Einzelbild herunterladen
 

i Mark.

iträge

ung det

ab in ) Herrn Stand

f.

em ge-

rk

ei Ge- leer- Zahn­te! zur ander ■Preis

ht zu ins.

lring

stein.

9

ssen,

nks ober-

f

auamt- 80 Pf., k jeden

[970

dt 234 :kretär, len mi! olevmr getra- verkau

!tt wird Bäcker- tan gejt [2675

äi.

>elle.

neue»

lÄafid 1880.

ocke. ster. " n.

Re. 356».

Marburg, Dienstag, 21. September 1880.

XV. Jahrgang

Anzeigen nimmt rmgegen: die Expedition d.vlatte», sowie L-Annoncen-Bureaul von Th, Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Zranlfurt a. M., Berlin, Leipzig, 651a re.; Rudolf MA« in Stdi», Iraui- fnrt a. *Sl. ic

(0 li nlj c fft fd| c Zitmg.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d.vlatte» sowie d.Annoncen-Bureauk von ®. L- Daube & Co. in

Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendaui in Berlin; Thienes in «berfeld; C. Schlotte in Bremen.

2-s heint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen- Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JtzuftrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Auchdruckerer) bezogen 2^ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Die Postbestellungen auf das vierte Quar­tal der

Bberhessischkn Zeitung

mit deren Gratisbeilage

Jlluftrirtes Sonntagsblatt bitten wir baldigst zu erneuern, da ohne vor­herige Bestellung die Fortsetzung seitens der Post nicht geliefert wird.

Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Bestellungen für hiesige Stadt sind an die unterzeichnete Expedition zu richten. Neu zugehende Abonnenten erhalten vom Tage der Bestellung an die Zeitung bis zum 1. October gratis.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Die WiihrungskrifiS.

Daß im neuen deutschen Reiche ein einheitliches Münz­system eingeführt werden mußte, darüber waren alle Par­teien einig. Es wurden die verschiedenen Münzsysteme der einzelnen deutschen Staaten ebenso wie die verschiedenen Maß- und GewichtSfyfleme schon lange als ein großer Mißstand empfunden, der desto unhaltbarer wurde, je mehr der Verkehr infolge der Eisenbahnen und Zolleinigung Deutschlands sich vermehrte. Aber zur Herstellung einer Münzeinheit im deutschen Reiche war die Einführung der Goldwährung nicht nötig und wir haben dieselbe von An­fang an für einen Fehler gehalten. Die Goldwährung mag für einen Staat wie England, der vorzugsweise Handelsstaat ist und in dem auch die Landwirtschaft und die Industrie fast nur als Großbetrieb existieren passend sein; aber für ein Land wie Deutschland, dessen Schwer­punkt auf allen Gebieten im Kleinbetrieb liegt, taugt die Goldwährung nicht. Ein solches Land muß darauf aus sein, möglichst viele Geldzeichen im Verkehr zu haben. Die Goldwährung, welche die Geldzeichen vermindert, weil sie den Wert des einzelnen erhöht, ist wohl für den Großbe­trieb angenehm; aber es liegt auf der Hand, daß für den Kleinbetrieb 20 Mark in kleine Silbermünzen ausgeprägt wertvoller sind, als wenn sie in eine goldene Doppelkrone ausgeprägt sind. In früherer Zeit, wo der Verkehr und Geldverbrauch kein fo großer war, als jetzt, war cs leichter, daß ein Staat von der Silberwährung zur Golowährung überging; aber man hat sich die Schwierigkeiten nicht ge­nügend vergegenwärtigt, welche darin liegen, wenn jetzt ein so großes Reich wie Deutschland, welches nur höchst

Verwaist.

Erzählung von Clara Waldheim.

(Fortsetzung)

Luise erklärte ihren Verbindlichkeiten noch bis zum Schluß des Monats nachkommen zu müssen, und Werner fügte sich nach einigen vergeblichen Protestationen darin, sich so lange zu gedulden. Erst auf Luisens Drängen ver­abschiedete er sich sodann von ihr, um in das Hotel zurück- zukehrcn, wo er vorläufig Wohnung genommen hatte.

Es war eine glückliche Woche für Luise. Als sie am folgenden Tage von ihren Mustkstunden zurückkehrte, hörte sie sich von einer bekannten Stimme plötzlich bei ihrem Namen rufen. Erstaunt, ihren Ohren nicht trauend, blieb sie stehen, da fühlte sie schon zwei warme Händchen liebkosend an ihrem Halse und zwei purpurrote Lippen drückten unzählige Küsse auf ihren Mund.

„Lina, mein liebes, liebes Schwesterchen, bist Du es wirklich?" rief sie aus, die lang Entbehrte in ihre Arme schließend.

„Ja, siehst Du, Luise, da bin ich! Das ist eine Ueber- raschung, nicht wahr? Du dachtest gar nicht, daß ich heut kommen würde? Ja denke nur, die Tante ist ins Bad ge- sahren, so früh im Jahr schon. Es ist ihr auf einmal Zu langweilig in D., denn Herr v. Stettern ist nicht mehr da. Man sagt, er wolle weiter im Sommer ebenfalls in Ein Bad gehen — Du verstehst mich? Hahaha! — Ich toitrbe nicht mitgenommen, es schickt sich doch für unsere schöne Tante nicht, so große Nichten, wie ich bin, zu haben. Aber ich nahm mir gleich vor, mich dafür zu rächen, in­dem ich zu Dir reiste. Wenn Du wüßtest, wie ich mich <iuf diesen Geniestreich gefreut!"

wenig Goldmünzen besaß, von der Silberwährung zur Goldwährung übergehen will. Wir haben immer die Möglichkeit der Ausführung dieses Unternehmens bezweifelt. Und die Erfahrung hat uns recht gegeben. Die nächste Folge der Einführung der Goldwährung in Deutschland war eine Entwertung des Silbers, welches fortan nur die Bedeutung eines Schetoemünzmetalls, wie Kupfer und Nickel, hat, und eine Steigung der Goldpreise. Nun mußte aber Deutschland Gold ankaufen und Silber ver­kaufen und auch das Silber, welches Deutschland in seinen Silbcrbergwerken produziert, fiel im Wert. Der Nachteil, der daraus für Deutschland entsprang, liegt auf der Hand und es ist bekannt, daß uns dadurch bis zum Jahre 1878 ein Schaden von ca. 100 Millionen Mark erwachsen war, und damals schon erklärte die Regierung, daß ein weiterer Schaden von ca. 80 bis 100 Millionen in Aussicht stän­de, wenn das zur Durchführung der Goldwährung nötige Gold angekauft und das überflüssige Silber verkauft werden solle. Die Regierung scheute vor diesen kolossalen Ver­lusten zurück und stellte die Silberverkäufe ein. Selbst­verständlich mußte sie damit aber auch die Goldeinkäufe vermindern; denn sie kann ja das Gold nur mit dem vor­handenen Silber ankaufen. Der Erfolg ist nun, daß das Gold immer mehr ins Ausland abfließt, weil der Handel das Ausland mit Gold bezahlen muß, seit wir die Gold­währung haben. Infolge dessen haben sich nun die Gold­bestände der Rcichsbank so vermindert, daß dieselbe in eine höchst kritische Lage gekommen ist. Während die Deckung der Reichsbank für ihre Noten größtenteils in Gold be­stehen sollte, hat sie jetzt nur etwa ein Drittel Golddeckung. Unter 532 Millionen Mark Metallgeld befinden sich ca. 400 Millionen Mark Silber und nur etwa 135 Millionen Mark Gold. Die Bank hat sich nun genötigt gesehen, ihren Discont sehr zu erhöhen, um zu bewirken, daß die Kaufleute nicht so viel Gold von der Reichsbank für ihre Wechsel und Banknoten behufs Versendung ins Ausland verlangen. Allein daS ist eine Schädigung des Handels und hilft auch nicht durchschlagend, denn die Kaufleute müssen doch das Ausland bezahlen und in anderem Metall alö in Gold können sie das nicht. Wenn sie also das Gold nicht bei der Reichsbank bekommen können, so müssen sie cs auö dem Privatverkehr zu erhalten suchen. Auf die Dauer ist also mit der Diskonterhöhung nichts auszurichten. Wenn die Goldwährung bestehen bleibt, so muß die Re­gierung Gold kaufen und Silber verkaufen. Aber wie soll sie das jetzt machen? Wer kauft die 400 Millionen Silber zu einem annehmbaren Preise ab und wo kriegt sie für 400 Millionen Mark Gold cher? Es ist selbstverständlich, daß die Silberpreise noch bedeutend fallen und die Gold­preise bedeutend steigen würden, wenn daS Reich seine 400 Millionen Mark Silber verkaufen und dafür Gold anschaffen wollte. Es ergibt sich aber daraus auch, daß

„Und welche Freude Du mir gemacht hast!" entgegnete warm Luise, die Hände der Schwester drückend. „O, es ist gut, daß Du gerade jetzt kommst, da kannst Du Ihn gleich sehen."

Sie traten eben in ihr Stübchen, als sie das sagte.

„Ihn? Wen denn?" fragte die kleine Dame, Verdacht schöpfend, denn sie besaß einen erstaunlichen Scharfblick in solchen Dingen.

„Meinen Verlobten," erwiderte Luise heiß errötend.

Lina blieb mitten im Zimmer stehen und schlug die Händchen zusammen.

„Hilf Himmel, was muß ich hören! Du, Luise, Du hast einen Verlobten? Und davon hast Du mir nichts ge­schrieben? Ach Gott, wenn das die Tante wüßte, wie würde sie sich ärgern!" Sie warf ihr blumengeschmücktes Hütchen auf einen Stuhl, von welchem es sogleich hinunter fiel, und schlug ein unbändiges Gelächter auf. „Nein, Luise, wie komisch es mir vorkommt, daß Du, Du verlobt bist."

„Nun, was ist denn dabei so Wunderbares?" fragte die ältere Schwester, den Hut vom Boden nehmend und aushängenv. „Aber wonach siehst Du Dich denn um."

„Du hast kein Sopha mehr?" fragte die Kleine, plötz­lich mit Lachen inne haltend; sie ließ sich jetzt auf einen Stuhl nieder, den Luise ihr hinschob. „Es ist überhaupt sehr — einfach hier," fuhr sie, sich neugierig umschauend fort, „aber Du liebtest ja immer das Einfache, ich darf mich nicht wundern, daß Du so schlicht wohnst. Die Epheu- laube über dem Fenster ficht auch recht gut aus und die vielen Blumen — ach, auch so hübsche Bücher hast Du! Sind auch viel lyrische Gedichte darunter."

„Das wohl nicht, wenigstens nicht solche, die Dir ge­fallen würden," entgegnete Luise. „Aber nun erzähle mir

bann das Reich für die 400 Millionen Mark Silber nur etwa 300 Millionen Mark Gold bekommen würde und also die 100 Millionen als Verlust dem Reiche aus Bein streichen resp. aus den Taschen der Steuerzahler ersetzen müßte. — Die Lage ist also eine äußerst schwierige: Die Reichsbank kann das Silber nicht verkaufen, ohne es zu verschleudern, sie kann aber auch kein Gold in der zur Durchführung der Goldwährung nötigen Menge ankaufen, weil ihr dadurch das Gold ungeheuer verteuert und infolge dessen eine große Verwirrung im Handel hervorgerufen werden würde, wenn die deutsche Regierung 400 Millionen Gold im Auslande wollte ankaufen lassen. Die Regierung darf aber doch auch, wenn die Goldwährung durchgeführt werden soll, das viele Silber weder int Verkehr, noch in der Bank als Deckungsmittel lassen, sondern muß dafür Gold einführen. Man sieht, die Sache ist so verfahren, daß man nicht weiß, wie aus dieser Sackgasse herauszu­kommen ist. Diese Lage sieht einem völligen Scheitern der Goldwährung sehr verzweifelt ähnlich. Die Weisheit der Geldmänner beschränkt sich immer auf den sehr billigen Rat: verkauft das Silber und schafft mehr Gold an. Aber wir haben gesehen, wie unverständig der Rat ist. Solchen Rat kann jedes Kind geben, wie die „Nat.-Ztg.", welche kürzlich das große Wort gelassen aussprach: „Will man die Goldwährung durchführen, so ist dazu nur noch ein Schritt zu thun, man muß mehr Geld in das Land hineinziehen." Die „Nat.-Ztg." vergißt nur zu sagen, wie das zu machen ist. Darum hat ihr Rat keinen bessern Wert, als wenn jemand dem armen Hungrigen zuruft: Du mußt dir Speise kaufen, damit du sie essen kannst. — Wir verstehen nicht, wie man aus dieser Lage herauSkommen will, wenn man sich nicht dazu entschließt, die Doppelwährung einzuführen, d. h. also, das Silber als vollgiltiges Geld neben dem Golde zu erklären und zugleich das Preisver­hältnis von Gold und Silber im Verein mit den anderen Staaten festzusetzen. Beide Metalle hatten früher ein ziem­lich festes Preisverhältnis. Das ist aber durch die De- monetistzierung des Silbers zerstört, und es muß deshalb durch eine internationale Übereinkunft wiederhergestellt werden, damit die Geldspekulation das Schwanken dieses Preisverhältnisseö nicht zur Ausbeutung des Volkes benutzen kann. Ob eine solche Uebereinkunft freilich zu erzielen ist, wissen wir nicht. Die Lage ist eine sehr schwierige und wir sehen, daß das Währungsgefctz eines der vielen Gesetze der liberalen Acra ist, welche die Verhältnisse, welche sie ordnen sollen, in Unordnung gebracht und geschädigt haben.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Sept. Bezüglich der Gesetzvorlagen für die nächste Landtags- und Reichstagsfcssion wird folgendes berichtet: Der preußische Landtag wird baldmöglichst nach dem 18. Oktober eröffnet werden. Eine Hauptaufgabe

endlich, wie es Dir seitdem ergangen ist, als wir uns trennten."

„Ei, ganz vortrefflich!" rief Lina, „das konntest Du schon aus meinen Briefen ersehen. Es geht immer aus einem Vergnügen ins andere; jetzt kommt der Sommer, nun giebt es wieder etwas Neues. Es ist sehr schön, wenn man erst eingesegnet ist und nichts mehr lernen darf, man ist unbeschreiblich glücklich — aber doch nicht so glück­lich wie Du, denn Du bist verlobt. Nun sage mir in aller Welt, Luise, wie Du, die Du doch den LiebeSbetheue- rungen der Herren nie das mindeste Gehör schenktest, dazu gekommen bist, Dich zu verloben."

Der Eintritt WernerS enthob Luise der Antwort, gab aber der Unterhaltung einen noch lebhafteren Aufschwung. Lina begrüßte ihren zukünftigen Schwager, wie sie ihn nannte, mit unbefangendster Herzlichkeit, sie war unerschöpf­lich an witzigen Einfällen und liebenswürdigen Scherzen, und auch Werner, durch sie fortgerissen, floß über von Heiterkeit und Jugendlich. Luise hörte beinahe schweigend zu, sie wurde immer stumm, wenn sie sich glücklich fühlte, und diesen Abend war sie es im vollsten Maße.

„Ich prophezeie ein mildes Frühlingswetter für morgen," sprach Werner beim Abschiede.

„Ich hörte hie und da davon sprechen, daß man Aus­flüge aufs Land unternehmen wolle. Wie ist's? Wagen wir uns auch hinaus? Es ist zwar noch nicht viel mehr zu genießen als die frische Lust, aber auch das ist schon genug"

Lina stimmte jubelnd bei, auch Luise ließ sich überreden, morgen ihre Unterrichtsstunden ausfallen zu lassen, um sich der Spazierfahrt anzuschließen.

(Fortsetzung folgt.)