Lache. Derselbe hinterlaßt eine Frau und sieben unmündige Kinder.
Kassel, 16. Scptbr. Die bereits gemeldete Gymna- siastcn-Rclegation giebt immer noch dem Tagesgespräch neue Nahrung, verlautete doch heute sogar, daß die Betroffenen in einer gemeinsamen Jmmediat-Eingabe die Gnade Sr. Majestät des Kaisers anzurufen und den Prinzen Wilhelm 'von Preußen, als früheren Schüler des hiesigen Gymnasiums, um Unterstützung derselben zu bitten gedächten. Sollte dies Gerücht, was wir vorläufig dahin gestellt sein lassen, sich bestätigen und der hiernach beabsichtigte Schritt von Erfolg begleitet sein, so würde die Freude darüber im Lehrer-Collegium ohne Zweifel groß sein, welches der Pflicht gehorchend, sein Verdikt in der höchst betrübenden Angelegenheit nur mit schwerem Herzen abgegeben haben mag. — UebrigenS bekundet sich in der entdeckten Verbindung, welcher im Ganzen 26 Schüler des Gymnasiums angehört hatten, ein gewisser, einer besseren Sache würdigerjj haushälterischer Sinn. Das Verbindungs-Inventar soll nämlich selbst gegen Feuersgefahr versichert worden fein. Wie man weiter hört, haben die sogenannten „alten Herren" — junge Kaufleute rc. — das beschlagnahmte „Corps- Vermögen" als ihr Eigentum reklamiert. (Tgpst.)
Fulda, 15. Septbr. lieber die Veranlassung zu dem am 9. d. M. hier ftattgehabten Duell, welchem der Rittmeister Freiherr v, d. Goltz zum Opfer fiel, erfahren wir aus zuverläfsiger Quelle folgendes: Lieutenant v. S. hat geglaubt, einen delikaten Grund zu haben, den Rittmeister v. d. Goltz nach den Gesetzen der Ehre zum Duell fordern zu muffen. Die Herausforderung ward ausgesprochen. Als man nachher dem Freiherrn v. d. Goltz eröffnete, die Herausforderung solle zurückgezogen werden, wenn er be- stimmte Erklärungen abgäbe, welche den Verdacht des Lieutenants v. S. beseitigten, weigerte sich Freiherr v, d. Goltz, um nicht den Schein der Furchtsamkeit auf sich zu laden, nach angenommener Herausforderung noch irgend eine Erklärung abzugeben. Er überreichte indessen eine versiegelte Erklärung, um sie nach dem Duell öffnen zu lassen. Als er im Zweikampfe geblieben war, fand die Eröffnung statt und stellte die Verdächtigungen als unbegründet heraus. Wir haben es bei dem traurigen Ereignis mit dem verhängnißvollen Resultat eines unglückseligen Mißverständnisses zu thun. Beide Parteien stehen in ihrer ritterlichen Ehre rein und fleckenlos da. Lieutenant v. S. soll, wie es leicht begreiflich ist, selbst im tiefsten Kummer über den Tod eines Mannes sein, der ihm befreundet gewesen war." (Wir können es nur auss tiefste bedauern, daß dem Duell abermals ein edles Menschenleben schuldlos geopfert worden ist. D. Red.)
BerwtschtkS.
— In den Tagen vom 23.-26. September c. findet in Düsseldorf im Kaisersaale, Kasernenstraße 29, eine Versammlung der deutschen Bau-Decorations-Maler, Anstreicher und Lakierer statt, wozu alle selbstständigen Meister freien Zutritt haben. Die Einladung ergeht von einem Düsseldorfer Komitee durch die Maler-Zeitung.
— Ein lustiges Stücklein ereignete sich bei der, vergangene Woche stattgehabten Prämiierung der Pfalzgau- Ausstellung. Der bekannte Gießer der Kaijerglocke, Andreas Hamm in Frankenthal, hat vier Glocken ausgestellt, die bei dem jüngsten Besuche der Ausstellung Seitens der Großherzöge von Baven und Hessen mit Interesse betrachtet wurden und die regelmäßig durch ihr schönes harmonisches Geläute die Zeiten der Oeffnung und der Schließung der AusstellungSlocalitäten anzeigen. Die Glocken hatten die Einteilung zu einer bestimmten Gruppe nicht gefunven, und so geschah es denn, daß sich die Preisrichter der Gruppe „Melallindustrie" auf jene der Gruppe „Musikalische Instrumente" verließen und umgekehrt diese auf jene, jeoe Partei in der Meinung, die andere habe hier zu prüfen. Herr Hamm ging in Folge dessen leer aus. Im Unmut hierüber fuhr er nach Mannheim, ließ die Klöppel aus den Glocken herausnehmen und das Geläute hatte ein Ende. Jetzt erst wurden die Preisrichter ihren Irrtum gewahr, und mit vielen Entschuldigungen übersandten sie Herrn Hamm die silberne Medaille.
— Der Postvorsteher Dette in Berka a. Werra hatte am 27. Juli einen jungen Storch vor dem Untergange gerettet uno ihm ein Messingplättchen um den Hals gelegt mit der Inschrift: „Reichspost Berka a./W. Germania, den 27. 7. 1880." Aus der Rückseite. „Dette bittet um Antwort." Am 20. August war in Berke die Abreise der Störche vor sich gegangen, wobei man sich natürlich in der Post gefragt, ob der gerettete Langbein jemals wiederkommen würde. Ueberrafchender noch als eine Rückkehr ist folgende am 3. September eingegangene Postkarte: „Tarjeta. Postal. Herrn Dette, Berka a./W. (Sachsen-Weimar.) C. Bätsch, Calle Valencia 325. Barcelona 31./8. 1880. Ich beeile mich, Ihnen mitzuteilen, daß der Storch, welchen Sic mit einem Messingblättchen mit der Inschrift: „Reichspost. Berka a.,W. Germania, den 27.7. 1880", auf der Rückseite: „Dette bitllt um Antwort", versehen haben, vor einigen Tagen in der Ortschaft Forneis, Provinz Gerona in Cata- lonien, als er auf dem Kirchturm saß, von einem Einwohner Namens Don Narciso Busquets in den linken Flügel geschossen worden. Der Jäger schenkte den Vogel einem Knabeninstitut in Gerona. Der arme Storch ist sicher einer meiner alten Freunde von Gerstungen! Dies teilt Ihnen freundlichst mit obiger Eisenacher." Der Absender dieser Karte, Kaufmann Karl Batfch, ist ein Bruder des Aomirals E. Bätsch. Die Störche haben also zu
ihrer Reise von Berka bis nach Spanien kaum acht Tage gebraucht.
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Paris, 17. September. Wie verlautet hat der h-ute Abend stattgehabte Ministerrat beschlossen, den Gerichtshof zur Entscheidung der Conflikte, welcher erst am 13. November zusammentreten sollte, schon auf einen früheren Termin einzuberusen. Die Ausführung der Dekrete würde erst nach erfolgter Entscheidung dieses Gerichtshofes stattfinden. Der Präsident Grevy reist morgen nach dem Jura-Departement zurück; derselbe empfing Nachmittags den Besuch Say's.
Die Jahresfeier des Gesamtvereins der deutschen Gustav - Adolf- Stiftung in Karlsruhe.
Karlsruhe, 15. Septbr. Nach der Predigt Dr. Stählin's sang der Hofkirchenchor daö große Gloria: Wir loben dich, wir benedeien dich, wir beten dich an. Pfarrer Brückner sprach das Schlußgebet und die Gemeinde sang: Herr, dein reicher Geist ergieße rc.
Die Verhandlungen in der Stadtkirche (von halb 12 bis 3 Uhr), denen wie auch dem Gottesdienst Se. Königl. Hoheit der Grvßherzog anwohnte, wurden mit „Ach, bleib' mit deiner Gnade" und einem Gebet Dr. Fricke's eröffnet. Als Leiter der Verhandlungen hielt Dr. Fricke eine einleitende Ansprache: Zum ersten Mal ist der Samariter- Verein in Karlsruhe. Auch von ihm gilt das Wort: Verwirf es nicht, es ist ein Segen darin. Nicht die Früchte machen den Baum gut, sondern der Baum die Früchte. Möchten die Verhandlungen im Geiste brüderlicher Liebe geführt werden! — Nach Verlesung der Namen der erschienenen Abgeordneten von Hauptvereinen sprach Prälat Doll von hier als Vertreter unseres evangelischen Oberkirchenrats. Er gedenkt des friedlichen Nebeneinanderwohnens der Protestanten und Katholiken in Karlsruhe und spricht den Wunsch aus, daß die Gäste den Eindruck mit- nehmen möchten, daß wir uns die Hände drücken in Glauben, Hoffnung, Liebe. Oberconsistorialrat Propst Professor Dr. Frecher von der Goltz (Berlin), bringt den Gruß des Oberkirchenrats der unierten preußischen Landeskirche als einen Gruß fortgesetzter gemeinschaftlicher Arbeit, gedenkt der evangelischen Deutschen in Serbien, Rumänien, der Türkei und Brasilien. Die Empfänglichkeit ist oft groß, die Erfüllung der Ausgabe schwer. Die Arbeit des Berliner evangelischen Oberkirchenrats und des Gustav-Adolf- Vereins soll sich vereinigen in der Kraft Jesu Christi. Nachdem Professor Dr. Gaß als Vertreter der theologischen Fakultät von Heidelberg gesprochen, übergiebt Prälat Doll ein silbernes Taufbecken als Geschenk Ihrer Königl. Hoheit der Großherzogin Luise für den Verein zu seinem Feste. Ferner Abendmahlsgefäße vom Frauenverein zu Bretten, eine Altardecke von Pforzheimer Schülerinnen rc., im Ganzen 13 schöne und wertvolle Gaben der Liebe. — Dr. von Criegern (Leipzig), der Sccretär des Centralvorstandes, erstattet den Jahresbericht. Sodann sprechen noch mehrere auswärtige Abgeordnete Worte des Dankes und der Bitte: Pfarrer Eppler (Basel-Land), Pfarrer Knittel (Straßburg, Vertreter der elf. Evangel.-Gesellschaft), Direktor Stahl aus Paris u. A. Die große Liebesgabe von 24,000 M. ist dec evangelischen Gemeinde in Agram zugewandt worden. Bei dem Festessen, an dem fast 400 Herren und Frauen teilnahmen, gedachte Dr. Fricke des Kaiser« und der Kaiserin, des GroßherzogS und der Großherzogin. Außerdem sprachen: Consistorialrat Ebert (Kassel), Oberbürgermeister Lauter (hier), Geh. Oberregierungsrat von Meyern (Berlin), Consistorialrat Natorp (Düsseldorf), Dr. Voigdt (Königsberg), Pfarrer Eppler (Basel-Land), Prälat Karl Gero! (Stuttgart). Letzterer, dem allezeit die dichterische Ader fließt, schloß mit den Worten: „Was soll ich thun? Die Welt ist weggegeben. Kein Trinkspruch ist mehr mein. Die lieben Nachbarn hier in Baden sollen leben. Es soll dies Land von Gott gesegnet fein! Amen!"
In dec von mindestens 1200 Herren und Frauen besuchten geselligen Vereinigung heute Abend erschien Se. Königl. Hoheit der Großherzog. Auf die herzlichen Worte, mit denen Dr. Fricke unseres Fürsten gedachte, erwiderte dieser, die Darstellung der deutschen Einheit im Gustav- Adolf-Verein betonend, mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Dr. Fricke teilte die telegraphische Antwort des Kaisers mit auf das Huldigungstelegramm, welches Nachmittags an den Kaiser abgegangen war. Dieselbe lautet: „Meine Gemahlin und Ich sprechen der Gustav- Adolf-Versammlung in Karlsruhe Unfern aufrichtigen Dank aus für die patriotischen Gesinnungen, die ihr Telegramm Uns überbringt. Wir wünschen, daß Gott die Bestrebungen des Vereins segnen möge!"
Karlsruhe, 16. Septbr. Die zweite öffentliche Versammlung heute früh in der Stadtkirche wurde mit Gesang und Gebet (von Prälat Doll) eröffnet. Alsdann hielt Herr Pfarrer Zäringer (Weinheim) einen eingehenden Vortrag über die badischen Diasporagemeinden. Pfarrer Seitz, ein geborener Badener, jetzt in Antwerpen, berichtete über die Verhältnisse der evangelischen Gemeinden in Belgien, die zum Teil vom Staat mit Geld unterstützt werden, zum Teil eine freie, vom Staat unabhängige Kirche bilden. Pfarrer Lang aus Ungarn sprach über Szegedin. Pfarrer Schur, Direktor des (liberalen) Lehrerseminars in Biclitz, bat, daß der Gustav-Adolf-Verein dieser Anstalt sein Vertrauen und seine Hilfe nicht entziehen möge; die evangelische Gemeinde zu Bielitz habe ihre» kirchlichen Sinn bewährt,
indem eine Dame zur Restauration ihrer Kirche 16,000 flj gegeben und in der Gemeinde außerdem noch eine gleiche Summe zusammengelegt worden sei. Dr. Borchard, früher langjähriger Pfarrer deutscher Protestanten in Brasilien, sprach aus seinem liebeöwarmen Herzen für die evangelischen Deutschen in Laplata und Südbrasilien. Er betonte, daß es im deutschen Interesse liege, Südamerika nicht zu vergessen. Dr. Voigdt^ von Königsberg erzählte von der Diasporagemeinde Schöneck (Posen), von der Herzogin Alexandrine von Sachsen - Koburg - Gotha, der Schwester unseres Großherzogs, welche eine namhafte Gabe für eine arme Diaspora - Gemeinde gegeben, „in Abtragung einer Dankeöschulv", und von einer atmen Aehrenleserin, die den Ertrag ihrer Arbeit für Gustav-Adolfzwecke gegeben, als von „lebendigen Bausteinen", wie sie der Gustav-Adolf- Verein brauche. Consistorialrat a. D. König von Speier, die Seele der Retscherkirche - Bestrebungen, suchte das Interesse der Versammlung für den Ban der Retscherkirche zu Speier zu gewinnen. — Für heute Nachmittag sind die Mitglieder des Centralvorstandes, des Festcomits'S, die Festredner und Abgeordneten der Hauptvereine zu Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog beschieden. Den Festgästen stehen die Anstalten des Frauen-Vereins zur Besichtigung offen. Die Stadt Karlsruhe stellt einen Extrazug zu einer Fahrt nach Maxau, wo 1870 die badische und die würt- tembergische Division den Rhein überschritten. Heute Abend findet ein geistliches Concert im Theater (!) statt und dann Militär-Concert in der „Eintracht". (D. R.)
Auszug u«S dr» Stegißrru des VtaudeSauUS nee Stadt Marburg,
bestehend au8 den Gemeinden Marburg, Ockershausen, Marbach Cappel, Ronhausen und Wolfshausen.
Vom 11. bis 18. September 1880. Verehelichte.
1) Gymnasiallehrer Dr. Karl Heinrich Müller von Hadamar und Wilhelmine Jakobine Johanna Weber von Kassel.
Geborene.
1) Anna Katharine Gertrude Marie, des Optikus Albertus Unkel £■ 2) Anna Katharine, des Taglöhner Peter Simon T. 3) Herrmann Ferdinand, des Bildhauer und Restaurateur Theodor Josef Pfaffrath S. 4) Otto Hermann Wilhelm, d. Kausm. Karl Ernst Andreas Ruetz S ö) Johann Heinrich Ludwig, des Bierbrauer Wolfgang Clement S. 6) Johann Heinrich, des Schneider Johann Heinrich Grüneberg S. 7) Adolph Louis, des Zinngießer Adolph Wilhelm Louis Schirrmeister zu Marbach S.
Gestorbene.
1) Christine Wiegand geb. Jung, Wittwe des Schneider Philipp Wiegand 58 I. 10 M. 19 T. alt. 2) Louise Christiane von Cölln geb. Münster, Ehefrau des Major z. D. Ernst von Cölln 74 I. 5 M 11 T. alt- 3) Bäckermeister Philipp Matthäi 71 I 1 M. 14 T. alt. 4) Anna Elisabeth, der ledigen Anna Funl T- 28 T. alt. 6) Gefangenwärter a D. Andreas Schild 64 I. 7 M alt. 6) ledige Anna Elisabeth Schneider 18 I. 4 M. 23 T. alt. 7) Maria Pauline Hermine Vanny Elisabeth, des Professor Dr. Karl Martin Ludwig Enneccerus T- 6 I. 3 'Hl. 6 T alt. 8) Frieda Bertha Dorothea Karoline Mana Martha, des Kreisthierarztcs Theodor Konrad Ferdinand Hahn zu Franicnberg T- 1 I. 7 M. alt.
Marburg, 18. September. (Marktbericht.) Der heutige Wochenmarkt war gut besucht. Butter per Pfund 95—105 Pf. Hühnereier 8—9 St. 40 Pf., Merrettig per Pack 10Pf., Käse pr- St. 8—10 Pf., Käsematte per St. 5 Pf., Zwetschenmus per Maßtopf 90—120 Pf., Wolle per Pfd. 1,30—40 Pfg., Hühner pro Stück IM —150 Pf., Kohlrabi per St. 4—5 Pfg., Zwetschen 40—50 St. 10 Pf , Hafergrütze per Liter 35—40 Pf., Tauben das Paar 50- 60 Pf., Kartoffeln (frischei per Korb 161—180 Pf-, Salat 3—4 Köpfe 10 Pfg., Gurken 2-3 St- 10 Pf., Möhren per Pack 10 Pf., Rettig per St. 5—10 Pf., Wachsbohnen 2 Liter 18—20 Pf., Wirsing per Stück 10 -0 Pfennig, Weiß- und Rotkraut per Kopf 10—40 Pfennig, Eierzwetschen 3—4 Stück 10 Pfennig, Zwiebeln lweiße Perl) per Psd. 30—35 Pf. Zwiebeln (rote und weiße) per Pfd. 8—10 Pf., junge Hähnchen per Stück 50 —60 Pf. Birnen 8—10 St. 10 Pf., Rote Rüben per St 5 Pf-, Aepfel 6—10 St. 10 Pfennig, Hasen per Stück 3-4 M., Feldhühner per Stück 80-100 Pf., Enten per Stück Mk. 1,40-1,50.
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5^n Nr. 9932 der „Hess. Morgenzeitung" befindet sich
eine Korrespondenz aus Marburg vom 16. d. M., worin behauptet wird, daß die Beerdigung eines Mädchens lutherischer Confesston seitens der zwei zeitweilig allein hier anwesenden lutherischen Geistlichen verweigert worden, so daß dasselbe von einem reformierten Geistlichen habe beerdigt werden müssen.
Hierauf erklärt der unterzeichnete Pfarrer Kolbe, daß sich die Mutter des betreffenden Mädchens an ihn mit einer dahin zielenden Bitte gar nicht gewandt, dieselbe vielmehr laut Aussage des die Leiche besorgenden Kirck-n- dieners ausdrücklich erklärt hat, sie wünsche von Pfarrer Kolbe die Leichenrede nicht gehalten zu haben. Dagegen hat Herr Pfarrer Seibert in der Meinung, es handle sich um einen Eingriff in das Amt eines Dritten, die Abhaltung der Leiche zuerst zwar abgelehnt, darnach aber, nachdem diese irrige Auffassung berichtigt, sich vor Unterzeichnetem in Gegenwart des betreffenden Kirchendieners bereit erklärt, die Leiche abzuhalten.
Gegen den Einsender des Artikels in der „Hessischen Morgenzeitung" werden die nötigen Schritte zur gerichtlichen Verfolgung alsbald geschehen.
Marburg, am 18. September 1880.
Kolbe, Pfarrer.