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Marburg, Sonntag, 26. September 1880.
XV. )ihrgW
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WcheMe Zitmig.
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Die Gxped. ö. Oberh. Zeitung.
Deutsches Reich.
*» Berlin, 23. September. In einer Cirkularver- sügu«g an die Kgl. Regierungen hatte der Minister der öffentlichen Arbeiten der Erwartung Ausdruck gegeben, daß durch die neuen Bestimmungen über die Beschränkung der Superrevision der Projekte und Kostenanschläge mit der wachsenden Verantwortlichkeit auch die Freude am Schaffen und die Sorgfalt bei der Prüfung der Projektarbeiten erhöht werden und die Lokalbaubeamten durch die Entlastung von vielen unerheblichen Geschäften Zeit gewinnen würden, einmal ihre Kräfte in höherem Maße wie bisher den wichtigen Aufgaben ihres Berufs — der Aufstellung von Projetten und der Leitung oder selbständigen Ausführung von Bauten — zuzuwenden und sodann auch sich stetig fortzubilden und sich durch Aneignung der Fortschritte der Technik für die an sie zu stellenden Anforderungen immer geschickter und geneigter zu machen. Um die Berufsfreudigkeit der den bautechnischen Lokal- und Mittelinstanzen angehörenden Beamten noch mehr zu erhöhen und ihre Thätigkeit weiter zu beleben und anzuregen, sowie um zugleich eine größere Garantie für die Tüchtigkeit und Gediegenheit der Projekte zu erlangen, erscheint es, wie der Minister in einer neuerdings ergangenen Verfügung (vom 18. September) an die Oberpräsidenten ausführt, zweckmäßig, eine gründlichere und vielseitigere Vorbereitung und Prüfung der wichtigeren Bauprojekte eintreten und sowohl bei der Aufstellung wie bei der Revision solcher Projekte geeigneten Falles eine Mitbeteiligung auch solcher höherer Baubeamten der Provinz, zu deren Ressort die speziellen Aufgaben nicht gehören, stattfinden zu lassen. Wie durch einen hierdurch
Verwaist.
Erzählung von Clara Waldheim.
(Sortierung.)
„Ach so," entgegnete die Dame gedehnt und spielte nachlässig mit ihrem Armband. Sie waren früher Actrice bei der C.'schen Theatergesellschaft, nicht?" ES thut mir leid, mein Kind, daß ich Ihren Wunsch nicht erfüllen kann, ich nehme grundsätzlich nur solche Mädchen in meinem Geschäft auf, die eine ganz tadellose Vergangenheit haben.
Ein Gemurmel des Beifalls antwortete ihr von Seiten der Arbeiterinnen.
„O gnädige Frau," wagte Luise einzuwenden.
„Schon gut, schon gut l" unterbrach sie die Putzmacherin kühl und überlegen. „Niemand sagt sich selbst etwas Böses nach, das ist natürlich. Ich bitte."
Eine hartherzige Frau hat niemals Erbarmen: sie wies mit einer leichten Handbewegung nach der Thür.
Luise wankte hinaus. In ihrem Herzen rief eine höhnische Stimme: „Du warst einst so stolz, so stolz! Die Diener flogen auf deinen Wink, deine Neider zitterten vor deinem Blick."
Sie ging von Haus zu Haus, kaum wissend, waö sie that, überall nach einem Unterkommen fragend, aber überall wurde sie abgewtesen. Eine ehrsame Bürgerfamilie saß eben beim Mittagstisch als sie cintrat. Alle, Vater, Mutter und die erwachsenen Töchter, starrten sie verwundert an.
„Brauchen Sie ein Dienstmädchen, Madame?" fragte Luise ohne weitere Einleitung, um möglichst schnell die entscheidende Antwort zu erhalten.
„Wer hat daS gesagt? Ich denke nicht einmal daran!
ermöglichten Austausch der Erfahrungen mehrerer Baubeamten eine gründlichere und gelungere Lösung der vorliegenden Aufgaben und demgemäß eine Verringerung der Fälle, in denen eine Abänderung der Projekte in der Centralinstanz vorgenommen werden muß, herbeigeführt werden dürfte, so wird eine solche Einrichtung auch die wohlthätige Folge haben, daß Baubeamte, in deren Bezirk größere und wichtigere Bauten nicht zur Ausführung kommen, Gelegenheit zur Verwertung und Bereicherung ihrer Kenntnisse und Erfahrungen erhalten. Die Oberpräsidenten werden daher ersucht, besonders wichtige in ihrer Provinz zur Ausführung bestimmte Bauprojekte in periodischen oder nach Bedürfnis besonders anzuberaumenden Konferenzen, zu welchen, je nachdem die Projekte in das Gebiet des Hochbau- oder des Jngenieurfaches fallen, die mit der Bearbeitung der betreffenden Bausachen betrauten Regierungsbauräte der Provinz und geeigneten Falles auch einzelne, besonders auszuwählenden Lokalbaubeamten heranzuziehen seien und die unter dem Vorsitz des Oberpräsidenten oder deS von demselben gestellten Vertreters stattzufinden haben würden, beraten zu lassen. Darüber, welche Projekte zu einer solchen gemeinschaftlichen Beratung sich eignen werden, sowie in welchem Zeitpunkte eine solche Beratung einzutreten haben wird, ob bei Entwerfung des Programms für die Projekte oder nach Fertigstellung der Entwürfe, lassen sich bestimmte allgemeine Direktiven nicht geben, doch glaubt der Minister annehmen zu dürfen, daß es den Oberpräsidenten unschwer gelingen wird, im Einvernehmen mit den Regierungspräsidenten nach Lage der Verhältnisse und der besonderen Fälle die richtige Auswahl und Entscheidung zu treffen, und daß sich demnächst bald Erfahrungen über die zweckmäßige Art der Gestaltung solcher Konferenzen bilden werden. Diese zur Beratung wichtigerer Bauprojekte anzubcraumenden Konferenzen werden zweckmäßig auch dazu zu benutzen sein, allgemein-interessierende Fragen aus dem Gebiete der Bautechnik und Bauwiffen- schaft, generelle Anordnungen und deren Ausführung, leitende Grundsätze und deren Anwendung u. s. w. zu besprechen. Von wichtigeren Gegenständen, die in diesen Konferenzen auf die Tagesordnung gesetzt werden, wünscht der Minister vorher Mitteilung zu erhalten um in besonderen Fällen eventuell zur Beiwohnung derselben einen Kommissar abordnen zu können.
Breslau, 24. Scptbr. Nach der „Schles. Presse" sind heute in Maifritzdorf bei Reichenstein zwei Pulver« mühlen aufgeflogen; eine Person soll tot und eine verstümmelt sein.
Düsseldorf, 23. Septbr. Da die Einrichtung der Besuchstage der Ausstellung zu 50 Pfg. Entree einen so bedeutenden Erfolg gehabt (an den beiden letzten derartigen Tagen, den 15. und 22. d. Mts., betrug die Zahl der zahlenden Besucher 15723 resp. 16519) und um den
Wollen Sie sich etwa dazu vermieten? Sie sehen mir gerade darnach aus, als ob sie etwas verständen 1 Mit Ihren kleinen Händen können Sie ja nicht einmal den Besen halten!"
Auf ähnliche Weise wurde sie allenthalben fortgeschickt. Dennoch gab sie in einer Art verzweifelten Eigensinnes ihre Bemühungen nicht auf. Sie ging weiter und weiter, pochte hier und dort an, und vor ihren Augen schwebte beständig der graugelbe Eierkuchen, der ihr von dem Tisch der Bürgerfamilie entgegen geduftet hatte.
Die Sonne neigte sich schon zum Untergänge, als sie durch eine kleine aber ungemein hübsche Gasse schritt. Kleine Gärtchen mit blühenden Rosen, Levkoyen und duftenden Geisblattlauben waren vor den freundlichen Häusern. Frohe Kinder sprangen darin umher und verzehrten scherzend, plaudernd und lachend ihr Abendbrot.
Luise stützte sich aus den grün angestrichenen Zaun eines dieser Blumengärten. Vor ihr stand ein pausbäckiger kleiner Junge, der schmatzend sein Abendbrot verzehrte und die bleiche Fremde mit großen verwunderten Augen anstarrte. Ihr Blick ruhte begehrlich auf dem Brot des Kindes; aus dem Hause drang ihr der Geruch warmer Speisen entgegen.
„Bitte, rufe Deine Mutter," sprach sie mit schwacher Stimme. Das Kind eilte fort.
Bald darauf erschien eine robuste, stämmige Frau in der Hausthür. Sie war beim Rösten der Kaffeebohnen beschäftigt gewesen, und schwang noch jetzt die Kaffeetrommel in der Hand, um die kostbare Frucht nicht verbrennen zu lassen; die Aermel ihrer hellen Nachtjacke waren aufgeschlagen, ihr Gesicht war von der Glut des Feuers gerötet.
„Nun, was soll's! rief sie mürrisch zu Luise hinüber.
Diese lehnte sich schwer auf die niedliche Umzäumung.
weniger Bemittelten den Zutritt noch in den letzten Tagen zu erleichtern, hat der Vorstand sich veranlaßt gesehen, an den vier letzten Tagen (Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag nächster Woche) ebenfalls ein Eintrittsgeld von nur 50 Pfg. zu erheben. Am Freitag den 1. Oktober findet die Schlußfeier mit der offiziellen Preisverteilung nach folgendem Programme statt. 1. Ausstellungsmarsch von Tausch, 2. Rede des Vorsitzenden der Ausstellung, Herrn H. Lueg, 3. Rede des Vorsitzenden der Kunstausstellung, Herrn Maler A. Becker, 4. Proklamierung der verliehenen Staats- und Ausstellungs-Medaillen, 5. Schlußrede des Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, Excellenz von Kühlwetter. Nach Vortrag der Jubel-Ouvertüre von C- M. von Weber wird sodann der letzte Rundgang durch die Ausstellung gemacht. Von 2 Uhr Nachmittags ab findet großes Concert von zwei Infanterie- und zwei Cavallerie - Kapellen, Abends 6’/» Uhr Monstre - Concert und beim Eintritt der Dunkelheit große Illumination der Garten-Anlagen rc. statt.
Kölu, 24. Septbr. Vielleicht nie ist an unserem Dome auf einem Punkte mit so vielen Arbeitskräften und mit solchem Eifer geschafft worden, wie dies gegenwärtig am Fuße des südlichen Turmes und insbesondere an dem zu diesem gehörigen Teil des WestpvrtalS geschieht. Da geht nicht ein einziger vorüber, ohne den zahlreichen fleißigen Händen mit Wohlgefallen zuzusehen, welche bestrebt sind, die Restaurierung deS Turmes ihrer Vollendung entgegen zu führen. Wie es heißt, wäre den betreffenden Werkleuten das Ziel gesteckt, die Arbeiten soweit fertig zu stellen, daß vor der Feier der Vollendung alle Gerüste auf der । Westseite beseitigt werden konnten. Auf der Höhe der Türme ist man damit befaßt, die zweitoberste Gerüst-Etage niederzulegen. Am Südturme wurde das.Balkenwerk bereits soweit gelichtet, daß die kolossalen Blätter der mächtigen Kreuzblume für das Auge des Umstehenden sichtbar geworden sind. Auf dem Domhofe herrschte auch überaus reges Leben und Treiben und die Arbeiten an den Tribünen schreiten rüstig vorwärts. Bereits sind dir Balkenkonstruktionen für die westliche und für einen Teil der südlichen vollendet.
Braunschweig, 21. Septbr. Der hiesige Stadtmagistrat hatte mit Rücksicht auf die bekannte Anregung des Rcichskanzleramtes die Frage der allgemeinen Wechselfähigkeit dem hiesigen Baugewerkverein und dem Handwerkerverein vorgelegt. Nunmehr hat sich der Baugewerkverein dahin ausgesprochen, daß er nicht allein Soldaten, Studenten, Gelehrte, Geistliche, Lehrer und andere Beamte, sondern auch alle diejenigen kleinen Gewerbetreibenden, welche nicht mindestens einen Umsatz von jährlich 5000 Mark nachweisen kö tten, zu ihrem eigenen Heil von der Wechselfähigkeit ausgeschlossen wünschen müsse. Der Handwerkerverein erkennt dagegen in einer gestern beschlossenen Resolution an, ' ■■ ■ • j.1 .......
Sie hatte um ein Abendessen bitten wollen, aber jetzt versagte ihr der Mut. Sie wiederholte mit kaum verständlicher Stimme ihren heute so oft gemachten Antrag.
„Waö? Sie wollen sich bei mir vermieten? Das fehlte mir noch, zu meinen fünf Kindern auch noch ein Dienstmädchen ins Haus zu nehmen. Ich besorge das Wenige selber und bin froh, wenn ich einen Esser weniger im Hause habe."
Sie kehrte brummend ins Haus zurück und Luise taumelte weiter die Straße entlang. „Das war zum letzten Mal," sagte sie vor sich hin. Sie wußte nicht, wohin ihre Füße sie führten, aber eine dunkle Erinnerung tauchte in ihr auf, daß in dieser Richtung der Strom liege mit seinen dunklen kühlenden Fluten und der tiefen Stille auf seinem Grund.
„Da kann ich mich satt trinken! sprach sie, satt. Welch ein Begriff I der kleine Junge hatte ein so großes Stück Brot — ob er's ganz aufißt? Es muß doch sehr schön sein, ein Kind zu sein und im Gärtchen zu sitzen, bis die Mutter zum Abendbrot ruft. Und dann Butterbrot bekommen und effen so viel man will! Ich hatte eS auch einmal so gut, als meine Mutter noch lebte; aber nun ist sie tot und Niemand fragt nach mir — der Einzige, der mir Etwas gereicht hätte, den mochte ich nicht anflehen — jetzt ist es zu spät. Ob sie Alle jetzt Abendbrot essen? Auch die Kätzchen und die kleinen Schooßhunde--sie
. bekommen Alle, Alle ihr Futter----Ich dachte
es ja immer, daß ich wahnsinnig werden mußte. Jetzt ist es so weit, das fühle ich.
(Fortsetzung folgt.)