gewisser, sich nach der Abnahme richtender Procentsatz des Erlöses von Herrn Lessing für einen milden Zweck bestimmt werden wird. (T. u. A.)
Kassel, 22 August. Der Vorstand des Kasseler Wahl- xercins der deuischen Fortschrittspartei hat an die Parteigenossen im Regierungsbezirke Kassel eine Einladung zu einem Parteitage für die Provinz Hessen, der am 19. September stattfinden und die Organisation für die nächsten Meichstagswahlen vorbereiten soll, erlassen. Eugen Richter hat seine Anwesenheit bestimmt zugesagt.
Hersfeld, 21. August. Die Wahl des bisherigen Mcevürgermeisters, des Herrn G. Braun jun. zum Bürgermeister unserer Stadt, ist Seitens der Königlichen Regierung bestätigt worden. Man freut sich hier mit nur ganz vereinzelten Ausnahmen über diesen Ausgang der leidigen Angelelegenheit; namentlich gereicht es zu großer Befriedigung, daß die von drei Facultäten fo eifrig und rührig in Scene gesetzte Agitation für einen andern Herrn, dem ja freilich geistige Fähigkeit und Sachkenntniß nicht abzu- fprechen sind, ohne Erfolg geblieben ist. Herr Braun, der bereits formell in fein Amt angewiesen und vereidigt worden, hat schon während der Stellvertretung durch freund- liches humanes Wefen recht schöne Erwartungen und Hoffnungen erweckt, und find wir vollkommen überzeugt, daß hier Niemand mit dem Goethe'schen Osterspaziergänger je zu klagen Veranlafsung haben wird: „Nein, er gefällt mir nicht, der neue Bürgermeister! Nun da er's ist, wird er nur täglich dreister, und für die Stadt, was thut denn er? Wird es nicht alle Tage schlimmer?" (Tgpst.)
Fulda, 23. August. Am Sonntag Abend ist der in der Actiendruckerei beschäftigte Buchdrucker Buet beim Nach- haufegchen aus dem Sommertheater in der städt. Anlage von mehreren Unbekannten überfallen und derart mißhandelt worden, daß er eine erhebliche Kopfwunde, sowie einen Bruch des Fußgelenks erhalten hat und seine Aufnahme im Landkrankenhaus erforderlich wurde. (§. K.)
Hanau, 23. August. In der verflosfenen Woche ist die ehemalige kurfürstliche Silberkammer, die einen Bestandteil des hessischen Fideikommißvermögens bildet, aus dem landgräflichen Schlosse in Fulda, wo sie seit dem 17. Mai 1875 aufbewahrt war, nach Schloß Philippsruhe verbracht worden. Der Wert dieser Silberkammer, über welchen früher fabelhafte Angaben gemacht wurden, soll sich nicht höher als auf 270,000 Mk. belaufen. (H. Z)
Bockcuhetm, 22. August. Der „B. A:" enthält folgendes „Eingesandt": Der Vater des Mädchens, welches am vorigen Samstag, den 14. d. M. ihrem Leben durch Ertränken selbst ein Ende machte, hat bei unterzeichneter Stelle folgende schriftliche Erklärung niedergelegt: „Wenn ich bei der ersten Nachricht von dem Tode meiner Tochter Elisabeth in Aufregung und Verzweiflung zu Aeuße- rungen mich hinreißen ließ, dahingehend, daß die Lehrer des Kindes durch allzu strenge Behandlung desselben sein Ende veranlaßt hätten, so nehme ich diese Äußerungen als jeder Begründung entbehrend hiermit zurück. Bockenheim, 19. August 1880. David Ludwig." Im Interesse der städtischen Schulen und ihrer Lehrer wird diese Erklärung zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Bockenheim, 20. Aug. 1880. Städtische Schulinspektion
Homburg v. H., 22. August. Nach amtlichen Ermittelungen sind in Folge der starken Winterfröste im Amte Homburg v. d. H. zu Grunde gegangen: 6011 Aepfelbäume, 2808 Zwelschenbäume, 111 Birnbäume, 81 Kastanienbäume, 53 Kirschbäume, 9 Nußbäume. Hiervon erleidet die Gemarkung Homburg allein einen Verlust von 1080 und die anliegende Gemarkung Gonzenheim einen solchen von 1070 Stück Aepfelbäumen. Ebenso ungünstig liegen die Verhältnisse in dem benachbarten Amte Usingen. Dort sind zu Grunde gegangen angemeldet: 10,752 Stück Zwetschenbäume, 6287 Aepfelbäume, 670 Birnbäume, 581 Kirschbäume, 112 Nußbäume. (Fr. A.)
vermischtes.
Trier, 22. August. In Bitburg sind in den letzten Tagen unmittelbar vor der Stadt an der nach Trier führenden Landstraße bei Gelegenheit von Fundamentarbeiten eine Anzahl römischer Plattengräber aufgefunden worden. Dieselben enthielten die verbrannten Knochen der Toten entweder in Urnen oder unmittelbar in der Erde liegend, mit der die Gräber angefüllt waren, ferner als Beigaben: Krügelchen, Glasflaschen, Fibeln und Münz n, letztere dem zweiten Jahrhundert nach Christus angehörig. Eine genauere Erforschung dieses Gräberfeldes hat das Provincialmuseum in Trier in die Hand genommen.
— Der General Schramm, längst bekannt als der älteste der Veteranen des ersten Kaiserreichs — er zählt gegenwärtig 91 Jahre und hat schon unter Kleber die ägytische Expedition mitgemacht — wurde auf dem Landsitze Courneuve bei Saint-Denis, den er seit langen Jahren bewohnt, das Opfer eines gemeinen Diebstahls, der sich auf nicht weniger als 600,000 Frcs. beläuft. AIS sein Bedienter ihn am Freitag früh wecken wollte, bemerkte er in dem an das Schlafzimmer anstoßenden Arbeitscabinet des Generals, daß die Möbel geöffnet waren und viele Papiere auf dem Fußboden umherlagen. Der General, hiervon in Kenntniß gesetzt, konstatierte nach eingehender Prüfung, daß man ihm einen Rententitel von 20,000, einen anderen von 6000 FrcS., 4000 Frcs. in Gold, 2000 in Banknoten und etwa 50,000 Frcs. in verschiedenen Aktien und Obligationen entwendet hatte. Die Titel lauten fast sämmtlich auf den Namen. Der Verdacht des Diebstahls fällt auf zwei anständig gekleidete Individuen, welche
man in den letzten Tagen vor der Besitzung des Generals herumlungern sah.
— Praktisches Verfahren der Butterkonservierung. Wirtschaflsrat Smetana gibt nach dem Oestr. landw. Wochenbl. nachstehendes Verfahren an, daß er bereits durch sechs Jahre für seinen Hausbedarf verwendet und daS nach seiner Meinung ein dem Butteröl sehr ähnliches Produkt liefert. Die Butter wird in einen irdenen Hafen gegeben, welcher in ein größeres Gefäß gestellt wird. Der Zwischenraum wird mit kaltem Wasser gefüllt und daS Ganze auf einer Herdplatte erhitzt. Dabei muß mit dem Thermometer genau beobachtet werden, daß die Temperatur nicht viel über 40 Grad Rsaumur steigt, da sonst das Aroma der Butter verloren geht. Der Wasserstand muß durch Nachgießen stets so hoch gehalten werden, daß die Butter im Hafen unter der Wasserfläche bleibt. Nach einer Stunde sinken in der geschmolzenen Butter alle Unreinlichkeiten und Milchbestandteile zu Boden, während sich oben eine ölige Schicht bildet, die durch Abschöpfen nach und nach gewonnen wird, bis nach fünf oder fechs Stunden die Prozedur beendigt ist. Das erhaltene flüssige Produkt wird in gewöhnliche Einstedegläser gefüllt, in welchem sich dasselbe monatelang aufbewahren läßt, ohne im geringsten das Aroma der frischen Butter zu verlieren.
— Ungarische Blätter melden: Eine bekannte Groß- Kanizfaer Schönheit, die während der jünstverflossenen Wahl der eifrigste „Korteß" Jokai's gewesen dürfte wegen dieses ihres Eifers mit dem Strafgerichte in Konflikt geraten. Es wird nämlich gegen sie die Klage erhoben, daß sie einen städtischen Beamten durch einen — Kuß bestochen habe, für Jokai zu stimmen. Da die „Bestechung" vor Zeugen stattgefunden, ist man in Juristenkreisen darauf gespannt, ob jener Paragraph des neuen Strafgesetzes, wonach die Gewährung oder Versprechung irgend eines „Vorteils", an den Wähler mit Gefängnis bis zu 6 Monaten und einer Geldbuße bestraft wird, in diesem Falle zur Anwendung gelangen werde — um so eher, da der Bestochene erklärt haben soll, der für sein Votum erhaltene Vorteil sei ihm mehr als taufend Gulden wert.
XeUfcitaWW Drpr-Ichsm.
Stuttgart, 24. August. Der deutsche Kronprinz ist heute Abend 10 Uhr hier eingetroffen, am Bahnhofe von den Prinzen Wilhelm und August von Württemberg empfangen. Von dem zahlreich versammelten Publikum wurde der Kronprinz auf der Fahrt nach dem Schloß mit begeisterten Zurufen begrüßt.
Wien, 24. August. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel von heute: Den Botschaftern der Mächte ist bereits der Entwurf der neuen Colleklivnote an die Pforte in der griechischen Frage zugegangen.
Paris, 24. August. Die „Rspublique frantzaise" bespricht den gestrigen Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." und äußert sich dahin, es sei unnütz, mit der „Norddeutschen" eine Diskussion über die Rechte Deutschlands auf den Elsaß zu beginnen. Die Rspublique nimmt ferner Akt von den friedlichen Versicherungen Der „Norddeutschen", protestiert aber gegen die Stelle aus dem Artikel der letzteren, welche lautet: nur muß die friedliebende Mehrheit beider Nationen wissen, wer es ist, der Den Frieden heute bedroht. Die „Rspublique" schließt ihre Besprechung mit folgendem Satze: Kein Mann in Frankreich in öffentlicher Stellung sprach seit dem Frankfurter Frieoen etwas aus, was Den gegen die Nation an Der anderen Seite der Vogesen gerichteten entflammten autorisierten Worten gleich käme, wovon Die Tribüne des deutschen Reichstages wider- hallte, fo ost es sich um Erhöhung der Militärausgaben handelte. (S. d. Art. der „Norod. Allg. Ztg." im gestrigen Tagesbericht.)
London, 25. August. Das Oberhaus nahm in zweiter Lesung die Bill bctr. die Haftpflicht der Arbeitgeber an. — Unterhaus. Parnell lenkt die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Beziehungen zwischen Irland und England. Die Verwerfung Der irischen Pächter-Entschädigungsbill seitens des Oberhauses sei ein neuer eclatanter Beweis für die Notwendigkeit eines selbständigen irischen Parlaments. Der Staatssekretär für Irland, Forster, erklärt, die Verwerfung jener Bill sei eine große Calamität. Die Bill sei zum Zwecke der Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung nicht nötig gewesen, aber nötig sei sie, um die Regierung zu verhindern, ungerechte Gesetze durchzuführen. Er fürchte keinen Aufstand, aber es bestehe eine große Gefahr für Personen und Eigentum. Sollten die Grundbesitzer jedoch Ungerechtigkeiten verüben, so werde es nötig sein, im Falle die Regierung Ausnahmegesetze verlange, eine Bill einzubringen, welche bezwecke, solche Ungerechtigkeiten zu verhindern. Die Irländer sollten der Regierung vertrauen, deren einziger Wunsch fei, die Lage Irlands zu verbeffern.
London, 24. August. Meldung des Reuter'schcn Bureaus aus Simla vom heutigen. Die britischen Truppen erlitten bei einem Ausfall aus Kandahar große Verluste; 8 Offiziere und 180 Mann sollen tot, 5 Offiziere verwundet sein. Der Feind unterhält Gewehrseuer gegen die Wälle. General Roberts wird heute in Khelati Gilzai erwartet und dürfte gegen den 29. August bei Kandahar eintreffen.
Der historische Festzn^ beiden Jubiläumsfestlichkeiten
Der „Löwe von Flandern" ist wieder erwacht und hält
seinen trotzigen Umzug durch die alten Straßen der Stadt Brüssel. Die Zünfte und Gilden mit ihren bunten Bannern und Emblemen; die ehrsamen Bürgermeister; die Schöffen und Ratsherren in ihrer mittelalterlichen Tracht; die Handwerker mit aufgestülpten Hemvärmeln; die Ritter und Bannerherren, die mit den Bürgern sich zum Kriegsrate zu vereinigen scheinen — sie ziehen im großen prächtigen Zuge vorbei an den Zunflhäusern und an dem alten herrlichen gothischen Stadthaus, und die Volksführer Eg- mont und Horn blicken herab auf ihre Zeitgenoffen, und wenn sie von ihrem Piedestal herniedersteigen und sich dort unter die Gruppe der Rittersleute und Ratsherren mischen könnten, dann würde man sie so ziemlich an ihrem Platze finden. In der That ein wundervolles und interessantes Schauspiel! Aber doppelt und dreifach ist es für Den, welcher den großen Wiener Festzuz gesehen hat und in der Lage ist, Vergleiche anzustellen mit den Leistungen hier und Dort. Man könnte von Brüssel sowie von Wien behaupten, daß sie von der Geschichte gewissermaßen prädestiniert worden seien zu Tummelfeldern bunter, gehaltreicher Geschehniffe, die zugleich immer neue ober besondere Cultur- Epochen bedeuteten. Nordfiankrcich, Lothringen, Burgund, Brabant, Flandern — das sind die alten historischen Territorien, auf welchen sich ein strebsames, gewissermaßen romantisches Bürgertum entfalten konnte, welches der heutigen hastigen Arbeiter-Generation nicht allein die Wege geebnet und gewiesen hat, sondern sie auch noch zuweilen zwingt, inne zu halten und einen prüfenden Rückblick zu thun. Wien, Nieder- und Oberösterreich, Tyrol in Verbindung mit Ober-Italien, zeigten im Osten ein ähnlich blühendes Leben, und wie im Wiener Festzuge die schönsten Stoffe, Gewaffeu, Handwerkszeuge, Gewebe, Geschmeide deutschen und italienischen Ursprungs waren, so heute im Brüsseler Festzug die meisten wertvollen Objecte französischen und vrabantischen, das heißt niederdeutschen Ursprungs. Das Zusammengehen des ritterlichen Wesens mit dem Bürgerum, das Jueinandergreifen der beiden Klassen, fördert hier wie dort das Gemeinwesen, es fördert die Künste und die edlen Gewerbe. Wenn ich mich nicht täusche, lag der Unterschied der beiden historischen Festzüge des heutigen in Brüssel und jenes in Wien, in diesem verschiedenartigen Ursprung und es müßte noch hinzugefügt werden, daß das prunkende Rittertum im Wiener Festzuge überwog, während im Brüsfeler das Bürgertum Dominierte. Auch das dürfte dem historischen Charakter beider Landschaften entsprechen.
Der Zng formierte sich in der langen Rue Royale- Sainte-Maria und auf dem ausgedehnten Place de la Reine, nahm seinen Weg durch die Rue Royale, Rue Ducale, Place de Palais, Rue de la Regence und über die Boulevards, welche, gleich den Straßen, auf dasPräch- tigte dekoriert und mit Menschen überfüllt waren.
Die Avantgarde bestand aus 40 Reitern; jeder dieser gutberittenen Cavaliere war von einer der alten 40 Cvm- munen Belgiens beigestellt worden und repräsentierte dieselbe im Zuge. Je 10 dieser Reiter repräsentierten wieder einen besonderen Zeitabschnitt, nämlich das dreizehnte, vierzehnte, fünfzehnte und sechszehnte Jahrhundert. Die Ersteren in Waffenröcken aus Tuch, Federhelm, breitem Schlachtschwert, hie Oriflamme in der Faust. Auf der Schulter hatten sie ein Blechzeichen, welches die Gemeinde eines Jeden anzeigt.
Aehnlich sind die Reiter des vierzehnten Jahrhunderts gekleidet; stattlicher wieder Jene des nachfolgenden Jahrhunderts, sie kommen im reichsten Waffenschmuck und auf schwer ausgerüsteten Rossen. Die Bannerträger des sechö- zehnten Jahrhunderts, mehr malerisch als kriegerisch gekleidet, in bunter Dalmatica, mit hohen gelben Stiefeln und gewaltigem Sarraß.
Jetzt folgt langsam und prächtig ein Schwerbewaffneter in Bronce und Stahl vom Kopf bis zum Fuß.
Zwölf Trompeter in weiß-roter Tunica und roten Mützen unter dem Stahlhelm, mit Schnabelschuhen und TricotS. Ihnen folgen 40 Klauwarts bewaffnete Krieger, die in den niederländischen Städtekriegen viel genannt werden. Auf den Hüten und Kleidern haben sie den flandrischen Löwenkopf; sie sind durchaus historisch treu gehalten; in den Brüsseler Gilden hat man noch die Rüstungen und Costümes aus jener Zeit.
Dann kommen die mittelalterlichen Bogenschützen, die SebastianS-Brüder und St. Georgs-Brüder mit Bogen und Armbrust. Sie spielten in den Festen der vergangenen Jahrhunderte eine große Rolle. Der Georgs-Ritter ist in rotem, weitem Gewand mit goldenem Kreuz, der SebastianS- Bruder in weißem Gewand mit rotem Kreuz. Dann kommen die vlämischen Gödendagsträger, die berühmte, furchtbare Waffe der rauflustigen Bürger. Mehrere Standartenträger mit dm Bannern belgischer Städte schließen diese Abteilung.
(Schluß folgt.)
Frankfurt a. M., 25 August. (Mitgetbeilt durch Menke Eichelberg und SohnCreditaktien 249J, nach 249 und —, Staatsbahnaktien 244 nach Silberrente 631 nach —, Ungar. Goldrente 94) nach —, 1860t Loose 124, 1877t Russen 93^ nach — II. Ruff. Otientanleibe 60). Galizier 240i, nach —, Papierrente -.Tendenz: Fest Die Creditaktien sehr fest.
Iwarmer Winter-Schlafrock für Damen in Cheviot, Plaid, Flanell von 15 Mark an. [2346
Frankfurt a. M., 4 Schillerplatz. Gebrüder Hessel.