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gtr. 205.

Marburg, Mittwoch, 1. September 1880.

XV. Z-Hrg-I-

atueigen nimmt cmgegen; He Expedition d.vlatte», fomie d-Annoncen-Bureaux von Dietrich & To. in jkasiel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haascnstein L Vogler in ffrankfurt a M., Berlin, g»(pzig, Tölu rc.; Rudolf »iofie in Berlin, Frank­furt a.Ul. re.

WrWschc Jfitiiiiij.

Anzeigen nimmt entgegen dir Expedition d. Blatter sowie d- Annoncen-Bureauk von 0. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jiger'sche Buchhandlung daseldü; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendauk in Berlin: W- ThieveS in «brrfeld: C. Schlotte in Bremen.

Trip eint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJstUstrirte» LonutagSdlatt durch die Expedition (Koch fche * Auchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S Mark 50 Pf«. (erd. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

FLr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden Ä5 Pf«, berechnet.

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Zur deutschen Auswauderuug.

III.

Zwar qibt es auch berechtigte Gründe für den Wunsch zur Auswanderung, wie z. B. die Sehnsucht nach Erlan­gung eines eigenen Grundeigentums, die an manchen Orten des Heimatlandes nur schwer gestillt werden kann; aber dieser Grund wird wohl nur in sehr beschränktem Maße die Quelle der Auswanderung sein; denn diejenigen die in Deutschland wegen eines Dienst- oder Hörigkeitsverhält­nisses kein Grundeigentum erwerben können, sind meist nicht so bemittelt, daß sie nach Bezahlung der Reisekosten nach und in Amerika noch so viel übrig behalten, um in dem fremden Lande ein Grundstück zu kaufen; meist sind die Auswandernden solche Leute, die hier schon Grundeigentum besaßen und es verkaufen, um in Amerika ein anderes zu erwerben. Diese Leute sind gewöhnlich durch Brief« der vor ihnen in die neue Welt Ausgewanderten verlockt oder sie sind durch gefchäftsgewandte Agenten bethört, die ihnen vorreden, wie billig sie da drüben Land kaufen können, die ihnen das Glück ausmalen, wie fchön eS sei, zweimal im Fahre zu ernten und keine Abgaben zahlen zu müssen. Aber die Briefe der Verwandten, welche sich mit Mühe und Not, mit Sorge und Kummer durch die erste, von allerlei Fährlichkeiten begleitete Zeit der Urbarmachung des BodenS und der Gründung geordneter Verhältnisse hln- durchgerungen haben, erzählen gar wenig von diesen Sorgen und Mühen und Fährlichkeiten Die Agenten sagen mchtS von der häufig vorkommcnden Wertlosigkeit des Landes, einer Wertlosigkeit, die ihren Grund teils in der Beschaffen­heit des Bodens, teils in den Wasserverhältnissen, teils in dem Fehlen brauchbarer Kommunikationen hat; sie sagen nichts von der beängstigenden Einsamkeit und Hilfelosekeit der ersten Anbauer, die ohne all die vielen kleinen Notbe-

TageSbericht.

DerNordd. Allg. Ztg." zufolge richtete der Kaiser anläßlich des WittelsbachjubiläumS folgendes Telegramm an den König von Bayern: Ew. Majestät feiern heute einen zweifachen Erinnerungstag, den Ihrer Geburt und den 700jährigen Iubiläumstag der Wittelsbacher Dynastie. Die Vorsehung, welche Ew. Majestät noch fernere Jahre gnädig segnen und schützen wolle, begnadigt Sie sichtlich, Sie den hohen, fast einzig in der Geschichte dastehenden Iubiläumstag erleben zu lassen. Die Geschicke Deutsch­lands, so wechselvoll sie in dem so langen Zeitraum auch sein mußten, sind immer mit der Geschichte der Wittels­bacher verbunden, wie in neuester Zeit durch Ew. Majestät erneuert in den Vordergrund getreten und in herzlicher Dankbarkeit erkennt Ew. Majestät treu ergebener Vetter, Bruder und Freund Wilhelm. Der König von Bayern antwortete hierauf: Ew. Majestät spreche Ich für Ihr fo freundschaftliches und gütiges Glückwunschtelegramm aus Anlaß Meines heutigen Doppelfestes und des 700jährigen Jubiläumsfestes Meines Hauses Meinen tiefinnigsten Dank aus dem Grunde Meines Herzens aus. Ew. Majestät treu ergebener Vetter, Bruder und Freund Ludwig.

Der König von Griechenland und der Großherzog von Hessen werden am 9. September zum Manöver in Berlin erwartet.

Der Kaiser gefangen.

Noch erbebt vom Donner der Schlachten das Ohr Da bricht ein Freudenschrei hervor, AuS tausend Kehlen ergangen; .

Wie ein Blitzstrahl wandert baS zündende Wort Von Mund zu Mund durch die Reihen fort: Der Kaiser, der Kaiser gefangen.

Da fchwellen die Herzen, eS hebt sich die Brust I Und begeistert, deS herrlichen Sieges bewußt, Erglühen die Augen unv Wangen;

Viktoria I donnert's zum Himmel empor, Und die Helden verkünden'S in brausendem Chor: Der Kaiser, der Kaiser gefangen.

Und vom blutigen Felde eS wiederhallt, Und sie richten sich auf mit Riesengewalt, Die da sterbend am Boden rangen, Nach den Brüdern blickt daS verklärte Gesicht, Und sie jubeln laut bis das Auge bricht: Der Kaiser, der Kaiser gefangen.

Durch Deutschland zuckt eS und zündet eS schnell, Die Herzen, die Fenster werden hell, Die Siegesfahnen prangen; .

In den Armen liegen sich Freund und Femd: Der Freudenschrei hat die Stimmen vereint: Der Kaiser, der Kaiser gefangen.

All-Deutschland, wie bist Du herrlich und stark O, möge doch ewig die heilige Mark

Bestellungen für den Monat September auf die

Dberhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

MrrstrirteS Sonntagsblatt bitten wir baldigst bei den Postanstalten machen zu wollen.

g** Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

AM- Anfang Septemder beginnt im Feuilleton eine Original-ErzählungVerwaist" von Clara Wald­heim und im Illustrierten Sonntagöblatt:Rur ein Caaot" historische Erzählung von Franz Eugen.

B 9 Die Ex-ed. 6. Oberh. Zeitung.

Unter dem 13. d. Mts. hat der Reichskanzler (in Ver­tretung Fürst Hohenlohe) eine Telegraphenordnung für das deutsche Reich erlassen, welche bereits am 1. Oktober d. IS. ins Leben treten soll, 30 Paragraphen umfaßt und im wesentlichen alle bestehenden Bestimmungen codificiert. Im §. 1 der Verordnung heißt es:Privattelegramme, deren Inhalt gegen die Gesetze verstößt oder aus Rücksichten deS öffentlichen Wohles oder der Sittlichkeit für unzulässig erachtet wird, werden zurückgcwiesen. Die Entscheidung über die Zulässigkeit deS Inhalts steht dem Vorsteher der Aufgabe-Anstalt, bezw. der Zwischen- oder Ankunfts-Anstalt oder dessen Vertreter, in zweiter Instanz der dieser Anstalt vorgesetzten Oberpostdirektion und in letzter Instanz dem ReichSpostamte zu, gegen dessen Entscheidung eine Berufung nicht stattfindet. Bei Staatstelegrammen steht den Tele- graphen-Anstalten eine Prüfung der Zulässigkeit deS In­halts nicht zu." Ferner sei noch erwähnt die Einteilung der Telegramme (§. 5), wonach folgende Gattungen vor­kommen : StaatStclegramme, Telegraphendiensttelegramme, dringende und gewöhnliche Privattelegramme. In Bezug auf die Abfassung der Telegramme sind zu unterscheiden Telegrammein offener, verabredeter und chiffrierter Sprache". Bei Telegrammen in verabredeter Sprache nach einem Wörterbuche kann die Aufgabe-Anstalt dessen Vorlegung

war, sollte in der Absicht, der Hochbergischen Linie des großherzoglichen Hauses zur Nachfolge zu verhelfen, daS tot­kranke Kind armer Eltern unterschoben worden sein, während

man ihn selbst fremden Leuten zur Erziehung übergab. Bekannt ist, daß Hauser am 14. Dezember 1833 blutüber­strömt in das Zimmer seines Lehrers Meyer stürzte, daß er erzählte, ein Unbekannter habe ihm im Hofgarten am Uz'schen Denkmal einen Dolchstich in die Brust versetzt, und daß er am 17. Dezember ohne harten Todcskampf starb, ohne daß die mit ihm vorgenommenen drei Verhöre etwas zu Tage gefördert hätten, was Licht über den geheimnisvollen , Vorfall hätte verbreiten können.

Viele freilich neigen sich der Ansicht zu, Hauser habe sich selbst getötet und sei überhaupt ein Betrüger gewesen. Diese Ansicht äußerte zuerst der Polizeirat Merkel in Berlin, auch Graf Stanhope schloß sich ihr an, und Hausers letzter Erzieher, der Lehrer Meyer, scheint dieselbe ebenfalls geteilt zu haben, wie aus seinen hinterlassenen Aufzeichnungen hervorgeht. Ganz entschieden vertritt dessen Sohn, der er­wähnte Dr. Julius Meyer, königl. bayrischer Bezirksgerichts- Assessor in Ansbach, diese Meinung in seinem angeführten, umfangreichen Buche. Als Hauptargument gegen diese : Auffassung wird dagegen meist vorgebracht, eine Verstellung, solcher Art ist einfach nicht denkbar. Namentlich Haufew» 1 Vormund, der Freiherr von Tücher, erklärte einen solchen > Betrug als ein unbegreifliches Wunder, da man den Be- i trüget nicht nur mit den eminentesten Geistesanlagen, wie t solche kaum dem höchst Gebildeten eigen seien, sondern auch : mit einer außerordentlichen, dem vollendetsten dramatischen : Künstler ihn gleichstellenden Gabe der Simulation ausge- | stattet, sich denken müsse. Diese Bedenken sucht Meyer i vor Allem durch ein höchst denkwürdiges Analogon zu -

helfe des heimatlichen Dorfes oder der heimatlichen Stadt, ohne ärztlichen Beistand, ohne Schul« und Kirche sich selber und der Kunst, sich ohne alle Hilfsmittel zurecht zu helfen, überlasten sind, höchstens umschwärmt von gewissen­losen Händlern, die den Einwandern nachziehen, um ihnen die letzten Groschen, die noch nicht auf der Reise drauf gegangen sind, für allerlei unentbehrliche Bedürfnisse, welche die Reisenden nicht mitbringen konnten, abzuzapfen; die Agenten sagen nichts davon, daß da, wo man zweimal erntet, die dritte und vierte und wohl auch die fünfte Ernte oft ausfällt wegen der Dürre oder wegen mächtig verheerender Unwetter, daß man in den gesegneten Gegenden zweimaliger Ernte häufig mit dem gefährlichsten Getier und mit allerlei Ungeziefer zu kämpfen hat, welches einem den Aufenthalt daselbst sehr verleidet, daß ferner auch in Amerika oft großes Viehsterben eintritt, wenn wochenlang« Dürre und bösartige Dünste herrschen; sie jagen nichts davon, daß da, wo man keine Abgaben an die Regierung zahlt, auch teilt Schutz und feine Sorgfalt in irgend einer Beziehung der Bevölkerung gewährt wird, daß die Regie­rung keine Straßen anlegt, keine Flüste reguliert, keine Brücken baut, keine Post unterhält, keine Kirchen baut und keine Schulen einrichtet, sondern alles und jedes der Privat- thätigkeit überläßt. Diese Privatthätigkeit kann .zwar, wenn di« Not die Lehrmeisterin ist und das Bedürfnis und die geschickte Findigkeit die rechten Handlanger find und wenn große Energie vorhanden ist, recht Großes wirken; aber immerhin bedarf einer geraumen Zeit dazu und während dieser Zeit des Werdens, des Pflanzens und des Wachsens gehen viele, aufgerieben von der Härte des neuen Zustandes, schlafen, die in der Heimat unter den altgewohnten, wenn auch beschränkten und dürftigen Verhältnissen, hätten noch lange leben können. O es liegen schon gar viel« Auswanderer da drüben unter dem grünen Rasen, die wegen Mangels ärztlicher Hilfe gestorben sind und die vor ihrem Tode schmerzlich den letzten Bei­stand eines Geistlichen vermißt haben, und so manch« Mutter sah ihr Kind sterben mit dem tieftraurigen Ge­danken, daß, wäre sie in ihrem heimatlichen Dorfe geblieben, ihrem Kinde durch ärztliche Hilfe das Leben erhalten wor­den wäre. So mancher Mann sieht sein treues Weib, das ihm folgte in alle Not und Gefahr, gar manche Frau ihren Manu dahin sinken und st« mußten die treuen Ge­fährten des Lebens betten in einem zusammengenagelten Kasten im einsamen Grabe ohne Sang und Klang, ohne das Läuten der Sterbeglocke, die sie im Heimatöorte zu hören gewohnt waren, ja ohne das Trostwort eines Dieners deS HEtrn und ohne Klage der fernen Verwandten. In solchen bangen und verzweiflungsvollen Stunden wird es sicherlich den armen Menschen Hat geworden sein, was di« Heimat zu bedeuten und wckchm Wert das Vater­land hat. '_______________

Ein Band der Treu« umfangen!

Ein einzig Volk, ein deutscher Rhein, Und der soll Deutschlands Schirmherr fein, Der den fränkischen Kaiser gefangen!

Brentano.

Ein Rätsel unseres Jahrhunderts.

In der Allgemeinen deutschen Ciiminal-Zeiturrg (Leipzig, Verlag deS Hausfreundes) finden wir einen Aufsatz aus ter Feder Hans Srtndelins, der arch für urrferr Leser von Interesse sein dürfte, weshalb wir denselben im AuSzuge hier mitteilen.

Di« nächsten Monate werden uns vielleicht noch die Lösung eines Rätsels bringen, nelcheS zu Anfang der dreißiger Jahr« dieses Jahrhunderts die Gemüter ganz Deutschlands, ja man kann sagen in ganz Europa beschäf­tigte. Bis auf den heutigen Tag hat man sich seit jener Zeit di« Köpf« darüber zerbrochen, dne umfangreiche Litera­tur ist über den Fall entstanden, aber bis heute ist man nur zu dem Resultat gelangt, daß sich bi« Einen für eine Täuschung, die Anderen für ein Verbrechen aussprachen; die Richtigkeit der einen oder der arteten Ansicht ist bisher jedoch nicht erwiesen. DaS Rätsel, welches wir meinen, ist Kaspar Hauser. ,

Ohne auf die in der CriminalZeitung ausführlich ge­schildert« Geschichte seines Lebens fier näher einzugehen, erwähnen wir nur, daß Hauset bin hervorragenden Per­sönlichkeiten (rote Feuerbach) für den ältesten Sohn des Großhetzogs Karl Ludwig Friedrich und der Adoptivtochter Napoleons I., der Prinzessin Stephanie Luise Adrienne Napoleon gehalten würbe. Diesem Prinzen, welcher nach allgemeiner Annahme bald nach seiner Geburt gestorben