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trotz der Uebermacht der Feinde erzwungene Rückzug in eine gesicherte Position. Der momentane geordnete Rück­zug war nötig, denn zum „Losschlagen" war keine Mög­lichkeit. Damit wolle er nicht den sogenannten „gesetzlichen Weg" als unumstößliche Norm bezeichnen. Es ist eine Klugheit der Regierungen, ihn zu ermöglichen. Die deut­schen Regierungen haben aber bisher diese Klugheit nicht gezeigt, und wenn es schließlich einmal zum Aeußersten kommt, wird sich zeigen, wer mehr seine Schuldigkeit thut, die jetzt Angegriffenen, oder die, welche sie angreifen. (Bravo!) —

Schließlich wurde in dieser Sitzung, welche von Abends 87s Uhr bis Nachts 1 Uhr dauerte, folgende Resolution angenommen:

„Wie die deutsche Sozialdemokratie allen Bewegungen, die auf Befreiung der Völker vom sozialen und politischen Druck ausgehen, ihre volle Sympathie entgegenträgt, so thut sie dies selbstverständlich auch den für He Befreiung des russischen Volkes wirkenden sogenannten Nihilisten gegen­über, obwohl sie deren durch die besonderen Verhältnisse Rußlands bedingte Taktik für Deutschland nicht geeignet hält."

In der 6. Sitzung wurden neben anderen Organi­sationsanträgen folgende Anträge angenommen:

- „Zur Herstellung einer regelmäßigen Verbindung der Sozialisten und Sozialisten - Vereine des Auslandes unter sich und mit der Partei in Deutschland, sowie zur Pflege des Verkehrs zwischen letzterer und den Bruderparteien des Auslandes, wird eine Verkehrsstelle außerhalb Deutschlands geschaffen, welche den Verkehr zwischen den einzelnen Ver­einen zu vermitteln, alle Beschwerden, Anträge rc. entgegen­zunehmen und in geeigneter Weise zu erledigen Has."

„In der Regel alle Jahre, spätestens aber alle drei Jahre soll ein Parteikongreß statlfinden. Die Form der Einberufung steht den autorisierten Personen zu."

Ferner wurde beschlossen, daß der in Zürich erscheinende „Sozialdemokrat" das einzige offizielle Organ der Partei sein soll.

In der 7. Sitzung wurde noch beschlossen, in Zürich i ein Parteiarchiv zu gründen und Flugblätter herauszu- J geben; in Deutschland sollen dagegen in Anbetracht der < ungünstigen Verhältnisse keine neuen Zeitungen gegründet werden. In Bezug auf das Verhalten bei den Wahlen i wurde folgender Beschluß gefaßt:

„Die anwesenden Vertreter der sozial - demokratischen ■ Arbeiterpartei deutscher Zunge empfehlen ihren deutschen s Parteigenossen, sich mit allen Kräften an den stattfindenden jä Wahlen für den Reichstag, Landtag und Kommune zu ic beteiligen und zwar aus agitatorischen und propagandistischen Rücksichten.

Insbesondere empfehlen sie den Parteigenossen in ' Deutschland die allgemeinste und energischste Thätigkeit für 1 die im Jahre 1881 stattfindenden allgemeinen Reichstags- J wählen und zu diesem Zwecke die Vornahme folgender e Schritte:

i 1) Aufnahme der Agitation in den einzelnen Wahl- j kreisen und feste Organisierung in jeder geeigneten Weise. ' 2) Vornahme regelmäßiger Geldsammlungen.

:( 3) In allen Wahlkreisen ohne Rücksicht auf die Zahl

der Gesinnungsgenossen bei der Wahl selbstständig vorzu- :) gehen und eigene Kandidaten aufzustellen. Für den Fall i!j t>on Stichwahlen empfehlen die Anwesenden den deutschen ^Parteigenossen im Allgemeinen Wahlenthaltung."

;i Außer den von der Partei bereits eroberten Wahl- i kreisen werden 21 weitere Kreise als offizielle erklärt.

s: Schließlich wurde noch einstimmig folgender Beschluß gefaßt:

■; „Der Kongreß deutscher Sozialisten, in Erwägung, daß ^die Befreiung der Arbeiterklasse das Werk der vereinigten ! Proletarier aller Länder sein muß und daß die deutsche .Sozialdemokratie von jeher ihren internationalen Charakter betont hat, stimmt dem Vorschlag der belgischen sozialistischen Arbeiterpartei auf Einberufung eines sozialistischen Welt­kongresses mit voller Sympathie zu und beauftragt die 'Parteivertretung, den Kongreß mit zwei Vertretern zu beschicken."

! Der Vertreter der schweizerischen Sozialdemokraten stellt 'finanzielle Unterstützungen für die Wahlen in Aussicht. Mit einem 3fachen Hoch auf die Sozialdemokratie und den Gesang der Marseillaise wurde der Kongreß geschlossen.

• Aus diesen authentischen Mitteilungen geht hervor, 1) daß die deutsche Sozialdemokratie keineswegs tot ist, ssondern daß sie mit Nihilisten und Kommunisten aller Länder gegen Staat und Gesellschaft konspiriert, 2) daß sie offen die Fahne der blutigen Revolution erhebt uns 3) ihre -ganze Organisation auf eine solche Revolution zuspitzt, zu ,deren Herbeiführung sie jedes Mittel für erlaubt erklärt. ,Die Sozialdemokraten verlegen den Heerd ihrer Agitation in die Schweiz, um von dort die Pläne zur Herbeiführung wer Revolution in Deutschland ausgesprochenermaßen ins Werk zu setzen. Da fragt man doch: darf die Schweiz, Deren ganze Existenz auf ihrer Neutralität beruht, das -ruhig zusehen und kann Deutschland es sich gefallen lassen, daß ein Nachbarstaat einen solchen gegen das deutsche Reich gerichteten Herd der Revolution in seiner Mitte jduldet? Hier kann das Asylrecht sür politische Verbrecher nicht mehr in Betracht kommen; denn hier handelt es sich »nicht nm Flüchtlinge, die ein Asyl suchen, sondern um Ver- s schwörer, welche die Revolution gegen einen Nachbarstaat '.ins Werk zu setzen beschließen. Solches darf weder die

Schweiz in ihrer Mitte dulden, noch dürfen und können die Nachbarstaaten sich das gefallen lassen.

Deutsches Reich.

*• ©erlitt, 10. September. Eine Straßburger Correspondenz der „Franks. Post" warnt davor, von der Unzufriedenheit der Beamten in den Reichslanden zu sprechen. Wie man erfährt, ist auch die elsaß-lothringische Regierung davon überzeugt, daß die vielfachen Angriffe in der Presse auf daö Regiment des Statthalters keineswegs aus den Kreisen der Beamten, wenigstens nicht aus den Kreisen der aktiven Verwaltungsbeamten stammen. Es gibt ja eingewanderte Deutsche dort genug in freier Stellung und diese mögen ja ihrer Mißstimmung über daö vermeintlich nicht hinlänglich strenge Auftreten des Statthalters in den vielbesprochenen Artikeln Ausdruck gegeben haben. Es ist übrigens eine alte Erfahrung, die auch bei der Verei­nigung der Elbherzogtümer mit Preußen gemacht worden, daß eine übereifrige Partei sich bildet, bestehend aus den alten Anhängern der neuen Regierung im Lande selbst und aus neuen Einwanderern, denen nicht schnell genug aufgeräumt werden kann, nicht nur mit den alten Sym­pathien der Masse der Bevölkerung, sondern am liebsten mit dieser Bevölkerung selbst. Der jetzt so heftig angefachte Tagesstreit wird sich beruhigen, wenn man steht, daß die Bevölkerung der Reichslande sich nicht anschickt, die Wieder­vereinigung mit Frankreich lieber heute als morgen zu fördern, dafür aber anfängt, sich mit der Zugehörigkeit zu Deutschland auszusöhnen. — Die „Deutsche Landesztg." fährt fort, den Minister der Landwirtschaft in der heftigsten Weise zu bekämpfen. Neuerdings verlangt das Blatt, daß der Minister die „semitische Neichsbank" zu einer wirklichen Staatsbank umwandle, welche den großen wie den kleinen Grundbesitzern Kredit gebe, nicht blos dem Börsenmann. In einem anderen Artikel wird getadelt, daß von den landwirtschaftlichen Centralvereinen Aeußerungen verlangt worden sind, ob und in wieweit eine Beschränkung der Wechselfähigkeit der Landwirte sich empfehle. Der Frage­bogen wird bemängelt und ihm eine Tendenz unterge­schoben, während er lediglich in Ausführung eines Reichs­tagsbeschlusses Informationen anmelden soll, ohne auch nur im entferntesten eine Direktive für die Art der Beant­wortung zu geben. Allen diesen Angriffen gegenüber ist zu wiederholen, daß nicht ein einzelner Minister, selbst nicht der Finanzminister, welchem die Bearbeitung der Steuerreform in erster Linie zufällt, in Preußen eine eigene Wirtschaftspolitik treiben kann, sondern daß dazu nur daö Staatsministerium in seiner Einheit befugt ist. Davon abgesehen liegt augenblicklich der Hebel der steuer­politischen Reformen im Reiche, dessen Einnahme-Ueber- schüffe die Vorraussetzung der in den Einzelstaaten ange­strebten Steuerleichterung sind. Die Grundzüge des Steuer­programms, welche das preußische.Staatsministerium zur Geltung bringen möchte, hat der Reichskanzler bekanntlich wiederholt entwickelt. Einen einzelnen Ressortminister zu beschuldigen, daß er der Ausführung dieses Programms im Wege stehe, wäre ebenso lächerlich, als ihn anzuklagen, daß er die entgegenstehenden Hindernisse, welche wesentlich in der Abstimmung des Reichstages bisher gelegen haben, mit seinen alleinigen Kräften nicht beseitigt habe. — Was die Reichöbank betrifft, so beruht sie auf lang bewährten gesetzlichen Grundlagen, die aus jder Organisation der früheren preußischen Staatsbank herübcrgenommen sind. Daß eö im Interesse der Landwirtschaft läge, etwa zu dem früheren unbeschränkten Zettelbankwesen und seiner Papiergeld-Ueberschwemmung zurückzukehren, verrät einen starken Mangel gesunder Einsicht und hinsichtlich der Be­schränkung der allgemeinen Wechselfähigkeit endlich hat weder das Staatsministerium als solches noch ein einzelner Minister zu dieser Frage bisher Stellung genommen. Zur Zeit wird lediglich Material zur Information gesammelt. Die Maßlosigkeit, mit welcher die „Deutsche Landesztg." die landwirtschaftlichen Interessen, die berechtigten, wie die velin intlichen vertritt, kann für diese Interessen nur von großem Nachteil fein. Einmal werden die Kreise der Landwirte zu übertriebenen Hoffnungen und Ansprüchen aufgestachelt, deren notwendige Nichterfüllung die Unzu­friedenheit in diese gut gesinnten Kreise trägt; dann aber wird notwendig, die gesammte nicht landbautreibende Be­völkerung mißtrauisch gegen Ansprüche, die in solcher Weise geltend gemacht werden.

Köln, 9. September. Gestern begab sich eine Depu­tation in Angelegenheit deö Hierselbst bei der Dom mufeier aufzusührenden historischen Festzuges nach Düffeltors zu Herrn Professor Camphausen. Derselbe nahm de Idee, welche ihm des Nähern auseinandergesetzt wurde, sehr freudig auf und versprach, das Projekt bis zum kommenden Freitag auszuarbeitcn. Die Zeit bis zum 15. Oktober fand er zur Ausführung des Zuges zwar sehr kurz, jedoch sprach er die Ansicht aus, daß derselbe, wenn in Köln das erforderliche Interesse gefunden werde, dennoch in präch­tigster Weise zu Stande zu bringen sei: imposanter und großartiger noch als der, welcher jüngst in Brüssel in Szene gesetzt worden. Herr Camphausen wird unter Hin­zuziehung anderer Düsseldorfer Künstler die Leitung deö Ganzen übernehmen. — Im Fränkischen Hofe fand gestern Abend in Angelegenheit deö Dombaufestes eine von der Centrumspartei zahlreich besuchte Versammlung statt. Den Vorsitz führte der Landtagsabgcordnete Eduard Fuchs von hier. Es wurden die nachstehenden Resolutionen gefaßt: „Die im Fränkischen Hofe versammelten katholischen Bürger Kölns begrüßen mit aufrichtiger Freude das so lange er­

sehnte Ereignis der Vollendung des Domes, des herrlichsten Gotteshauses auf deutscher Erde. Gleichzeitig sprechen sie allen denen, welche durch Rat und Thal das große Werk hochstnnig gefördert und seinem endlichen Abschluß entgegen­geführt haben, ihren wärmsten Dank aus. Aufs Tiefste aber bedauern dieselben, mit dem hochwürdigsten Domkapitel, daß die Feier der Vollendung des Domes in eine Zeit fällt, wo der unselige kirchliche Conflikt, welcher den Or­ganismus unserer heiligen Kirche im Staate Preußen zum großen Teil zerstört, welcher namentlich unsere Erzdiözese mit Ruinen bedeckt und unseren rechtmäßigen Oberhirten an der Ausübung seines Amtes seit Jahren verhindert hat, im Wesentlichen und ohne Aussicht auf eine baldige Beendigung fortdauert. Von Trauer über diese Verhält­nisse erfüllt, spricht die Versammlung zwar die Erwartung aus, daß die katholischen Bürger Kölns an dem vom Me­tropolitan-Domkapitel angeordneten Dankgottesdienste eifrig sich beteiligen werden, erkennt jedoch im Uebrigen in einer würdigen Zurückhaltung daS den Katholiken durch die Umstände auferlegte Verhalten."

Hauuover, 10. September. Auf Einladung des Herrn von Bennigsen versammelten sich gestern Abend 8 Uhr in „Kastens Hotel" eine Anzahl angesehener Bürger unserer Stadt, unter ihnen Beamte Kaufleute, Industrielle, sämmtliche hier wohnende Abgeordneten, die Herren Senator Dr. Schläger, Hornemann, Laporte, zu einer vertraulichen Besprechung über die liberale Parteibewegung. Die Ver­sammlung sprach sich einstimmig gegen die Secession aus, in welcher sie einen, die liberalen Interessen tief schädigen­den Vorgang erblicken mußte. Sie beschloß über die An­gelegenheit auch die Stimme des Landes zu hören und die nationalgesinnten Elemente der Provinz auf nächsten Sonn­tag über acht Tage zu einer allgemeinen Versammlung einzuladen.

Nürnberg, 11. September. Die Handels- und Ge­werbekammer für Mittelfranken beschloß, dem „Fränk. Kurier" zufolge, einstimmig, in einem Schreiben an das Ministerium sich gegen jede Beschränkung der Wechselfähig­keit auszusprechen.

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Wiktt, 11. Septbr. Die „Polit. Corresp." meldet aus London^ das britische Cabinet habe die Mitteilung er­halten, daß der Fürst von Montenegro unter der Bedingung auf Dinosch und Grudo verzichte, wenn die Pforte Dul- cigno friedlich und förmlich übergeben würde.

Lemberg, 11. Septbr. Kaiser Franz Joseph traf heute hier ein und hat unter Glockengeläute, Ehrensalven und enthusiastischen Kundgebungen der Bevölkerung seinen Einzug in die Stadt g halten.

Paris, 11. Septbr. In dem Antwortschreiben Devös', des Präsidenten der republikanischen Linken, an den Vice­präsidenten Guichart, lehnt es Ersterer ab, seine Partei­gruppe zu dem bekannten Zwecke zu berufen. Er sagt, letztere dürfe ihre Verantwortlichkeit nickt an die Stelle derjenigen der Regierung setzen. An der Regierung sei es, den nationalen, durch die Abstimmung der Kammern zum Ausdruck gelangten Willen zu befolgen. Wenn die Kammern wieder. beisammen seien, würden sie ihr wohlbewogenes Urteil über die alsdann endgültigen Handlungen des Cabinets abgeben. „Bis dahin müssen wir uns darauf beschränken, ihm unsere individuellen Auffassungen zu erkennen zu geben". — Der Conseil Präsident Freycinet hat auf den 18. d. M. einen Cabinetsrat zusammenberufen. Derselbe soll über die Frage der Congregationen entscheiden. Der Präsident der Republik wird den Vorsitz führen. — Die „Agence Havas" meldet aus Ragusa von heute: Albanesische Frei­willige verließen auf einen Augenblick ihre Positionen, wo­rauf diese von regulären türkischen Truppen besetzt wurden. Die Freiwilligen wollten die Positionen wieder einnehmen, wurden aber zurückgewiesen, wobei einige derselben verwundet wurden.

Loudon, 11. Septbr. Die „Times" sagt, indem sie die Gerüchte in Betreff des angeblichen Separatvorgehens Rußlands und Englands int Orient erwähnt, es existiere nicht allein keinerlei Grund, ein solches Verfahren seitens Englands zu erwarten, sondern es sei der stärkste Grund vorhanden, es als unmöglich zn erklären. — Gladstone begibt sich heute nach Hawarden, wo er wahrscheinlich bis zum November verweilen wird. Derselbe hat an seine Wähler in Mdlothian ein Schreiben gerichtet, um für die allgemeine Teilnahme während seiner Krankheit zu danken und zu erklären, daß er die active regelmäßige Leitung der Geschäfte wieder übernommen habe. — Das Reuter'sche Bureau meldet aus Konstantinopel: Die Flottendemonstra­tion sei auf einige Tage vertagt, da die Botschafter den guten Willen der Pforte und die Schwierigkeiten bei der Uebergabe von Dulcigno berücksichtigen wollten.

Bukarest, 11. Septbr. Zwischen Paschkani und Ro­man in der Moldau wird in der zweiten Hälfte des Sep­tembers eine Division zusammengezogen, deren Hebungen Fürst Karl gleich nach seiner Rückkehr inspicieren wird.

Konstantinopel, 11. Septbr. Riza Pascha versammelte die Notabeln von Dulcigno und legte denselben die Not­wendigkeit der Ausantwortung Dulcignos an Montenegro dar. Derselbe teilte ihnen außerdem mit, daß der Sultan die Ausgaben der albaneflschen Führer für die Befestigung aus eigenen Mitteln zurückerstatte.

Ragusa, 10. Septbr. Nachrichten aus Albanien zufolge lagerten drei Bataillone regulärer Truppen, welche von Skutari kamen, letzte Nacht bei Dulcigno. In der Stadt herrscht große Auflegung. Die Liga hielt in Skutari eine