in der Kavallerie diente, hatte seinen Vater weiß gemacht, daß jeder Freiwillige auch sein Pferd stellen müßte, und der Herr Papa schickte auch die geforderte Summe ein. Als ein anderer Freiwilliger, welcher in der Artillerie diente, den Erfolg dieses Manövers erfahren hatte, schrieb er seinerseits an seinen Vater, daß jeder Freiwillige auch eine Kanone liefern müßte, uad der zweite Herr Papa verstand sich gleichfalls dazu, die verlangte Summe herzugeben. Als der letztere darauf eine Kruppsche Gußstahlkanone sah, erkundigte er sich nach dem Preise derselben. „Hunderttausend Francs!" war die Antwort. — „Hunderttausend Francs I« Welches Glück," sagte er zu seiner Frau, „daß unser Alfred nicht in dieser Batterie dient."
— (Heilkraft der Baumwolle.) Die Baum- wolle besitzt eine bedeutende Heilkraft. Um rheumatische Augenenzündungen zu heilen, lege man vor dem Schlafen- gehen um den Kopf bis tief an die Augen eine Baum» wollentafel, sog. Watte, und lege sich mit derselben nieder, l^och darf der Verband die Augen selbst nicht drücken. Bei Halsschmerzen wirkt Watte, um den bloßen Hals gelegt, in einer Nacht. — Husten und Katarrh weichen oder werden beträchtlich gelindert, wenn man in der Nacht so- den Hals mit Watte umgibt, als auch einen großen Fleck auf die Brust bindet, hierbei, sowie auch bei HalS- schmerzen ist es vorteilhaft, vor dem Schlafengehen noch ein Paar Tassen Holunderthee zu trinken. — Durchfall, durch Erkältung veranlaßt, wird sogleich gehoben, wenn man den Unterleib in ausgedehntem Maße mit guter Watte verwahrt und sich ruhig im Hause hält. — Kopfschmerzen hören auf, wenn der Kopf mit Watte verbunden wird. — Rheumatische Zahnschmerzen können durch Auflegen von Baumwolle entfernt werden. — Bei Verbrennungen hilft ebenfalls das Einpacken der verbrannteu Stelle mit Baumwolle, nachdem man vorher dieselbe mit feinem Oel bestrichen; dieser Behandlung stnv die vor einiger Zeit in Berlin durch eine Explosion in der Akademischen Bi-rhalle Verunglückten in der Charitö unterzogen worden.
gangen, daß der Zutritt zu der Werft, wo die für den Kaiser von Rußland bestimmte Jacht „Livadia" erbaut wird, allen nicht befugten Personen untersagt wird. Weiter verlautet, die hiesigen Polizeibehörden seien von der Petersburger und der Genfer Polizei benachrichtigt, daß drei Nihilisten mit zwei Höllenmaschinen in der Form von Uhren nach Glasgow unterwegs wären. Diese Jndivivuen sollen schon von London abgereist sein. Die Polizei von Glasgow habe in allen Hotelgarnis, namentlich in den von Ausländern besuchten, nachgeforscht. Bis jetzt ist noch keine Verhaftung vorgenommen. Man untersuchte auch sorgfältig alle Teile der Jacht nach einer etwa dort versteckten Maschine. — Die „Pall- Mall- Gazette" meldet: Der Kohlenvorrat, welcher bereits in der Jacht „Livadia" verladen war, wurde wieder ausgeschifft. Taucher untersuchen den Kiel der „Livadia". Die in London sich aufhaltenden Nihilisten sollen die Existenz einer Verschwörung zugestanden und ihre Bekannten in England benachrichtigt haben, daß es gefährlich sei, an Bord der „Livadia,, zu fahren. — Angesichts der Lage im Orient und in Irland sollen mehrere einflußreiche liberale Mitglieder des Parlaments darauf dringen, daß das Parlament im November wieder einberufen werde. — Die Operationen gegen Dul- cigno sind über Mittwoch hinaus verschoben. Montenegro erklärte, durch das Auftreten Riza Paschas sei die Situation verändert. Es würde bei einem Angriff nicht blos gegen die Albanesen, sondern auch gleichzeitig gegen die türkischen Truppen zu kämpfen haben, wobei es weiterer Vorbereitungen bedürfe. Unter den Mächten finden schleunige Verhandlungen statt.
Hessea-Rassan.
Marburg, 29. Septbr. Wir haben uns sehr wenig seither mit dem „Marburger Tageblatt" beschäftigt — warum auch? wir hatten unseren Lesern besseres mitzuteilen als unfruchtbare Streitigkeiten. Heute noch erinnern wir uns aber sehr genau, mit welchem Eifer das Blatt s. Z. für die Reichötagswahl des Herrn Oberpräsidenten von Ende ins Zeug ging und sind daher einigermaßen erstaunt, als wir in der Nummer vom 27. d. M. in einem gegen die Oberhesstsche Zeitung gerichteten Artikel unter anderen merkwürdigen Dingen die Notiz lasen „die hiesige Wählerschaft sei des zweifelhaften Ruhmes den Oberprästdenten in den Reichstag gesendet zu haben, längst satt!" Woher diese plötzliche Wandlung des Tageblattes? Sind das dieselben Herren, welche das Tageblatt mit so großen Geldopfern gegründet haben, deren Ruhm in der Wahl des Oberprästdenten gipfelte, welche jetzt eine solche Sprache führen — oder haben sich die Hintermänner des Tageblattes geändert? Sind wir recht unterrichtet, so ist letzteres der Fall und daffelbe ist vom Berliner Fortschritt, der sein Licht in Marburg auf einen hohen Stengel stecken zu wollen scheint, in Beschlag genommen. Dann würden wir also in Zukunft die Weisheit der Berliner Waschzettel des Herrn Richter und Genossen im Tagcblatte finden, dürfen aber freilich auch erwarten, daß die Universität — als deren Organ das Tageblatt seither galt — sich öffentlich und entschieden von dieser Gesellschaft loösagt. Was der „Berliner Fort- schritt" ist und was er will, wollen wir unfern Lesern demnächst recht deutlich auseinander setzen, dem Tageblatte aber wiederholen wir wörtlich seinen Schlußsatz, mit dem wir völlig einverstanden sind in Bezug auf die Oberhesstsche Zeitung:
„Es wird auch hier nicht an beherzten Spritzenmeistern fehlen, welche ihr und ihren Hintermännern zu Nutz und Frommen, der liberalen Sache die erforderliche Abkühlung verabfolgen werden!"
So sagt das Tageblatt und so soll es sein.
— Dem Schullehrer und Kantor Kranz zu Jesberg im Kreise Fritzlar ist der Adler der Inhaber des König!. Haus-Ordens von Hohenzollern verliehen worden.
Fulda, 28.Sept. Hr. Seminar-Religionslehrer Dr.Keller in Montabauer hat vom Kgl. Provinzial-Schulcollegium zu Kassel einen Ruf als Seminardirector nach Fulda erhalten.^ Herr Dr. Keller, welcher ein sehr tüchtiger Schulmann ist, wird die Stelle erst dann annehmen, wenn ihm von seinem Bischöfe hierzu die Erlaubniß erteilt wird.
Frankfurt, 28. Skpibr. Mit Bezugnahme auf den gestern hier erfolgten Zusammentritt des Vereinstageö der „Vereine zum roten Kreuz", dürfte eö von Interesse sein, hier auf die umfangreiche Thätigkcit und die großen sinan- I Stellen Leistungen des Central - Comitss im Kriege hinzuweisen. Das Comitö und die mit ihm verbündeten Vereine hatten im deutsch - französischen Kriege von 1870/71 an Baarmitteln 11,650,995 Thaler verausgabt; an Naturalien für 5,258,492 Thaler. Im Jahre 1874 folgte der Bür" gerkrieg in Spanien; das Centralcomitö steuerte zur Krankenpflege 12,000 Frcs. bei, außerdem sandten noch verschie- °ene deutsche Landesvereine Geldbeiträge. Der Aufstand Segen die Holländer in Atschin 1875 veranlaßte das Central- Eomits zu einer Beihülfe von 12,000 Mark. In Folge
Unruhen in Bosnien und der Herzegowina wurden 19,000 Frcs. bewilligt und zwar 5000 Frcs. für die Montenegriner und 5000 Frcs. für die Türken; leider wußte die letzte Summe wieder zurückgezogen werden, weil vdwohl die Pforte der Genfer Konvention beigetrete» war'
Türkei kein Organ der freiwilligen Krankenpflege be- W. Der russisch - türkische Krieg verursachte jgroße Aufwendungen. Modelle aller Art wurden dem russischen finite auf seinen Wunsch zur Verfügung gestellt, eine j"eiteKung von 20 großen Lazaretbestecken effektuiert und vlnnen kürzester Frist 3 SanitätSzüge mit je 24 Wagen >
Frankfurt a. M., 29. Septbr. (Mitgetbeilt durch Menke Eichelberg und Sohn.) Errditaktien 240), nach 239 und — -«taatsbahnaktien 236 nach Silberrente 614 nach Ungar. Goldrente »iß «ach -, 1860t Loose 120), 1877t Russen 91 nach — II. Ruff. Orrentanleihe 68) Galizier —, nach — Papierrente -. Tendenz: Anfang matt. Schluß befe/tigt.
1 Dameu-Regeumautel, neue Fayon, in guten englische« J- Stoffen, von 15 Mark an. [2326
Frankfurt a. M., 4Schillerplatz. Gebrüder Hessel.
reße-rsptzische D-pesche«.
Pest, 28. September. Im Abgeordnetenhause beantwortete Tlöza die Interpellation Miklos' wegen der anti- semlttschen Bewegung, indem er erklärte: die Regierung identificiere sich durchaus nicht mit der von dem Abgeordn. Jstoczy inaugurierten Bewegung. Bisher seien der Neuerung keine Statuten eines antisemitischen Vereins zur Genehmigung vorgelegt worden. Falls nach der Fassung der Statuten der Zweck eines Vereins darin bestünde, zwischen den verschiedenen Klassen, Nationalitäten und Con- fessionen Zwistigkeiten hervorzurufen oder mit den LandeS- gesetzen oder der Verfassung in Widerspruch stünde, würde die Regierung die Genehmigung versagen. Solange eine Bewegung auf dem theoretischen Gebiete bleibe, reiche die Presse selbst als Gegenwaffe auö event. daö Preßaesetz. Sobald aber die gesetzlichen Schranken verletzt werden ollten, werde die Regierung von ihrem gesetzlichem Rechte, solche Agitationen zu verhindern, Gebrauch machen. — Die Antwort des Ministers wurde zur Kenntnis genommen.
Pest' 29. September. Dem „Ellenör" zufolge ist das ungarische Budget pro 1881 fertiggestellt, nachdem der gemeinsame Mimsterrat auch die gemeinsamen Ausgaben normrert hat. Das Budget, welches sich ganz in dem Nahmen des vorjährigen bewegt, widerlegt die Behauptung derjenigen, die dasselbe im Voraus als schlechter darstellten. Eine wesentliche Aenderung hat nur bei dem gemeinsamen Budget stattgefunden, welches in Folge der durch die Situation gestellten Anforderungen etwas höher als das vorjährige normiert ist, jedoch nicht in dem Maße, wie man bisher verkündete.
Rom, 28. Septbr. Garibaldi und Menotti Garibaldi haben ihre Entlassung als Deputierte genommen und erklärt, sie wollten nicht an der Gesetzgebung in einem Lande teilnehmen, wo die Freiheit mit Füßen getreten und das Gesetz nur angewendet werde, um die Freiheit der Jesuiten und anderer Feinde der italienischen Freiheit zu schützen. Die Veranlassung hierzu soll eine dem Schwiegersöhne de« General Canzio zugestellte gerichtliche Aufforderung sein, die über ihn verhängte Freiheitsstrafe anzutrete«.
Paris, 29. Septbr. Das „Journal offiziel" veröffentlicht die Dekrete in Betreff der Ernennung des Herzogs von Choifeul und Raynals zu Unterstaatssekretären.
Belgrad, 28. Septbr. Der Fürst von Bulgarien trifft am 5. Oktober hier ein.
Kirchliche Nachrichten In Stadt «irchhai».
Ev.-luther. Gemeinde.
Vom 15. bis 29. September- Getaufte.
1) Heinrich, des Färbers Friedrich Dettner S. 2) Johann Heinrich, des Schäfers Peter Grähling S-
für 200 Schwerverwundete ausgerüstet. In Folge eines Aufrufes gingen 73,679 Mark für Rußland und 33,211 Mark für die Türkei ein, nachdem in Konstantinopel sich endlich ein Central-Comits zum roten Halbmond gebildet hatte. Auch weiter erfolgten reiche Sendungen an Geld- und Lazaretsachen. Die Gesamtleistung des Deutschen Central-Comitös beziffert sich auf 227,298 Mark. Endlich gingen im Oktober 1878 aus Anlaß der Besetzung Bosniens und der Herzegowina durch Oesterreich 10,000 M. dahin ab, welcher Summe seitens deutscher Landesvereine noch gegen 8000 Mark folgten.
vermischtes.
I ®erVn' 25. Septbr. In Heringsdorf findet heute die Vermahlung des Staats- und Finanzministers Bitter mit Fräulein Clara Nerenz statt. Vieles Aufsehen macht diese Vermählung, die Braut ist eine Tochter des hiesigen verstorbenen Professors dieses Namens. Erst vor 5 Tagen hat die formelle Verlobung stattgefunden, trotzdem eine gemeinsame Liebe zur Musik die beiden genannten Persönlichkeiten schon seit lange und viel zusammengeführt hat. Es hat unter diesen Umständen auch eines königlichen Dispenses von Einhaltung der sonst vorgeschriebenen Frist für diese Vermählung bedurft. Der junge Ehemann zählt 67, seine jetzige Gemahlin 37 Jahre.
Düsseldorf, 26. Sept. (Brand in der Ausstellungs-Restauration.) Gestern Abend gegen 11 Uhr brach in dem in Fachwerk gebauten Nestaurationsgebäude des zoologischen Gartens, welches für die Dauer der Ausstellung gepachtet ist und als Hauptrestauration dient, Feuer aus. Im Saale fand ein Bierkommers alter Corpsstudenten statt, woran sich etwa 200 meistens ältere Corpsstudenten beteiligten. Während einer Rede wurde von den Anwesenden bemerkt, daß in der durch eine Portiöre von dem Saale abgesperrten, neben dem Buffet für den Abend provisorisch Ungerichteten Garderobe beschäftigte Frauenzimmer, um jene Rede hören zu können, die Portiöre zurückschlugen, die dadurch an einem in der Nähe befindlichen Gasleuchter Feuer fing. Mehrere der Anwesenden sprangen sofort hinzu, rissen die Portiöre herunter und traten das Feuer aus, worauf der Commers seinen Fortgang nahm. Leider aber hatte man nicht bemerkt, daß das Feuer auch die über der Portiöre befindlichen Guirlanden ergriffen und durch diese das Balkenwerk entzündet hatte. Als dieses bald darauf in hellen Flammen stand, wurde sofort die im Garten befindliche Feuerwehr herbeigerufen. Es dauerte jedoch lange, ehe diese zur Stelle war, auch konnte sie in der Verwirrung die Hydranten nicht finden, welche zwölf an der Zahl, in der Nähe des Restaurationsgebäudes vorhanden sind. Auch die Schläuche sollen nicht in Ordnung gewesen sein. Da der Saal ringsum mit Guirlanden geschmückt war, die noch von einer früheren Festlichkeit her- nlhrten, so hatte sich inzwischen das Feuer mit rasender Geschwindigkeit verbreitet und bevor die Feuerwehr ihre Thätigkeit beginnen konnte, war schon daö ganze Gebäude und der Dachstuhl ergriffen, so daß das Hauptgebäude nicht mehr zu retten war und sich die Bemühungen der durch die Commeröteilnehmer kräftig unterstützten Feuerwehr darauf beschränken mußten, die benachbarten Gebäude
. Das Feuer ist daher auch auf dieses beschränkt geblieben, selbst die angebaute Restaurationshalle, sowie die Küche sind erhalten und keinerlei Schaden an I dm Nachbargebäuven entstanden. Der Betrieb der Restauration wird, da sofort für Ersatz des vollständig zerstörten Mobiliars gesorgt, keine wesentliche Störung und ebensowenig das für den 1. Oktober vorbereitete, zu Ehren der Preisrichter stattfindende Fest eine Einbuße erleiden, da bis dahin em provisorisches geräumiges Holzgebäude an der Brandstelle aufgerichtet sein wird, das auch im kommenden Winter als Restaurationslokal für den Zoologischen Garten dienen soll. 10 u
... Worms, 27. Septbr. Ein schreckliches Verbrechen ist von hier zu berichten: Gestern Abend fand in Worms die Einweihung eines Saales in dem Gasthause „aum Stephanien' statt. Das Fest war schon ziemlich gut ver- laufeii, als plötzlich eine Keilerei entstand. Zur Erledigung derselben mußte die Polizei einschreiten. Zwei Schutzleute mld zwar die Herren Horn und Kessel, drangen in den Saal, um die Ordnung wieder herzustellen, als plötzlich der Schutzmann Kessel mit einem lauten Aufschrei zu Boden stürzte; auch der Schutzmann Horn fiel einige Sekunden spater stöhnend zur Erde. Die Menschenmassen gingen auf diesen Vorfall hin auseinander und nun erst gewahrte man, daß die beiden Schutzleute mit Blut überströmt und röchelnd am Boden lagen. Rasch kam Hilfe zur Hand aber leider war es zu spät; als der Arzt kam, war der Schutzmann Kessel bereits verschieden, demselben war ein Stich beigebracht worden, welcher die beiden Lungenflügel durchbohrt hatte; auch der Schutzniann Horn hatte eine lebensgefährliche Wunde erhalten. Die Verwirrung war infolge dieses schrecklichen Vorfalles eine allgemeine. Es wurden einige Verhaftungen vorgenommen, unter denselben befindet sich ein gewisser Schmitt aus Weinheim, welcher beschuldigt ist, mit einem Messer die verhängnisvollen Stiche verübt zu haben. Ganz Worms ist infolge dieses Vorfalles in Aufregung, um so mehr, da erst vor kurzer Jett ein anderer Schutzmann durch eine Verhaftung ebenfalls eine Verletzung erhielt, die ihn an den Rand des Grabes brachte. Nach einer heute Vormittag empfangenen Mitteilung soll auch der Schutzmann Horn seinen Verletzungen erlegen sein
Paris. (Ein glücklicher Vater.) Der Figaro erzählt folgende Anekdote: „Ein einjährig Freiwilliger, welcher I