Nr. 247.
Marburg, Mittwoch, 20. October 1880.
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(Fortsetzung folgt)
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rechenbare Folgen haben würde, setzen Sie damit leichtsinnig aufs Spiel" —
„Wenn ich sonst leichtsinnig handeln wollte, wer hat mich darin nur immer unterstützt?" fragte der Fürst ironisch.
Der andere nagte zitternd an der Unterlippe.
„Wie oft werden Sie noch um einer tollen Laune willen jede Rücksicht außer Acht lassen!" fragte er außer sich und wollte dem Fürsten in den Weg treten.
„Niemals wieder, wenn ich heute meine überströmende Sehnsucht gestillt, niemals wieder! Und nun kein Wort mehr!"
Lautlos wie ein Geisterschiff schwebte ein Dreimaster über die moudbegläuzte Wafferbahn. Die rote Lampe, welche oben am Mast brannte, warf einen blutroten Schein ins Wasser, er glich einem langen Blutstreisen, der nicht aufhören wollte zu fließen. An Bord des Schiffes lehnte ein Matrose und spielte eine schwermütige Abschiedsweise auf seiner Ziehharmonika--
Ade, Ade — summte weich die Stimme dazu. Den Wanderer verfolgte das Lied, ihm schwoll das Herz.
Würde er sie Wiedersehen, der er so falsch einst „Ade" gesagt?
Absichtlich wanderte er so lange, bi« er in die einsamste abgelegenste Gegend kam. Dort, wo die letzten Häuser der Stadt aufhörten, stand zwischen grauen Dünen eine verfallene Schenke. Nur das verrufenste Gesindel de« Hafens traf sich hier zur Nachtzeit. Rohes Gelächter und die Stimmen zechender Matrosen schallten au- der offenen HauSthür. Man sah sie sich hinter den erleuchteten Fenstern hin und her bewegen. Gruppenweise, Arm in Arm, zogen noch manche dunkle Gestalten vom Hafen her, der Schenke zu.
Der Fürst wich der ärmlichen Spelunke und ihren unheimlichen Gästen aus. Vorsichtig hielt er sich im Schatten einiger niedriger Weiden, bis er am Strand einen Fischer entdeckte, der noch mit einer Laterne bei seinem Kahn beschäftigt war.
Hastig schritt er auf denselben zu und gebot ihm ihn aufs Meer hinauSzurudern. Der Fischer stutzte bei dem Tone der stolzen, gebieterischen Sprache.
Er sann nach, war es ihm doch, al« ob er diese Stimme schon früher im Leben gehört haben müsse, einst, vor Jahren.
aus alten Chroniken da« Material zu einem solchen Zuge zusammenzusuchen, und sprach seine Freude aus über die Jdeeen, welche demselben zu Grunde lagen. Insbesondere hatten die brandenburgischen Costüme aus der Zeit de« Großen Kurfürsten, mit welchem sich an malerischer Wirkung unsere Zeit wohl nicht messen könne, das Wohlgefallen Sr. Majestät erregt. — Bei dieser Gelegenheit möge auch der Fest-Cantate noch gedacht fein, die wegen ihre« von RitterShauS gedichteten poetisch schönen Textes und ihrer prächtigen, vielfach melodieenreichen Composition von Ferdinand von Hiller al« auch wegen ihrer meisterhaften Aufführung sich des allgemeinen, uneingeschränkten Beifalles zu erfreuen hatte. Große Freude äußerte die Kaiserin über ein Bouquet, welches die Geschwister Zimmermann in der Passage aus den ersten Maiblumen und schwellenden Rosen gewunden hatten und welches der hohen Frau durch den Oberbürgermeister Dr. Becker überreicht wurde. — Der Kaiser hat dem Dombaumeister, Herrn Geh. RegierungS-Rat Voigtel, für die Werkleute der Dom- bauhütte einen Betrag von 10,000 Mark übergeben. Jeder Geselle erhalt 30 Mark. Heute Abend findet im Victoria- saal ein Festeffen für die Werkleute statt, welche« ebenfalls im Auftrage Sr. Majestät gegeben wird. — Die Anschaffungen zu dem historischen Festzuge seitens de« Ko- mitös für die Kostüme belaufen sich auf ca. 250,000 M. Die Darsteller der Hauptfiguren hatten dagegen ihre Kostüme aus eigenen Mitteln beschafft. Beispielsweise kostete dem „Herzog von Brabant" das Kostüm 3900 M., dem Overstolz 1500 Mark rc., ihre Harnische, sowie die ihrer Pferde waren aus echt feuervergoldetem Eisenblech, Pelze von Biber und Hermelin, die Gewänder au« schwerstem Samt und Atlaö mit echter Goldstickerei. Die Darstellung dieser Würdenträger hatten ein Großindustrieller und ein Fabrikant echte Kölner Bürger, übernommen. — Die hiesige Loge hatte den Kaiser und den Kronprinzen zur Tell- nahme an einer Festloge ehrerbietigst eingelade», beide erlauchte Herren hatten indessen wegen der beschränkten Zeit die Einladung ablehnen müssen. Dagegen erklärte sich der Kronprinz gern bereit, eine Deputation der Loge gestern Mittag um Vi3 Uhr im Schlosse zu Brühl zu empfangen. Der Kronprinz begrüßte die Mitglieder dieser Deputation in überaus warmer und herzgewinnender Weiie und gab dabei den Empfindungen erhebenden Ausdruck, den die Tage der Dombaufeier auf ihn gemacht hatten. Dieses Fest, betonte der Kronprinz, sei ein nationales Fest, aber es sei zugleich ein Fest der Hohenzollern. Sein verewigter Großvater, sein verewigter Oheim, seine Eltern, er selbst und feine gesamte Familie hätten stets das wärmste Interesse für die Förderung und Vollendung des herrlichen Domes an den Tag gelegt, der jetzt dastehe, ein Wahrzeichen der Gottesverehrung, der Treue zu Gott und de?Einigkeit der
Alles war in Schlaf versunken, kein Fenster der Burg mehr erleuchtet, selbst die Schildwache hatte sich schlaftrunken in ihr Schilderhäuschen zurückgezogen, er hörte sie schnarchen als er an ihr vorüberging und lächelte beruhigt.
Was hatte er zu fürchten, wenn selbst die Wache ihm mit ihrem festesten Schlaf zu Hilfe kam? Sein Auge hatte ihn nicht getäuscht, wenn er vorher vom Söller aus bemerkt zu haben glaubte, daß unten in dem Hafen noch Leben sei.
Deutsche» «eich.
*» Berti«, 18. Oktober. Briefe aus Brühl bestätigen vollkommen den hundertfach aus Köln großartig erhebenden Eindruck der Domscier. Es wird besonders hervorgehoben, daß nichts die unbefangene Freude der Bevölkerung und der Teilnehmer gestört habe und daß die Begeisterung, welche alle Welt erfüllte, keinen Unterschied der Konfession kannte. Mögen daher auch katholische Versammlungen der unterschiedensten Art „würdige Zurückhaltung" anempfohlen Haden, thatsächlich ist dieselbe in das Gegenteil des beabsichtigten Erfolges, nämlich in die Zustimmung und Mitwirkung auch derjenigen Bevölkerung, auf welche die Ultramontanen gerechnet hatten, eingeschlagen. ES ist unzweifelhaft, daß in Köln sel bst auch ein Teil der ältesten katholischen Familien bei der Feier anwesend waren und die Führer der Ultramontanen waren schlecht beraten nno Haden den Ihrigen schlechten Rat erteilt, als sie „würdige Zurückhaltung" proklamierten. Wenn die Ultramontauen schon zufrieden sind, daß der Weihbischof den „abwesenden Erzbischof" hat nennen dürfen, und mit dem Hinweis des Kaisers darauf, daß wie stets, so auch an diesem Tage das Walten ungetrübten Gottesfriedens allüberall im Reiche das Ziel seiner unausgesetzten Sorge und seiner täglichen Gebete bleibe, so ist es doch im Munde des Kaisers ein Hinweis auf die ganze bisherige Politik, die nach der Meinung der Versammlung zu Münster den Noistand in der katholischen Kirche bereitet hat nach der Meinung des Kaisers aber schon bisher von dem Streben nach Ausgleich der Gegensätze erfüllt war. — Die polizeilichen Ausweisungen der letzten Tage haben viel Aufsehen gemacht und zu der Behauptung Anlaß gegeben, daß die vorher stattgehabten Haussuchungen kein Resultat gehabt hätten. Dies ist unwahr. Im Gegenteil haben die Haussuchungen erst die eigentliche und völlig ausreichende Grundlage für die Ausweisungen gegeben.— Der Minister des Innern hat den Königlichen Regierungen die durch Beschluß des Königlichen Central-DirektoriumS der Vermessungen im preußischen Staate vom 29. Dezember 1879 festgestellten Bestimmungen über den Anschluß der Spezialvermessungen an die trigonometrische Landesvermessung zur Kenntnisnahme mit dem Auftrage zugehen lassen, dafür zu sorgen, daß diese Bestimmungen bei allen im Ressort der Verwaltung des Innern vorkommenden größeren Spezialvermessungen genau beachtet werden. Der Verlag und duchhändlerische Vertrieb von Druckexemplaren der vorbezeichneten Bestimmungen ist der Verlagshandlung von Marquardt und Schenck (R. v. Decker's Verlag) zu Berlin übertragen worden. — Im Monat August wurden auf 47 größeren deutschen Bahnen befördert von fahrplanmäßigen Zügen 12338 Kourier- und Schnellzüge, 84479 Personenzüge, 51256 gemischte Züge und 74824
Güterzüge, von außerfahrplanmäßigen Zügen 5496 Kourier- Schnell-, Personen- und gemischte Züge und 32216 Güter-, Materialien- und ArbeitSzüge. Es verspäteten sich im Ganzen 2482 Züge; von diesen Verspätungen wurden jedoch 1504 durch Abwarten verspäteter Anschlußjüge hervorgerufen. — Die bisher bestandene Unsicherheit darüber, von welchen Behörden und in welcher Form und Fassung die österreichisch-ungarischerseits zu erteilenden Entlassungsscheine ausgestellt sein müssen, um als wirksame, die Entlassung aus dem österreichisch-ungarischen Staatsverbande nachweisende Urkunden zu gelten, hat auf Veranlassung deö preußischen Ministers des Innern durch Vermittelung des Reichskanzlers zu einer bezüglichen Mitteilung seitens der hiesigen österreichisch-ungarischen Botschaft geführt. Der Minister des Innern hat die in dieser Mitteilung enthaltenen, im Gebiete der österreichisch-ungarischen Monarchie in der gedachten Beziehung geltenden Vorschriften zur Kenntnis der Königlichen Regierungen gebracht, mit der Anweisung, bei Naturalisations-Anträgen österreichischungarischer Staatsangehören diese Vorschriften genau zu beachten. Die auf Grund des Abkommens mit Oesterreich vom Jahre 1864 getroffenen Bestimmungen bleiben daneben nach wie vor in Geltung.
Pose«, 16. Oktbr. Das „Posener Tageblatt" meldet: Durch gemeinschaftlichen Erlaß der Minister der Finanzen und des Innern vom 8. d. M. ist genehmigt worden, daß die Schlachtsteuer in Posen als Kommunalsteuer in der Zeit vom 1. April 1881 bis 1 April 1884 in der bisherigen Weise forterhoben wird. Zugleich hat der Finanzminister genehmigt, daß die Erhebung der Schlachtsteuer und der Wildpretsteuer bi« zum 1. April 1884 durch Staatsbeamte unter den seitherigen Bedingungen insbesondere unter Beibehaltung des von der Stadtgemeinde bisher gezahlten Verwaltungskostenpauschquantums von 12 Prozent des Bruttoertrages beider Kommunalsteuern erfolgt.
Köln, 18. Oktober. Gelegentlich des Festmahles, welches der Kaiser auf dem Schlosse zu Brühl gab und bei welchem derselbe sich die Geladenen vorstellen ließ, bemerkte er den Herren des Kölner Festkomitos: „ES war ein wahrhaft schönes Fest. Ich bin außerordentlich befriedigt von der würdigen und patrioiischen Haltung des Volkes in Köln!" Der Kölner Männergesangverein fand in Brühl bei den hohen Herrschaften huldvollste Aufnahme. Die Lieder, welche er sang, gefielen ausgezeichnet und sowohl der Kaiser und die Kaiserin als auch mehrere der fürstlicheli Gäste sprachen dem Vereine, mit dessen Mitgliedern sie sich freundlichst unterhielten, ihren Dank und ihre Anerkennung aus. — Nach dem Festzuge that der Kaiser zu Herrn Professor Dr. Eckertz, welcher als Historiker bei der Entwerfung und Zusammensetzung des Zuge« mitgewirkt hatte, die Aeußerung, eS sei wohl nicht leicht,
Die Enthüllung.
Novelle von A. Reichstadt.
(Fortsetzung.)
„Um GotteSwillen, Durchlaucht, unterlassen Sie ein solches Wagestück. Wer weiß, wa« daraus entstehen mag?"
Und ich sage Ihnen, daß ich eS nicht unterlassen kann." Die Stimme deö Fürsten bebte vor unterdrückter Leidenschaft.
„Bin ich denn aus Stein, daß ich nicht fühlen sollte? Wenn Sie wüßten, wie schwer es mir geworden ist, mich alle diese endlos langen Jahre zu bezwingen — Sie würden mir diese eine arme Nacht gönnen. Ja, wahrlich, hätte mein Vater mir nicht in seiner Sterbestunde den Schwur abgerungen, jeden Gedanken an diese „unglückselige Verbindung", wie er es nannte, aufzugeben, ich hätte die Fesseln, in die man mich geschmiedet, längst gebrochen. Nun aber hielt ich Wort. — Nie wieder hat sie eine Silbe von mir erfahren — nie wieder ich von ihr eine. Ja, es wurde sogar verlangt, daß sie nicht einmal ahnen sollte, aus welchem Grunde ich darein gewilligt, sie aufzugeben. Ich habe mich der ehernen Notwendigkeit gebeugt und das Glück meines Herzens den Ansprüchen meiner Stellung zum Opfer gebracht. Nun will ich nichts weiter, als sie noch einmal heimlich aus der Ferne sehen, erfahren, wa« aus ihr geworden — ob sie noch lebt — ob sie mir treu geblieben ober eines andern Weib.--" Er konnte
nicht weiter sprechen. Die überwallende, innere Gemütsbewegung erstickte seine Stimme.
Schroff stieß er den lästigen Warner zurück, winkte strenge mit der Hand, daß derselbe ihm nicht folgen solle und verließ das Gemach mit den Worten: „Morgen diese Zeit bin ich wieder wohlbehalten bet Ihnen!"
Durch die Seitenpforte eines runden Turmes trat
Fürst ins Freie. Still und dunkel lag seine Burg nur von dem Licht des Mondes beschienen. Es war düsteres Nachtbild, denn schwarze Wolken zogen sich drohend am Himmel zusammen und der Wind fuhr so ächzend durch die hohen Tannen und Pappeln am Portal, daß ihre Wipfel heftig nickten und der verrostete Hahn auf der Turmspitze sich kreischend drehte.
Anzeigen nimmt entgegen: * »ie Expedition b.Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in , Kassel und Hannover; Th, Dietrich in Frankfurt a.M.; | Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Ain rc.; Rudolf Kloss« in Berlin, Frank- futt a. M. rc.
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tirscheint täglich außer an den Wecktagen nach Tonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage „dluftrtrteS sönütääsdlätt" durch die Ervedition lKow'iwe Buchd.uckeret) bezogen 2\ Earl, durch bie Postämter des Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (ercl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa
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