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Nr. 233.

jRocßucg, Mittwoch, 6. October 1880.

XV. Mw

(Olin1|ciriffl|c Jritiniii

Anzeigen nimmt entgegen bteExpedMo« d.vlatte» sowie d- Annoncen-Bureaux von S- L- Daube & To. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst, Hermann'sche Buchhandl, daselbst; Jnvalideudank in

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d.Annonien-Bureaur von LH, Dietrich & To. in staffel und Hannover; LH, Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt «- M., Berlin, Leipzig, LSln Rudolf Ltoffe in Berlin, Frank- fiert tu M re.

Berlin; L. LhieneS in «berfeld: L. Schlotte in --- - Breme«.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Tonn» und Feiertagen- Preis für daS Quartal mit her

Buchdruckerei) bezogen 3k Stark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 5« Ma^erÄeftS durch die Expedition (Koch'sche

_______________________sa° in der Expedition zu erteilende Ankunftm.dAnnahm?von AdWW f<k b ^lpaltene Zeile 10 Pf,.

Bestellungen auf das vierte Quartal der

Dberhessischen Zeitung

mit deren Gratisbeilage

Jllustrirtes Sonntagsblatt

werden noch fortwährend angenommen.

IW- Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

Nach den Allerhöchst genehmigten Ergänzungen und Aenderungen der Wehr- und Herr-Ordnung ist bezüglich des Diensteintrittö und der Annahme Einjahrig-Freiwilliger nachstehendes festgesetzt: 1) Die Truppen der Feldartillerie und des Trains sind in Orten, wo außerdem Truppen zu Fuß garnisonieren, zur Annahme Einjahrig-Freiwilliger nur insoweit verpflichtet, als die Zahl von vier Einjährig-Freiwilli­gen bei jeder Batterie und Compagnie nicht überschritten wird. 2) Die Einjahrig-Freiwilligen, welche bei der Cavallerie, der Fcldartillerie und dem Train behufs Ableistung ihrer aktiven Dienstpflicht eintreten, werden durch ihre Truppen­teile beritten gemacht. 3) Für die Benutzung eines Dienst- pscrdes haben die Einjährig-Freiwilligen zu zahlen: bei der Cavallerie und der reitenden Artillerie 400 Mark (früher nur 300 M.) bei der nicht reitenden Feldartillerie und beim Train je 150 Mark: beim Train wie bisher. Bei der Feldartillerie war bisher die Summe für Benutzung eines Dienstpfcrdes nicht zu zahlen. Diese Bestimmungen finden bereits auf die am 1. Oktober d. I. eintretenden Einjährig-Freiwilligen Anwendung.

Die im Ministerium der öffentlichen Arbeiten ausgcarbei- tete Vorlage über die wirtschaftlichen und finanziellen Garan- tiecn bei der Verwaltung der Staats-Eisenbahnen schließt sich noch an. diejenigen Vorschläge an, wie sie vom Abgc- vrdnetenhause in der letzten Session beschlossen worden sind. Es werden dem Eisenbahnrat einige wcitergehende Befugnisse behufs Mitwirkung an der Fixierung der Tarife eingeräumt, als dies bislang bei den betreffenden Institutionen der Fall war. Dagegen hat die Regierung sich nicht dazu entschließen können, das mehrfach ausge­sprochene Verlangen, dem Landtage alljährlich ein Ver­zeichnis der bestehenden Tarife vorzulegen und die Fest­stellung ihrer Sätze dem Landtage mit zu überlassen, zu befriedigen. Man vertritt in Negierungskreisen die An­sicht, daß es nicht angeht, die Tarife einer parlamentari­schen Genehmigung alljährlich zu unterstellen, eine Prozedur,

Die Enthüllung.

Novelle von A. Reichstadt.

(Fortsetzung.)

Zustimmend drückte Tönnies dem Eigenwilligen die Hand und versprach Beistand.

Er wußte, Waldemar war nicht gewohnt, leidenschaft­liche Wünsche zu beherrschen und konnte nicht den gering­sten Widerspruch vertragen. Ihn sich zu Dank verpflichten, brachte Vorteil. Nur wenn er ihn in allem unterstützte, wurde er ihm unentbehrlich. Bereitwillig war er der Ge­fällige.

Es war ein milder Abend. Im Westen lagerte eine blaugraue Wolkenbank, in der Mitte zerrissen, so daß durch ihre schmale Spalte leuchtendes Abendrot flammte.

Warm spielte der Wiederschein in den grünen silber­weißen und graulichen Wogen. Ein leiser Wind fing an sie zu kräuseln und bald konnte man das neckische Spiel der Schaumkronen bis an den Horizont verfolgen. Der Wirt saß vor der Thür an dem runden Steintisch bei Weib und Kind, welche Gemüse putzten.

Waldemar gesellte sich zu ihnen und plauderte mit ihnen von ihrem Leben auf der Insel. Ueberall hatte er Reifer­bahnen gesehen, bei jedem Haus, in jeder Straße und wollte wissen ob die fleißigen Seiler guten Absatz ihrer Waare in den Hafenorten fänden.

Nani bejahte dies und entwarf ihm in wenigen Worten ein so anziehendes Bild von der Genügsamkeit dieser an­spruchslosen Leute, daß ihm ihr Geplauder fast noch reizen­der erschien, als ihr Anblick.

Mit jeder frischen Antwort, die sie ihm gab, steigerte sich seine Begierde, ihre blauen Augen auf sich zu ziehen.

die eine große Unsicherheit in die Verhältnisse fand finan­ziellen Ergebnisse bringen wird. Herr Maybach will je­doch dem Landtag ein vollständiges Verzeichnis der Tarife übergeben und in eine eingehende Diskussion hierüber ein­treten, wobei er die betreffenden Wünsche entgegennehmen wird. In dieser Session wird der Etat der Eisenbahnver- waltung der zum ersten Mal in veränderter Gestalt er­scheint, und dessen finanzielle Ergebnisse von entscheidender Bedeutung für die gesamten Staatsfinanzen sind, das Hauptinteresse der Landesvertretung bei den Etatsberatungen in Anspruch nehmen. ES wird dabei seitens des Mini­steriums eine umfassende Darlegung über die Betriebser­gebnisse des ersten Jahres der Staatsverwaltung unter­breitet werden. Wie derMagd. Ztg.« berichtet wird, liegt es gar nicht in der Absicht der preußischen Regie­rung, den Landtag schon in nächster Zeit mit Vorlagen über die Sekundärbahnen und das Kanalwescn zu befassen und die Entsendnng des Geh. Rats v. Weber nach Amen a hat denn auch mit dieser Angelegenheit gar nichts zu thun gehabt. Das Material, welches in Bezug auf die Ange­legenheit gesammelt worden, Berichte und Gutachten, die außer jenen des Herrn v. Weber zahlreich vorliegen, sind noch gar nicht abgeschlossen und namentlich bezüglich der Wasserstraßen die Kostenanschläge noch zu vervollständigen. In Betreff der Sckundärbahnen hören wir, daß die frühere Abneigung gegen Erlaß begrenzter Gesetze noch nicht ge­hoben sei und vielleicht nur die Aufstellung von Normativ­bedingungen beliebt werden möchte. Doch sind auch darüber bestimmte Entschließungen noch Vorbehalten.

Zwischen den Cabinetten der Großmächte hat |in den letzten Tagen ein ungemein lebhafter Depeschenwechsel statt­gefunden, und es liegt die Annahme nahe, daß es sich dabei um die Stellung derselben zu weiteren gemeinsamen Schritten in der Türkei handelte. Es verlautet, daß die Mächte gegen das Ansinnen Englands, die Flottenaktion auf die Dardanellen auszuüben, sich ablehnend verhalten und daher eine solche nach jeder Richtung hin Gefahr drohende Wendung der Dinge für jetzt wenigstens nicht zu besorgen ist. 0

Deutsches Reich.

** Berlin, 4. Oktober. Der Staatssekretär des ReichsamtS des Innern, Staatsminister von Bötticher, welcher in der Sitzung des Staatsministeriums am 1. Oktober als Mitglied desselben eingeführt wurde, hat an demselben Tage bereits die Leitung des Reichsamts über­nommen. Der landwirtschaftliche Minister hat sich am 2. Oktober in Begleitung des Geh. Regierungsratö Danne- mann nach Westpreußen begeben, um einmal die von den elementaren Ereignissen dieses Sommers heimgesuchten Gegenden zu besichtigen und um zugleich an Ort und

Stelle den Stand der Regulierung der Weichsel und No­gat zu prüfen. Am 6. und 7. Oktober wird der Minister wieder in Berlin eintreffen. - In Betreff der Ausführung der am 1. Dezember stattfindenden Volkszählung sind den Regierungen und Oberprästvien bereits die Formulare und x>."struktionen zugegangen. - Das italienische Ministerium für Ackerbau und Handel beabsichtigt, im Laufe dieses

m Pis« unter der Direktion des dortigen land- wirtschaftlicheii Commitiums eine internationale Ausstellung öon Daemaschinen abzuhalten, welche den Zweck verfolgen soll, die auf den besten Prinzipien beruhenden Maschinen, bei welchen billiger Preis mit guter Arbeit und möglichster Samenersparnis sich vereint, durch öffentlichen ConcurS sestzustellen und deren Verbreitung thunlichst zu fördern. An der Preisbewerbung können auch fremde Erbauer teilnehmen. Das Handelsministerium hat den Handels« kammern anheimgegeben, die Aufmerksamkeit der beteiligten Kreise auf den Gegenstand zu lenken.

Hamburg, 3. Oktober. Die neuesten Vorgänge auf dem Gebiete unserer Staatsverwaltung haben insbesondere auch die Hoffnungen der Handwerker aufs kräftigste neu« belebt; dieselben fragten sich, daß sowohl Fürst Bismarck als Herr v. Bötticher als Freunde der Junungsidee ange­sehen , werden dürsten, und daß demnach um so gewisser auf eine nunmehrige Inangriffnahme einer durchgreifenden G-werbegesetzgebungsreform gerechnet werden könne, alö

r. bcy nat$ Elsaß-Lothringen abgegangene frühere Staatssekretär, Herr Hoffmann, ein Gegner der JnnungS- idee war und sein Rücktritt gutem Vernehmen nach nicht zum unerheblichsten Teile auf diesen Umstand zurückzu- fuhren ist. Mit Rücksicht hierauf ist es denn auch sofort gelungen, eine genügende Anzahl von Teilnehmer für den in dieser Woche zu Berlin (anstatt, wie projektiert gewesen, zu Görlitz) stattfindenden diesjährigen Handwerkertag zu gewinnen, und selbst die hamburgische Handwerker-Partei, deren Hauptmasse schon beschlossen hatte, sich von diesem Handwerkertage fern zu halten, hat nun ihre Beteiligung angekündigt und Vertreter gewählt. Auch wir hoffen aus S lebhafteste, daß es in Sachen der Neuorganisation des Handwerks endlich einmal zu festen Vorlagen und zu einem befriedigenden Abschluß kommen möge; aber wir muffen zu unserem eigenen tiefsten Bedauern unsere Be­fürchtung auösprechen, daß auch dieser Handwerkertag wieder in Halbheit, in ziellosem Hin- und Herreden und in tau« falb kleinen, ziemlich matten Gelegenheitsbeschlüffen seinen Verlauf nehmen wird. Abgesehen von den Erfahrungen, die mit den Berliner Leitern dieser Verbindung bis heute gemacht worden sind Männern, die trotz allem bis heute noch nicht den Mut gehabt haben, offen und vorbe- haltsloS mit dem Liberalismus zu brechen berechtigt uns zu dieser traurigen Annahme, besonders das Programm des Berliner Handwerkertages. Allerdings ist es ein altes

Um ihre Aufmerksamkeit an sich zu fesseln, erzählte er ihr von allem, was nur irgend dieselbe erregen konnte. Wie er gehofft, lauschte sie immer teilnehmender und nach­denklicher.

So viel Neues habe ich noch nie gehört," sagte sie entzückt.DaS Hübscheste was ich bis jetzt erfuhr, waren Väterchens gruselige Geschichten ich glaubte, schöneres gäbe es gar nicht, aber nun sehe ich wohl: besser, tausend­mal besser gefällt mir noch, wovon Ihr uns Kunde gabt Wundert Euch nur nicht, ich weiß bis jetzt so wenig."

Dann möchte ich Euch alles erzählen, was ich nur weiß!" antwortete er mit einem seltsamen Lächeln.WaS meint Ihr, hättet Ihr wohl Lust, von mir zu lernen?"

Das kommt darauf an, ob mir es mir Freude macht, was Ihr mich lehren wollt! erklärte die kleine Hexe vor­sichtig, blinzelte mit den Augen und that, als ob sie eifrig in daS feurige Abendgold blicke, in der That aber sah sie unter den halbgeschlossenen Lidern und ein wenig trium­phierend zu den Eltern hinüber.

Mit dem nahenden Dunkel begab sich die Familie in daS Innere des Hauses, nur Waldemar blieb zurück.

Der Vater hatte Nani heute Morgen verdrießlich auSge- scholten, weil sie die Werbung des Fischers Kirkerup aus­geschlagen. Du bist ein voreiliges Ding, Du wirft eS noch bereuen, daß Du einen nach dem andern zurückstößll Und auch die Mutter war böse geworden. Es wird noch die Zeit jkommen, in der Niemand mehr nach Dir fragt. Wenn Dir unsere einfachen Nachbarn nicht gut genug sind glaubst Du denn, daß für Dich erst ein Mann vom Himmel fallen soll

Ich will gar keinen Mann, hatte sie beteuert. Wenn ste von nichts anderem zu reden toiffat, als von ihrem

Fischfang, ihrem Tabak und ihrem eigenen Selbst langweile ich mich tot. Gönnt mir meine Freiheit.

Aber Du wirst doch nicht ledig bleiben wollen?

Warum nicht? Einen Mann zu haben ist ein zweifel­haftes Glück. ES müßte denn ein ganz absonderlicher

Einen ganz absonderlichen giebt eS nicht! schloß die Mutter empört, Nani schlug einen frohherzigen Triller:

So gibt eS keinen, keinen, keinen

Und warum sollte ich darüber weinen sachte aus Herzenslust, fiel den Eltern um den Hals, bis ihr Verdruß sich legte--und jetzt? Nun jetzt

Hopfte ihr Herzchen doch ein wenig erregt, und beim Schlafengehen fang sie wieder ihre felbsterfnndene Strophe, aber ein wenig leiser, als am Morgen und, daß wir'« nur verraten, in ganz langgezogenen, sehnsuchtsvollen Tönen.

Waldemar wanderte noch spät ans Meer. Die Ein­samkeit war ein so seltener Genuß für ihn. Hell stach der einförmige gelbe Sand mit seinen bläulichen Distelbüschen von der stlberschimmernden Wellenwüste ab. Winterstürme hatten die Ufer tief auSgehöhlt. Hier sprangen graue Zacken scharf hervor, von Brombeersträuchen überwuchert, dort ragte eine kahle steile Wand, mit schwarzen Bäumer auf der Höhe; der Boden war mit angespültem Steinge röll besäet.

Immer wieder rief er sich Nani's unschuldiges Gesicht in« Gedächtnis zurück. Wie erblichen alle Mädchen, die er je gesehen, neben diesem. Ihre Eigentümlichkeit schien ihm aus dem Boden, auf dem sie wuchs, hervorgegangen. Die freie, offene Stirn, der biegsame, kräftige Wuchs, die von gar keiner Weichlichkeit angekränkelte Frische ihres Ge­fühls, das alles hatte ste nur hier in solcher Heimat so