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Marburg, Sonnabend, 16. October 1880.

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Die Euthülluug.

Novelle von A. Reichstädt.

«Fortsetzung.)

Der Verdacht war so entsetzlich, daß sie sich schaudernd von ihm abwandte.

Nein, es ist Sünde, das von ihm zu glauben I" schrie ihr zitterndes Herz und krampfte sich zusammen und sich selbst des Undankes gegen den Geliebten anklagend, warf sie weit jenes Mißtrauen von sich, den einzigen Trost in ihrem unbesiegbaren Glauben an ihn findend.

So verging langsam schleichend die Zeit. Aus den sieben bis acht Tagen wurden acht volle Jahre.

Längst hatte sich die erste Schadenfreude einzelner in allgemeine Teilnahme verwandelt. Selbst die rohesten be­wunderten die Frömmigkeit, mit der sie keine bittere Regung aufkommen ließ. Die Trauer breitete über ihren Liebreiz einen eigentümlichen Zauber gleichsam eine Weihe. Da jeder endlich annahm, daß ihr Gatte ver­schollen sei und niemals von sich hören lassen werde, stellten sich viele Freier wieder ein in der Hoffnung, sie endlich zu gewinnen. Während alle aber ihre Schönheit als das siltcnste Wunder priesen, betrachtete sie selbst nur mit Wehmut ihr Bild im Spiegel.

Für ihn freut es mich, daß ich noch nicht verblüht bin! dachte sie wohl im geheimen Hoffen und wenn ihre 'eitern sie bestürmten, ihre Gedanken an den Verschollenen aufzugcben und diesem oder jenem Bewerber die Land iu reichen, blieb sie dabei: V ä

Laßt mich ausharren I Ihr könnt Euch darauf ver­lassen, daß er wieterkommt. Er hat es mir versprochen und es ist ganz unmöglich, daß er nicht Wort hält."

i Rafft 1880.

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Wfffen vertragsmäßig gewährleistete Meistbegünstigung sicherzustellen. 006

Die bevorstehende Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten treibt wie immer In der Parteibewegung hohe ?7^ltung. d°r Massen erfolgt, wie ein Bericht von dort sagt, bereits in üblicher Form. Massen­versammlungen, zu denen durch Fackelzüge Tausende hin- gezogen werden, bei denen Feuerwerk abgebrannt und chauerliche Musik geleistet wird, in denen die Träger be­kannter Namen mit verbrauchten Schlagworten die Unru- verlässigen in Reih und Gliedeinzupeitschen" haben, finden überall statt. Die Wander-Apostel folgen sich überall auf den Fersen. Die Staatö-Eentral-KomiteeS tragen zumeist die Kosten. Wo eine starke deutsche Bevölkerung ist, wird selbstverständlich auch deutschgestumpt" - stumpspfech ist der offizielle Name für eine politische Stegreifrede und das Ehrenamt ruht zumeist auf den Schultern deutscher Journalisten und Schauspieler. In die zweifelhaften Staaten wirft man all das Geld und all die Emkgt? über die man verfügt. Unterdessen kann man das Wahlresultat schon mit ziemlicher Sicherheit voraussehen.' Die Staaten fcer Union sind den beiden Parteien zu zwei fast gleichen Hälften verfallen. Die Seite, auf welche Ohio und In­diana fallen gewinnt. Auf die Novemberwahl in diesen beiden zweifelhaften Staaten läßt die im Oktober statt­findende Gouverneurswahl einen sicheren Schluß zu Nun hat, wie der Telegraph meldet, die republikanische Partei in Ohio und Indiana gesiegt und somit kann der Sira der republikanischen Partei als ausgemacht gelten.

Tagesbericht.

Heute findet in Köln die Dombaufeier unter Anwesen­heit des deutschen Kaiserpaares, aller deutschen Fürsten in Person oder durch Stellvertreter, der preußischen Prinzen u. s. w. statt. Die Ultramontanen halten sich grollend abseits. Sie können zwar nicht läugncn, daß der Kölner Dom, unter Beihilfe von ganz Deutschland auögcbant, ein Zeichen der Einheit und Größe des deutschen Reiches ist, ein Ruhmesdcnkmal deutschen Kunstsinns und deutscher Opferwilligkeit, aber was nutzt den Ultramontanen der Mantel, wenn er nicht gerollt ist, die herrliche Kathedrale, wenn nicht Erzbischof Melchers ein Pontificalamt darin hält und mit seinem Segen auch die gnädige Verzeihung dafür erhält, daß der preußische Staat jemals gewagt hat, Gehorsam gegen die Gesetze von ihm zu verlangen. Dem­gemäß, d. h. nach ultramontaner Anschauung ist der Kölner Dom kein Haus Gottes, sondern nur ein Ceremonienpalast des Herrn Melchers, der seinem ganzen Zwecke nicht ent­spricht, wenn der Erzbischof fehlt. Der katholische Gottes­dienst, für den ganz Deutschland diesen herrlichen Dom gebaut hat, ist also Nebensache, Herr Melchers die Haupt­sache. Wir sind wett entfernt, den Ultramontanen den Wunsch zu verübeln, daß bei dieser Feier der Erzbischof anwesend sein könnte, und tragen es ihnen keineswegs nach, wenn sie diesem Wunsch einen würdigen Ausdruck verleihen. Aber indem sie gegen das Dombaufest demonstrieren, nehmen sie das Geschenk, das die ganze deutsche Nation dem katho­lischen Kultus gemacht hat, mit Protest an, sie setzen mit einem Worte den Ultramontanismus, d. h. ihre politischen Bestrebungen nicht nur an die Stelle des katholischen Kul­tus, sondern sie beleidigen alle diejenigen, die zum Ausbau des Domes beigetragen, vom Kaiser herab bis zum gering­sten Käufer eines Dombauloses, der sein Los mit der Ueberzeugung gekauft, daß er zu einer herrlichen Sache etwas beitrage und auf einen Gewinn ganz schlechte Chancen habe. Die ultramvntane Demonstration, die freilich das Fest nicht zum Mißlingen bringen kann, da das Volk ge­nug herbciströmcn wird, und da glücklicherweise die nicht ultramontanen Mcnscheickindec keine Hörner und keinen Bocksfuß haben, diese Domonstration richtet sich gegen die deutsche Einheit, indem sie den Franzosen das Vergnügen macht, beweisen zu können, daß die deutsche Einigkeit nicht einmal zur Einweihung eines Gotteshauses vorübergehend auf 2 Tage hergestellt werden kann. Da nun der Kaiser nicht darauf einging, den herrlichen Kölner Dom als Gedenkstein für die reumütige Rückkehr des Staates aus Canossa gelten zu lassen, sondern einfach ohne Rücksicht auf die politischen Parteikämpfer, das Haus Gottes, welches unendlich hoch über diesen Kämpfen und Parteien steht, ehren will, so demonstrieren diese Katholiken gegen das Fest, nicht weil es mißbraucht wird, sondern weil sie nicht haben miß-

äni eigen nimmt entgegen: Me Expedition d.vlatte», sowie d.Armoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th, Dietrich in Frankfurt a.M.; öaafenpein & Bögler in faanlfurt a. M., Berlin, Leipzig, CölnRudolf Koste in Berlin, Frank­furt a. Ak. ic.

»fohle»-« . sowie sowohl e nach-

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brauchen können. Das Gotteshaus ist ihnen Neben- jache, die Kampfeslust gegen die Erbauer desselben die Hauptsache. Mögen sie fern bleiben, diese Katholiken, oas Feit rann nur gewinnen, wenn diejenigen, welchen der Dom ein Dom im Auge geworden, keinen direkten Mißtou m das Fest Gottes und aller für den Dom opfer­willigen Menschen hineintragen I Bethätigen mögen sich aber auf s neue die Worte des Königs Friedrich Wilhelm IV. bei der Grundsteinlegung des jetzt vollendeten Ausbaues: Der Dom von Köln rage über diese Stadt, rage über Deutschland, über Zeiten, reich an Menschenfrieden, reich an Gottesfrieden, bis an das Ende der Tage."

Im Ministerium der UnterrichtSaiigelegenheitcn ist ein bie Regelung von AlterSpenstonen der Volksschullehrer be­treffender Gesetzentwurf fertiggestellt, der, nach Gutheißung durch daS Staatsministerium, dem Kaiser zur Genehmigung vorgelegt und bann vielleicht schon nächstens an bas Haus der Abgeorbneten gebracht werben soll. Wie man hört soll die Summe von jährlich 800 Mark als das geringste Alters- und Ruhegehalt für ausgediente Volksschullehrer

,Sin- Man erfährt zugleich, daß zur Zeit etwa 2UUU solcher ausgedienten Lehrer die genannte Summe uicht als Jahrcsgehalt, einige noch nicht einmal 400 Mark jährlich beziehen. Die dauernde Mehrforderung wird zu dem im Etat des laufenden Jahres als widerrufliche Staatsbeihülfe ausgesetzten Betrage von 661,000 Mark noch 800,000 Mark betragen.

m Ztg." bespricht in einem längeren

ancle ben französischen Sachverständigen durch die fran­zösische Zollgesetzgebung im sogenannten Expertise-Verfahren eiugeraumten weitgehenden Einfluß auf die Entscheidung der Reklamationen, welche von fremden Importeuren gegen Verfügungen französischer Zollbehörden erhoben werden, worüber seitens des deutschen Handelsstandes sehr häufig Klage geführt werde. DieNorddeutsche" teilt auf Grund zuverläfiiger Informationell den bisherigen Verlauf einer von erner deutschen Firma im Regierungsbezirke Arnsberg erhobenen Zollreklamation mit, bei welcher thatsächlich zur Entscheidung gelangen werde, ob der Einfluß französischer Experten so weit reichen dürfe, um deutsche Erzeugnisse von revem Mltgenuß der vertragsmäßig gewährleisteten Meistbegünstigung einfach auszuschließen. Der Wert der Melstbegunstlgung scheine in Frage gestellt, wenn die französische Regierung gegen mit der nachweisbaren Wirk­lichkeit in Widerspruch stehende Entscheidungen französischer Experten kerne Abhülfe gewähren könne. Für beit vor­liegenden Fall sei neuerbingS eine Lokalexpertise in den Fabrikräumen des Interessenten in Deutschland beantragt. Hoffentlich werde fraiizöstscherseits durch Eingehen auf diesen Antrag das Mittel gewährt, um die den deutschen Er-

. "^nb ff""" er vielleicht längst gestorben und begraben ist? fragten die Eltern.

Mein Herz sagt mir, daß ich ihn wiedersehe!"

An einem rauhen Herbstmorgen stand sie wieder ein­mal am Strand. Mehr Segel als gewöhnlich zeigten sich am Horizont, aufmerksam beobachtete sie dieselben. Ein Schiff war größer als die andern, es mochte ein Kriegs­schiff sein. Hätte nicht der Nebel über den Wassern ge­raucht, so hätte sie deutlich den prächtigen Bau erkennen können. Nun sah sie nur, wie ein Segel nach dem andern aufgehifft wurde und das Schiff majestätisch den andern voranschwebte. Graue Morgendünste umwallten wie geh-imnisvolle Schleier. Ein bleicher, geisterhafter Sonnen­strahl zuckte jäh über den Wimpel, welcher vom höchsten Mast flatterte gespenstisch schnell war es wieder außer Sicht und in raschem Fluge, wie eine Mövenschaar, folgten ihm die anderen Fahrzeuge.

AIS ob sie einen heftigen Stich empfände, so peinvoll griff Nanni sich nach dem Herzen.

Die Segel kommen und gehen, kommen und gehen und immer wieder derselbe Krampf innerer Aufregung, ob denn keines ihn bringt?

Stumm und schlaff senkte sie den ermatteten Kopf. Es war nicht ihre Art zu meinen, aber der Schrei der Verzweiflung, oer heute aus ihrem Innern hervorbrach war markdurchdringend. Sie fühlte, daß sie kaum ihr Schicksal länger zu ertragen vermochte. Aufgerieben war sie von Enttäuschungen, müde, sterbensmüde. Aller Lebens­mut erstarb. Gab cs denn noch einen Gott, der das Schreien der Verwaisten hörte? Sah er, wie sie langsam grausam verblutete und hatte kein Erbarmen?

Ein finsterer Trübsinn überfiel sie sie konnte nur

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Deutsches Reich.

» Berlin, 14. Okt. Die oldenburgische Regierung j?a*te E Ium v. I. beim Bundesrat den Antrag gestellt, für das Herzogtum Oldenburg

Weserorten Elsfleth und Nordenhamm gestattet werden mochte. Der Bundesrat sprach sich allerdings zunächst nut Stimmenmehrheit für diesen Antrag aus, erkläre icdoch nach weiteren Erörterungen auf Vorschlag bet Vor- ^enben sich barmt einverstanden, daß die definitive Be- schlußfassung in einer noch vorzunehmenden zweiten Lesung floUe*: vldenburgische Regierung hat nun,

obgleich schon in der bezüglichen Sitzung des Bundesrats ihre Vertreter den Antrag mündlich näher begründet hatte, es doch rm Jntereffe der genannten Weserorten für ge- boten erachtet, den Antrag vor Eintritt der zweiten Lesung sachlich noch etwas weiter zu motivieren. Diese auSführ- iche Begründung, welche jetzt dem Bunderat überreicht ist, hebt wiederholt hervor, daß die Folge der Versagung ge­mischter Getreidelager für die Orte Elsfleth und Norden- Hamm aus die Vertreibung des Getreidehandels, insonder­heit auch des Transitgeschäfts, aus diesen Orten nach den noch in dem Schmerz versteinern, denn gab nichts mehr, daß ihn ihr von der Seele löste. v

Sie rang im Gebet um Licht, daß ihr trostloses Schick­sal ihr nicht den kindlichen Glauben raube, aber umsonst, ihr Schicksal blieb dunkel und so wurde auch dunkel in ihrer Seele.

»Wollt ihr denn nicht den treulosen Menschen ver­gessen, sagte bitter ein Fischer zu ihr, der am Strande saß und die gefangenen Flundern aus den Maschen seiner Netze mühsam löste, um sie auf einen Haufen neben sich ju werfen. Er hatte Nanni'ß heimlichen SchmerzenßauS- vruch belauscht.

,. Kirkerup, der von der Knabenzeit her um jeden Blick von ihr gegeizt und der ihr nicht verzeihen sie ferne standhafte Liebe noch immer um lenes Verhaßten willen verschmähte.

Sie fuhr aus dem Schmerz auf, in dem sie versunken und sah, wie er das Messer aus dem Kahn langte, den Fischen die Köpfe abfchnitt, die Eingeweide außnahm und sie dann zum Räuchern auf kleine Stäbe zog.

Treulos ist er nicht. Nicht treulos!" sagte sie dumpf °ber mit einem Ausdruck so unerschütterlichen Glaubens daß bet schlichte Bursche sogar mitten in seiner eifersüch­tigen Wut davon ergriffen wurde.

Ich 'lttÄ"nicht!" W^h-n. H^t Ihr, Keiner! ... so drohend trat sie auf ihn zu und ihre Stimme jdterte so vor Empörung, daß er ihrem sonst so weichen Wesen gar nicht solche Enschloffenheit zugetraut hätte. f Viuii seid nur ruhig, ich wollt' Euch nicht kränken," ! grrollte er, aber sie hörte an seinem Ton, daß sich sein I Zngrrmm nur verschärft hatte (Forts, folgt.)

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d. Amwnren-Bureauk von E. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägerffchr Buchhandlung daselbst, Hrrmampsche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in

Berlin: D- Thiene« in toerfelb^ 6. Schlotte in

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