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Rr. 282.
Marburg, Donnerstag, 14. October 1880.
XV. IahWig
Anzeigen nimmt emgegen: die Expedition d.vlattes, sowie d.Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haafenstein & Bögler iu Frankfurt a. M., Berlin. Leipzig, 651» ic.; Rudolf Stoffe ix Berlin, Frank- tat a. Hi i».
WWschk Ikitiliiß.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter sowie d- Annoncen-Bureaur von <8. L- Daube LSo.in Frankfurt a. M; JSge^sche Buchhandlung daselok; Hermann'sche vuchhaudl. daselbst: Jnvalidendank in Berlin: W ThieneS ix toerfelb: 6. Schlotte ix Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- un» Feiertagen- Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Sluttrirte» BonntaaSblatt" dur» bZ
»uchdruckere.) bezogen «art durch die Postämttr des Deutschen Reiches S Mark 50 (ejl^e|te»?-5SS2S?8 bk g« ‘^&710 U **
______________________________ Mr tn der Expedition zu erthetlende Auskunft und Annahme von Adressen werden SS ffg. berechnet-
Tagesbericht.
Am 9. d. M. empfing der Herr Kultusminister von Puttkamer eine Deputation des Vereins der Lehrer an höheren Unterrichts-Anstalten in der Provinz Brandenburg, bestehend aus den Oberlehrern Dr. Hamdorff (Guben), Dr. Mayer (Kottbus) und Dr. Noack (Frankfurt a. O.), zur Ueberreichung einer durch umfassendes zahlenmäßiges Material substantiierten Denkschrift in Betreff der Gleichstellung der Lehrer an höheren Unterrichtsanstalten städtischen Patronats mit den Lehrern an staatlichen Anstalten hinsichtlich des Wohnungsgeldzuschusses. Zunächst trug der Führer der Deputation, Herr Dr. Mayer (Kottbus), ein Resumö des Inhalts der Denkschrift vor und wies namentlich darauf hin, daß die Lehrer an den städtischen höheren Schulen, obgleich sie dieselbe Qualifikation besitzen, dieselbe Amtslhätigkeit ausüben, dieselbe soziale «Stellung einnehmen, wie ihre Kollegen an staatlichen Anstalten, doch eben infolge des meist rein zufälligen Umstandes, daß sie an einer städtischen Schule ihre Anstellung gefunden, pekuniär erheblich ungünstiger gestellt seien, als ihre Kollegen, und daß diese finanzielle Beeinträchtigung auf die Dauer der Zeit leicht ein gewisses Mißbehagen Hervorrufen könne, welches dadurch einigermaßen gerechtfertigt erscheine, daß sie ohne eigenes Verschulden in diese vergleichsweise ungünstige Stellung geraten seien. — In seiner Erwiderung erkannte der Herr Kultusminister das Mißliche des augenblicklichen, für die städtischen Lehrer allerdings peinlichen Zustandes, sowie die Berechtigung der Ansprüche der Lehrer an den städtischen Gymnasien und Realschulen I. Ordnung ausdrücklich an, betonte ferner, daß er ein lebhaftes Interesse daran habe, daß diesem Zustande baldthuxlichst ein Ende gemacht werde, und versicherte, daß er keine Gelegenheit und kein Mittel unbenutzt lassen werde, um die Kommunen zur Gewährung des Wohnungsgeldzuschusses anzuhalten und die städtischen Patronate darauf hinzuweisen, daß diese Gewährung im eigenen wohlverstandenen Interesse der Gemeindegymnasien selbst liege; er finde es durchaus erklärlich und berechtigt, daß die tüchtigeren unter den Lehrern der städtischen Anstalten ohne Servis sich bemühen würden, an staatliche Schulen zu gelangen. Ferner bemerkte der Herr Minister, daß er gerne bereit sei, auö den im Etat zu diesem Zwecke bereit gestellten Mitteln die städtischen Patronate nach Maßgabe ihrer Bedürftigkeit zu unterstützen, doch sei er in der Verfügung über diese Summen insofern einigermaßen beschränkt, als Zahlungen aus diesem Etattitel nur im Einverständnis mit dem Finanzminister geschehen dürften. Schließlich versicherte der Herr Minister, daß er der Angelegenheit auch fernerhin sein besonderes Interesse zuwenden und, soviel er vermöge, auf Beseitigung des noch bestehenden Uebelstandes hinwirken werde. Aehnliche Zusicherungen erhielt die Deputation von den Herren Unter*
Die Enthüllung.
Novelle von A. Reichstädt.
(Fortsetzung.)
Die Eltern thaten indes alles, um ihr Kind zu trösten und waren froh, dasselbe noch ein wenig zu behalten.
„Der wird nicht lange fortbleiben I" sagte die Wirtin schmunzelnd zu ihrem Manne. „Mein Lebtage habe ich Keinen gesehen, der so verliebt in seine hübsche Frau gewesen wärest
Ein scharfer Seewind erhob sich. Das Meer war von jener leuchtenden dunkelblauen Farbe, die beim Sonnenschein in das krystallklare Seegrün hinüberschillert, die weißen Schaumkämme jagten einander neckisch-sprühend, verfließend, wieder aufbrandend und im Morgenlicht funkelnd wie Diamanten. Es war, als ob der Strand sich noch einmal in seinem vollen Zauber zeigen wolle.
Zum letzten Mal wanderte das junge Paar an den Möwenstein, ihren Lieblingsplatz. Von dort aus sollte das Boot in See stechen. So frisch plätscherte die Flut über die Kiesel, — den prächtigen Mosaikboden der See. fieber die weißen, durchsichtigen Quarze, die wunderlich geformten schwarzen und Hellen Kalksteine huschten Sonnenstrahlen und fingen sich in den zarten, spinnwebfeinen grünen und rötlichen Deepflanzen. Bachstelzen hüpften stink über dürren braunen Seetang. Möwen badeten in den Wellen.
„Wie wirst Du und das Meer mir fehlen! Ihr gehört mir jetzt zusammen — ich kann das eine nicht ohne das andere denken! Mir schaudert vor dem Festland und dem Gewühl der Menschen, in das ich hinein soll!" rief er.
staatssekretär v. Goßler, Ministerialdirektor Greiff und Geh. Oberregierungsrat Bohtz. — Thatsächlich mag noch bemerkt werden, daß unter den 249 Gymnasien der Monarchie noch 49 und unter den 70 Realschulen I. Ordnung noch 21 des Wohnungsgeldzuschusses bislang entbehren.
In einer Parffer Korrespondenz der „Kölner Zeitung" wird über den Wechsel der Stimmung in Frankreich, bezüglich der gegenwärtigen orientalischen Phase berichtet: Der Umschwung — so bemerkt der Korrespondent — ist so vollständig, daß ein Beamter höchsten maßgebenden Orts wörtlich zu ihm sagen konnte: „Ich hoffe, daß Frankreich und Deutschland künftighin in der orientalischen Frage Hand in Hand gehen werden."
Neueste Orient - Nachrichten :
K o n st a n t i n o p e l, 12. Oktober. Die türkische Regierung wird demnächst ihre Botschafter in den europäischen Hauptstädten beauftragen, eine Vereinigung der türkischen Staatsgläubiger zu veranlassen behufs Wahl eines Vertrauensmannes, welcher mit Vollmachten versehen, im Namen der Gläubiger mit der Pforte in Konstantinopel zu verhandeln hätte. Die Pforte 'beabsichtigt, die sechs indirekten Steuern der Türkei, sowie die Jntraden von Cypern und Ostrumelien ihren Gläubigern zu überlassen. Die Gläubiger würden ein Bankinstitut mit Einziehung dieser Steuern beauftragen. Es würde der Pforte gleich gelten, ob hierzu ein vorhandenes Institut benutzt wird, welches in Konstantinopel eine Filiale herstellte, oder ob die Gläubiger vorziehen, ein eigenes Institut zu diesem Zwecke zu gründen. Die Eintreibung der indirekten Steuern würde provinzweise in die Hände der Generalsteuereinnehmer gelegt werden, welche das die Gläubiger vertretende Institut zu ernennen hätte.
London, 12. Oktober. Die „Times" mißt die Nachgiebigkeit der Pforte den dringlichen Vorstellungen der Botschafter DeuschlandS, Oesterreichs und Frankreichs bei und beglückwünscht Europa zu der glücklichen Lösung des verwickelten Problems. Die türkische Note dürfe durch die Abtretung Duleignos als thatsächlich beseitigt betrachtet werden. Der Beschluß der Pforte bekunde die Rücksicht gegen den Willen Europas, welche zu erwarten die Mächte berechtigt gewesen seien. Die Türkei habe sich gewissermaßen mit Europa wieder aus guten Fuß gestellt. Die plötzliche Lösung der verbleibenden Fragen könne jetzt billigerweise nicht verlangt werden. — Nach einem Hinweis auf die Gefahren weiterer Exekutionsmaßregeln hofft die „Times", die Pforte werde es den Mächten möglich machen, ihr für eine Weile Frist zu gewähren. Europa könne seine Forderungen nicht zurückziehen, allein wenn die Türkei Willens sei, denselben gehörige Rücksicht zu schenken, dürften die Mächte ihrerseits wohl einwilligen, die Schwierig-
„Wann bekomme ich Nachricht von Dir, wie eS Dir da draußen ergangen?" fragte sie zaghaft.
„Bald genug, hoffentlich. Wenn ich zurückkomme und sie Dir persönlich überbringe."
„So wollten wir uns gar nicht schreiben?"
„Nein, warum? Da ich nicht weiß wo ich mich am längsten aufhalten werde und Geschäfte an verschiedenen Orten habe, kann ich Dir kaum eine bestimmte Adresse geben. Dich weiß ich hier ja in sicheren Händen geborgen und ich hoffe die Trennung soll nicht lange dauern."
„Wie bald glaubst Du denn zurückzukehren?" fragte sie kleinlaut.
„O, vielleicht schon in 7 bis 8 Tagen."
Diese tröstliche Aussicht hatte sie nicht erwartet. Ihr ganzes Antlitz verklärte sich. Sieben bis acht Tage sind schnell dahingeflogen! jauchzte sie.
Sollte die Trennung wider mein Erwarten aber länger dauern, wird mein junges Weib mir denn auch treu bleiben?"
„Und wenn sie ewig dauern sollte!" fiel sie ihm rasch ins Wort und sah ihm tief und freudig in die Augen, „so bliebe Dir Dein Weib doch ewig treu."
ES that ihr wohl zu sehen, wie ihm ihr glühendes Geständnis bis in die innerste Seele drang und mit welchem Kampf er sich zuletzt aus ihren Armen riß. Kaum kannte sie den starken Mann wieder, so schwer wurde ihm der Abschied. Nicht, daß er ein Wort darüber sprach, aber seine sonst so ruhige Hand bebte bei dem letzten Druck und als das Boot vom Ufer stieß, sah er ihr nach, so öde, so schwermütig, ja verzweiflungsvoll, als ob all' ihr genossenes Glück ein Traum gewesen, der mit jedem Ruder- schlage mehr zerrinne.
keiten in Betracht zu ziehen und die weiteren Forderungen zu verschieben.
Paris, 12. Oktober. Die „Agence HavaS" meldet aus Konstantinopel von heute: Der Sultan unterzeichnete heute Nacht einen Jrade, welcher die friedliche Uebergabe Dulcignos anordnet. Eine Convention wird mit Montenegro abgeschlossen werden, um die Institutionen und die Religion der Einwohner sicherzustellen. Der Jrade wurde heute Morgen den Botschaftern mitgeteilt. Die Pforte hofft, daß die Mächte jeder anderen Pression zur Regelung der übrigen Fragen entsagen werden.
Bao sich, 12. Oktober. Ein Telegramm aus Cettinje meldet: Die Pforte hat heute Montenegro angezeigt, daß sie beschlossen habe, Dulcigno noch tn dieser Woche freundschaftlich an Montenegro zu übergeben. Eine große Anzahl Montenegriner ist von der Grenze in die Heimat zurückgekehrt.
Konstantinopel, 12. Oktober. Die Note an die Botschafter der Mächte wegen der Uebergabe Dulcignos ist von dem Ministerrate bereits dem Sultan zur Genehmigung vorgelegt worden. Said Pascha hat gestern die Botschafter besucht. “
Deutscher Reich.
** Berlin, 12. Okt. Es liegt bereits ein Spezial- Etat des Reichshaushalts-Etats für 1881/82 im Entwurf dem Bundesrat vor, nämlich der Etat für den Rechnungshof des deutschen Reichs. Derselbe beziffert die fortdauernden Ausgaben 465453 M-, 4835 M. mehr als im Vorjahr. Dieses Mehr fällt vorzugsweise aus die Position Besoldungen, indem die Zahl der Revisoren um einen erhöht werden soll, dessen Gehalt 4200 M. beträgt. Die einmaligen Ausgaben find auf 8000 M., 12000 M. weniger als im Vorjahr normiert. Der Minder-Ansatz erscheint mit Rücksicht auf die Lage deS Revisionsgeschäfl» thunlich, indem die im vorigen Etat für Revision der Rechnungen über die französischen Verpflegungsgelder mit 10000 M. in Wegfall kommt. — Die Berufung des Ministers Hofmann nach Elsaß-Lothringen, wird jetzt so dargestellt, als wenn zwischen ihm und dem Reichskanzler auch sachliche Differenzen, namentlich in Bezug auf die Zukunfispläne des Fürsten geherrscht haben. ES kann versichert werden, daß solche Differenzen nicht stattgefunden haben. — Das Gerücht über Verhandlungen, die im Ministerium des Innern aus Anlaß des jüngsten Verbots des Polizeipräsidenten von Berlin in Theaterangelegenheiten geschwebt hätten, enveist sich als irrtümlich. — Die Blätter berichten über eine sog. Versammlung nordwestdeutscher Delegierter der Fortschrittspartei in Hamburg. Das Verzeichnis der dort erschienenen Personen sowohl als der vertretenen Bezirke ist nicht sehr stolz. Kaum ein bekannter Name ist darunter zu finden, und tn Bezug
Lange, lange blieb sie auf derselben Stelle stehen und winkte ihm mit dem weißen Tuch, bis sein Segel fern am Horizont verschwand. Wie zerschlagen und betäubt kehrte sie endlich heim. Die Füße wollten sie kaum tragen. Bleiern lag es ihr in alle» Gliedern und vom trüben Denken wurde ihr der Kopf ganz wüst.
Die Woche verstrich pfeilgeschwind, weil sie mit großer Bestimmtheit auf den siebenten Tag rechnete. Das war der erste Termin, den er genannt. Ihr hoffendes Herz glaubte, daß er womöglich tn der ersten Morgenstunde dieses Tages schon eintreffen würde.
Aber er kam nicht.
So kommt er morgen, sagte sie zuversichtlich, schmückte sein Zimmer festlich mit den Feldblumen, die er liebte, putzte vom Morgen bis zum Abend an seinen Fenstern, wischte von allen Sachen immer wieder jedes Stäubchen ab — der Tag nahm gar kein Ende.
Als der Mond zuletzt über dem Walde stand und noch immer weder Segel — noch Ruderboot auf der öden Wasserfläche zu erspähen war, schlich sie enttäuscht in ihre Kammer.
„Ich war so thöricht so früh auf seine Rückkehr zu hoffen," sprach sie traurig in sich selbst. „Er sagte, vielleicht käme er so bald! Vi elleicht! Wer weiß wie krank sein Vater noch immer ist, so daß er gar nicht fort kann. Er ist gewiß der liebevollste Sohn den eS giebt — ich will mich darauf gefaßt machen, daß ich noch eine gute Weile warten muß. So wattete sie die folgende Woche und die nächste und wieder eine und — wunderbar — mit keiner, die sie hinter sich ließ, nahm ihre Kraft und innere Freudigkeit ab, es war eher, als ob dieselbe in der Prüfung wüchse..
(Fottsetzung folgt.)