Schlotte in Bremen
Anzeigen nimmt «mgegen: Mt Expedition d.vlalte», sowie d-Annoncen-Bureaux von DH, Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Krantfutt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a- M., Berlin. Leipzig, Söln iu; Rudolf jjiofft in Berlin, Frankfurt a. M re.
Srfcheint tä^ch außer an den Wetttagen nach Tonn- und Feiertagen. PrnS für da» Quattal mit der wöchentlichen Beilage „JAustrirtrS SoautagSdlatt" durch die Sxpediki-n («och'sche Buchdruckerei) bezogen 3« Wart, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Wart 50 Psg. (erd. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Heile 10 Pf» ’ ’ Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pf«, berechnet.
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Deutsches Reich.
Berlin, 20. Oktober. Die „Provinzial - Corresp." schreibt: An dem ernsten Willen der Pforte, den Beschluß zur Uebergabe von Dulcigno auszuführen, liegt kein Grund vor zu zweifeln. Es darf erwartet werden, daß die Pforte nachdrücklich ihr Ansehen geltend macht und die lokalen Hindernisse, welche sich etwa der Einlösung ihres Wortes entgegeustellen sollten, unverzüglich beseitigt. — Ein Antrag Hamburgs auf Verhängung des kleinen Belagerungszustandes über Hamburg ist beim Bundesrate bis heute noch nicht eingegangen. — Der Rechnungshof des Deutsche« Reichs hat Revision der Rechnungen verschiedener Korps- zahlungsstellen darauf hingewiesen, daß die Mehrkosten für Wachtkommandos bei den Civilstrafanstalten den betressen- den Landescivilfonds zur Last fallen müßten. Dieses Monitum war als begründet anzuerkennen, weil die Aufwendung von Reichsmitteln für die fraglichen Zwecke der Landesverwaltung nicht beansprucht werden kann. Zn Folge dessen werden, wie der Minister des Innern in einer Verfügung an die Oberprästdenten mitteilt, vom 1. April 1878 ab die Mehrkosten, welche der Militärverwaltung aus der Gestellung von Wachtkommandos bei den staatlichen Civilstrafanstalten erwachsen, dem Reiche aus den Staatsfonds erstattet. Der gleiche Grund, welcher die Uebernahme der fraglichen Mehrkosten auf Staatsfonds veranlaßt hat, spricht auch, daß die provinzial- bczw. kommunalständischen Verbände dem Reiche diejenigen Mehrkosten zu erstatten haben, welche ein Militärfiskus für die Wachtkommandos bei den Korrcktionöanstalten aufwenden muß. — Bei der auf Grund der Vorschriften des Gesetzes über die Organisation der allgemeinen Landesverwallung demnächst in der Provinz Hannover zu bewirkenden Errichtung von Regierungen «wird voraussichtlich die Unterbringung dcs von der Finanzdirektion- den Landrosteien und den Konsistorien au die Regierungen abzugebenden Akten bei der großen Menge derselben vielfach mit Schwierigkeiten verbunden sein. Um diese Schwierigkeit thunlichst zu beseitigen, hat oct Minister des Innern die Landrosixicn beauftragt, die vorhandenen Aktenstücke einer Durchsicht zu unterziehen, diejenigen Akten, welche weder für die laufende Verwaltung von Interesse sind, noch eine historische oder archivalische Bedeutung haben, aussondern und unter Beachtung der hierüber bestehenden Bestimmungen veräußern zu lassen, sowie bezüglich derjenigen Akten, welche sich zur Abgabe an die Archivverwaltung eignen möchten, das Erforderliche ebenfalls zu veranlassen. — Rach amtlichen Mitteilungen tritt in den Niederlanden und in Belgien die Lungenseuche unter dem Rindvieh zur Zeit nicht mehr in einem für den diesseitigen Viehstand bedrohlichen Umfange auf. Es fällt somit die Veranlassung fort, welche im Jahre 1876 das Verbot der Einfuhr von Rindvieh aus
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Die Enthüllung.
Novelle von A Reichstadt.
(Fortsetzung.)
Mit Grausen sah Waldemar sich immer fester eingeschlossen und von allen Seiten neue drohende Gesichter austauchen.
„Ich verlange augenblicklichen Gehorsam!" rief er donnernd und suchte sich beherzt durch die grollende, feindselige Schar eine Bahn zu brechen: „Ich bin kein Mörder, sondern Euer Fürst."
Und furchtlos schlug er den Mantel zurück und zeigte sich allen.
Auf sein stolzes Antlitz fiel das volle Mondlicht. „Fürst Grabowsky!" schrieen alle wie aus einem Munde. Auf die Ueberraschung folgte das Geheul der äußersten Entrüstung. Mit Entsetzen sah er, daß er sich in dem Haufen geirrt hatte, wenn er gehofft, ihnen durch die kühne Nennung seines Namens Furcht einzuflößen. Nur ihre Wut wurde dadurch gesteigert.
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Kassel 880. »lacht.
Reisen- »rleans.
„Der Fürst selbst!" schrieen sie und jeden einzelnen «füllte das dunkle Bewußtsein, daß es sich hier um kein gewöhnliches Verbrechen handle, wenn sie auch den Grund seiner Thal nicht begreifen konnten.
„Für das Blut auS dem Volke Dein Blut I Wir wollen Dich lehren uns zertreten und verachten! Nieder mit dem übermütigen 1" so scholl es vielstimmig durcheinander.
Aller Groll, alles Mißtrauen, alle bösen Leidenschaften ,ct unzufriedenen Gemüter, bis dahin durch seine Strenge P1 Schranken gehalten, sprengten jetzt die Fesseln und Zachen mit doppelter Gewalt hervor.
diesen Ländern herbeiführte. Der landwirtschaftliche Minister hat die Beschränkungen der Vieheinfuhr auö jenen Länoeru aufgehoben; jedoch soll über jedes von dort eingeführte Stück Vieh ein Ursprungszeugnis beigebracht werden. — Der Minister der öffentlichen Arbeiten hatte bekanntlich allgemeine Bestimmungen erlassen über die die Vergebung von Leistungen und Lieferungen im Bereiche seines Ressorts über die bei Hochbauten und deren Ausführung anzuwendenden Submissionsbedingungen. Diese Bestimmungen sind nach einer Verfügung des landwirtschaftlichen Ministers künftig auch bei den Hochbauten der Domänen- und Forstverwaltung in Anwendung zu bringen. — Die zur Vorbereitung einer einheitlichen Pharmakopöe für das deutsche Reich berufene Kommission tagte unter Vorsitz des Chefs des deutschen Reichsgesundheitsamtes Dr. Struck. Man vermißt schmerzlich eine Anzahl der bedeutendsten Chemiker und Pharmakologen unter den 34 Mitgliedern. Am 18. hat die Kommission den sehr wichtigen Beschluß gefaßt, in der künftigen Arzneimittellehre deutsche Bezeichnungen anzuwenden, auch deutsch zu ordi- dinieren. Es ist ein bedenkliches und schwieriges Unternehmen, für die termini technici der Wissenschaften und Gewerbe die Fremdwörter verbannen zu wollen, wenn man auch die Einschränkung derselben auf das unumgänglich Notwendige nur billigen kann und eö entsteht eine Schwierigkeit in der Benutzung aus ländischer Werke, da sie sich der lateinischen, auf diesem Gebiete internationalen Sprache bedienen. Dennoch haben nur 2 Mitglieder für den ferneren Gebrauch des Latein gestimmt. Hinsichtlich des Ordinierens konnte sich die Mehrheit auf den Vorgang Frankreichs stützen; trotzdem muß es fraglich erscheinen, ob der Gebrauch dcö Deutschen hier nicht oft zur Beunruhigung der Patienten und ihrer Angehörigen führen wird.
Bresla«, 18. Oktj Der deutsch-konservative Parteitag für Schlesien wurde heute in Breslau unter sehr zahlreicher Beteiligung aller Stände, es waren über 1000 Personen anwesend, abgehalten. Obgleich der Eintritt nur gegen auf besonderes Verlangen verabfolgte Karten gestattet war, so war doch der Andrang der Gäste ein sehr bedeutender. Kaum konnte der sehr geräumige Saal des Liebig'schen Etablissement, Gartenstr. 19, die Zahl der Teilnehmer fassen: cs waren über 1000 Personen anwesend, die die Ausführungen der Redner mit dem lebhaftesten Beifall begleiteten. Eröffnet wurde der Parteitag gegen 12 Uhr durch Herrn Baron Durant-Baranowitz, der die zahlreichen Anwesenden mit lebhaster Freude begrüßte und daraus den jedenfalls berechtigten Schluß zieht, daß die Zweifel an der Lebensfähigkeit der konservativen Bewegung dadurch gründlich widerlegt seien. So erfreulich aber auch diese lebhafte Teilnahme sei, so dürfe man doch nicht glauben, daß daS erwünschte Resultat schon erreicht
In einer Minute waren ihm die Kleider vom Leibe gerissen, in der zweiten Minute hatten ihn schon die blutdürstigen Fäuste umkrallt.
„Wir wollen keinem Verbrecher gehorchen! hörst Du's Mörder? Du hast nie ein Herz für uns gehabt, nun haben wir auch keinS!"
Entsetzen schüttelte den Fürsten. Bis ins Mark drangen ihm die giftigen Wortpfeile, sein Herzblut erstarrte — schaudernd gewahrte er, daß er Haß gesäet, statt Liebe.
Sollte er sich wehrlos von ihnen zerfleischen lassen?
Nein, bis auf'S Blut wollte er sich verteidigen und so rang er mannhaft um sein Leben. Selbst die Verwegensten mußten die Tapferkeit bewundern, mit der er jeden, der ihn erreichte, zurückschleuderte wie schlechtes Gewürm, und schwerlich würden sie ihn überwältigt haben, wenn nicht die Kraft so vieler von größerer Ausdauer gewesen wäre, alS die des Einzelnen. Je heldenhafter er gegen dieUeber- macht kämpfte, um so erbitterter drangen sie auf ihn rin.
Die Furcht, das schreckliche Opfer ihrer entfesselten Wut zu werden, gab ihm übermenschliche Kräfte. Nicht umsonst sah er sie ihre Zähne in grausamer Rachgier fletschen, nicht umsonst riefen ihm ihre funkelnden Augen triumphierend zu: Kein Erbarmen!
Nur durch eine kühne Flucht konnte er sich vielleicht noch retten.
Angstvoll erspähte er die Möglichkeit, und die Nächsten mit nerviger Faust niederschmetternd, durchbrach er todesmutig den Schwarm und flog, so rasch ihn seine Füße tragen wollten, der Stadt zu. Aber unentrinnbar hefteten sich die racheschnaubenden Verfolger an seine Fersen — eine furchtbare Meute. Sie schnitten chm den Weg ab. Rechts und links, vor sich und hinter sich hörte er ihr
sei. Jeder müsse vielmehr recht thatkräftig eingreifen, da die Wichtigkeit und Notwendigkeit energischer Arbeit vollauf erkannt sei. Die Verhandlungen würden von patriotischem Geiste getragen sein, darum fordert der Redner auf, ein dreifaches Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König auszubringen, in das die Versammlung begeistert einstimmt. Hierauf wird das Bureau konstituiert und zum Vorsitzenden Generallandschaftsdirektor Graf Pückler auf Ober-Weistritz gewählt, Stellvertreter wird Herr Baron v. Durant-Baranowitz; zu Beisitzern werden gewählt die Herren Buchhändler Dülfer, Lehrer Schmidt, Oberlehrer Dr. Roseck, Landes- ältester v. Küster-Hohenliebenthal, GenerallandschaftSreprä- sendant Graf Constantin von der Recke-Volmerstein, Landrat a. D. Graf Harrach-Groß-Sägewitz und an Stelle des ablehnenden Herrn Baron v. Richthosen-Karlowitz Herr Gutsbesitzer Sauermann. Herr Graf v. Pückler nimmt die Wahl zum Vorsitzenden an und erteilt nach einigen einleitenden Bemerkungen das Wort Herrn Landtagsabgeordneten Dr. v. Heydebrand und der Lass auf Nassadel zum Referat über das Thema: „Die allgemeine politische Lage und die aus ihr erwachsenden Aufgaben für die konservative Partei." Redner führt aus, daß die Versuche der gegnerischen Parteien, in der konservativen Partei Uneinigkeit zu stiften, mit aller Macht verhindert werden müßten, denn volle Richtigkeit habe der Satz: In unitate robour; darumzmüßten die Konservativen in allen Stücken fest zusammenstehen. WaS daS Verhältnis der Partei zur Staatsregierung angehe, so sei es ja natürlich, daß sie möglichst eine Stütze derselben sein wolle; dazu verpflichte schon die unerschütterliche Treue gegen das Herrscherhaus; cs sei aber damit nicht die Zustimmung zu allen Maßregeln der Staatsregierung bedingt. Gegenwärtig aber leien die Konservativen in der erfreulichen Lage, die Maßregeln der Staats regierung in den meisten Fällen unter» stützen zu können und sich auch durch daö heftige und feindselige Gebahren der gegnerischen Presse nicht beirren zu lassen. Was das Beste sei, Fürst Bismarck habe seiner Ucberzeugung auch Geltung zu verschaffen gewußt; im gegebenen Falle werde die konservative mit den gemäßigten Elementen der liberalen Partei zusammenwirken, aber immer nur, wenn dies ohne Gefahr für die Prinzipien der konservativen Partei möglich sei: die Grundgedanken de« konservativen Programms dürften nicht vergessen, nie Kompromissen preisgegeben werden: Beibehaltung des konfessionellen Charakters der Volksschule, Pflege der christlich- religiösen Grundlage unseres Volkslebens, Festhalten an der jetzigen Wirtschaftspolitik. Bei allen Fragen sei ein Zusammenwirken mit Nachbarparteien notwendig, aber immer würde die Stellungnahme vorurteilsfrei, selbstständig und dem wahren Wohle des Vaterlandes entsprechend sein. Namentlich die so überaus gesunde und den thatsächlichen Verhältnissen durchaus entsprechende Wirtschaftspolitik des
Keuchen, Schreien, Toben — die gräßlichen Flüche, die sie ausstießen, ihr Jauchzen, wenn sie ihn beinahe eingeholt.
Die Stadt zu erreichen, war ihm unmöglich. Verzwetf- lungövoll wandte er sich wieder nach der anderen Seite, ob sich dort ein Ausweg finde. Wie ein gehetzter Edelhirsch flog er dahin, sturmartig hinter ihm her die wilde, tobende Jagd der Feinde.
Immer näher kamen sie und von immer mehr Seiten und immer jauchzender trieben sie ihn die Enge. Zuletzt stürzte er, Vchaum auf den bleichen Lippen, in ein einsames Gehöft, das auf einer Anhöhe über dem Meere lag.
Die Stadt mit ihren Türmen war von hier aus den Blicken entzogen. Kein Punkt bot sich dem hilfesuchenden Auge, als nur das Meer und gerade gegenüber fern am Horizont tauchte das stille Eiland aus den Wellen auf.
Deutlich sah er es da Hegen — so verlassen und still und schweigen. Dieser Anblick vollbrachte, waS die Verfolgung nicht vollbracht. Er fühlte seine Kraft versagen.
Und nun hatten sie ihn erreicht. Frohlockendes Geschrei aus allen Kehlen. Mit satanischer Schadenfreude schlugen sie hinter sich das Hofthor zu. Hyänen können sich nicht gieriger auf ihre Beute stürzen.
Der zu Tode Gehetzte vernahm, wie sie sich untereinander darin bestärkten, kein Mitleid zu üben.
Wie von losgelaffenen Furien gepeitscht, umtanzten sie ihn, teuflisch grinsend:
„Kein Erbarmen, Du kanntest auch keinS! Dein Herz, wenn Du eins hast, heraus damit!" Und dann höllisches Gelächter.
(Fortsetzung folgt.)