Marburg, Sonntag, 17. October 1880.
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(Fortsetzung folgt.)
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Das Dombaufest in Köln am 15. Oktober 1880.
Die Stadt ist außerordentlich prachtvoll bis zum letzten Hause mit Festons, Laub- und Tannengewinden, Wappenschildern, Emblemen und Flaggen in den Reichsund Landcsfarben geschmückt. Viele Straßen sind mit Mastbäumen besetzt, die mit Guirlanden verbunden sind. Alle Schiffe auf dem Rheinstrom tragen festlichen Schmuck. Durch die ganze Statt wogt eine festlich bewegte Menge Kopf an Kopf. Jeder Zug bringt neue Menschenmassen. — Eine Ehrenwache rückt mit klingendem Spiel und der Fahne zum Empfange des Kaisers an den Bahnhof. Das Wetter ist trübe, aber bis jetzt regenlos, war die erste Depesche des TagS.
Der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge sind 9 /4 Uhr hier eingetroffen, am Babnhofe von den Spitzen der Behörden empfangen. Die Kriegervereine bildeten Spalier. Unter dem Jubel der zahllos zusammengeströmten Bevölkerung begaben sich die Majestäten nach dem Regierungsgebäude und ließen hier den überaus glänzenden Feftzug defilieren. Um 10s, Uhr fuhren die Majestäten nach der Trinitatiskirche. Das Wetter hat sich aufgeklärt.
Der Kaiser langte auö der Trinitatiskirche um 11V4 Uhr am Westportale des Domes an, empfangen von der Dombauverwaltung. Bei dem Eintritt in den Dom trat Sr. Majestät der Domdechant Weihbischof Baudri entgegen in Begleitung von 5 Prälaten und begrüßte den Kaiser und die Kaiserin. Hierauf hielt der Dechant eine Anrede an die Majestäten, in welcher er auf den Lag hinwies, den der Kaiser zu dem Feste bestimmte, sowie auf Gottes Beistand zur Vollendung dieses Ihm geweihten Tempels und mit Segenswünschen für den Kaiser und Sein Haus schloß. Der Kaiser bankte und wieö darauf hin, daß nunmehr ein Tempel vollendet sei, der dem Höchsten Herrn geweiht sei; die ganze deutsche Ration feierte diesen hohen Festtag, und er danke für die Ihm und Seinem Hause dargebracht-n Wünsche.
Der Domdechant und die Prälaten führten hierauf den Kaiser durch das Schiff zum Altäre im hohen Chor. Dort intonierteZ>er Dechant das Tedeum, daö von einem Knaben- und Sängerchor vorgetragen wurde. Während des Tedeumö standen der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge an den Stufen des Altars. Rach dem Tedeum geleiteten der Dechant und die Prälaten den Kaiser bis zur Thür des Südportales. Als der Kaiser heraustrat, wurde Se. Majestät vurch Tausende von Stimmen jubelnd begrüßt. Die hier aufgestellte Kinderschar begann den Gesang deö Vollendungsliedes. Der Kaiser schritt durch die Reihen der Kinder und Spalier bildenden Werkleute unter immer stärkerem Jubel dem Kaiserpavillon zu. Tribünen und Dächer waren bis auf weiteste Entfernung dicht mit Menschen besetzt. Die Urkunde wurde durch den Dombaumeister verlesen, sodann erfolgte die Unterzeichnung
Wir in höchster Anerkennung der Männer, welche an der Hand der Wissenschaft und Kunst diesen Bau schufen und in der Dombauhütte Kräfte erzogen und leiteten, die mit Ausdauer so Großes darftellten. So begrüßen Wir Alle dieses herrliche Denkmal, und bleibe es durch des Allmächtigen Gnade Frieden verheißend auf allen Gebieten, Gott zur Ehre und Uns zum Segen!
Rach den Reden des Oberpräsidenten von Bardeleben und des Dombau-Vereins-Prästdenten, Conful Schmidt- Lochnitz, gab der Dombaumeister das Zeichen, worauf die Kaffer- und die Königs-Standarte auf den beiden Türmen des Domes aufgehißt wurden und die Urkunde in die Kreuzblume eingefügt wurde. In diesem Augenblicke brach die Sonne durch die Wolken und der allgemeine Choral „Run danket alle Gott", wurde angestimmt. Oberbürgermeister Becker brachte zum Schluffe das Hoch auf den Kaffer aus, in das unter großem Jubel die Menge einstimmte. ö
, Um !>', Uhr fand die Abfahrt der Majestäten nach dem Bahnhofe zur Rückkehr nach Schloß Brühl unter brausenden Hochrufen der Menge statt. Der Gesamteindruck des Festes ist großartig.
„Wie heißt er?" fragte Rani sinnend, während Fischer ruhig bei seiner Arbeit fortfuhr.
„Fürst Grabowsky."
Sie stutzte.
„Ein Fürst ist's?"
„Run ja freilich, was soll's?"
Die Enthüllung.
Novelle von A. Reich |t ad t.
(Fortsetzung.)
Das that ihr leid.
„Was mag jenes Kriegsschiff bedeuten?" fragte sie daher sanfter.
„ES bringt den neuen Statthalter," antwortete Kirkerup. „Das Volk drüben an der Küste ist jetzt so aufsässig und widerspenstig, da sagt man, will der König ihm einen strengeren Herrn schicken, der es besser zu zügeln versteht, als der vorige."
„Wo soll er wohnen?"
„In der alten Burg drüben am Hafen, aber ich glaube kaum, daß er leichte Tage in derselben haben wird.
„Warum nicht? Hassen sie ihn so?"
„Wie den Tod 1 Sie sagen alle, er habe kein Herz für Unsereinen, und wenn es uns geringen Lent' auch noch so elendlich ergehe, so kümmere ihn das gar nicht. Er dächte nur allein an sich und an seine Vornehmen. Und unbarmherzig soll er fein! Sogar gegen feine eigene Frau. Man sagt, er spräche fast nie mit ihr, er hätte sie nur aus Politik geheiratet. Die großen Herren sollen's oft genug so machen." •
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, Kirkerup sah erstaunt zu ihr empor. Es war, als ob «ne Erinnerung in ihr auftauchte, als ob sie einen Stroh- gefunden hätte, an den sie sich klammern könne.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlattes, sowie d-Annoncen-Burraux von LH, Dietrich & So. in Raffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a.M.; Hassenstein & Bögler in Frankfurt a M., Berlin. Zripzig, 2dln i'„; Rudrlf Stoffe in Berlin, Kranich rt s. M K
Deutsches «eich.
Berliu, 15. Oktober. Es gereicht uns zur Freude, mttteilen zu können, wie der Kultusminister v. Puttkamer unbeirrt durch die Anfeindung der liberalen Lehrer deS Lehrertages und trotz der schlechten Finanzlage des Landes zu Gunsten der Lehrer thut, was seine Vorgänger unter besseren Umständen leichter hätten ordnen können und mit Energie an die Aufbesserung der Ruhegehälter alter Lehrer ft. darüber der „Magd. Ztg.« noch folgendes berichtet: Nachdem fungst offiziös mitgeteilt wurde, daß der Kultusminister dem Landtage einen neuen Gesetzentwurf, betreffend das Emeritengehalt der Lehrer, vorlegen wolle, wurde kurz darauf offiziös gemeldet, daß es fraglich fei, ob die Vorlage sich schon zum nächsten Landtage ermöglichen lassen werde. Beide Nachrichten bedürfen teils der Berichtigung, teils der Ergänzung. Nach den uns zugegangenen Mitteilungen hat der Kultusminister, da die un Staatshaushaltsetat 1880—81 vorgenommene Ver- ftärfung der Fonds zu Ruhegehaltsznschüffen und Unter- siutzungen für emeritierte Elementarlehrer um 300,000 M- sich als unzureichend erwiesen hat, bestimmt die Absicht, das Minimum der Lehrerpenstonen auf 600 Mark zu bringen; ob nun im Wege eines besonderen Ge- sttzes oder durch Verstärkung der erwähnten Fonds, darüber durste die Entscheidung noch ausstehen. Von ver Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung der PensionSverhält- nisse der Elementarlehrer ist Herr von Puttkamer schon deshalb überzeugt, weil nur so sich eine einheitliche Rege- tunfl für die ganze Monarchie bewirken lassen wird,- der war. Es war jetzt eine böse Zeit. Aller Orten geschahen Grausamkeiten und Gewaltthätigkeiten, welche die Gemüter fieberhaft erregten. Sogar schon hier auf der einsamen
™ar di- straffe Zucht der Väter von dem jüngeren Geschlecht gelockert worden. Wilde Händel und Mord und Totschlag gehörten nicht mehr zu den Seltenheiten.
Wenn der Fürst etwas von ihrem Manne wüßte?
Hätte sie so doch nicht mit Kirkerup gesprochen! Ihr wurde so unheimlich zu Sinne, daß sie am liebsten gleich nach der Küste hinübergefahren wäre, nm zu versuchen, den Statthalter zu sehen. Aber es war unmöglich. Die Mutter lag krank im Bette. Sie konnte sie keine Stunde verlassen, geschweige länger. Sobald sie sich erholte, wollte sie dem Vater keine Ruhe lasten, bis er mit ihr hinruderte. Eine unsägliche Unruhe hatte sich ihrer bemächtigt. Sie mußte sich Gewalt anthun, den Eltern gegenüber sich zu beherrschen. Beklommenen Herzens kehrte sie zu ihnen zuruck. 0 ’
Es war an einem Tage des Oktober«. Die Stadt am Meer gab ihrem neuen Vorgesetzten mit seiner Gemahlin ein Mittagessen, auf dem dieser die vornehme Welt der Provinz mit seiner liebenswürdigen Gewandtheit bezauberte. Gleich nach seinem Einzüge im Lande hatte der Fürst energische Maßregeln ergriffen, um die Stimme der Unzufriedenheit und des Aufruhrs in den niederen Ständen gewalfam zu ersticken, dafür spendeten ihm die besitzenden Klassen Dank und Beifall. Sein mutiges, rücksichtsloses Auftreten gegen jede Gefahr eroberte ihm die Herzen im Sturm, alle bemühten sich, ihm ihr Vertrauen zu be- weisen.
derselben. Eine zweite für das Stadtarchiv bestimmte wurde ebenfalls vom Kaiser, den Prinzen des königlichen Hauses, den Fürsten und Ministern unterzeichnet. Hierauf hielt bet Kaiser folgende Ansprache: Wer gedenket in biejer Stunde nicht bes Tages, an welchem weiland König Friedrich Wilhelm IV. der Welt geschenkt wurde! Wer gedenket nicht jenes 4. Septbr. 1842, an welchem Mein in Gott ruhender königlicher Bruder an dieser Stelle öffentlich und feierlich es verkündete, daß Er beschlossen habe, den seit Jahrhunderten seiner VoUendung harrenden Kölner Dom dieser Vollendung entgegenzuführen! Dem geschichtlich gewordenen Krahne fügte der königliche Bauherr zum Gedächtnis Seines großartigen Unternehmen« d-n ersten Baustein hinzu, der Uns heut umkränzt dort oben entgegentritt. Die allmächtige Vorsehung hat es nicht gewollt, daß der unvergeßliche König Sein ebenso großes wie kühnes Unternehmen, das Er mit Vorliebe und Kraft förderte, vollendet sehen sollte. Die königlichen Worte, die Derselbe bei der Feier vor 38 Jahren hier sprach, zündeten nicht nur in den preußische,n sondern in allen deutschen Landen. Die Regierenden an deren Spitze geben das Zeichen, den großen Gedanken erfaßt zu haben und somit wurde dieser ein nationales Gemeingut. Schon Friedrich Wilhelm III. glorreichen Andenkens hat feit dem Sapte 1825 durch kräftiges Einschreiten das damals allein bestehende Chor vor dem Untergänge gerettet. So steht der nun heute vollendete Kölner Dom, eines der größten Bauwerke aller Zeiten, als ein Denkmal frommen Sinnes, menschlicher Einsicht und Umsicht, einheitlicher Arbeit, ausdauernder Thatkraft und Opferfrendigkeit vor Uns. Mögen die zum Himmel emporstrebenden Türme daran erinnern, daß ohne den gnadenvolleu Beistand Gottes nichts auf Erden gelingt! So gebührt also vor allem dem Allmächtigen Unser Dank, der dieses kühne und gefahrvolle Unternehmen sichtlich schützte und vollenden ließ. Demnächst steigt Unser Dank zu dem königlichen Bauherrn empor, dessen erhabenem und schöpferischem Geiste Wir dieses Werk verdanken, welches von Jahrhundert zu Jahrhundert Deinen Namen deshalb dankbar preisen wird. Eine andere erhebende und Meinem Herzen wohlthuende Pflicht der Dankbarkeit erfülle Ich an dieser Stelle, indem Ich den Allerhöchsten und Höchsten regierenden Fürsten und freien Städten im neugeeinten deutschen Vaterlande den tiefgefühlten Dank ausspreche für Wort und That, durch welche dieselben an der Spitze Ihrer Staaten diesen mächtigen Bau vollführen halfen. Jede einzelne Gabe weit über Deutschlands Grenzen hinaus finde ihren wärmsten Dank. Meinem engeren Vaterlande Preußen und dieser ehrwürdigen Stadt mit ihrem Centraldombauverein und dessen Abzweigungen gebührt Meine Dankbarkeit für daö Bestreben aller Schichten der Bevölkerung, das Riesenwerk ihres Königs gefördert zu haben. Schließlich gedenken , „ "Der Fürst, bei dem mein Mann im Dienst stand, s°Ute seine Fran auch nur aus Politik nehmen?" sagte sie langsam. „O, Kirkerup, wenn Fürst Grabowsky und Mer Herr ein und derselbe wären?"
Ganz leise, angstgepreßt wagte sie nur die Frage, aber flehend, beschwörend richtete sie dabei ihr Ange auf den Fischer.
, «Was wißt Ihr denn Näheres von jenem? fragte er mürrisch. Der Anblick ihrer leidenschaftlichen Hingabe an den Verschollenen machte ihm daö Blut sieden. Nie hatte er denselben so gehaßt, wie in dieser Stunde.
„Was wißt Ihr Näheres?" fragte er noch einmal heftiger, in der Regung tiefen Mitleids wider Willen.
Kraftlos fanten ihre Arme nieder. Sie mußte die Augen vor seinem forschenden Blicke senken. Eine schwere Thräne gnoü unter der Wimper hervor.
„Nichts. Mein Mann hat mir nie mehr von seinem Fürsten erzählen wollen, als daß derselbe unglücklich sei."
„Unglücklich sind mehr Menschen!" spottete Kirkerup zornig. „Das will ich Euch aber versprechen, ich werde Fürst Grabowsky schon noch einmal drüben treffen und wenn es der fein sollte, den ihr meint, dann will ich ihn nach seinem sauberen Förster fragen. Und laßt mir den Schurken nur unter die Augen kommen, so —"
Er ballte die Faust, die noch von der rauhen Arbeit blutüberströmt war, fein ganzes Gesicht verzerrte sich, das heißhungrige Verlangen nach Rache glühte auö feinen Augen. Nani schrack vor feinem Anblick zusammen. Fast gelähmt sah sie ihm nach, wie er die Stäbe mit den gespießten Flundern nach der Räucherhütte trug — eine namenlose Angst ergriff sie.
Sie wußte, daß er in der Wut jeder Handlung fähig
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Buchhandlung daselbst;
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Berlin: W. LhieneS in Elberfeld; S. Schlotte in --------- Bremen