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XV. )-hkMg

Marburg, Dienstag, 31. August 1880.

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Spitze der Kommandeur, Oberst v. Derenthall, und Frau von Derenthall, die Kommandeure der 1. Garde-Jnfanterie- Brtgade und Garde-Jnsanterie-Division, General v. Bron- sart und General v. Kleist. Dann kam vom Neuen Palais herüber die Frau Kronprinzessin, die zu den Damen deS Regiments gehört, da der Kronprinz ü la suite desselben steht, ebenso wie Ihre Majestät die Kaiserin, da der Kaiser Chef deS Regiments ist. Oberst v. Derenthall und Frau v. Derenthall empfingen die hohe Frau und geleiteten fie in den Kreis der Offiziere und Damen, von denen die meisten ihr persönlich bekannt waren. Dann stellte sich das Offizier- korps auf dem schmalen Wege von der Straße bis an den Schießstand in zwei Gliedern auf, nicht nach Rang, sondern nach Militärmaß. Ein Eichenblatt an der Militärmütze war die Auszeichnung für Diejenigen, welche schon ein Adlerschießen mitgemacht hatten. Gegen 6 Uhr erschien Se. Majestät der Kaiser und König in offenem Wagen, begleitet vom Flügel-Adjutanten Oberstlieutenant v. Linde- quist. Nachdem der Kaiserliche Herr, vom Obersten von Derenthall empfangen, ausgestiegen war, kommandierte der Oberst „Gewehr auf. Achtung! Piäsentiert'S Gewehr! Der Kaiserliche Chef deS Regiments fchritt mit den An­zeichen innigen Wohlgefallens die Front hinab. Die gute Laune des obersten Kriegsherrn zeigte sich in heiteren Be­merkungen über Haltung und Aussehen der in Front stehen­den Offiziere. Dann kommandierte der Kaiser: Achtung! Gewehr auf Schulter! Gewehr ab! Wegtreten l

Den ersten Schuß nach dem Ziele that der Kaiser, dann folgten die übrigen Offiziere je nachdem sie das Los traf. Während des Schießens erschim Ihre Majestät die Kaiserin und Königin in offenem vierspännigen Wagen in Begleitung der Palastdame Gräfin Oriolla. Der Komman­

waren verscheucht und mit der Stegesnachricht von Sedan grub sich zugleich die Gewißheit in die Seele des ganzen Volkes: Nun ist auch das heiß ersehnte Ziel deutscher Einigung erreicht — nun bekommen wir wieder einen Kaiser und werden wieder ein Volk von Brüdern!

Wenn auch erst später der König von Baiern in hoch­herzigem deutschen Sinne aussprach, was alle Herzen er­füllte, so war der Gedanke selbst am Tage von Sedan ge­boren und das „Nun danket alle Gott!" welches am Abende des glorreichen Siegestages auf der ganzen großen Linie der deutschen Armee wie aus einem Munde gewaltig erscholl, bildete den Höhepunkt dieser großen Wendung durch Gotte« Fügung! Und dieses Kaiserwort muß immerdar die Seele der Festfeier am Sedantage bleiben, wenn dieselbe zu einem Segen für das deutsche Volk wer- soll. Nicht eitles selbstgefälliges Rühmen und Prahlen, nicht Geringschätzung der anderen Völker, nicht Kriegslust und Völkerhaß sollen an diesem Tage gepflanzt und ge- pflegt werden, sondem der hohe edle Sinn, dem alle Dinge geadelt und geweiht find durch die Hand Gottes, aus der sie kommen, die echte Vaterlandsliebe, der rechte Stolz und die wahre Freude an der Größe und Macht des Vater­landes und der Nation, wie an der großen Geschichte der­selben sollen durch die Feier des Tages in den Herzen der Jugend peflegt werden. Dann wird er ein Tag deS Segens sein für die Nation.

Zehn Jahre sind bereits verflossen, wie ein Schatten sind sie vor unseren Augen vorüber gepflogen —und doch wie vieles haben wir in denselben erlebt! Die deutsche Einheit, das Reich, das uns Gott wieder geschenkt hat, ist errichtet und ausgebaut — der deutsche Name ist wieder geachtet unter den Völkern der Erde und eine deutsche Flotte ist bereit, das deutsche Ansehen auch in den fernsten Ländern im Verkehr der Nationen aufrecht zu erhalten, uud wir brauchen nicht mehr von der Gunst und Gnade anderer Völker uns Schutz zu erbitten, wenn wir in der Fremde find. Wer wäre ein Deutscher und sollte sich nicht darüber freuen! Aber eö haben sich auch bereits dunkle Schatten über dGs Gebäude des deutschen Reiches gelegt. Wie rasch war der herrliche Aufschwung idealen patriotischen Sinnes verflogen, der 1870 und 1871 alle Herzen beseelte — und eine Zeit widerwärtigsten Strebens nach Geld und Genuß, ein Tanz ums goldene Kalb an seine Stelle ge­treten, vor dem wir am liebsten die Augen verhüllen möchten! — Wie hat diese unheilvolle Zeit unseren ganzen Gewerbebetrieb aus seinen soliden Bahnen hinausgeworfen, wie hat eine Schaar Gewinnsüchtiger mit dem Vermögen der Nation in gewiffenloser Weise gespielt, wie hat man die Begriffe von Recht und Unrecht verwirrt und somit zu dem wirtschaftlichen Verderben das fittliche hinzugefügt. Wie die Zeit des Kulturkampfes mit ihrer Verhetzung des Volkes gegen Kirche und Religion vieles Verderben vermehrt

Das Adlerschiekeu des 1. Garde-Regiments in Potsdam.

„Saure Wochen - frohe Feste.« ES ist kein leichter Dienst für die Mannschaften, wie für die Offiziere, tag­täglich zu allen Stunden von Potsdam durch alle Ungunst des Wetters oder im heißen Sonnenbrände den Weg nach den Schießständen des ersten Garde-Regiments zu Fuß zu machen, nach dem Katharinenholz, einer Waldparzelle zwi­schen der Bornimer Chauffce zur Rechten, und dem Wege der hinter Sanssouci nach dem Neuen Palais führt zur Linken. Es sind saure Wochen auch Monate, während deren das Katharinenholz von den im strengen Tempo ab­gegebenen Schüssen der Mannschasten wiederhallt. Mit den nahenden Manövern wird es int Holze dann stiller. Nur noch einmal wiederhallt das Dickicht deS Waldes von leb­haftem Büchsenknallen — bei dem Preisschießen, welches die Offiziere des 1. Garde-Regiments z. F. nach Beendigung der Schieß-Ucbungen seit langen Jahren begehen — em frohes Fest nach sauren Wochen, bei dem nur daS Regi­ment im engsten Verbände anwesend ist, allerdings mit seinen Damen, mit seinen direkten Vorgesetzten. Der Schieß- stand, ein kleiner aus Fachwerk gebauter Pavillon, ist von den Mannschaften mit Kränzen und preußischen Fahnen reich geschmückt, die parkähnliche Gartenrampe um den Schießstand bietet dazu allen Spielraum. Ein großes Difizierspcisezelt ist errichtet mit einem wohlauSgestatteten Büffet und hoch oben auf der Stange winkt das Ziel, nach dem sich alle Wünsche und Büchsenläufe richten — der kolossale hölzerne Adler in bunter Bemalung. Mittwoch, den 25. d. Mts., nach 5 Uhr, waren sämtliche Offiziere des Regiments mit ihren Damen erschienen, an ihrer

Seda«.

Zehn Jahre sind in's Land gegangen, feit am 2. Sep­tember die allen unglaublich erscheinende Nachricht durch Deutschland flog: „Der Kaiser Napoleon samt seiner ganzen Armee gefangen.« Es ist, als hörten wir's heute noch, wie einer dem andern die große Siegesbotschaft mitteilte, wie die Glocken von den Türmen sie hinausriefen ins Land, und die Menschen hinein in die Gotteshäuser zu Lob und Dank für den Allmächtigen, der die , Geschicks der Völker leitet — und durch dessen Wendung wir auch diesen Tag feiern dursten; es ist uns, als sehen wir noch die flatternden Fahnen und die fröhlichen Angesichter der Menschen — aber auch das bange Fragen und Seufzen so vieler: Wie viele werden diesen Sieg mit ihrem Blute erkauft haben? Welche Wendung durch GotteS Fügung! schrieb unser Kaiser vom Schlachtselde von Sedan an die Kaiserin. — Und in der That: welche Wendung! DaS stolze übermütige Frankreich mit seinem Kaiser, der so viele Jahre mit den Geschicken der Völker gespielt hatte, auö dessen Neujahrsgrüßen die politischen Sterndeuter die Ge­schicke des kommenden Jahres herauSzulesen sich beflissen, lag als Besiegter zu den Füßen des Königs von Preußen — ein Napoleon überlieferte seinen Degen in die Hand des Sohnes der Königin Luise. Deutschland atmete auf: der Uebermut Frankreichs, der so schwer auf Deutschland gelegen, sich in seine Geschicke gemischt, seine politische Ent­wickelung gehemmt hatte, war gebrochen und an dem Tage von Sedan war durch die einträchtige Kampses- und Blut­genossenschaft aller deutschen Stämme der eiserne Ring ge­schmiedet worden, um welchen die deutsche Kaiserkrone ge­flochten, die auf das Haupt des Siegers von Sedan ge­fetzt werden sollte! Die bösen Reden der Zwietracht

deur Oberst von Derenthall und dessen Frau empfingen die vornehmste Regimentödame und geleiteten sie nach deren Begrüßen mit der Frau Kronprinzessin in den Kreis der Damen. Die Kaiserin nahm einen Platz ein, der ihr verstattete, mit den Frauen und den Offizieren zu sprechen und dabei dem Verlaufe des Preisschießens zu folgen. Es war ein harter Kampf um den Preis. Der Adler war in allen Teilen zerflückt. Der Kaiser selbst hatte mehrere Male geschossen. ES war auf der Stange ein animalisches Wesen übrig geblieben, nach dem man umsonst in der Naturgeschichte gesucht hätte, bis dann lautes Hurrah er­tönte und der Rumpf herniedersank — getroffen von dem Schüsse des Hauptmann von Schlegel. Er hatte den Meisterschuß gethan — er war Schützenkönig. — Ihm fiel der Königspreis zu, ein großer silberner Humpen mit eingelassenen Münzen. Er wurde ihm von der Hand des Kaiserlichen Herrn überreicht. Noch zehn andere Gewinnste wurden verteilt, je nach der Qualität der Schüsse. So war'S gegen 7 Vs Uhr geworden. Ihre Majestät die Kai­serin trat den Rückweg nach Babelsberg an, darauf die Frau Kronprinzessin nach dem Neuen PalaiS. Auf die Einladung des Kommandeurs an den Kaiser, in dem Offizier-Speisezelt einen bescheidenen Imbiß annehmen zu wollen, reichte der Kaiser Frau von Derenthall den Arm und führte sie zu Tische. An seiner linken Seite saß die Gräfin von Rantzau, zunächst die direkten Vorgesetzten deS Regiments und im weiteren Kreise die Offiziere mit ihren Damen. Im Verlaufe deS Soupers trat Hauptmann von Schlegel mit der Befugnis seiner hohen Würde als Schützen­könig an den Hohen §errn und brachte den Toast auf den Kaiser und König als „Chef deS Regimentes und Kriegs­herrn« aus. „Stoßen wir an, Herr Kollege«, erwiderte

und verlieft hat und wie infolge befielt Armut und Ver­brechen sich in erschreckender Weise vermehrt haben, ist be­kannt genug. Wie ein tödlicher Giftwind hatte sich der naturalistische Geist über das deutsche Volk gelagert, bis die Schüsse auf das greife Haupt des Siegers von Sedan — nicht von der Hand eines Franzosen, sondern, wer sollte es glauben, von deutschen Händen — große Kreise aus dem allgemeinen Taumel zur Besinnung wach riefen I Aber die Sirenenstimmen der materialistischen und christentums­feindlichen Presse fahren wieder fort, den Sinn deS deutschen Volkes zu bethören und wir sehen große Kreise wieder in den großen Taumel zurückstnken! Möchte jeder in seinem Kreise dazu beitragen, diesen bösen Geist, der alle edlen Kräfte lähmt und die Nation immer tiefer herabzieht, zu verscheuchen. So''wenig ein Mensch stark und gesund bleiben kann, der von „geschlagener Sahne" und „Wind­beuteln" leben wollte, so wenig kann eine Nation stark und gesund bleiben, wenn sie von oberflächlichen, leichtfertigen Phrasen und windigen Aufklärereien lebt. Die gesunde Speise, welche Menschen und Völker geistig gesund treu, gewissenhaft, fleißig, strebsam und tapfer erhält, ist wahre Gottesfurcht und Frömmigkeit. Wo diese Grundlagen schwinden, da findet man für nichts mehr festen Baugrund. Wie bald kann die Zeit kommen, wo wir das deutsche Reich aufs neue gegen den alten Erbfeind verteidigen müssen. Die letzten Tage haben uns ja gezeigt, wie lebhaft die Re­vanchegedanken die Herzen der einflußreichsten Franzosen erfüllen und wie man jetzt dort mit Stolz und Hoffnungen auf die ungeheuer vermehrte, ganz neu eingerichtete, von jungen, nach Wiederherstellung des französischen KriegSrnhms dürstenden Offizieren geleitete Armee blickt. Wir haben also alle Ursache unser Volk geistig und sittlich gesund, wirtschaftlich leistungsfähig und kriegerisch tüchtig zu erhalten: Möchte das Sedanfest alles zum Bewußtsein bringen und die Gewissen schärfen für die Bekämpfung der wirtschaftlichen Ausbeutung und sittlichen Verlotterung. Ohne die Besiegung dieser inneren Feinde werden wir auch die äußeren nicht überwinden können.

Deutsche» «eich.

Berlin, 28. August. Seine Majestät der Kaiser wohnte heute Vormittag den Truppen-Exercitten auf den Exercierfeldern südlich der Residenz bei. Die 3. Garde- Kavallerte-Brigade unter Generalmajor Freiherr v.Zedlitz- Leipe, bestehend aus dem 1. und 2. Garde-Dragoner- und dem 2. Garde-Ulanen-Regiment, war bereits gegen 7 Uhr auf dem Manöver-Terrain in der Hasenhaide, ebenso die 3. Garde-Jnfanterie-Brigade unter Generalmajor v. Grol- man, bestehend auö dem Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier- Regiment Nr. 1, dem 3. Garde-Grenadier-Negiment Königin Elisabeth und dem Garde-Schützen-Bataillon auf dem Tempel­hofer Felde angetreten. Seine Majestät der Kaiser verließ

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“ Die Gxped. d. Oberh. Zeitung.

an,eigen nimmt entgegen: rSebtttonb.Blatte«, (o®ie d.Ännoncen-Bureaur Mn Th, Dietrich & Co. in »affet und Hannover; Lh. Dietrich in Frankfurt a.M.; iSflofenftein & Bögler in Frankfurt ° M., Berlin, &g, «Sln ic.; Rudolf ffioÄe in Berlin, Frank- furt a. M- ic.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von 0.8- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägerffche Buchhandlung daselbu; Herrnann'fche Buchhandl. daselbst; Kvalidendank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld: 6. Schlotte in

Bremen-

$ Für m der Expedition zu erth eilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Vf», berechnet.