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Jilarfiurg, Dienstag, 5. October 1880.

XV. ^aergaig

»ureigen nimmt emgegen: die Expedition d.vlatte-, sowie d.Aimoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Iranisurt a M., Berlin, Leipzig, CSln re.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank» tut! a. Ul »

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Anzeigen nimmt entaegeu dirExpedittou d. Blattti sowie d. Annoncen-Bureauk von @. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Juvalidendank i» Berlin; W- Thiene- in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» un» Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJluftrirteS Sonntagöblatt" durch die Expedition (Roch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

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IllustrirteS Sonntagsblatt

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Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Ex-ed. -. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

DieNordd. Allg. Ztg." wendet sich in einem längeren Artikel gegen den Widerstand, welchen die liberale Presse den neuen sozialen Reformplänen des Reichskanzlers ent­gegensetzt. DieKöln. Ztg." nennt die Idee der Errich­tung eines volkswirtschaftlichen Senats einenfranzöstsch- imperialtstischeu Gedanken"; derHannov. Courier", das Organ Bennigsens, bezeichnet diesen Senat alseineGe­sellschaft von schutzzöllnerischen Jnteressenbrüdern" und die Franks. Ztg." wittert dahinter preußischen Partikularis- muö. Von dem Versicherungswesen wollen sie in der Art, wie der Reichskanzler es sich denkt, auch nichts wissen. Der Kanzler will das Arbeiter-Versicherungswesen im An­schluß an das Reich organisieren, die liberalen Blätter aber wollen nur Privat-Versicherungsanstalten und völlige Frei­heit für den Arbeiter, ob er sich versichern will, oder nicht. ES liegt aber aus der Hand, daß Privat-Berstcherungs- Anstalten sich entweder überhaupt nicht auf die Versicherung der Arbeiter einlassen oder wenn, daß sie das nur in ganz besonders günstigen Fallen und bei hohen Versicherungs- Beiträgen thun; denn die Privatanstalten haben natürlich zuerst ihren Geschäftsgewinn im Auge. Es gilt aber, allen Arbeitern eine Versicherung für die Tage der Krankheit und des Alters zu verschaffen, und daS ist ohne einen ge­wissen Zwang und ohne Zuhilfenahme des Staates, der an der Kasse nichts profitieren will, gar nicht zu machen. Auch von dem dritten Punkt des reichskanzlerischen Programms, den Innungen, wollen die Liberalen nichts wissen; denn auch die Innungen verßoßen ebenso wie der volkswirtschaftliche Senat und die Verstcherungskasse gegen das oberste Prinzip des Liberalismus, das Gehenlassen, daS freie Spiel der Kräfte, das laisser faire. Sollen die Innungen lebensfähig sein, so müssen entweder alle Hand­werker ohne weiteres zum Beitritt gesetzlich gezwungen werden (obligatorische Innungen), oder man muß den In­nungen so viele und so große Vorteile beilegen, daß der Handwerksbetrieb außer der Innung und ohne diese Vor­teile kaum mehr möglich ist, so daß also die Handwerker

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Die Enthüllung.

Novelle von A. Reichstadt.

(Fortsetzung.)

Sie sind wohl Ihres Zeichens ein Jäger oder Forst­mann? fragten die guten Leute Waldemar zutraulich, sein schmuckes Jagdkleid und die kostbare Flinte bedächtig prüfend.

Recht geraten, ich bin Förster."

Und wohl gar bei einem vornehmen Herrn?"

Woraus schließen Sie das?"

Aus dem feinen Tuch."

Wieder recht gesehen. Nun raten Sie auch, bei wem ich diene?"

Nun?"

Sei einem" um Waldemars Lippen zuckte eS keck und in übermütiger Laune setzte er rasch hiiyunun ja, warum nicht auch das?"

Bei einem Fürsten."

Meiner Treu!"

Wirt und Wirtin sahen ihn starr an.

Ein Fürst war in ihren Augen etwas ganz besonderes und gesehen hatten sie, wie sie erklärten, noch niemals einen; wenigstens die Frau nicht.

Noch einmal so diensteifrig ftagte daS behäbige Weib­chen, womit sie deut Herrn dienen könne.

Waldemar lächelte.

Schickt Eure Tochter in den Keller und laßt sie mir vom besten Wein bringen, den Ihr habt."

Wir haben nur eine Sorte."

Einerlei. So schickt uns die."

Gern begab sich die Mutter in die Küche und während Waldemar über den Hof schlenderte, um das kleine Gewese

dadurch zum Beitritte gezwungen würden. Ohne einen größeren direkten oder indirekten Zwang geht es auch hier nicht ab. Davon aber will der Liberalismus nichts wissen und eS geht dem Reichskanzler jetzt mit seinen socialen Neformplänen, wie es ihm mit allen seinen großen Plänen ergangen, bevor man sie kennt, verurteilt man sie und der Liberalismus gefällt sich in diesem Oppositionsgeschrei wie lange noch? ist freilich eine andere Frage. Ein be­beachtenswertes Wort sagt in dieser Beziehung derSchw. Merk.":DieZukunft der jetzigen nattonalliberalenPartei hängt ganz von ihrer Haltung ab. Sie muß die Con- flikrstraditionen ganz über Bord werfen, die Fühlung mit den Secesstonisten vollständig verlieren, jede Rücksichtnahme auf diese und auf die Fortschrittspartei aufgeben und nicht den großen Fehler begehen, sich um das Urteil, das die Secesstonisten über sie fällen, auch nur im Gertgsten zu kümmern. Unsere Zeit braucht ganze Männer, keine halben."

DerReichs-Anzeiger" meldet:Zur Vermeidung von Verwechslungen zwischen den staatlichen Baubeamten (Kreis- Bau-Jnspektoren u. s. w.) und den von denKreiscorporationen angestellten leitenden Kreisbaubeamten haben der Minister der öffentlichen Arbeiten und der Minister des Innern unter Abänderung der Verfügung des Ministers des In­nern vom 7. November 1878 bestimmt, daß den von Setten der Kreiscorporationen angestellten Kreisbaubeamten fortan ausschließlich der Titel Kreisbaumeister beigelegt werden darf."

Der Dienst als Geschworener ist eine öffentliche Pflicht jedes dazu befähigten und berufenen Staatsbürgers; es kann daher, nach einem Erkenntnis deS Reichsgerichts, III. Strafsenats, vom 22. Mai d. I., auch den in öffentlichen Dienstverhältnissen befindlichen unmittelbaren oder mittel­baren Beamten gegeuüber dessen Erfüllung, soweit daS Gesetz nicht besonders gestattet, nicht von einer Gestattung oder einem Urlaub amtlicher Vorgesetzten abhängig sein.

Ein deutsch-conservativer Parteitag für die Provinz Schlesien findet am 19. Oktober in Breslau statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Vorträge:Die allge­meine politische Lage und die aus derselben erwachsenden Aufgaben für -die konservative Partei," Referent Abg. Dr. v. Heydebrandt und der Lasa,Steuer- und Wirtschaftspolitik", Referent Frhr. v. Thielmann auf Jakobsdorf,Presse und Partei-Organisation," Refe­rent Redakteur H. Lange in Breslau. Eine Debatte soll nur über den zuletzt genannten Vortrag stattfinden. Außer­dem ist aus Handwerkerkreisen ein Antrag angemeldet. Der Zutritt ist nur Parteigenossen gegen Vorzeigung einer Eintrittskarte gestattet.

Es ist ein eigen Ding, mit welchem Eifer England

in der Türkei Reformen erstrebt, obgleich eS daselbst, so­weit die Türkei noch unter der Herrschaft deS Sultans teht, keine einzige Provinz giebt, wo Leben und Eigentum o wenig gesichert sind, wie in Irland. Menschenalter sindurch verhandeln die Engländer über die Reform der traurigen irischen Zustände und können damit nicht zu­stande kommen. Die neuesten Vorgänge liefern hierzu ein beklagenswertes Beispiel. So hat nach einer neuesten Depesche der Bicekönig eine Belohnung von 1000 Pfd. St. für Ergreifung deS Mörders des Lord Mounthmorris ausgesetzt und allen Mitschuldigen volle Amnestie zugesagt, welche Mitteilungen machen würden, die zur Verurteilung des Mörders führen könnten.

AuS Wien wird bezüglich eines Briefes deS Sultans an Kaiser Wilhelm der inKöln. Ztg." der Sachverhalt folgendermaßen dargestellt:Bei Uebergabe der türkischen Note vom 23. d. sandte Abdul Hamid gleichzeitig eine Depesche an Kaiser Wilhelm, in der er die Lage der Türkei schilderte und den Kaiser bat, seinen Einfluß geltend zu machen, um die Mächte für Annahme der in der Note enthaltenen vier türkischen Bedingungen günstig zu stimmen. Der Kaiser antwortete, er würdige vollkommen die schwie­rige Lage der Türkei, versichere auch den Sultan seiner vollsten Sympathieen, könne jedoch wegen seiner augen­blicklichen Stellung im europäischen Konzerte irgendwelche Initiative nicht ergreifen. Weitere Bemerkungen waren in der Antwort Kaiser Wilhelm'S nicht enthalten. In berliner türkischen Kreisen zeigt man sich über die augen­blickliche Lage sehr besorgt und zweifelt nicht daran, daß Gladstone, auf die Zerstörung der Türket ausgehend, den Vorschlag machen werde, eine zweite Flotte gegen die Dar­danellen und sogar gegen Stambul zu senden. Man hofft freilich, daß nicht alle Mächte einem solchen Unternehmen beistimmen werden. Eine starke Partei auf der hohen Pforte befürwortet beim Sultan völligen Anschluß an Rußland, dieser sucht jedoch immer noch Stütze bei Deutsch­land, da ihm jedwedes Vertrauen zu anderen Regierungen fehlt." _

Bezüglich der Flottendemonstration bringt der Telegraph folgende Nachrichten:

Wien, 2. Okt. Das Konzert der Mächte dauert fort. Maßnahmen, welche ihrer Natur nach eine allseitige Billigung nicht hätte finden können, sind bis jetzt von keiner Seite in Anregung gebracht worden.

Wien, 2. Octcber. Bezüglich der Zeitungsnachricht, wonach Kronprinz Rudolf in Berlin einem vornehmen Fremden gegenüber geäußert hätte, man finde in Wien die Entwickelung der orientalischen Frage weniger bedenk­lich, Rußland und Oesterreich könnten sich dergestalt ver­tragen, daß ersteres Konstantinopel in Besitz nehme, wenn letzterem gestattet würde, nach Salonichi zu gehen ist

in Augenschein zu nehmen, hörte er ste durchs offene Fenster her dem Töchterlein berichten:

Denke Dir, der stattliche Herr mit den dunklen Augen und dem kecken Auftreten ist ein Förster und steht bet einem großen Herrn in Dienst. Willst Du'ö glauben, bei'einem Fürsten!"

WaS soll's?"

Was eS soll? Hm! Er hat gesagt, Du möchtest ihm eine Flasche Wein bringen. Schnell. Spute Dich. Zieh ein feineres Kleid an. Gegen solche Herrschaften muß man artig sein."

DaS werde ich wohl bleiben lasten!"

Waldemar vernahm ein frohes, silberhelles Lachen.

Und wenn cs der Fürst selber wäre, so könnte er lange warten, bis ich um seinetwillen einen Schritt thäte. Niemals. Dann erst recht nicht."

Soll ich wohl selbst mit meinen alten Beinen in den tiefen Keller?"

Nein durchaus nicht. Für Dich will ich springen, so viel Du willst, das ist etwas ganz anderes. Aber was kümmert mich der Fremde? Und wenn er zehnmal ein feiner Herr ist, so putze ich mich nicht für ihn.

Mit dieser Versicherung ging Nanni singend in den Keller, dem, der sie zufällig belauscht, aber schlug daS Herz:

Wenn ich wirklich einmal ein Wesen entdeckte, welches nicht im Stande wäre, zu berechnen und zu schmeicheln in dem ich Wahrheit, lautere Wahrheit fände? Welche Erquickung! Aber ich glaube, bann wäre ich zu allem fähig."

Bei dem Mittagsesten gelang es ihm nicht einen fteund- lichen Blick von Nanni zu erhaschen, obwohl er mit ihr

anzuknüpfen suchte. Als sie den Tisch abräumte, ging er zum Wirt und fragte:

Habt Ihr ein Zimmer, das Ihr mir vermieten könnt? Ich bin ins Seebad geschickt und hier gefällt eS mir bester als drüben, wo der ganze Strand von gelangweilten Menschen wimmelt. Mir scheint, die See ist hier noch freier und weht eine erquickende Luft. Ich möchte eine Weile bleiben. Euer Schade sollt' es nicht sein."

Der Wirt hatte längst bedauert, daß seine Insel noch kein Badeort geworden; also fragte er zuvorkommend: Wenn Ihnen ein niedriges Seitenzimmer recht ist"

Jedes. Kann ich es bekommen?"

So lange Sie Lust haben!"

Und so blieb Waldemar, während infolge einer ein­gehenden Beratung Tönnies noch denselben Abend die Insel wieder verließ.

Wenn Sie mir diesmal mit Ihrer erprobten Ge­wandtheit beistehen, so leisten Sie mir einen Dienst, den ick Ihnen nie genug vergelten kann," sagte Waldemar zu dem Scheidenden.Täuschen Sie die Leute über meinen Aufenthalt, so gut Sie können und vergessen Sie nie, daß mir alles daran liegt, dies einzige Mal noch meine Freiheit zu genießen."

Doch alles, was Sie zu thun und zu schreiben haben"

Bringen Sie mir pünktlich hierher. Ich werde keine Pflicht versäumen."

Und nachher"

Macht mir, was Ihr wollt. Wenn ich jetzt aufat­men und alles abstreifen kann, was mich sonst gebunden hält, nur meinem inneren übermächtigen Trieb gehorchend, so will ich später mit geschlossenen Augen alles unvermeid­liche über mich ergehen lasten. (Forts, folgt.)