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jflaröucg, Freitag, 1. October 1880.

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Anzeigen nimmt entgegen: »ie Expedition b.Blatte», sowie dAnnonren-Bureaux von LH, Dietrich & Co. in Raffel unb Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haafenstein & Bögler in Francfurt a. M., Berlin, Leipzig, -56ln tu; Rudolf Suffe in Berlin, gsaut« falt c. M- re.

GkcheM Mm.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte# sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & So. in Kianlfurt a. M; Jägerische Buchhandlung bafeleft.; Hermann'sche Luchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; vi. Thiene» in Elberfeld: S. Schlotte in Bremen.

Srjcheint täglich außer an den Weritagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wSchentlichen BeilageJTustrtrteS SvnntagSSlatt" durch die "Spedition (R och'sche Buchdrucker:i) bezogen 2t Vkark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche»3 Mark 50 Psg. (efd Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende AuSiunst und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet

Die Postbestellungen auf das vierte Quar­tal der

Bberhesstschen Zeitung

mit deren Gratisbeilage

JllustrrvteS Sonntagsblatt bitten wir baldigst zu erneuern, da ohne vor­herige Bestellung die Fortsetzung seitens der Post nicht geliefert wird.

SSU- Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Bestellungen für hiesige Stadt sind an die unterzeichnete Expedition zu richten. Neu zugehende Abonnenten erhalten vom Tage der Bestellung an die Zeitung bis zum 1. October gratis.

Die Gxped. d. Oberh. Zeitung.

Gegen die Schnlwnt.

Unter den Krankheiten des gegewärtigen Jahrhunderts nimmt die Schulwut eine ganz hervorragende Stelle ein. Eine Folge dieser verfehlten Richtung, die Schule zum Heilmittel für alleö zu machen, scheu wir an der Stellen­losigkeit von tausenden sogenannter Kaufleute, Techniker und sonstigerGebildeten." Wozu denn die Vermehrung all der mittleren und höheren Schulen, wenn sie nur dazu dienen, das gefährlichste Proletariat, die Sorte der Viertels­und Halbgebildeten von Jahr zu Jahr um zehntausende zu vergrößern. Wozu denn all diese technischen Schnellbleichen, wenn die aus denselben hervorgegangenen Schüler als Meisterstücke baufällige Häuser, verpfuschte Maschinen, ver­fehlte Eisenbahnen, zwecklose Flußkorrcktionen und abtritt­lose Kasernen ausführen? Wozu denn die Errichtung von Handelsschulen, da unsere Nation ohnehin an den Krämern aller Arten als einem verderblichen sozialen und wirtschaft­lichen Ucbel laboriert? Früher bildeten sich unsere besten Techniker an den humanistischen Anstalten aus, um dann bei Praktikern ihre Lehrzeit zu machen. Die Kaufleute, welche den NamenKaufmann" in Wahrheit verdienten, machten nicht selten ähnliche «schulen durch. Der Nieder­gang des kaufmännischen Standes hängt nicht zum ge­ringsten mit der übermäßigen Gelegenheit znrk-ufmänni- schen Bildung" zusammen. Je mehr Kaufleute und Krämer, desto mehr Konkurrenz, Uebervorteilung, Betrug, Vertrauen- losigkeit und Bankerotte. Wie bei den Kaufleuten ist eS bei den Technikern. Auch bei diesen hat sich daS Bewußt­sein der Verantwortlichkeit durch den Kampf ums Dasein

jNachdruck verboten.)

Die Enthüllung.

Novelle von A. Reichstädt.

Eine Stunde von der Küste und der altertümlichen Hafenstadt entfernt, lag draußen im Meer eine stille In­sel. Nur Reifenschläger und Fischersleute bewohnten sie und selten betrat ein anderer Frem' er diesen einsamen Strand, als der Handelsmann aus Lübeck oder Flensburg, welcher alljährlich einmal im Frühlinge eintraf, um den Leuten ihre Taue abzukaufen und neuen Vorrat zu bestellen.

Für wohlhabend galt unter ihren einfachen Bewohnern nur der Wirt: stolzer jedoch als auf Geld und Gut war dieser auf sein einziges Töchterlein Nanni.

Freilich wer sie sah, konnte daS Selbstgefühl der Eltern begreifen, denn gar zu hübsch war ihnen dies junge, frische Kind geraten. Keiner stand daö buntseidene Käpp­chen mit den flatternden Bändern so kleidsam zu dem krau­sen, goldhcllcn Haar und nie umschloß das knappe, reich­gestickte Mieder mit den landesüblichen Zierraten aus Silber­filigran einen schlankeren Wuchs als den ihren. Weit und breit waren Küste und Inseln um ihrer schönen Mädchen willen berühmt, aber alle wurden von dem Liebreiz ver­dunkelt, zu dem sie mit jedem Tage anmutiger erblühte.

Wohl mochte Nanni ahnen, daß sie schön sei, denn sie hatte ein kluges Köpfchen, auch waren ihre Augen klar, und jeder, der ihr begegnete, stand stille und sah ihr lange, wie vor Freude erschrocken, nach aber welche Macht Schönheit ausüben kann, das wußte sie nicht. Bei ihrem abgeschiedenen Leben und kindlichen Sinn ließen die Ver­suchungen der Außenwelt sie unberührt.

Die jungen Burschen ihres armen Dorfes thaten freilich

oder die Sucht nach Profit zu einer mikroskopischen Win­zigkeit kondensiert. Mit den Medizinern und Juristen sind wir bald im gleichen Falle. Man braucht dieseGeschäfte" nur gänzlich freizugeben, und daö heilige Reich deutscher Nation wird schon nach fünf Jahren einerseits von Quack­salbern, Spezialärzten, Annoncendoktoren, geheimen Anstalten, Präventiv- und Abortivräten, andererseits von Winkel- schrcibern, Rechtsagenten, Ferkelstechern, Dorfanwälten und Schmu-Advokaten wimmeln.

In Oesterreich sind die letzteren bereits zu einer solchen Landplage geworden, daß das Ministerium sich entschlossen hat, eine öffentliche Mahnung an die Eltern und Erzieher zu richten, damit sie in der Wahl des Berufes ihrer Kinder und Mündel vorsichtiger zu Werke gehen. Der Minister will dem Zudrang zu den Realschulen und Gymnasien steuern und macht eindringlich auf die Thatsache aufmerksam, daß durch einen solchen Zudrang von jungen Leuten, denen die materiellen und sozialen Voraussetzungen für eine längere Studienlaufbahn fehlen, dem Gewerbe und der Landwirtschaft wertvolle Kräfte entzogen werden und da­gegen das Proletariat der erwerblosenGebildeten" fort­während vermehrt werde. Gegen diesen ministeriellen Er­laß machen nun die liberalen Blätter freilich geltend, daß es Aufgabe des Staates sei, jedem Bürger ohne Unter­schied des Standes, des Besitzes und der Geburt die Mittel zur Ausbildung seiner geistigen Fähigkeiten zu bieten. Sie fordern die Unentgeltlichkeit deö Schulunterrichts und eine weitgehende Unterstützung talentvoller, aber unbemittelter Studenten. Gewiß hat diese Forderung eine Berechtigung und wir sind keineswegs so furchtsam, deren Billigkeit etwa darum in Abrede zu stellen, weil sie einen Anklang an dasRecht auf Acheit" erhält. Allein, wenn die Studien­laufbahn trotz unentgeltlichen Unterrichts und trotz Verab­reichung zahlreicher Stipendien gerade infolge massenhaften Andranges den meisten Schülern, auch den materiell und geistig besser veranlagten Jünglingen keine Aussicht auf eine gesicherte und vorteilhafte Lebensstellung bietet; wenn es ferner eine alterprobte Erfahrung ist, daß sich das Genie in der Regel überall durch- und cmporarbeitet, namentlich im Gebiete der Industrie dann sollte denn doch die Wahl des Berufes nicht mehr zum Besuche der sogenannten Gelehrtenanstalten, sondern vielmehr eher zum Besuch von Gewerbeschulen drängen. Mil Recht betont der österreichische Unterrichtsminister, daß die Schulwut an dem immer fühl­barer werdenden Mangel tüchliger Arbeitskräften im Gewerbe­wesen die Schuld trage und den Verfall vieler, ehemals blühen­der Zweige desselben herbeiführe. Deswegen ermahnt der Minister die Direktionen der Gymnasien und Realschulen bei der Aufnahme neuer Schüler vorsichtiger zu Werke zu gehen, die Eltern gehörig zu belehren und sie namentlich auf die Bedeutung der niederen gewerblichen Schulen auf­merksam zu machen, zumal die Realschulen (Realgymnasien)

genug, ihren Stolz zu wecken Einer suchte ihr noch mehr au den Augen abzusehen, als der andere. Ließ sie sich auf dem Tanzboden blicken, so gab es oft hitzigen Kampf um die Ehre, sie zum Walzer zu führen, und wer sie im Triumph errang, stieß gewiß die frohlockendsten Jauchzer aus, den Neid der anderen zu verspotten, aber sie lachte nur über die derben Huldigungen ihrer Gespielen selt­sam schien ihr so tolles Gebaren I Höchstens daß sie heiter den Kopf darüber schüttelte und den ungeschicktesten Ver­ehrer mutwillig neckte, weiter beachtete sie es nicht.

Der Vater hatte in seiner Jugend die Erde nach Nord und Süd umschifft und sie hörte ihm gerne zu, wenn er abends bei der Pfeife am lodernden Herdfeuer von fremden Ländern wunderbares erzählte. Sehnsüchtig schweifte dann wohl ihr Blick zum Fenster hinaus auf das Meer, daS sich in ungemessener Weite vor ihr dehnte.

Ich möchte nur wisien, wie die Menschen drüben am Lande sind und in den großen, glänzenden Städten I dachte sie und inalte sich ihr Leben in Gedanken aus bunt­farbig und reich und voll Wechsel war es gewiß und viel, viel befriedigender als hier auf dem Gestade.

Hier ist's recht einförmig I seufzte sie ungeduldig, wenn des Vaters Schilderungen gar zu prächtig und spannend klangen.

Wer 'doch auch etwas erlebte!" tief sie einmal in­brünstig, nachdem er ein altes Abenteuer zum tausendsten Mal berichtet.

Was möchtest Du denn erleben, Kleine?" fragte die Mutter verwundert.

Ach, ich weiß nicht was, aber etwas!"- stieß sie heiß heraus, dann brach sie befangen ab. ES war ihr, als

den Zweck der Vorbildung für die gewerblichen Beschäfti­gungen nicht mehr besitzen.

Dem österreichischen Unterrichtsminister gebührt für diesen zeitgemäßen Erlaß die allgemeine Anerkennung. Eine joche wird ihn auch für die vielen Angriffe au< den Kreisen der liberalen Schulmeister, Zeitungsschreiber und Börsenjobber entschädigen. Wozu dir Bildung, wenn sie den Staat und das Volk, die produktiven Kräfte und die gewerblichen Nährstände, die Industrie und Landwirtschaft ruiniert!

DealscheS Reich.

* Berlin, 29. Sept. DieProvinz.-Correspond." schließt einen Artikel, welcher den Titel trägt: die Be­wegung in der nationalliberalen Partei, und über die Ver­sammlungen in Hannover, Leipzig, Mainz und Kassel be­richtet, mit folgendem Satze: der größte Teil der Partei in den Parlamenten wie im Volke hält daran fest, daß die Partei künftig gerade wie bisher dem Wohle des Vater­landes am besten dient, indem sie fortfährt, die Wege der Verständigung aufzusuchen. Die Ausschüsse deS Bundes­rats für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr haben auf Antrag des preußischen Finanzministers und auf Grund des § 21 der Geschäftsordnung für den Bundesrat beschlossen, folgenden Zollstellen die Befugnis zur Abfertigung von Waren bestimmter Tarifnummern zu ändern als den höchsten Zollsätzen der betreffenden Tarif­positionen beizulegen, nämlich zur Abfertigung von Waren der Tarifnummern 2 c (1, 2, 3) und 22 a und b, den Hauptsteuerämtern zu Erfurt und zu Cobleuz, dem Eisen- bahu-Nebeuzollamt I zu Bocholt, dem Nebenzollamt I zu Borken und dem Hauptzollamt zu Hamburg, Zollabferti­gungsstelle B auf dem Venloer Bahnhof, ferner zur Ab­fertigung von Waren der Tarifnummern 22 a und b und 22 e und f dem Nebenzollamt I und Teutschendorf, dem Hauptzollamt zu Thorn und der Zollabfertigungsstelle am Bahnhof zu Thorn. Die Ausschüsse beantragen die nach­trägliche Genehmigung des Bundesrats. Obwohl sich Deutschland vor sämmtlichen übrigen großen Staaten durch die Allgemeinheit einer guten Schulbildung seiner Bevölke­rung auszeichnet, so kommen doch bei den Rekrutenein- stellungen jährlich Einzelne vor, denen es an jeder Schul­bildung mangelt. ES wäre interessant den Mitteln und Wegen nachzuforschen, mit bereit Hilfe gewissenlose Eltern die Schulpflicht ihrer Kinder zu hintertreiben verstehen. Von den deutschen Landstrichen, in welchen vorzugsweise und fast ausschließlich solche Erscheinungen noch immer hervortreten, sind namentlich die preußischen Provinzen Ost- und Westpreußen und die Bezirke Posen, Bromberg und Oppeln, sowie die Rheinpfalz und Elsaß-Lothringen zu nennen. Bei der Einstellung der Mannschaften im Ersatzj ihre 1879/80 fanden sich unter den Eingestellten in

hätte sie ein Geheimnis verraten, das sie selbst noch nicht recht verstünde.

Eines Morgens, als ihr das Herz wieder beim Anblick des blauen Küstenstrichs am Horizont schwer wurde und sie sich vornahm, den Vater so lange zu schmeicheln bi» er sie einmal im Kahn mit hinüber nähme, sah sie ein leichtes Boot auf ihre Insel zusteuern.

Zwei junge Leute saßen darin. Des Treibens in ihrem Seebwe überdrüssig, hatten sie heute in aller Frühe eine kleine EndeckungSreise unternommen'

Müßig, in süßem NichtSthun lehnte sich der eine über den Rand des Bootes und blickte in das sonnendurchleuch- tete, smaragdgrüne Element, dem man bei spiegelklarer Ruhe bis auf seinen verborgendsten Grund sah. Er wurve nicht satt zu beobachten, wie die dichten SeegraSpflanzungen tausendarmig ihre gelbbraunen und olivenfarbigen Ranken zum Licht emporstreckten, während milchweiße Quallen mit roten unb violetten Sternen schweigend darin auf- und niederfchwebten, silberne Fische pfeischnell hindurchschossen und auf dem gelben Sanoe der Tiefe weiße und blau­schwarze Muscheln klebten.

Leise glitt das Boot an einem Riff vorüber, daö zur Warnung für die Schiffer mit einer feuerroten Tonne be­zeichnet war. Von diesem Seezeichen aus lag die Bucht des Eilandes, in welcher das Wirtshaus stand, gerade vor ihnen. Schon sahen sie die mächtigen Buchenkronen deS Waldes sich eine über der anderen wölben, an mancher Stelle erhob sich das Ufer schroff bis zu einer Höhe von hundert und zweihundert Fuß. Auf den Dächern blitzte der Thau im Morgenschein.

(Fortsetzung folgt.)*